{"id":9132,"date":"2021-01-27T13:10:21","date_gmt":"2021-01-27T11:10:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9132"},"modified":"2021-01-27T13:10:21","modified_gmt":"2021-01-27T11:10:21","slug":"verbrechen-und-strafe-knesebeck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9132","title":{"rendered":"Verbrechen und Strafe (Knesebeck)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"292\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Verbrechen-und-Strafe_WEB.jpg\" alt=\"Verbrechen und Strafe (Knesebeck Verlag)\" class=\"wp-image-9133\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Verbrechen-und-Strafe_WEB.jpg 292w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Verbrechen-und-Strafe_WEB-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Sankt Petersburg zur Mitte des 19. Jahrhunderts: der Jura-Student Rodion Romanowitsch Raskolnikow kommt aus derart prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen, dass er trotz vielversprechendem Start die Universit\u00e4t verlassen muss. W\u00e4hrend seiner kurzen akademischen Karriere hat er allerdings noch einen soziologisch angehauchten Artikel verfasst, demzufolge die Menschheit in zwei Kategorien aufzuteilen sei: neben den \u201egew\u00f6hnlichen\u201c sieht er eine Klasse der \u201eau\u00dfergew\u00f6hnlichen Menschen\u201c, die seiner Ideologie nach von \u00fcberlegenem Wert sind und somit im Zuge einer gr\u00f6\u00dferen Weltordnung durchaus auch Verbrechen begehen d\u00fcrfen &#8211; bis hin zu einem \u201eerlaubten Mord\u201c. Gerade als er sich mit ersten Gedanken in dieser Richtung tr\u00e4gt, erreicht ihn die Botschaft seiner Mutter, dass seine Schwester Dunja plant, den Rechtsanwalt Lushin zu heiraten \u2013 weniger aufgrund echter Zuneigung, sondern eher um der Familie die finanziellen Sorgen zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wertet Raskolnikow als Opfer nicht zuletzt um seinetwillen, was seine Verzweiflung und Radikalisierung immer weiter treibt. In einer Kaschemme lernt er schlie\u00dflich den ehemaligen Beamten Marmeladow kennen, der dem Alkohol verfallen alles Geld durchbringt und seine Tochter Sonja in die Prostitution schickt. Nach einem Besuch bei Marmeladow, bei dem Raskolnikow nicht nur Sonja, sondern auch Marmeladows schwinds\u00fcchtige zweite Frau und ihre drei kleinen Kinder in \u00e4rmlichsten Umst\u00e4nden vorfindet, steht sein Entschluss fest: in einer Mischung aus ideologischen Gr\u00fcnden und Geldnot will er die gierige alte Pfandleiherin Iwanowna umbringen, deren Leben er als wertlos erachtet. Raskolnikows Plan schl\u00e4gt allerdings fehl, da entgegen seiner Annahme auch die g\u00fctige Schwester der Wucherin zu Hause ist, worauf er auch diese mit einer Axt erschl\u00e4gt, um keine Zeugen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einem Beutel voller Wertsachen gelingt ihm tats\u00e4chlich die Flucht, aber nach seiner Tat st\u00fcrzt er, von Gewissensbissen geplagt, in einen Fiebertraum, w\u00e4hrend dessen ihn sein alter Studienfreund Rasumichin gemeinsam mit Raskolnikows mittlerweile angereister Mutter und Schwester gesund pflegt. Fortan f\u00fchlt sich der T\u00e4ter im Gegensatz zu seiner hehren Ideologie ausgeschlossen von der Gesellschaft und ringt mit seinen Schuldgef\u00fchlen. Gleichzeitig macht der Ermittlungsrichter Porfirij keinen Hehl daraus, dass er von Raskolnikows Schuld \u00fcberzeugt ist, auch wenn er ihm die Tat nicht nachweisen kann. So beginnt ein perfides, psychologisches Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem T\u00e4ter und seinem Verfolger\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Was sich Bastien Loukia hier vorgenommen hat, ist nichts weniger als eine Herkules-Aufgabe: unter dem in Frankreich durchaus g\u00e4ngigen Titel \u201eCrime et