{"id":7559,"date":"2019-02-05T14:13:36","date_gmt":"2019-02-05T12:13:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7559"},"modified":"2019-02-05T14:18:49","modified_gmt":"2019-02-05T12:18:49","slug":"ost-west-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7559","title":{"rendered":"Ost-West (Carlsen)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"292\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Ost-West.jpg\" alt=\"Ost-West (Carlsen)\" class=\"wp-image-7560\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Ost-West.jpg 292w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Ost-West-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Pierre Christin, Jahrgang 1938, ist seit Jahrzehnten einer der profiliertesten franko-belgischen Comic-Autoren. Lesern ist er einerseits bekannt durch seinen Science Fiction Dauerbrenner <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"\u201eValerian &amp; Veronique\u201c (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6168\" target=\"_blank\">\u201eValerian &amp; Veronique\u201c<\/a>, den er gemeinsam mit seinem Kindheitsfreund Jean-Claude M\u00e9zi\u00e8res realisiert und der von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Luc Besson j\u00fcngst verfilmt wurde (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5618\" target=\"_blank\">Luc Besson j\u00fcngst verfilmt wurde<\/a>, und andererseits durch seine mitunter phantastisch angehauchten Polit-Thriller, die <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Enki Bilal (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6969\" target=\"_blank\">Enki Bilal<\/a> (u.a. \u201eAlexander Nikopol\u201c) f\u00fcr ihn in Szene setzte. J\u00fcngst erschien bei uns die 50er Jahre Krimiserie <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"\u201eDetektei Hardy\u201c (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4802\" target=\"_blank\">\u201eDetektei Hardy\u201c<\/a>, die er zusammen mit der vor kurzem verstorbenen Zeichnerin <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5830\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Annie Goetzinger (opens in a new tab)\">Annie Goetzinger<\/a> schuf (zwei Integral-B\u00e4nde bei Kult Comics). Hier in dem schlicht \u201eOst-West\u201c betitelten Band, der nach Christins eigenen Worten keine Autographie sein will, gibt er zwar wenig Privates Preis, schildert daf\u00fcr aber ganz im Stil einer Reportage die Geschichte einiger Stationen seines Lebens, die meist mit ausgiebigen Reiset\u00e4tigkeiten verbunden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Band setzt 1965 ein, als Christin Professor an der Uni in Salt Lake City wird. Aus seiner subjektiven Perspektive schildert er seine ersten Eindr\u00fccke, die er notizartig f\u00fcr uns, die Leser, festh\u00e4lt. Seine Beobachtungen scheinen mitunter banal, sind dabei aber stets entfernt vom Mainstream. Mit von der Partie ist sein Weggef\u00e4hrte <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6487\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Jean-Claude M\u00e9zi\u00e8res (opens in a new tab)\">Jean-Claude M\u00e9zi\u00e8res<\/a>, der auf einer Ranch als Cowboy arbeitet. Beiden gelingt es, eine erste Kurzgeschichte in dem legend\u00e4ren Comic-Magazin \u201ePilote\u201c zu platzieren. F\u00fcr Christin als Quereinsteiger in die Branche ein willkommenes Zubrot. Mehr erst einmal nicht. Dann folgt eine R\u00fcckblende zu gemeinsamen Kindheitstagen. Gemeinsam im Luftschutzbunker, der unangenehme Anblick der Deutschen Soldaten im besetzten Paris, erste Ber\u00fchrungen mit dem Schreiben. Sp\u00e4ter studiert Christin an der Sorbonne. In dieser Zeit begegnen er und M\u00e9zi\u00e8res erstmals Jean Giraud, alias Moebius (was mit einer wunderbaren Hommage an den Blueberry Zeichner verkn\u00fcpft ist).<\/p>\n\n\n\n<p>Das n\u00e4chste Kapitel startet nach der R\u00fcckkehr aus den USA. In den R\u00e4umen von \u201ePilote\u201c trifft Christin auf die Autoren-Granden <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Ren\u00e9 Goscinny (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7233\" target=\"_blank\">Ren\u00e9 Goscinny<\/a> und <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Jean-Michel Charlier (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2421\" target=\"_blank\">Jean-Michel Charlier<\/a>, die ersten Geschichten von \u201eValerian &amp; Veronique\u201c entstehen 1967, gefolgt von einer Zusammenarbeit mit <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Jacques Tardi (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1604\" target=\"_blank\">Jacques Tardi<\/a> (\u201eAufruhr in der Rouergue). Die Comic-Karriere kommt in Rollen. Auch Christins Wagen, ein Renault 10 (siehe Cover), rollt wieder. Diesmal auf die andere Seite des Eisernen Vorhangs. Zuerst gemeinsam mit M\u00e9zi\u00e8res, sp\u00e4ter alleine, bereist er immer wieder, beginnend mit