{"id":9253,"date":"2021-03-08T13:07:37","date_gmt":"2021-03-08T11:07:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9253"},"modified":"2021-03-08T13:10:36","modified_gmt":"2021-03-08T11:10:36","slug":"alfred-hitchcock-band-1-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9253","title":{"rendered":"Alfred Hitchcock, Band 1 (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"288\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock-1_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9254\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock-1_WEB.jpg 288w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock-1_WEB-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>S\u00fcdfrankreich, 1954. Der weltber\u00fchmte Regisseur Alfred Hitchcock dreht seinen neuesten Film \u00fcber einen Juwelendieb. Abends kommt er mit seinen Stars Cary Grant und Grace Kelly ins Plaudern und erz\u00e4hlt ihnen davon, wie er zum Film kam und seinen charakteristischen Stil entwickelte. Schon als kleiner Junge, der im englischen Stamford aufw\u00e4chst, besch\u00e4ftigt sich \u201eFred\u201c lieber damit, seine Mitmenschen zu beobachten und ihre Marotten genau zu analysieren. Er ist fasziniert von Landkarten und Zugfahrpl\u00e4nen \u2013 ganz im Gegenteil zu seinem Bruder, der nach dem fr\u00fchen Tod des Vaters den elterlichen Laden \u00fcbernimmt. In der Jesuitenschule besucht Hitch mehrfach sein Lieblingsmuseum: das Crime Museum of <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2233\" data-type=\"post\" data-id=\"2233\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Scotland Yard<\/a> \u2013 und er beginnt, mehrmals die Woche das Kino zu besuchen. Als die Famous Players Lasky eine Zweigstelle in London er\u00f6ffnen, ergreift Hitchcock seine Chance und steigt als Dekorateur, Maler und Zwischentiteldesigner ins Filmgesch\u00e4ft ein, wo er auch bald seine zuk\u00fcnftige Frau Alma Reville kennenlernt. In den Islington Studios saugt Hitchcock das technische Handwerk des Filmemachens auf, aber seine erste Regiearbeit \u201eNummer 13\u201c ger\u00e4t zu einem geh\u00f6rigen Fehlschlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Hitch l\u00e4sst sich nicht entmutigen, und auch der Produzent Michael Balcon erkennt das Talent des jungen Mannes, der in den Filmen des Starregisseurs Graham Cutts mehr und mehr hinter den Kulissen die F\u00e4den zieht, da Cutts mehr Interesse an jungen Schauspielerinnen als an seiner Arbeit zeigt. 1924 schlie\u00dflich kommt es zu einer entscheidenden Wendung: Balcon schickt Hitchcock nach <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7065\" data-type=\"post\" data-id=\"7065\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Berlin<\/a>, wo er in den weltber\u00fchmten Filmstudios von Babelsberg die seinerzeit f\u00fcr Furore sorgende deutsche Filmkunst aus erster Hand kennenlernen kann. Hitchcock ist zutiefst beeindruckt vom expressiven, ideenreichen deutschen Stil, den er unter anderem am Set von Murnaus \u201eLetztem Mann\u201c fasziniert studiert. F\u00fcr Balcons Partner Erich Pommer realisiert Hitchcock 1925 die Produktion \u201eThe Mountain Eagle\u201c noch unter Graham Cutts, bevor Balcon ihn dann f\u00fcr \u201eThe Pleasure Garden\u201c erstmals selbst im Regiestuhl Platz nehmen l\u00e4sst. Mit \u201eThe Lodger\u201c liefert Hitch 1926 dann ein erstes fr\u00fches Meisterwerk ab, eine finstere Variante der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1217\" data-type=\"post\" data-id=\"1217\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jack the Ripper<\/a>-Story, die Hitch in bester deutscher Manier fast schon als expressionistischen Film inszeniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie am Flie\u00dfband folgen die weiteren Auftragsarbeiten, immer begleitet von Alma, die er mittlerweile geheiratet hat, immer wahnwitzigeren Streichen, mit denen Hitch Stars und Mitarbeiter in den Wahnsinn treibt, der Geburt einer kleinen Tochter, die ihn mit Angst und Schrecken erf\u00fcllt, und einem Wechselbad von gefeierten Erfolgen, die ihn zum