{"id":7210,"date":"2018-09-26T14:39:02","date_gmt":"2018-09-26T12:39:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7210"},"modified":"2018-09-26T14:47:12","modified_gmt":"2018-09-26T12:47:12","slug":"spirou-und-fantasio-gesamtausgabe-band-9-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7210","title":{"rendered":"Spirou und Fantasio Gesamtausgabe, Band 9 (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7211\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Spirou-Gesamtausgabe-9.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Spirou-Gesamtausgabe-9.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Spirou-Gesamtausgabe-9-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/p>\n<p>\u201eSoll das ein Witz sein?\u201c schoss Jean-Claude Fournier nach eigenen Worten als erstes durch den Kopf, als ihm 1968 Verlagschef Charles Dupuis ein wahrlich unerh\u00f6rtes Angebot unterbreitete. Ausgerechnet er, noch recht neu im Comic-Gesch\u00e4ft (seine erste <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4276\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eigene Reihe \u201eBizu\u201c<\/a> lief gerade an, mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg beim Leser), dazu ein in Paris wohnender Bretone, soll den heiligen Gral des belgischen Verlagshauses \u00fcbernehmen: <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7065\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spirou &amp; Fantasio<\/a>. \u00dcber 20 Jahre von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5150\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andr\u00e9 Franquin<\/a> betreut, zu ungeahnten H\u00f6hen und damit zu Ruhm gef\u00fchrt. Franquin selbst, der von der Figur des Spirou, an der er keine Rechte besa\u00df (sie geh\u00f6rt bis heute dem Verlag), die Nase gestrichen voll hatte, riet Fournier davon ab und empfahl ihm, sein \u201eeigenes Ding zu machen\u201c, doch Fournier nahm schlie\u00dflich den Vorschlag von Dupuis an, nicht zuletzt, weil er sich damit ganz unverhofft einen Kindheitstraum erf\u00fcllen konnte.<\/p>\n<p>Fourniers erste Spirou-Geschichte ist \u201eDie Goldmacher\u201c von 1969. Um den zu erwarteten Bruch und die entsprechenden kritischen Reaktionen der Leser abzumildern und so den \u00dcbergang von Zeichner zu Zeichner fl\u00fcssiger zu gestalten, stimmte Franquin der Verwendung des Marsupilamis zu, einer Figur, die ihm geh\u00f6rte. So koordinierte er die Auftritte des Marsupilamis und zeichnete die Figur selbst in die jeweiligen Panels. Die Story: das Zauberbuch des <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5221\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alchemisten<\/a> Johann G\u00fcldenburg (im Original Nicolas Flamel, ein franz\u00f6sischer Alchemist, der im 14. Jahrhundert lebte) befindet sich im Besitz des Grafen von Rummelsdorf. Zantafio, der schurkische Cousin Fantasios, bekommt davon Wind und bringt mit seinen Schwergen erst den Grafen und dann den besagten Folianten in seine Gewalt. Neben dem Marsupilami, das hier wieder das Z\u00fcnglein an der Waage spielt, tritt noch einmal das gewohnte und inzwischen etwas strapazierte Franquin-Ensemble auf: <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6591\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zyklotrop<\/a> wohnt noch immer bei Rummelsdorf (siehe <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6704\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eSchnuller und Zyklostrahlen\u201c<\/a> aus Band 8 der Gesamtausgabe) und Zantafio spielt den B\u00f6sewicht. Schon im n\u00e4chsten Album, in dem Fournier seinen eigenen Weg einschl\u00e4gt, wird sich das \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Denn nach einer r\u00fchrigen Weihnachts-Kurzgeschichte pr\u00e4sentiert Fournier mit \u201eDer japanische Champignon\u201c einen abgeschlossenen Prolog zum neuen albumlangen Spirou Abenteuer \u201eZucker im Tank\u201c (1970\/1971, 58 Seiten), in dem der japanische Pilzforscher und Zauberk\u00fcnstler Itoh Kata eingef\u00fchrt wird, sowie die m\u00e4chtige Verbrecherorganisation Triangel, deren omnipr\u00e4sente Mitglieder sich anonym mit Nummern anreden, was an <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4691\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marvels Hydra<\/a> oder an diverse <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4143\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">James Bond<\/a> Feindgruppen erinnert. Itoh Kata entdeckt einen f\u00fcr ausgestorben gehaltenen Pilz, mit dem die Triangel die Weltherrschaft erringen k\u00f6nnte. Kata will den Pilz seinem ber\u00fchmten Kollegen Rummelsdorf \u00fcbergeben, eine Aufgabe, f\u00fcr die er Spirou und Fantasio auserkoren hat, die dazu nach Japan reisen.<\/p>\n<div id=\"attachment_7213\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7213\" class=\"size-full wp-image-7213\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Spirou-Gesamtausgabe-9_Panel-1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"285\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Spirou-Gesamtausgabe-9_Panel-1.jpg 400w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Spirou-Gesamtausgabe-9_Panel-1-300x214.