{"id":6082,"date":"2017-11-08T13:17:35","date_gmt":"2017-11-08T11:17:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6082"},"modified":"2020-01-10T14:15:34","modified_gmt":"2020-01-10T12:15:34","slug":"monet-knesebeck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6082","title":{"rendered":"Monet (Knesebeck)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6083\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Monet.jpg\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Monet.jpg 288w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Monet-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/p>\n<p>Giverny, 1923. Der alte Monet leidet am grauen Star. Entweder er unterzieht sich einer Operation oder verliert sein Augenlicht f\u00fcr immer. Angstvoll entscheidet sich der alte Meister f\u00fcr den Eingriff und l\u00e4sst w\u00e4hrend der bangen Tage, in denen er mit verbundenen Augen ruhen muss, sein Leben an sich vorbeiziehen. Schon fr\u00fch war Oscar-Claude Monet fasziniert vom Zeichnen, vor allem von der Natur \u2013 eine Leidenschaft, von der sein Vater durchaus wenig begeistert ist. Die Begegnung mit dem Maler Boudin 1858 ver\u00e4ndert sein Leben: Boudin ermutigt ihn, die Natur so zu malen, wie er sie sieht und erlebt, w\u00e4hrend das k\u00fcnstlerische Establishment den klassizistischen Idealen fr\u00f6nt und die Motive stets nur als Basis f\u00fcr Idealisierung und \u00dcberh\u00f6hung nimmt. 1862 schlie\u00dft sich Monet in Paris der Akademie des Malers Glaire an, wo er in Ber\u00fchrung mit den jungen Unruhestiftern der Szene kommt: mit Renoir, Bazille, Sislay und Pissarro rebelliert Monet gegen die Vorherrschaft der akademischen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3166\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Malerei<\/a>, verk\u00f6rpert im Salon, in dem Klassizismus und Historienmalerei dem bildungsb\u00fcrgerlichen Publikum immer gleiche Kost servieren. Sp\u00e4testens als Manets \u201eFr\u00fchst\u00fcck im Gr\u00fcnen\u201c 1863 im Salon zur allgemeinen Emp\u00f6rung f\u00fchrt, steht f\u00fcr Monet und seine Freunde der Weg fest: man m\u00f6chte Kunst im Freien schaffen, anstelle Stilisierung die eigene Emotion und Wahrnehmung transportieren \u2013 weshalb Monet eines seiner Bilder \u201eImpressionen. Sonnenaufgang\u201c nennt und so einer ganzen Bewegung den Namen gibt.<\/p>\n<p>Die junge Camille L\u00e9onie-Dancieux steht f\u00fcr viele seiner Bilder Modell, darunter auch f\u00fcr \u201eCamille im gr\u00fcnen Kleid\u201c, das Zola als kraftvoll lobt. Der Erfolg bleibt dennoch aus. Entt\u00e4uscht zieht sich Monet mit Camille, die seine Geliebte geworden ist, zur\u00fcck und malt mit \u201eFrauen im Garten\u201c 1867 das Bild, das ihm eigentlich zu Ruhm und Reichtum verhelfen soll. Als dieses Werk vom <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4099\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Salon<\/a> abgelehnt wird und Camille auch noch ein Kind erwartet, steht Monet mittellos und ohne Perspektiven da. Renoir ermutigt ihn, dennoch auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen, und so wagen die jungen Rebellen, darunter auch Edgar Degas, 1874 eine erste eigene Ausstellung im ehemaligen Photoatelier Nadar. Diese endet allerdings im Debakel: Publikum und Kritiker sch\u00fctten H\u00e4me \u00fcber die als geschludert und unfertig abgekanzelten Bilder aus. Ein Hoffnungsschimmer bietet dem verzweifelten Monet der reiche Stoffh\u00e4ndler Ernest Hosched\u00e9, der ihm ein Engagement auf seinem Chateaux anbietet. Dort findet Monet zwar Arbeit, st\u00fcrzt sich aber auch in eine Affaire mit Hosched\u00e9s Frau Alice. Als Hosched\u00e9 selbst vor dem Ruin steht, sieht sich Monet mit einer ausweglosen Situation konfrontiert: bittere Armut, zwei Frauen und acht Kinder sind zu versorgen, und die Kunstwelt scheint immer weniger Notiz von ihm zu nehmen\u2026<\/p>\n<p>Der spanische Autor, Schriftsteller und Drehbuchautor Salva Rubio legt mit \u201eMonet\u201c seine erste