{"id":6813,"date":"2018-05-28T12:37:12","date_gmt":"2018-05-28T10:37:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6813"},"modified":"2018-05-28T12:39:43","modified_gmt":"2018-05-28T10:39:43","slug":"freddy-lombard-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6813","title":{"rendered":"Freddy Lombard (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6814\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Freddy-Lombard-GA.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Freddy-Lombard-GA.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Freddy-Lombard-GA-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/p>\n<p>Yves Chaland war ein Comic-K\u00fcnstler, der gemeinsam mit anderen Zeichnern (u.a. die Floch-Br\u00fcder, Serge Clerc oder der 2016 verstorbene Ted Benoit) den sogenannten Atom-Stil wesentlich pr\u00e4gte (auch Nouvelle Ligne Claire genannt): die Verbindung der Ligne Claire mit der schnittigen, futuristischen Design-Richtung der F\u00fcnfziger Jahre. Chalands Schaffensperiode war leider nur kurz und umfasste im Wesentlichen in etwas mehr als einem Jahrzehnt die Zeit zwischen 1980 und 1990. Am 18. Juli 1990 starb er bei einem Autounfall. Seine einzige fortlaufende Serie war Freddy Lombard. Die ist seit jeher im Carlsen Verlag beheimatet und wurde dort ab 1985 in vier Alben ver\u00f6ffentlicht (lediglich Freddys Debut in \u201eDas Testament des Gottfried von Bouillon\u201c erschien zuvor 1982 im Rahmen der Reihe \u201eAtomium 52\u201c). Die aktuell vorliegende Ausgabe versammelt nun erstmals alle Freddy Lombard Geschichten chronologisch in einem Band.<\/p>\n<p>Vor allem mit dieser Serie schlug Chaland eine Br\u00fccke, indem er zwei vermeintlich unvereinbare Zeichen-Philosophien miteinander verkn\u00fcpfte: Herg\u00e9s Ligne Claire und die von Franquin und Tillieux gepr\u00e4gte \u00c9cole Marcinelle. So erinnern Aussehen und Mimik Freddys nat\u00fcrlich und v\u00f6llig beabsichtigt an Tim, w\u00e4hrend seine Auftritte und v.a. die witzig derben Episoden mit Sidekick Sweep an das sich des \u00d6fteren kabbelnde Duo <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6704\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spirou &amp; Fantasio<\/a> anlehnen. Kein Wunder also \u2013 vielmehr eine Konsequenz \u2013 dass Chaland in der Folge auch eine Spirou-Geschichte gestaltete und sich als Zeichner f\u00fcr die Serie bewarb. Dass sich Chaland von den genannten Vorbildern trotzdem abhob, bewirkten diverse erwachsene Motive im Rahmen einer gewissen \u2013 im positiven Sinne zu sehenden \u2013 Respektlosigkeit, die man aus den Vorbildern so nicht kannte: es wird geblutet, gestorben und geflucht. Sogar nackte Haut ist zu sehen und der Aufbau der Geschichten schert sich nicht um etablierte Konventionen, egal welcher Stilrichtung.<\/p>\n<p>So teilt Chaland schon im Freddy Lombard-Erstling von 1981, \u201eDas Testament des Gottfried von Bouillon\u201c, der noch mehr N\u00e4he zum Funny zeigt und parodistische Z\u00fcge tr\u00e4gt, die 29-seitige Geschichte kurzerhand auf: ein Part spielt in der Gegenwart, einer im Mittelalter, wobei ein wundersamer Kunstgriff am Ende beide Zeitlinien verbindet. Hier lernen wir auch das dynamische Trio kennen, das die Geschichten fortan bestreiten wird: neben Freddy sind das der impulsive Sweep und die clevere Dina. Auch der Nachfolger. \u201eDer Elefantenfriedhof\u201c, kommt in zwei Teilen daher, die jedoch inhaltlich voneinander getrennt und damit eigentlich zwei abgeschlossene Geschichten sind, welche lediglich eine vage Sache miteinander verkn\u00fcpft. Teil 1 (22 Seiten), in dem es das Trio nach Afrika verschl\u00e4gt, erinnert an Herg\u00e9s <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1094\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tim im Kongo<\/a> (inkl. bewusst beabsichtigter fragw\u00fcrdiger Darstellung der Schwarzen) und Teil 2 (23 Seiten) k\u00f6nnte zu Beginn fast als eine Variation von \u201eDas Geheimnis der \u201aEinhorn\u2018\u201c durchgehen, mit Motiven aus Caligari und einer <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1235\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tarzan<\/a>-Variante. \u00dcbrigens eine Story mit offenem Ende.