Ungarn, die L\u00e4nder des damaligen Ostblocks, will aus erster Hand sehen und erfahren, wie die Menschen dort leben. Er lernt die T\u00fccken und L\u00fccken der Planwirtschaft kennen und findet eine mangels Technik und Fortschritt nostalgische Welt vor, die ihn einerseits fasziniert, andererseits aber auch abst\u00f6\u00dft (das bunte, urspr\u00fcngliche Leben der Zigeuner in Ungarn vs. das triste, graue Ost-Berlin vor der Wende). Bis nach <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Tschernobyl (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3999\" target=\"_blank\">Tschernobyl<\/a> f\u00fchren ihn seine Reisen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"257\" height=\"359\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Pierre-Christin.jpg\" alt=\"Pierre Christin\" class=\"wp-image-7562\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Pierre-Christin.jpg 257w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/Pierre-Christin-215x300.jpg 215w\" sizes=\"auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px\" \/><figcaption>Pierre Christin<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich l\u00e4sst Christin bei seinen Reiseschilderungen die Politik nicht aus. In jedem Kapitel werden die politischen Entwicklungen jener Zeit oder des Landes geschildert und kommentiert, das er gerade bereist. In den USA teilt er seine Gedanken hinsichtlich der Hippie-Bewegung, es geht um Vietnam und die Rassentrennung. Zur\u00fcck in der Heimat wird der <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Algerien-Krieg (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6959\" target=\"_blank\">Algerien-Krieg<\/a> angesprochen, wie sp\u00e4ter auch die 68er oder die endlosen Diskussionen an der Universit\u00e4t. Im Ostblock ist das politische System sowieso allgegenw\u00e4rtig und beim \u00dcbertritt von <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Ost- nach West-Berlin (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7065\" target=\"_blank\">Ost- nach West-Berlin<\/a> \u00fcberw\u00e4ltigt ihn ein regelrechter Kultur- oder Konsum-Schock. Interessant sind die Inspirationsquellen f\u00fcr seine Alben, auf die er immer mal wieder zu sprechen kommt: eine Datscha, in der sich angeblich Politbonzen treffen, inspiriert ihn zu dem Album \u201eTreibjagd\u201c (mit Enki Bilal). Auch andere, vermeintlich allt\u00e4gliche \u201eSzenen\u201c finden sich in Alben wieder, wie beispielsweise in <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"\u201eLenas Reise\u201c (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3467\" target=\"_blank\">\u201eLenas Reise\u201c<\/a> (mit <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Andr\u00e9 Juillard (opens in a new tab)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3826\" target=\"_blank\">Andr\u00e9 Juillard<\/a>). <\/p>\n\n\n\n<p>Auch \u201eDurchbruch\u201c wird angesprochen, jene Anthologie, die nach dem Mauerfall gemeinsam mit dem damaligen Chefredakteur von Carlsen, Andreas C. Knigge, entstand und f\u00fcr die Zeichner aus dem Ostblock gewonnen werden konnten. Knigge schreibt auch das Nachwort, in dem er auf seine Begegnungen und Reisen mit Christin eingeht \u2013 eine unterhaltsame Erg\u00e4nzung. Quasi als Running Gag \u2013 auch das erw\u00e4hnt Knigge \u2013 m\u00fcssen die diversen Autos herhalten, die Christin so gerne verschlei\u00dft (er reist am liebsten per PKW, egal wo). St\u00e4ndig gibt es Pannen oder Totalausf\u00e4lle, die s\u00fcffisant kommentiert werden. Fazit: keine Autobiographie, sondern eine interessante Reise in die Vergangenheit und das Leben des <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2110\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Autors Christin (opens in a new tab)\">Autors Christin<\/a>, in der nicht er selbst, sondern das Erlebte und seine Weggef\u00e4hrten im Mittelpunkt stehen. Die realistischen Zeichnungen besorgte Philippe Aymond, mit dem Christin bereits zusammenarbeitete und der bei uns durch seine Reihe \u201eLady S.\u201c (bei Schreiber &amp; Leser) bekannt ist. (bw)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/ost-west\/96794\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Ost-West  (opens in a new tab)\">Ost-West <\/a><br>Text: Pierre Christin<br>Bilder: Philippe Aymond<br>144 Seiten in Farbe, Hardcover <br>Carlsen Verlag <br>22 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-551-73877-6<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D7559\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7559\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Ost-West (Carlsen) &raquo; Comicleser #Carlsen #Graphic Novel #Ost-West #Philippe Aymond #Pierre C [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pierre Christin, Jahrgang 1938, ist seit Jahrzehnten einer der profiliertesten franko-belgischen Comic-Autoren. 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