{"id":6959,"date":"2018-07-05T13:52:46","date_gmt":"2018-07-05T11:52:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6959"},"modified":"2018-07-05T14:22:58","modified_gmt":"2018-07-05T12:22:58","slug":"azrayen-comicplus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6959","title":{"rendered":"Azrayen\u2018 (Comicplus)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6960\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Azrayen.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Azrayen.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Azrayen-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/p>\n<p>Algerien, irgendwo in der unzug\u00e4nglichen Bergregion namens Kabylei. Im Land herrscht Krieg (\u00fcber acht Jahre, von 1954 bis 1962). Man k\u00e4mpft um nicht weniger als die Unabh\u00e4ngigkeit Algeriens von Frankreich. Die FLN (Nationale Befreiungsfront) gegen die Kolonialherren. 1957 verschwindet eine komplette, unabh\u00e4ngig operierende Einheit der Franzosen unter dem Kommando von Messonnier, den man im Land auch Azrayen, den Teufel, nennt. Hauptmann Valera erh\u00e4lt nun den Auftrag, nach Messonnier und seinen Leuten zu suchen, um deren Verbleib zu kl\u00e4ren. Hilfe bekommt er dabei von Tirard, einem Offizier des Nachrichtendienstes und Algerienfranzose und \u2013 unerwarteter weise \u2013von Takhlit Allilat, der ehemaligen Geliebten Messonniers. W\u00e4hrend wir in R\u00fcckblicken erfahren, wie sich Takhlit und er kennen und lieben gelernt haben, bringt Tirard einen weitere Ansatz f\u00fcr die Nachforschungen vor: man durchleuchtet die Vergangenheit von Messonniers Unteroffizier Djeddar und deckt ein dunkles Kapitel seines Lebens auf, was jedoch zu keinen neuen Erkenntnissen f\u00fchrt. Erst als drei Deserteure von Messonniers Truppe ausfindig gemacht und verh\u00f6rt werden k\u00f6nnen, findet man eine Spur der Verschwundenen. Eine Spur, die direkt Richtung Krieg f\u00fchrt\u2026<\/p>\n<p>Der Algerienkrieg steht bis heute nicht gerade im Fokus, wenn es um die Aufarbeitung alter Konflikte geht. Der Krieg, der l\u00e4nger als der Zweite Weltkrieg dauerte, forderte auf beiden Seiten zahllose Opfer &#8211; hunderttausende, wobei die genauen Angaben schwanken. Am Ende stand die Niederlage Frankreichs und die Unabh\u00e4ngigkeit Algeriens. Hier zieht Autor Frank Giroud (ebenfalls bei Comicplus: \u201eZehn Gebote\u201c, \u201eQuintett\u201c und aktuell <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5221\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eGalkiddek\u201c<\/a> bei Splitter) handlungstechnisch einen roten Faden, n\u00e4mlich in der Suche nach dem geheimnisvollen Messonnier und seinen Leuten. Ein Mann, der in den R\u00fcckblicken Takhlits \u00fcberraschenderweise als \u00fcberaus sympathisch r\u00fcberkommt und der sein Wesen sp\u00e4ter v\u00f6llig ver\u00e4ndert haben muss \u2013 was an die Figur des Kurtz erinnert, der in <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6665\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Joseph Conrads \u201eHerz der Finsternis\u201c<\/a> als Gesuchter im Fokus der Geschichte steht. Die verbl\u00fcffende wie simple Aufkl\u00e4rung des Verbleibs von Messonnier und seinen M\u00e4nnern entlarvt dann auch vollends die Sinnlosigkeit des Krieges und besch\u00e4mt zudem die Taten der Soldaten um Hauptmann Valera, die zuvor ein Dorf als vermeintliche Rebellenhochburg identifizieren und zerst\u00f6ren, wie das bald danach auch die Amerikaner in <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4657\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vietnam<\/a> praktizieren sollten. Verbrannte Erde eben.<\/p>\n<div id=\"attachment_6962\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6962\" class=\"size-full wp-image-6962\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Azrayen_Panel.