{"id":7295,"date":"2018-10-30T13:36:37","date_gmt":"2018-10-30T11:36:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7295"},"modified":"2018-10-30T13:47:17","modified_gmt":"2018-10-30T11:47:17","slug":"flash-gordon-band-1-hannibal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7295","title":{"rendered":"Flash Gordon, Band 1 (Hannibal)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7296\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Flash-Gordon-1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"359\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Flash-Gordon-1.jpg 400w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Flash-Gordon-1-300x269.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Damals, in den sp\u00e4ten 70er und ganz fr\u00fchen 80er Jahren geh\u00f6rte es zum montagabendlichen Ritual, im Bayrischen Rundfunk die neueste Episode einer wunderlichen Space Opera zu verfolgen und sich dar\u00fcber \u00e4u\u00dferst zu am\u00fcsieren. Da flogen Pappmach\u00e9-Raumschiffe mit Wunderkerzenantrieb umher, ein blondgeschopfter Held \u00f6ffnete im Weltraum auch schon mal die Au\u00dfenluke und schoss per Revolver andere Gef\u00e4hrte ab, und das mit gro\u00dfem Brimborium angek\u00fcndigte \u201eMonster von Mongo\u201c entpuppte sich als kaum kaschierter Menschenaffe mit aufgepapptem Gummi-Horn. Was uns damals bestenfalls kurios schien, erweist sich in der R\u00fcckschau allerdings als aufw\u00e4ndige und vor allem sehr vorlagengetreue Verfilmung jenes Zeitungs-Comic-Strips, mit dem Alex Raymond, der bis dahin die Serie \u201eSecret Agent X-9\u201c mit Dashiell Hammett realisierte, Mitte der 30er Jahre Pionierarbeit f\u00fcr ein ganzes Genre leistete: die Abenteuer von Flash Gordon, die ab dem 7. Januar 1934 in den Sonntagszeitungen des King Features Syndicate erschienen, faszinierten Heerscharen von Lesern in den von der Depression gesch\u00fcttelten USA mit exotischen Schaupl\u00e4tzen, mit denen man der Tristesse der Gro\u00dfst\u00e4dte oder der endlosen Farmen entging, mit husarenhaften Helden, denen man allzu gerne nacheiferte, mit in der Regel \u00e4u\u00dferst sp\u00e4rlich bekleideten Frauen (die sich mal mehr, mal weniger damenhaft geb\u00e4rdeten), wunderbar ins Feindbild passenden, vornehmlich orientalisch anmutenden B\u00f6sewichten, Fabelwesen aller Art und m\u00e4rchenhaft-alptraumhaften Landschaften.<\/p>\n<p>Sicherlich zauberte Raymond diese Welten nicht eigenst\u00e4ndig aus dem Hut: das junge Gerne der Pulp-SF war gerade 1927 mit Hugo Gernsbacks Magazin \u201eAmazing Stories\u201c aus der Taufe gehoben worden, wo ein Held namens Anthony Rogers seine Premiere gefeiert hatte. Runderneuert mit einem zackigeren Vornamen trat \u201eBuck Rogers in the 25th Century\u201c ab 1929 den Siegeszug auch auf den Cartoon-Seiten der Zeitungen an, weshalb man bei King Features ganz bewusst eine konkurrierende Serie in Auftrag ab. Raymonds Meisterleistung bestand allerdings darin, Elemente der popul\u00e4ren Abenteuer-Romane und Filme \u2013 Mantel- und Degen, Piraten, Forscher an exotischen Orten, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6282\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mad Scientists<\/a>, alles ist geboten \u2013 mit dem gerade neu aufbl\u00fchenden Gerne der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3098\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Space Opera<\/a> zu verbinden und Woche f\u00fcr Woche atemlose Cliffhanger zu liefern, die die Leserschaft unbarmherzig in ihren Bann zogen. Die Geschichte erz\u00e4hlt dabei nichts Geringeres als die M\u00e4r von einem, der auszog, Erde und Universum zu retten: als sich ein fremder Planet gef\u00e4hrlich der Erde n\u00e4hert, schnappt sich der besessene Dr. Hans Zarkov die ihm zuf\u00e4llig \u00fcber den Weg laufenden Flash Gordon und Dale Arden und macht sich per selbstgebautem Raumschiff auf den Weg Richtung Mongo, um den Planeten doch noch abzulenken. Vor Ort trifft man alsbald auf den grimmen Herrscher Ming den Erbarmungslosen, eine Art Weltraum Fu Man Chu, der sofort beschlie\u00dft, die h\u00fcbsche Erdenfrau Dale zu ehelichen, Dr. Zarkov in seine Dienste zwingt und Flash in die <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3896\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gladiatorenarena<\/a> wirft. Mings Tochter Aura wirft ihrerseits ein Auge auf den feschen Erdenmann und versucht fortan, Flash in ihre Krallen zu bekommen.