bestbezahlten Regisseur Englands machen, und Flops, vor denen selbst er nicht gefeit ist. 1929 schafft Hitch auch die Wende zum Tonfilm: \u201eBlackmail\u201c wird als Stummfilm gedreht und im Nachgang nochmals vertont, \u201eMurder\u201c entsteht 1930 wie damals durchaus \u00fcblich in einer englischen und einer deutschen Fassung. Mit \u201eRich and Strange\u201c muss Hitchcock danach allerdings einen R\u00fcckschlag einstecken, und die Operette \u201eWaltzes from Vienna\u201c endet im kompletten Fiasko. Hitchcocks Karriere scheint 1933 schon beendet, als er beginnt, eine Idee zu einem Abenteuer des Roman-Detektivs Bulldog Drummond zu entwickeln, die schlie\u00dflich als \u201eThe Man Who Knew Too Much\u201c Gestalt annimmt\u2026&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock_Panel-2_Psycho-734x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9256\" width=\"267\" height=\"372\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock_Panel-2_Psycho-734x1024.jpg 734w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock_Panel-2_Psycho-215x300.jpg 215w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock_Panel-2_Psycho-768x1071.jpg 768w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock_Panel-2_Psycho.jpg 791w\" sizes=\"auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Aus der schier un\u00fcberschaubaren Masse von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?tag=graphic-novel\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?tag=graphic-novel\" target=\"_blank\">Graphic Novels<\/a>, die das Leben und Werk ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten nachzeichnet, ragt No\u00ebl Simsolos (der im Metier durchaus bewandert ist, siehe seine Biographie von Sergio Leone) zweib\u00e4ndige Biographie des ber\u00fchmtesten Regisseurs aller Zeiten deutlich heraus. Mit enormem Kenntnisreichtum skizziert Simsolo in Band 1 den ersten Teil von Hitchcocks Karriere, die nach ersten Gehversuchen im Stummfilm bereits alle Markenzeichen des typischen Stils des \u201eMaster of Suspense\u201c entwickelte. Vor allem der Besuch in den Ufa-Studios hinterlie\u00df dabei einen bleibenden Eindruck, den Simsolo hier mit einem Dialog zwischen Hitch und Murnau am Bahnhofs-Set des \u201eLetzten Manns\u201c augenf\u00e4llig macht, als Murnau erkl\u00e4rt: \u201eDie Kulisse ist nicht entscheidend. Wichtig ist, was man auf der Leinwand sieht!\u201c Auch Hitch erkl\u00e4rt in Folge unabl\u00e4ssig: \u201eDas Visuelle ist mein Stil!\u201c, er versucht wie Murnau m\u00f6glichst filmisch zu erz\u00e4hlen und st\u00f6rende Zwischentitel zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutschen Techniken wie expressive Bauten (die er unter anderem im Kunstwald der \u201eNibelungen\u201c, aber auch in der Heideburg aus Arthur von Gerlachs Storm-Verfilmung \u201eZur Chronik von Grieshuus\u201c auf dem Studiogel\u00e4nde in Augenschein nahm), suggestive Kamerafahrten und bedeutungstragende Schnittfolgen integrierte Hitchcock derart in sein eigenes Werk, dass sein Produzent Woolf ihm entgegenschmetterte, dass das Publikum in England derartiges nicht gewohnt sei und er diese teutonische K\u00fcnstelei doch gef\u00e4lligst unterlassen solle \u2013 bis hin zum Versuch, \u201eThe Man Who Knew Too Much\u201c nicht in die Kinos zu bringen, was Balcon durch eine Testvorf\u00fchrung zu verhindern wusste. Schlaglichthaft zeigt Simsolo zentrale Filmszenen in ihrer Entstehung, so etwa den Moment in \u201eMurder\u201c, in dem Sir John vor dem Spiegel dar\u00fcber sinniert, warum er als Geschworener nicht hartn\u00e4ckiger f\u00fcr die Unschuld der beschuldigten Schauspielerin pl\u00e4diert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer aufw\u00e4ndigen Doppelseite zeigt Zeichner Dominique H\u00e9, wie Hitch durch ein Orchester hinter der Filmkulisse und einen im Vorfeld aufgezeichneten, \u00fcber Lautsprecher abgespielten Monolog diese Szene geschickt und wirkungsvoll inszenierte. Durch den Kunstgriff des R\u00fcckblicks, in dem Hitch seinen beiden Stars Grant und Kelly sein Leben berichtet, beleuchtet Simsolo