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"293\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Azrayen_Panel.jpg 400w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Azrayen_Panel-300x220.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><p id=\"caption-attachment-6962\" class=\"wp-caption-text\">Auf der Suche nach Messonnier<\/p><\/div>\n<p>Bevor es zu diesem letzten Akt kommt, lernen wir etliche Hintergr\u00fcnde des Algerienkrieges kennen, wie auch die Region der Kabylei (wo es auch schneit und verdammt kalt sein kann) und den kargen Alltag der Menschen, viele davon hin- und hergerissen zwischen den alten Traditionen der Berber und dem europ\u00e4ischen Einfluss der Besatzer. Die sich von der eigenen Kultur entfremden, nur um dort dann wieder Zuflucht zu suchen und zu finden. Was an der Figur der Takhlit versinnbildlicht wird, die eigentlich in ihrem Dorf einem Schuhmacher versprochen ist und sich dann f\u00fcr ein westliches Leben in der Stadt entscheidet \u2013 vermeintlich. Die FLN, die gegen die Franzosen k\u00e4mpft (wobei es auch Algerier gab, die auf franz\u00f6sischer Seite standen, die man Pied-Noir nannte), bleibt weitestgehend gesichtslos \u2013zu kriegerischen Handlungen kommt es erst im zweiten Teil des Bandes \u2013 das Geschehen konzentriert sich voll auf Valera und seine Suche und damit verbunden auf das Leid der Zivilbev\u00f6lkerung. Hier tut sich vor allem der skrupellose Sergeant Chanaz negativ hervor, der offenbar vor keiner Gewissenlosigkeit zur\u00fcckschreckt.<\/p>\n<p>Die begleitenden Sekund\u00e4rtexte, die von Frank Giroud stammen, erkl\u00e4ren dann auch die Verbindung des Autors zum Geschehen: Girouds Vater k\u00e4mpfte als Soldat in <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1956\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Algerien<\/a> und der Fund von Fotos und einem Tagebuch inspirierten Giroud zu der Geschichte, zu der er zwecks Recherche gemeinsam mit seinem alten Herren an die alten Kriegsschaupl\u00e4tze reiste und dort auch mit ehemaligen Feindk\u00e4mpfern sprechen konnte. Diese akribische Vorarbeit schl\u00e4gt sich dann letztendlich in den detaillierten und fundierten Bildern von Lax (d.i. Christian Lacroix) nieder. Von ihm erschien j\u00fcngst bei Salleck \u201eDie Windpferde\u201c (als Autor), zuvor brachte Splitter seine aktuelle Arbeit <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3841\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eEin Mann namens Cervantes\u201c<\/a> heraus. Auch bei Schreiber &amp; Leser sind B\u00e4nde des Zeichners erh\u00e4ltlich (wie das Tour de France Epos \u201eAdler ohne Krallen\u201c). Lax zeichnet in einem realistischen, feinen wie spitzen Strich und benutzt hier meist braune sepia-\u00e4hnliche Farbt\u00f6nen, was das Geschehen beinahe wie ein zeitgen\u00f6ssischer Film erscheinen l\u00e4sst. Der Band erschien im Original urspr\u00fcnglich 1998 und 1999 in zwei Teilen, die jetzt hier zu einer Gesamtausgabe zusammengefasst werden. Ein edler franko-belgischer Comic-Leckerbissen, inhaltlich wie auch optisch. (bw)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ppm-vertrieb.de\/Comics\/comicplus\/Azrayen-Gesamtausgabe::311048.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Azrayen\u2018 Gesamtausgabe<\/a><br \/>\nText: Frank Giroud<br \/>\nBilder: Lax<br \/>\n144 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nVerlag Sackmann und H\u00f6rndl<br \/>\n34 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-89474-304-8<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D6959\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6959\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Azrayen\u2018 (Comicplus) &raquo; Comicleser #Azrayen #Christian Lax #Comicplus #Frank Giroud #Gesamt [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Algerien, irgendwo in der unzug\u00e4nglichen Bergregion namens Kabylei. 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