<\/p>\n<p>Es folgen stets neue Szenarien von Gefangenschaft, tollk\u00fchner Flucht und Rettung aus scheinbar aussichtslosen Situationen: Flash freundet sich mit Thun an, dem Prinz der L\u00f6wenm\u00e4nner, der ebenfalls gegen Mings Gewaltherrschaft k\u00e4mpft. Mit knapper Not entrinnt man einem grausamen Schicksal in der Unterwasserstadt der Haim\u00e4nner, bohrt sich per Untergrundschiff einen Tunnel direkt in Mings Palast, \u00fcbersteht diverse Schauk\u00e4mpfe und landet schlie\u00dflich in der fliegenden Stadt der Falkenm\u00e4nner, die vom rabiaten K\u00f6nig Vultan mit eiserner Faust regiert wird. An den Atom\u00f6fen soll Flash sich zu Tode schuften, aber Dr. Zarkov und der neue Gef\u00e4hrte Prinz Barin \u2013 der rechtm\u00e4\u00dfige Herrscher von Mongo \u2013 sabotieren die Atomstrahlen, die die Stadt am Himmel aufrecht halten. Als die Katastrophe droht, bietet Zarkov die Rettung gegen die Freiheit seiner Freunde: Vultan nimmt z\u00e4hneknirschend an und schlie\u00dft Frieden mit seinen Gefangenen. Das missf\u00e4llt dem grimmen Ming zutiefst, der h\u00f6chst selbst anreist und die Auslieferung seiner Widersacher fordert. Aber Vultan beruft sich auf ein uraltes Gesetz: im Turnier des Todes steht jedem Bewohner von Mongo des Recht zu, sich gegen seine Gegner durchzusetzen und ein eigenes K\u00f6nigreich zu beanspruchen. Prinz Barin, unrettbar in Aura verliebt, tritt ebenfalls an und steht im finalen Kampf Flash gegen\u00fcber\u2026<\/p>\n<div id=\"attachment_7299\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7299\" class=\" wp-image-7299\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Flash-Gordon-1_Bildvergleich.jpg\" alt=\"\" width=\"438\" height=\"331\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Flash-Gordon-1_Bildvergleich.jpg 400w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Flash-Gordon-1_Bildvergleich-300x227.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 438px) 100vw, 438px\" \/><p id=\"caption-attachment-7299\" class=\"wp-caption-text\">Im Vergleich: Rechts die restaurierte Farbversion<\/p><\/div>\n<p>Wenn man diese extravaganten Exkursionen erstmals (oder wieder) liest, ist der Schatten, den Raymonds Sch\u00f6pfung auf das gesamte SF- und Comic-Gerne wirft, \u00fcberm\u00e4chtig. Schon 1936 lieferte das erste Serial mit dem kongenial besetzten Larry \u201eBuster\u201c Crabbe eine aus heutiger Sicht \u00fcberraschend nah an der Vorlage bleibende Umsetzung, in der alle ikonischen Momente, von Mings Thronsaal \u00fcber die Unterwasserstadt bis hin zu den fliegenden Falkenm\u00e4nnern, getreulich wiederzufinden sind. Die offenkundigen Versatzst\u00fccke \u2013 der leicht manische Wissenschaftler mit exotischem Namen Zarkov, die blonde Dale als unschuldige Holde, die dunkelhaarige Aura als typischer Vamp, mannigfaltig elektrisch zischende Ger\u00e4te, todesmutige K\u00e4mpfe und tollk\u00fchne Rettungen \u2013 fanden sich in ungez\u00e4hlten Gruselklassikern der 30er und 40er wieder, von denen sich Raymond wiederum wohl selbst hatte inspirieren lassen. Auch einige Ideen wie etwa Hitzestrahlen, massive Kampfmaschinen oder exotische ferne Welten d\u00fcrfte Raymond aus Vorlagen wie <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5059\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">H.G. Wells\u2018 Krieg der Welten<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1235\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Edgar Rice Burroughs<\/a> Mars-Romanen entnommen haben, aber er brachte die Verbindung von feudalen Strukturen, traditionellen Waffen (man tr\u00e4gt unz\u00e4hlige Fechtk\u00e4mpfe aus) und Hochtechnologie zu einer ersten Perfektion, an die viel sp\u00e4ter <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3068\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Don Lawrence<\/a> mit seinen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5650\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Storm<\/a>-und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3969\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Trigan<\/a>-Abenteuern anschlie\u00dfen sollte.