<\/p>\n<div id=\"attachment_6816\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6816\" class=\"size-full wp-image-6816\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Freddy-Lombard_Panel-1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"289\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Freddy-Lombard_Panel-1.jpg 400w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Freddy-Lombard_Panel-1-300x217.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><p id=\"caption-attachment-6816\" class=\"wp-caption-text\">Das Testament des Gottfried von Bouillon<\/p><\/div>\n<p>Ab der n\u00e4chsten Episode, nun auch Album lang, arbeitet Chaland mit <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5291\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Yann<\/a> (le Pennetier) zusammen, der als Co-Autor fungiert und der hiesigen Lesern durch Reihen wie Helden ohne Skrupel, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3338\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bob Marone<\/a>, Sambre, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2835\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marsupilami<\/a> und nicht zuletzt <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4929\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spirou &amp; Fantasio<\/a> bestens bekannt ist. In \u201eDer Komet von Karthago\u201c zieht selbiger am Himmel seine Bahn und scheint dabei in dem kleinen K\u00fcstenort Cassis bei Marseille alles aus den Fugen zu rei\u00dfen. Zuerst wird der Ort durch Dauerregen und einen Erdrutsch von der Au\u00dfenwelt abgeschnitten. Dann spielen sich dort diverse Dramen ab, in deren Mittelpunkt die h\u00fcbsche Tunesierin Alaia, der Bildhauer Carrier-Deleuze und (als reale Figur) der Schweizer Wissenschaftler Auguste Piccard stehen. Und dazwischen nat\u00fcrlich Freddy, Sweep und Dina, die in Cassis nach antiken Amphoren tauchen. Die Geschichte ist schwierig. Diverse Ereignisse laufen parallel zueinander. Der Lesefluss ist holprig, nicht zuletzt durch die Textbez\u00fcge zur Antike. Eine Story, in Teilen abstrakt, durchaus konfus und damit schwer fassbar, jedoch mit starker Bildsprache, Panelfolgen ohne Text und einem kleinen historischen Ausflug, \u00e4hnlich wie bei Gottfried von Bouillon.<\/p>\n<p>\u201eFerien in Budapest\u201c ist dann wieder ganz anders: Der junge Laszlo aus einer wohlhabenden Familie bekommt in Venetien von Dina Nachhilfe in Latein. Aber er rei\u00dft von zuhause aus macht sich auf den Weg nach Budapest, begleitet von Freddy und Sweep, die bald in die Wirren des Ungarischen Volksaufstandes von 1956 geraten. Die Geschichte ist wieder gradliniger, Freddy Lombard scheint endg\u00fcltig auf Kurs. Und erstmals sind die Sprechblasen viereckig \u2013 wieder wie bei Herg\u00e9. Als kr\u00f6nender Abschluss folgt nun mit \u201eF-52\u201c ein Ausflug in die Science Fiction, die letzte 1990 entstandene Episode. Hier zeigt sich Chalands Ligne Claire Stil gereift, sehr fein und elegant, bisweilen karg, aber detailliert, wo es ein muss, und dabei immer stimmig.<\/p>\n<div id=\"attachment_6818\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6818\" class=\"size-full wp-image-6818\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Freddy-Lombard_Panel-2.