{"id":784,"date":"2012-11-17T14:13:16","date_gmt":"2012-11-17T12:13:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=784"},"modified":"2014-11-12T17:19:18","modified_gmt":"2014-11-12T15:19:18","slug":"die-letzten-tage-von-stefan-zweig-jacoby-stuart","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=784","title":{"rendered":"Die letzten Tage von Stefan Zweig (Jacoby &#038; Stuart)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-785\" title=\"Die letzten Tage von Stefan Zweig\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Die-letzten-Tage-von-Stefan-Zweig.jpg\" alt=\"\" width=\"319\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Die-letzten-Tage-von-Stefan-Zweig.jpg 319w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Die-letzten-Tage-von-Stefan-Zweig-239x300.jpg 239w\" sizes=\"auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px\" \/><\/p>\n<p>Kriegsjahr 1941: Nach Stationen in England und den USA trifft der ber\u00fchmte \u00f6sterreichische Schriftsteller Stefan Zweig auf der Flucht vor den Nazis in Brasilien ein. Mit dabei ist seine junge zweite Frau Lotte. Ihr Exil, Petropolis, ein europ\u00e4isch gepr\u00e4gtes St\u00e4dtchen vor den Toren Rio de Janeiros, entpuppt sich als Paradies, ein beschaulicher Ort, in dem das Paar unbeschwert leben und arbeiten k\u00f6nnte. Und doch sollte es die letzte Station ihres Lebens werden. Denn da ist der Schrecken des Krieges, dessen Schatten auch bis ins ferne Brasilien reicht. Nachrichten von den Gr\u00e4ueln in der europ\u00e4ischen Heimat lassen Stefan Zweig immer tiefer in melancholische Verzweiflung fallen, sein Lebensmut schwindet. Einer letzten Hingabe an die Freuden des Lebens, der Teilnahme am Karneval in Rio, folgt die Nachricht des Falls von Singapur an die Japaner und dann der finale Entschluss des gemeinsamen freiwilligen Endes.<\/p>\n<p>Ein starkes wie edles Buch. Ein Comic \u00fcber den uns\u00e4glichen Krieg, der auch hier, weitab vom eigentlichen Geschehen, das Leben bestimmt. Das Schicksal von Angeh\u00f6rigen und Freunden in der fernen Heimat ist unklar und doch redet man sich noch immer die Hoffnung ein, dass dort alle wohlauf sind. Bis Berichte \u00fcber Massenmorde an Juden auch Petropolis erreichen. Wie kann man dann noch unbeschwert leben, wie und an was Freude empfinden? Wenn man, wie Zweig, gerade 60 geworden, eine andere Welt, ein anderes Wien erlebt hat, das er in \u201eDie Welt von gestern\u201c beschreibt. Eine Welt, die f\u00fcr immer fort ist. Auch seine lebenslustige junge Frau Lotte, die einst seine Sekret\u00e4rin war, kann seine Melancholie nur ansatzweise durchbrechen. Bis schlie\u00dflich beide keinen Ausweg mehr sehen. F\u00fcr Zweig ist es ein Ende, das sich lange und schleichend angebahnt hat, f\u00fcr Lotte ein eher schneller Entschlu\u00df, als auch sie ihre Tr\u00e4ume, ihre Hoffnung zerbrechen sieht, in wenigen Monaten wieder in einem Wien zu sein, das so ist, wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p>So sind die letzten Seiten des Comics gepr\u00e4gt von starken und lieben Worten, von einem langsamen Aufl\u00f6sen in die Ewigkeit. Ein d\u00fcsteres Ende, sparsam und hell in Szene gesetzt. Fade to white. Laurent Seksik schrieb bereits die Romanvorlage. Guillaume Sorel, von dem auf Deutsch schon lange nichts mehr erschien und der bei uns bisher bekannt ist f\u00fcr d\u00fcstere Sujets (Mens Magna, Die Toteninsel \u2013 und er war sogar schon einmal in Erlangen auf dem Comic Salon) mag als Zeichner f\u00fcr einen Comic mit dokumentarischem Charakter \u00fcberraschen. Doch seine direkt kolorierten Bilder sind zum niederknien sch\u00f6n und spiegeln zudem die Gem\u00fctsverfassung der Protagonisten ausgezeichnet wider. Die Farben sind gediegen, gehen oft ins Br\u00e4unliche und stehen im Kontrast zu dem vermeintlich bunten Brasilien, das man als Leser erwarten m\u00f6chte. Im Krieg verblassen eben die sch\u00f6nsten Farben, auch wenn er am anderen Ende der Welt w\u00fctet. (bw)<\/p>\n<p>Text: Laurent Seksik<br \/>\nBilder: Guillaume Sorel<br \/>\n88 Seiten in Farbe, Hardcover, Halbleinen<br \/>\n24 Euro<\/p>\n<p>ISBN 978-3-941787-78-0<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D784\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=784\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Die letzten Tage von Stefan Zweig (Jacoby &#038; Stuart) &raquo; Comicleser #Guillaume Sorel #Jaco [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriegsjahr 1941: Nach Stationen in England und den USA trifft der ber\u00fchmte \u00f6sterreichische Schriftsteller Stefan Zweig auf der Flucht vor den Nazis in Brasilien ein. Mit dabei ist seine junge zweite Frau Lotte. 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