{"id":8613,"date":"2020-06-16T12:03:07","date_gmt":"2020-06-16T10:03:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8613"},"modified":"2020-06-16T12:03:07","modified_gmt":"2020-06-16T10:03:07","slug":"they-called-us-enemy-cross-cult","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8613","title":{"rendered":"They called us Enemy (Cross Cult)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"280\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/They-called-us-Enemy_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8614\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/They-called-us-Enemy_WEB.jpg 280w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/They-called-us-Enemy_WEB-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Amerika in den sp\u00e4ten drei\u00dfiger Jahren: der kleine George, benannt nach dem englischen K\u00f6nig Georg VI., lebt mit seiner Familie in Los Angeles. Seine Eltern Norman und Emily betreiben eine gutgehende Textilreinigung, bald darf man mit Henry und Nancy zwei weitere Spr\u00f6sslinge begr\u00fc\u00dfen. So scheint der amerikanische Traum durchaus ungetr\u00fcbt, bis es ein j\u00e4hes Erwachen gibt. George hei\u00dft n\u00e4mlich mit Nachnamen Takei, seine Eltern sind japanischer Abstammung und geraten somit zwischen die Fronten, als die Japaner am 07. Dezember 1941 Pearl Harbor angreifen und die USA kurz darauf in den Krieg eintreten. Schnell kippt die Stimmung gegen die als \u201eJapse\u201c beschimpften Einwanderer, die kurz vorher noch angesehene Mitglieder ihrer Stadtteile waren. Hetzerische B\u00fcrgermeister und Senatoren dr\u00e4ngen Pr\u00e4sident Roosevelt schlie\u00dflich im Februar 1942 zum Erlass der ber\u00fcchtigten \u201eDurchf\u00fchrungsverordnung 9066\u201c. Die besagt nichts anderes als die Enteignung und Deportation aller B\u00fcrger japanischer Abstammung: Konten werden eingefroren, Eigentum konfisziert und die wehrlosen Amerikaner zweiter Klasse in verschiedene \u201eLager\u201c \u00fcbers Land verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Familie Takei kann\nnur das packen, was sie tragen kann (Mutter Takei legt gesteigerten Wert auf\nihre N\u00e4hmaschine), bevor die Familie zuerst ein paar Tage in den Pferdest\u00e4llen\nder \u00f6rtlichen Rennbahn ein\u201cquartiert\u201c wird. Kurz darauf bricht die Reise auf\nnach Arkansas, wo man im \u00f6stlichsten der Internierungslager Camp Rohwer\nabgesetzt wird, wo in den folgenden Jahren bis zu 8500 Landsleute mit\neingesperrt werden. Hinter Stacheldrahtzaun, in mehr als notd\u00fcrftigen H\u00fctten,\nfristet die Familie in gl\u00fchender Hitze ihr Dasein, w\u00e4hrend Vater und Mutter ihr\nBestes tun, um den Kindern zumindest eine Art von Normalit\u00e4t zu geben. Vater\nTakei steigt schnell zum Blockwart und Sprecher der Lagerinsassen auf und kann\neinige Verbesserungen in den Haftbedingungen erwirken. Bald aber f\u00e4llt er in\nUngnade, da er nicht bereit ist, einen Fragebogen zur Zufriedenheit der\nBeh\u00f6rden auszuf\u00fcllen. Mit anderen nicht Linientreuen schickt man die Takeis\nweiter nach Tule Lake in Nordkalifornien, wo sich die Insassen weiter\nradikalisieren \u2013 bis hin zum schicksalhaften Tag, an dem die Amerikaner\nihrerseits Japan angreifen und ein Bomber in Richtung Hiroshima unterwegs ist\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schauspieler, der ma\u00dfgeblich an einem St\u00fcck amerikanischer Popkultur beteiligt war, pr\u00e4sentiert hier auf eindringliche und zutiefst pers\u00f6nliche Art ein d\u00fcsteres Kapitel der US-Geschichte, das erst durch eine offizielle Entschuldigung von Pr\u00e4sident Reagan zumindest zu einem halbwegs vers\u00f6hnlichen Ende kam: die Internierung zehntausender japanisch st\u00e4mmiger Amerikaner im <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6481\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"zweiten Weltkrieg (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">zweiten Weltkrieg<\/a>, die man einsperrte, nur weil ja \u00fcberall der Feind lauern konnte, stellt ein selten thematisiertes Trauma einer ganzen Generation dar, an das sich Alan Parker 1990 im Leinwanddrama \u201eCome And See The Paradise\u201c versuchte. Takeis Beitrag wirkt umso bedr\u00fcckender, als er die Geschichte aus der R\u00fcckschau erz\u00e4hlt