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"175\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Freddy-Lombard_Panel-2.jpg 400w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Freddy-Lombard_Panel-2-300x131.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><p id=\"caption-attachment-6818\" class=\"wp-caption-text\">Die F-52<\/p><\/div>\n<p>F-52 ist der Name des ersten atomgetriebenen Flugzeugs, ein futuristisch anmutender Jet von riesigen Ausma\u00dfen (f\u00fcnf Stockwerke!), der seinen Jungfernflug von Paris nach Melbourne bestreiten soll. Genau 25 Jahre nach Lindberghs legend\u00e4rem Nonstop-Atlantikflug (jetzt wissen wir auch, wann die Story spielt, n\u00e4mlich 1952). Freddy, Sweep und Dina geh\u00f6ren zur Crew und bekommen es mit einer Kindesentf\u00fchrung und einem Spion zu tun. Der gro\u00dfe schnittige, rot-wei\u00dfe Jet mag einmal mehr als logische Konsequenz von Herg\u00e9s ikonischer Mondrakete erinnern. Wieder pr\u00e4sentieren Chaland und Yann parallele Handlungen, die sie mit Szenen w\u00fcrzen, die man so aus dem Genre nicht kannte: das psychisch durchgeknallte Ehepaar, das seine behinderte Tochter ohne mit der Wimper zu zucken, eintauscht, ist wirklich gruselig. Und unser Heldentrio bekommt im Laufe der Story m\u00e4chtig auf die M\u00fctze, l\u00e4sst sich davon aber nicht unterkriegen. Das dramatische Finale kommt einer Erl\u00f6sung gleich, inszeniert mit wenigen Worten und starken, auch gro\u00dfformatigen Panels \u2013 womit Chaland den geregelten <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4711\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ligne Claire Stil<\/a> einmal mehr aufbricht.<\/p>\n<p>Nun liegen also alle Geschichten aus der Reihe in einem Sammelband vor. Auch die Bezeichnung Gesamtausgabe mag gelten. Aber nur z\u00e4hneknirschend. Denn zum einen ist das Format \u2013 warum auch immer \u2013 um einiges kleiner als bei den g\u00e4ngigen Gesamtausgaben und zum anderen \u2013 was viel schwerer wiegt und als Vers\u00e4umnis, als verpasste Gelegenheit, gelten muss \u2013 fehlt bis auf ein Nachwort von Comicautor Jean-Luc Fromental (u.a. \u201eDie Abenteuer von Herg\u00e9\u201c) jegliches Bonus- bzw. Sekund\u00e4r-Material. Gerade hier h\u00e4tte man doch ansetzen k\u00f6nnen, gerade hier w\u00e4ren die Leser doch dankbar f\u00fcr zus\u00e4tzliche Artikel, Fotos oder Skizzen gewesen, sind doch die Werke Chalands hierzulande allesamt schon vor etlichen Jahren bereits erschienen. Warten wir also weiter auf die ultimative Freddy Lombard Gesamtausgabe, oder \u2013 noch besser \u2013 auf eine fein pr\u00e4sentierte Werkausgabe des kompletten Chaland Oevres. In der Zwischenzeit muss es eben dieser Band tun. Und tut es auch. (bw)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/freddy-lombard-gesamtausgabe\/88668\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Freddy Lombard<\/a><br \/>\nText: Yves Chaland, Yann Lepennetier<br \/>\nBilder: Yves Chaland<br \/>\n232 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n29,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-73605-5<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D6813\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6813\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Freddy Lombard (Carlsen) &raquo; Comicleser #Atom-Stil #Carlsen #F-52 #Freddy Lombard #Funny #Gesa [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Yves Chaland war ein Comic-K\u00fcnstler, der gemeinsam mit anderen Zeichnern (u.a. die Floch-Br\u00fcder, Serge Clerc oder der 2016 verstorbene Ted Benoit) den sogenannten Atom-Stil wesentlich pr\u00e4gte (auch Nouvelle Ligne Claire genannt): die Verbindung der Ligne Claire mit der schnittigen, futuristischen Design-Richtung der F\u00fcnfziger Jahre. 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