{"id":739,"date":"2012-07-10T13:48:45","date_gmt":"2012-07-10T11:48:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=739"},"modified":"2012-07-10T13:48:45","modified_gmt":"2012-07-10T11:48:45","slug":"gegen-den-strom-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=739","title":{"rendered":"Gegen den Strom (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-740\" title=\"Gegen den Strom\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Gegen-den-Strom.jpg\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Gegen-den-Strom.jpg 285w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Gegen-den-Strom-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/p>\n<p>Unsere Bildergeschichten kommen im Wesentlichen aus drei Comic-Ballungszentren. Da sind zum einen Frankreich &amp; Belgien: hochwertige Bandes Dessin\u00e9es im Albenformat (meistens). Zum anderen aus den USA: Superhelden im Heftformat (auch meistens). Und schlie\u00dflich aus Japan: Mangas im Taschenbuchformat (ja, auch meistens). W\u00e4hrend der geneigte Comicleser \u00fcber die Historie der franko-belgischen und amerikanischen Comics bestens bescheid wei\u00df, klafft beim japanischen Manga-Werdegang eine gro\u00dfe Wissens-L\u00fccke &#8211; die \u00fcberfl\u00fcssige Ja-oder-Nein-Grundsatzdiskussion in Sachen Manga lassen wir mal au\u00dfen vor. Carlsen hat in der Vergangenheit diese Diskussion ohnehin schon aufgeweicht und die L\u00fccke auch etwas gef\u00fcllt, indem Mangas unter dem allseits popul\u00e4ren Graphic \u00a0Novel Signet ver\u00f6ffentlicht werden. Dies betrifft in erster Linie Werke von Osamu Tezuka (Kimba, Buddha) und von Jiro Taniguchi (Vertraute Fremde, Der spazierende Mann). Alle \u00fcbrigens in westlicher Leserichtung. Aber auch Mangas f\u00fcr die reifere Leserschaft, wie Lady Snowblood und das grandiose Shinanogawa, die nicht als Graphic Novel firmieren, \u00a0sollen hier erw\u00e4hnt werden (alle in japanischer Leserichtung).<\/p>\n<p>Jetzt bringt Carlsen einen wahrhaftigen Monsterband, ein hei\u00dfer Kandidat f\u00fcr das dickste Comic des Jahres, der endg\u00fcltig Licht ins Manga-Historien-Dunkel bringt: Gegen den Strom ist auf 848 (!) Seiten eine Autobiographie in Bildern.\u00a0 Sie umfasst das Leben des Mangaka Yoshihiro Tatsumi (Jahrgang 1935) von unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 1960er Jahre. Er schildert seine Geschichte vom Manga-beigeisterten Fan-Zeichner bis zum anerkannten Sensei. \u00a0Denn Tatsumi war stilbildend (auch wenn er sein Licht im Nachwort sympathisch bescheiden unter den Scheffel stellt) und begr\u00fcndete 1957 ein eigenes Genre, das er Gekiga nannte (und nennt): Mangas f\u00fcr eine \u00e4ltere Leserschaft &#8211; weg von dem, was wir im Westen Funny nennen w\u00fcrden, hin zu reiferen Themen und Zeichnungen, die durchaus auch Gewalt und Erotik beinhalten k\u00f6nnen. Wie eben die o.g. Titel.<\/p>\n<p>So erlebt der Leser aus erster Hand eine akribisch aufgezeichnete (und durchaus auch mit L\u00e4ngen versehene) sehr pers\u00f6nliche Geschichte eines Zeichners, die gleichzeitig in einem fast dokumentarischen Stil die Entwicklung des Manga in den 1950er Jahren schildert. Wir erleben die fr\u00fche, ehrf\u00fcrchtige Begegnung mit Osamu Tezuka, der bereits als Student eine Ber\u00fchmtheit war. Wir erfahren, was ein Vier-Panel-Manga und ein Postkarten-Manga ist und was es mit den Leihbuch-Mangas auf sich hat. Daneben erh\u00e4lt der Leser auch einen interessanten Einblick in den Alltag und in das zeitgen\u00f6ssische Japan aus Sicht eines Jugendlichen (die Einf\u00fchrung des Fernsehens, Godzilla!, das Aufkommen von Coca Cola und die fortschreitende Amerikanisierung der Gesellschaft), als das Land nach dem Krieg am Boden liegend auf den langen Weg zur Wirtschaftsmacht aufbrach.<\/p>\n<p>Ein dickes Ding, das zwei Eisner Awards erhielt und auf dem Festival in Angoul\u00eame ausgezeichnet wurde und das aufgrund der hochwertigen Pr\u00e4sentation auch nicht billig ist. Das aber den mutigen und interessierten K\u00e4ufern mit ganz viel Lesestoff und Manga-Wissen aus erster Hand versorgt. (bw)<\/p>\n<p>Text &amp; Zeichnungen: Yoshihiro Tatsumi<br \/>\n848 Seiten in schwarz-wei\u00df, Hardcover<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n44 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-73104-3<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D739\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=739\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Gegen den Strom (Carlsen) &raquo; Comicleser #Carlsen #Graphic Novel #Manga #Osamu Tetsuka #Yoshih [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Bildergeschichten kommen im Wesentlichen aus drei Comic-Ballungszentren. Da sind zum einen Frankreich &amp; Belgien: hochwertige Bandes Dessin\u00e9es im Albenformat (meistens). Zum anderen aus den USA: Superhelden im Heftformat (auch meistens). 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