Ch\u00e1timent\u201c (der dem durchaus vielschichtigen russischen Original wohl ebenso wenig gerecht wird wie der hierzulande bekanntere \u00dcbersetzungsversuch \u201eSchuld und S\u00fchne\u201c) legt er die erste Graphic Novel-Adaption eines der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3316\" data-type=\"post\" data-id=\"3316\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">bekanntesten Werke der Weltliteratur<\/a> vor. Dostojewskis erster gro\u00dfer Roman, erschienen 1866, wurde fast schon un\u00fcberschaubar und mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit in andere Medien \u00fcbertragen: von den fast schon obligatorischen B\u00fchnen- und H\u00f6rspielfassungen kehrte das Material auch wiederholt auf der Leinwand wieder, darunter durchaus bemerkenswerte Exemplare wie \u201eRaskolnikow\u201c aus der Hand des Caligari-Regisseurs Robert Wiene oder eine Version von Josef von Sternberg (\u201eCrime And Punishment\u201c mit Peter Lorre).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte des verarmten Studenten und seiner irregeleiteten Ideologie, aus der Nietzsches \u00dcbermensch (und \u00fcbrigens auch Dostojewskis eigene Erlebnisse) an jeder Ecke gr\u00fc\u00dft, scheint in allen Zeiten Resonanz zu finden, was auch f\u00fcr Loukias k\u00fcnstlerisch ambitionierte Version gilt. Nat\u00fcrlich n\u00e4herte er sich der Vorlage mit dem gebotenen Respekt: \u201eDas Schwierigste, diesen fast 700 Seiten starken Roman zu adaptieren, bestand darin, die st\u00e4rksten Szenen darzustellen und andere auszulassen, den Zugang zur Essenz zu finden, ohne dabei die dramatische und emotionale Kraft des Romans zu opfern.\u201c Diese Aufgabe meistert Loukia fulminant: in eindrucksvollen Episoden schildert er die zunehmende Isolation und schlie\u00dflich die Wandlung des Protagonisten, wobei die Entwicklung schlaglichthaft oft auch in symboltr\u00e4chtiger Inszenierung erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p>In Raskolnikows Alptr\u00e4umen \u00fcber seine Kindheit etwa lehnt sich Loukia bewusst an die Gem\u00e4lde-Serie \u201eNachtmahr\u201c von Johann Heinrich F\u00fcssli an, die Passagen um die traumhafte R\u00fcckkehr an den Tatort gestaltet er ganz im abstrakt-symbolistischen Stil von Kasimir Malewitsch. Auch Nebenfiguren wie Sonja, Raskolinkows Schwester Dunja, die vom Triebt\u00e4ter Swidrigailow umworben wird, und den Untersuchungsrichter Petrowitsch integriert Loukia wirkungsvoll ins Geschehen, womit eine werktreue, aber immer <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4179\" data-type=\"post\" data-id=\"4179\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">mediengerechte Version eines Klassikers<\/a> entsteht, der nach wie vor nichts von seiner d\u00fcsteren Wucht verloren hat. Bei Knesebeck erscheint der Band in gewohnt aufw\u00e4ndiger Aufmachung als 157-seitiges Hardcover. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.knesebeck-verlag.de\/verbrechen_und_strafe\/t-1\/920\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.knesebeck-verlag.de\/verbrechen_und_strafe\/t-1\/920\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Verbrechen und Strafe<\/a><br>Text: Bastien Loukia, nach Fjodor Dostojewski<br>Bilder: Bastien Loukia<br>160 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Knesebeck Verlag<br>25 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-95728-442-6<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D9132\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9132\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Verbrechen und Strafe (Knesebeck) &raquo; Comicleser #Bastien Loukia #Einzelband #Fjodor Dostojews [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sankt Petersburg zur Mitte des 19. 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