{"id":6566,"date":"2018-03-15T15:09:03","date_gmt":"2018-03-15T13:09:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6566"},"modified":"2018-03-15T15:28:40","modified_gmt":"2018-03-15T13:28:40","slug":"the-death-of-stalin-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6566","title":{"rendered":"The Death of Stalin (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6567\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/The-Death-of-Stalin.jpg\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/The-Death-of-Stalin.jpg 288w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/The-Death-of-Stalin-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/p>\n<p>Kunzewo, Stadt am Rande Moskaus, in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. M\u00e4rz 1953. Hier lebt Genosse Stalin in seiner Datscha und hier erleidet er einen Schlaganfall, der ihn bewegungsunf\u00e4hig macht und ihn seiner Stimme beraubt. Ehe man die \u00c4rzte ruft (jene, die noch leben und die nicht bei einer der beliebten S\u00e4uberungsaktionen starben), trifft Lawrenti Beria ein, machthungriger wie skrupelloser Innenminister. Der klaut erst einmal vorsorglich Stalins Akten und versammelt dann seine Politb\u00fcro-Kollegen Malenkow, Chruschtschow, Mikojan, Kaganowitsch und Bulganin. Man speist und trinkt und beschlie\u00dft dann in aller Ruhe das weitere Vorgehen, w\u00e4hrend der allm\u00e4chtige Diktator nebenan todkrank in seinem eigenen Urin vor sich hin gammelt. Und nur wenige Tage sp\u00e4ter, der ganzen bem\u00fchten \u00c4rzteschar zum Trotz, stirbt, ohne wieder richtig zu Bewusstsein gekommen zu sein. Die feinen Herren des Politb\u00fcros nutzen das Machtvakuum sofort, um eigene R\u00e4nke zu schmieden, um sich zu positionieren und sich f\u00fcr k\u00fcnftige Aufgaben zu empfehlen. Auch Aussenminister Molotov (mixt in seiner Freizeit gerne Cocktails), der eigentlich von Stalin \u201eaussortiert\u201c werden sollte, und die beiden Kinder des Diktators mischen dabei mit, bzw. erweisen sich als zu beseitigende Hindernisse\u2026<\/p>\n<p>Der Band, der als Integral beide Original-Alben umfasst, versteht sich als Polit-Groteske (vor allem Teil 1), die \u2013 und das ist der Witz an der Sache \u2013 genauso stattfand. Zumindest fast genauso. Soweit man das heute wei\u00df. Denn die Geschehnisse und alle beteiligten Personen waren real. Es beginnt mit der Rundfunkaufnahme, die <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5866\">Stalin<\/a> unbedingt haben will. Eigens dazu \u2013 man hat bei der Live-Sendung keine Aufzeichnung mitlaufen lassen \u2013 werden alle Musiker im Konzerthaus festgehalten. Es muss noch einmal gespielt werden, diesmal mit Aufnahme, koste es was es wolle. Ansonsten riskiere man den Diktator zu kr\u00e4nken und dann drohe der Tod. \u00dcberhaupt sind Denunziationen und Intrigen an der Tagesordnung. Die ber\u00fcchtigten S\u00e4uberungen. Aber nat\u00fcrlich denunziert man nicht zum Wohle des Staates. Man nutzt das Klima des Schreckens, das Angst evozierende politische System, um Macht zu erlangen, um aufzusteigen, und um damit Gegner aus dem Weg zu r\u00e4umen. Beria mischt dabei ganz vorne mit. Er lullt den designierten Stalin-Nachfolger Malenkow (der sich nur zwei Jahre wird halten k\u00f6nnen) ein, ein schwacher Geist, und zieht ihn auf seine Seite. Molotov gibt er seine ins Gulag deportierte Frau zur\u00fcck, die dieser f\u00fcr tot hielt (und trotzdem Stalin treu ergeben war). Nur als er die Armee (in Person von Marschall Schukow, des Siegers von Stalingrad und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4139\">Berlin<\/a>) auf seine Seite ziehen will, scheitert er.