auch die Schattenseiten seines Charakters: Hitch gibt freim\u00fctig zu, ein Voyeur zu sein, der von sexuellen Handlungen zwar weitgehend Abstand nimmt (selbstironisch stellt er fest, dass seine Leibesf\u00fclle dabei hinderlich sei), aber seine bevorzugt blonden Darstellerinnen gerne leicht sadistisch behandelt. Er hat eine <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5100\" data-type=\"post\" data-id=\"5100\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vorliebe f\u00fcr Handschellen<\/a>, was er in \u201eThe 39 Steps\u201c ebenso witzig wie plakativ ausspielt und studiert distanziert alle \u201eFormen der Fleischeslust\u201c, die er in seinen Filmen ungeniert ausbreitet.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock_Panel-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9259\" width=\"375\" height=\"184\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock_Panel-1.jpg 631w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Alfred-Hitchcock_Panel-1-300x148.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Dabei kommt ihm durchaus zu Gute, dass in einer kurzen Phase in den fr\u00fchen 30er Jahren <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9210\" data-type=\"post\" data-id=\"9210\" target=\"_blank\">keinerlei Zensur standfindet<\/a> \u2013 wodurch in \u201eMurder\u201c eine Nahaufnahme von Damenunterw\u00e4sche ebenso m\u00f6glich ist wie ein offen als Transvestit dargestellter Trapezk\u00fcnstler. Vor allem aber ist Hitch fasziniert vom Mord in allen Spielarten &#8211; und er pflegt einen sehr ruppigen Sinn f\u00fcr Humor, unter dem Schauspieler und Mitarbeiter gleicherma\u00dfen leiden. Die strenge katholische Erziehung klingt in Simsolos Reihung von Episoden als Hintergrund f\u00fcr diese Charakterz\u00fcge ebenso an wie der krankhafte Einfluss der Mutter, die nach dem fr\u00fchen Tod des Vaters in eine Depression verfiel und eifers\u00fcchtig \u00fcber den Sohn wachte \u2013 mehr als einmal r\u00fcckt Simsolo und auch die zeichnerische Inszenierung dieses Verh\u00e4ltnis durchaus in die N\u00e4he eines gewissen Motel-Besitzers, der seiner Mutter ebenfalls durchaus zugetan ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit feinem Strich setzt Dominique H\u00e9 diesen Reigen in Szene, wobei die Original-Filmszenen aus \u201eThe Lodger\u201c, \u201eMurder\u201c, \u201eThe Man Who Knew Too Much\u201c und \u201eThe 39 Steps\u201c ebenso gekonnt erscheinen wie Hitchcocks zunehmender K\u00f6rperumfang und die Manierismen seiner Stars (Marlene Dietrich mit arrogantem Blick, Cary Grant mit kaum kaschierten Abseitigkeiten, Grace Kelly als gespielt unterk\u00fchlte Blondine). Somit ein mehr als spannender Abriss des ersten Abschnitts der Karriere des Meisterregisseurs, dessen englische Phase in Teilen deutlich innovativer und spektakul\u00e4rer verlief als die bekannteren sp\u00e4teren Hollywood-Streifen, die zwar in Vistavision und Technicolor erstrahlten, aber die d\u00fcstere Atmosph\u00e4re der Schwarz-Wei\u00df-Filme oft vermissen lassen. Nachdem wir als Publikum wissen, dass es Band 2 gibt, leben wir ganz stilecht in Suspense \u2013 bis Ende des Jahres, wenn es dann mit Teil 2 \u00fcber den gro\u00dfen Teich geht. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/alfred-hitchcock-1-mann-aus-london.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/alfred-hitchcock-1-mann-aus-london.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Alfred Hitchcock, Band 1: Der Mann aus London<\/a><br>Text: No\u00ebl Simsolo<br>Bilder: Dominique H\u00e9<br>160 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>24 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-96219-585-4<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D9253\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9253\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Alfred Hitchcock, Band 1 (Splitter) &raquo; Comicleser #Alfred Hitchcock #Biographie #Der Mann aus [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00fcdfrankreich, 1954. 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