Graphic Novel vor, ein Projekt, das er mit dem ebenfalls malereibegeisterten EFA (eigentlich Ricard Fernandez) akribisch vorbereitete und umsetzte. Keine strenge Biographie, sondern eher ein Spielfilm solle es sein, so Rubio, mit den n\u00f6tigen kleinen Abweichungen, Anachronismen und \u00dcberh\u00f6hungen, aber immer basierenden auf den Erinnerungen Monets, die Rubio aus zahlreichen einschl\u00e4gigen Lebensbeschreibungen des f\u00fchrenden Kopfs der Impressionisten entnahm. Die Geschehnisse entfalten sich als <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-6085\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Monet-Panel.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"321\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Monet-Panel.jpg 400w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Monet-Panel-300x241.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Selbstreflexion des alten Meisters, der somit immer wieder vorgreifen kann (\u201eH\u00e4tten wir gewusst, dass wir die Geschichte ver\u00e4ndern?\u201c) und am Ende als einsamer alter Mann Seerosen malt. Dabei oszilliert Rubio gekonnt zwischen der Faszination der Rebellion, dem Bruch mit der Konvention, dem unerbittlichen Willen, Neues zu schaffen und der R\u00fccksichtslosigkeit und Egomanie, mit der Monet seine Vision verfolgt, ohne dabei auf die Belange seiner Frauen und Kinder zu achten. Erst sein alter Weggef\u00e4hrte Renoir kann ihn davon \u00fcberzeugen, dass er seinen selbstgef\u00e4lligen Stolz ablegen und seine Werke dem Salon zur Verf\u00fcgung stellen muss, da der Impressionismus l\u00e4ngst als Kunstrichtung akzeptiert ist.<\/p>\n<p>Wenn sich so ab 1880 dann endlich der breitere Erfolg einstellt, sind dabei dennoch viele auf der Strecke geblieben: Camille, die an wiederholten Abtreibungen stirbt, seine Kinder, die in bitterster Armut aufwachsen m\u00fcssen. So entsteht das Portrait eines durchaus fragw\u00fcrdigen Charakters, das EFA dem Thema angemessen mit wunderbaren Bildzitaten aus dem reichhaltigen Schaffen Monets inszeniert. Dabei werden nicht nur Schl\u00fcsselwerke nachgestellt, die Graphic Novel nutzt auch das Stilmittel des Spiegeleffektes: so wird Monet oft w\u00e4hrend des Malens seiner bekannten Werke gezeigt, ein stilistisches Zitat des kunstgeschichtlichen Meilensteins \u201eLas Meninas\u201c, in dem sich der Maler Vel\u00e1zquez 1656 selbst bei der Arbeit ins Bild brachte; bei seinem eigenen monumentalen \u201eFr\u00fchst\u00fcck im Gr\u00fcnen\u201c entsteht sogar eine ganzseitige, in sich dynamische Ansicht, in der Monet und seine Modelle durch das langsam entstehende Bild wandern. Weit jenseits einer verstaubten kunsthistorischen Abhandlung entsteht so ein faszinierender, lebendiger Gang durch eine der formativsten Epochen der modernen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=455\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Malerei<\/a>, deren Protagonist auf dem einem d\u00fcnnen Grat zwischen Faszination und Selbstsucht wandert. Knesebeck bringt diesen Band in gewohnt hochwertiger Aufmachung mit einem ausf\u00fchrlichen Anhang, in dem die zitierten Bilder en detail aufgef\u00fchrt sind. (hb)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.knesebeck-verlag.de\/claude_monet\/t-1\/599\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Monet &#8211; Auf den Spuren des Lichts<\/a><br \/>\nText: Salva Rubio<br \/>\nBilder: EFA (Ricard Fernandez)<br \/>\n112 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nKnesebeck Verlag<br \/>\n22 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95728-068-8<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D6082\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6082\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Monet (Knesebeck) &raquo; Comicleser #Auf den Spuren des Lichts #Claude Monet #EFA #Einzelband #Gr [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Giverny, 1923. Der alte Monet leidet am grauen Star. 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