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6569\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/The-Death-of-Stalin_Kinoplakat.jpg\" alt=\"\" width=\"269\" height=\"380\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/The-Death-of-Stalin_Kinoplakat.jpg 269w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/The-Death-of-Stalin_Kinoplakat-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 269px) 100vw, 269px\" \/>Den Vogel schie\u00dft Stalins Sohn Wassilij ab. Der ist Jagdflieger, General und f\u00fchrt ein unbehelligt z\u00fcgelloses und ausschweifendes Leben. Als er auf der Datscha eintrifft, platzt er volltrunken mitten in die Obduktion Stalins (die in der Garage stattfindet, weil dort gerade Platz ist und man die Sauerei besser wegmachen kann) und ballert mit seiner Pistole ziellos auf die \u00c4rzte, die vermeintlichen M\u00f6rder seines Vaters\u2026 Sp\u00e4ter in Teil 2 spielt er eine gr\u00f6\u00dfere Rolle und wird, als er seine Verschw\u00f6rungstheorien der Presse mitteilen will, systematisch kalt gestellt. Meist mit Alkohol. Und Stalins Tochter Swetlana? Die ist zuerst dankbar, dass sie alleine und in Ruhe bei ihrem aufgebahrten Vater Abschied nehmen kann, ehe sie emp\u00f6rt erkennen muss, dass sie nur Statistin in der Generalprobe der Trauerfeier ist. Kommt der erste Teil durch zahlreiche skurrile Episoden satirisch massiv \u00fcberh\u00f6ht daher (manchmal bleibt einem auch das Schmunzeln im Halse stecken, wenn man die L\u00e4cherlichkeit im Ernst erkennt \u2013 und umgekehrt), wird es in Teil 2 auch dramatisch. Die zahlreichen Toten bei der Beisetzung (sie wurden nicht erschossen, sondern starben bei Paniken) werden thematisiert, wie das Schicksal Wassilijs und dann nat\u00fcrlich der Machtkampf zwischen Beria und seinen \u201eKollegen\u201c.<\/p>\n<p>Eine furiose Polit-Groteske, satirisch, \u00fcberdreht und doch real. Weitestgehend. Dort wo L\u00fccken sind, zieht <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3570\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Autor Fabien Nury<\/a> (u.a. <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4212\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eSilas Corey\u201c<\/a>, \u201eW.E.S.T\u201c, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4907\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eTyler Cross\u201c<\/a>) eigene Schl\u00fcsse, die sich bestens einf\u00fcgen und auch nicht gleich erkennbar sind. Zeichner Thierry Robin, von dem schon Jahre nichts mehr auf Deutsch erschien, punktet mit einem markanten Strich und gro\u00dfz\u00fcgigen Schwarzfl\u00e4chen, was an den Stil des Expressionismus erinnern l\u00e4sst. Der Bonusteil umfasst ein Nachwort eines Historikers, Ausschnitte aus einer zugunsten dieses Bandes abgebrochenen Stalin-Biographie von Thierry Robin, sowie etliche Skizzen und Skript-Ausz\u00fcge. Und: die Geschichte ist bereits verfilmt. Der Schotte Armando Iannucci, der bereits durch diverse TV-Serien (\u201eThe Thick of it\u201c, \u201eVeep\u201c) Polit-Satire erfahren ist, f\u00fchrte Regie und schrieb auch das Drehbuch. Die franz\u00f6sisch-britische Co-Produktion startet am 29. M\u00e4rz im Kino und ist durchaus prominent besetzt, u.a. mit Steve Buscemi, Jason Isaacs und Michael Palin. Inwiefern man den satirisch-grotesken Geist der Comic-Vorlage einzufangen vermochte oder ob Klamauk Trumpf ist, l\u00e4sst sich auch angesichts des Trailers noch nicht endg\u00fcltig sagen. (bw)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/the-death-of-stalin.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Death of Stalin<\/a><br \/>\nText: Fabien Nury<br \/>\nBilder: Thierry Robin<br \/>\n144 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n29,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-96219-171-9<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D6566\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6566\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"The Death of Stalin (Splitter) &raquo; Comicleser #Dargaud #Fabien Nury #Gesamtausgabe #La Mort de [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunzewo, Stadt am Rande Moskaus, in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. M\u00e4rz 1953. 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