und seine Eindr\u00fccke als Kind mit der Realit\u00e4t konfrontiert: der kleine George dachte, alle Menschen fahren ungewollt per Zug ins Unbekannte und nennen das Urlaub. Das Lager erscheint ihm als seine Heimat, hinter dem Zaun vermutet er Monster, bis langsam deutlich wird, dass man schlicht und ergreifend ohne Anklage hinter Gittern sitzt. Die Erz\u00e4hlstruktur ist durchzogen von aktuellen Szenen, so etwa Takeis Auftritt in Kyoto 2014, wo er einem ergriffenen Publikum von seinen Erlebnissen berichtet. <\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig zeigt sich Takei nicht verbittert, sondern immer standhaft in seinem Glauben an die Demokratie und die unermesslichen Chancen Amerikas, die ihm sein Vater immer nahebrachte. So zeigt er sich zutiefst dankbar f\u00fcr die TV-Karriere, die es ihm als Leutnant Hikaru Sulu, Steuermann der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=912\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"USS Enterprise (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">USS Enterprise<\/a>, erm\u00f6glichte, seine Herkunft so stolz zu vertreten, wie ihm dies w\u00fcrdig erschien. Die kurze Episode hierzu, in der Gene Roddenberry ihm 1965 die in Roddenberrys Worten gro\u00df angelegte und gewichtige Rolle des Sulu anbietet, ger\u00e4t dabei ein wenig stilisiert: im ersten Pilotfilm \u201eThe Cage\u201c, den der Sender NBC ablehnte, kam die Figur wie fast alle sp\u00e4ter bekannten Charaktere noch gar nicht vor; erst im zweiten Versuch \u201eWhere No Man Has Gone Before\u201c, den der Sender im gleichen Jahr schlie\u00dflich akzeptierte, versammelten sich die sp\u00e4ter allgegenw\u00e4rtigen Gesichter von Kirk, Scott und eben Sulu &#8211; einzig und allein der seltsame Spock durfte bleiben, weil Roddenberry auf ihm bestand, und Takei selbst hatte in diesem ersten Auftritt (noch als Mitglied der medizinischen Abteilung des Schiffs!) gerade mal einen einzigen Satz aufzusagen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dass allerdings die gesamte\nSerie eine einzige Allegorie auf den amerikanischen Traum Roddenberrys Pr\u00e4gung\nwar, mit einer bis dahin unerh\u00f6rten Versammlung aller menschlichen Rassen und\nmit immer klugen Kommentaren auf Politik und Geschichte, das war Takei, der ab\nFolge 3 die Funktion des Steuermanns \u00fcbernahm, von Anfang an klar. Als immer\neloquentes Sprachrohr verschiedenster Bewegungen nutzte der seit Langem offen\nhomosexuelle Takei seine Popularit\u00e4t sp\u00e4ter (nicht zuletzt mit immer\nlesenswerten Beitr\u00e4gen auf den einschl\u00e4gigen sozialen Medien) gezielt zur\nEtablierung anf\u00e4nglich kontroverser Themen wie gleichgeschlechtlicher\nPartnerschaft und Ehe sowie zur unerm\u00fcdlichen Pflege der\namerikanisch-japanischen Beziehungen. Somit bringt diese Autobiografie auf\nebenso aufschlussreiche wie kurzweilige Art Licht in ein sehr finsteres Kapitel\nder amerikanischen Geschichte, das sich an der Grenze zu Mexiko und in\nEinwanderungsverboten f\u00fcr ganze V\u00f6lker gerade wiederholt \u2013 worauf Takei gegen\nEnde erschreckt hinweist. Der bis zum Captain aufgestiegene Sulu h\u00e4tte\nhiergegen sicherlich einen Kurs programmiert. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.cross-cult.de\/titel\/they-called-us-enemy-eine-kindheit-im-internierungslager.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"They called us Enemy \u2013 Eine Kindheit im Internierungslager (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">They called us Enemy \u2013 Eine Kindheit im Internierungslager<\/a><br>Text: George Takei, Justin Eisinger, Steven Scott<br>Bilder: Harmony Becker<br>208 Seiten in Schwarz-Wei\u00df, Hardcover<br>Cross Cult<br>25 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-966580-39-7<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D8613\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8613\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"They called us Enemy (Cross Cult) &raquo; Comicleser #Cross Cult #CrossCult #Einzelband #George Ta [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amerika in den sp\u00e4ten drei\u00dfiger Jahren: der kleine George, benannt nach dem englischen K\u00f6nig Georg VI., lebt mit seiner Familie in Los Angeles. 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