<\/p>\n<p>Bis hin zum definierenden Epos des Science Fiction Kinos reicht der lange Einfluss: bekanntlich plante <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3029\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">George Lucas<\/a> zun\u00e4chst eine Verfilmung des Flash Gordon-Stoffs, bevor er sich aufgrund von scheiternden Vertragsverhandlungen zu seiner eigenen Space Opera entschloss, die in Personal, Handlung und Optik \u2013 man denke nur an die nach oben entschwebenden Einf\u00fchrungstexte \u2013 un\u00fcbersehbar im Gefolge der Strips und Serials stand (den Namen seines draufg\u00e4ngerischen Helden entnahm er wohl allerdings eher Buck Rogers, der in der Zukunft gegen eine Outlaw-Gang namens Han k\u00e4mpft). Aber auch dem in den 30ern ebenfalls neu erbl\u00fchenden Metier der Superheldencomics dr\u00fcckte Raymonds blonder Held seinen Stempel auf: <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5742\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Bat-Man<\/a>, der sogar identisch benannte <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5299\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Flash<\/a>, all die Figuren mit ihren Spandex-Anz\u00fcgen und Umh\u00e4ngen sind Verwandte des ersten <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4503\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">All American Hero<\/a> \u00fcberhaupt \u2013 bis hin zum direkt von den Falkenm\u00e4nnern \u201einspirierten\u201c <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6743\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hawkman<\/a>, der ab 1940 mit bis auf die Federn und Fl\u00fcgelhelm identischem Look durch die Seiten der DC-Comics flatterte.<\/p>\n<p>Raymond zeichnete indes so akribisch genau, dass seine Kollegen ihm oft nahelegten, doch weniger detailliert vorzugehen, um sein Pensum schneller absolvieren zu k\u00f6nnen. Aber Raymond bestand auf seinem pr\u00e4zisen, ausgefeilten Strich (den er in seinem Folgewerk Rip Kirby nochmals verfeinerte), der in dieser von Alan Tepper sorgf\u00e4ltig eingerichteten und \u00fcbersetzten Neuauflage durch sorgsame Kolorierung und m\u00f6glichst originalgetreue Wiedergabe der urspr\u00fcnglichen Seitenanordnung wunderbar zur Geltung kommt (so etwa erscheinen die seinerzeit in gr\u00f6\u00dferem Format vorgelegten Seiten entsprechend arrangiert). Versehen mit einem Vorwort von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7144\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alex Ross<\/a>, der vor allem Raymonds physiognomisch naturgetreuen Stil (f\u00fcr den wie sp\u00e4ter bei Ross h\u00e4ufig reale Menschen Modell standen) als eine seiner Inspirationen preist, und einer historischen Verortung von Doug Murray pr\u00e4sentiert diese 206 Seiten starke Ausgabe die Sunday Pages vom 07. Januar 1934 bis 18. April 1937, erg\u00e4nzt um rare, teilweise lange nicht verf\u00fcgbare Skizzen und Zeichnungen. Ein echtes Kompendium f\u00fcr alle, die sich an die seligen Montagabende erinnern &#8211; und f\u00fcr alle, die sich damals fragten, wen genau denn dieser S\u00e4nger mit spa\u00dfigem Schnurrbart meint, den er in h\u00f6chster Kopfstimme besang: \u201eFlash! Ahaaaaaa\u2026.\u201c (hb)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hannibal-verlag.de\/cgi-bin\/WebObjects\/TXTSVHannibal2.woa\/370\/wo\/c21CJq1WhLqb2OtA4TL23GK0RTu\/0.0.SuperPage.11.1.5.1.1.11.1.3.1.0.BoxArticleTeaser.1.1.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Flash Gordon, Band 1: Auf dem Planeten Mongo &#8211; Die Sonntagsseiten 1934-1937<\/a><br \/>\nText &amp; Bilder: Alex Raymond<br \/>\n208 Seiten in Farbe, Hardcover, Querformat<br \/>\nHannibal Verlag<br \/>\n35 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-85445-659-9<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D7295\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7295\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Flash Gordon, Band 1 (Hannibal) &raquo; Comicleser #Alex Raymond #Buck Rogers #Comicstrip #Flash G [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Damals, in den sp\u00e4ten 70er und ganz fr\u00fchen 80er Jahren geh\u00f6rte es zum montagabendlichen Ritual, im Bayrischen Rundfunk die neueste Episode einer wunderlichen Space Opera zu verfolgen und sich dar\u00fcber \u00e4u\u00dferst zu am\u00fcsieren. 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