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><p id=\"caption-attachment-7213\" class=\"wp-caption-text\">Das Marsupilami, noch einmal von Franquin<\/p><\/div>\n<p>Aber bis es soweit kommt, jetzt in \u201eZucker im Tank\u201c, geht nat\u00fcrlich einiges schief. Noch in Japan macht die Triangel (man begr\u00fc\u00dft sich untereinander ganz bescheiden mit \u201eLang lebe die Triangel\u201c) Jagd auf <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2407\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spirou und Fantasio<\/a> (und Pips), die vermeintlichen Pilzkuriere, was in einer witzig-hitzigen Verfolgungshatz durch den Tokkaido Express actionreich auf die Spitze getrieben wird. Doch auch zur\u00fcck in der Heimat ist die Triangel schon vor Ort, inkl. des kuriosen Auftrittes eines bayerischen Mitglieds. Auch hier kommt wieder ein Zug zum Einsatz, mit dessen Hilfe die Triangel ein Attentat ver\u00fcben und Itoh Kata beseitigen will. Hier zitiert Fournier unverbl\u00fcmt den spektakul\u00e4ren Eisenbahnunfall am Gare <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=606\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Montparnasse<\/a> im Jahr 1895, als eine Dampflok die Mauer des Bahnhofs durchbrach und auf die Stra\u00dfe st\u00fcrzte. Der seltene Pilz, der als MacGuffin die Handlung ausl\u00f6st, bekommt am Ende durch das wissenschaftliche Genie des Grafen noch eine gro\u00dfe Bedeutung, die auch den Titel des Albums erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Soloabenteuer mit Pips folgt nun das Album \u201eZauberei in der Abtei\u201c, 1971\/1972 entstanden. Wieder mit Itoh Kata und wieder mit der vermeintlich besiegten Triangel, die sich als unverw\u00fcstlich erweist. Denn Bruno Boswick, ein hochrangiges Mitglied der Truppe, taucht unvermittelt bei Spirou und Fantasio auf und will die beiden f\u00fcr die Verbrecherorganisation rekrutieren. Die lehnen nat\u00fcrlich dankend ab, weshalb Boswick als Meinungsverst\u00e4rker Itoh Kata entf\u00fchren l\u00e4sst. Die Spur f\u00fchrt unsere Freunde in ein verlassenes Dorf, in dem es angeblich spuken soll, in dem sich aber die Triangel-Sektion um Boswick eingenistet hat. Die Handlung wechselt zwischen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5341\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spirou und Fantasio<\/a>, die ihren japanischen Freund suchen und befreien wollen, und die sich dabei mit allerlei technischem Triangel-Schnickschnack herumschlagen m\u00fcssen und Itoh Kata, der seine Bewacher immer wieder zur Verzweiflung treibt, da er als alter Zauberk\u00fcnstler jedem Gef\u00e4ngnis und jedem Bewacher scheinbar nach Belieben entkommen kann (und immer wieder f\u00fcr den Running Gag mit der tiefen Verbeugung sorgt).<\/p>\n<p>Fournier bringt hier etliche Slapstick-Elemente, wodurch die Handlung in dem alten Gem\u00e4uer immer wieder in Klamauk abdriftet. W\u00e4hrend \u201eDie Goldmacher\u201c noch von Franquin gepr\u00e4gt war, bleibt \u201eZucker im Tank\u201c mit dem fern\u00f6stlichen Touch das Highlight dieses Bandes der Gesamtausgabe. Fournier gibt also gleich zu Beginn seiner \u201eSpirou-Periode\u201c eine gute Figur ab und erweist sich als w\u00fcrdiger Nachfolger Franquins. Der wird in der abschlie\u00dfenden Kurzgeschichte \u201e\u00dcberraschung, Papa!\u201c von seinen Figuren, die er f\u00fcr Spirou erdachte, \u00fcberrascht und geehrt. Der wie stets ausf\u00fchrliche Sekund\u00e4rpart erstreckt \u00fcber 30 Seiten und hat nat\u00fcrlich den \u201eNeuen\u201c zum Thema. Wir erfahren Details \u00fcber die Jugend und das Leben von Jean-Claude Fournier und vor allem \u00fcber seinen Werdegang bei Dupuis, eigentlich als bescheidener Nachwuchszeichner, als Neuling, dem aus heiteren Himmel das Zugpferd des Verlages anvertraut wird (die Gesamtausgabe von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5481\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fourniers Eigenkreation \u201eBizu\u201c<\/a>, die deshalb lange pausieren musste, erscheint in drei B\u00e4nden in der Egmont Comic Collection). Anhand etlicher Skizzen und Abbildungen wird geschildert wie flie\u00dfend und weich die beiden Zeichner den \u00dcbergang und damit den Generationswechsel innerhalb der Serie vollzogen. Und wie bescheiden und hilfsbereit sich der gro\u00dfe <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6383\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andr\u00e9 Franquin<\/a> dabei einmal mehr gab. (bw)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.carlsen.de\/comic\/hardcover\/spirou-fantasio-gesamtausgabe-9-1969-1972\/93151\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spirou und Fantasio Gesamtausgabe, Band 9 (1969-1972)<\/a><br \/>\nText: Jean-Claude Fournier<br \/>\nBilder: Jean-Claude Fournier, Andr\u00e9 Franquin<br \/>\n240 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n30 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-71629-3<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D7210\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7210\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Spirou und Fantasio Gesamtausgabe, Band 9 (Carlsen) &raquo; Comicleser #Andr\u00e9 Franquin #Carlsen # [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSoll das ein Witz sein?\u201c schoss Jean-Claude Fournier nach eigenen Worten als erstes durch den Kopf, als ihm 1968 Verlagschef Charles Dupuis ein wahrlich unerh\u00f6rtes Angebot unterbreitete. 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