{"id":6070,"date":"2017-11-06T13:16:55","date_gmt":"2017-11-06T11:16:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6070"},"modified":"2017-11-06T13:18:35","modified_gmt":"2017-11-06T11:18:35","slug":"manara-werkausgabe-band-17-panini","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6070","title":{"rendered":"Manara Werkausgabe, Band 17 (Panini)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6071\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Manara-Werkausgabe-17.jpg\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Manara-Werkausgabe-17.jpg 288w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Manara-Werkausgabe-17-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/p>\n<p>Wenn Milo Manara einen der seltenen Festival-Auftritte absolviert, ist stets der Teufel los. Lange Schlangen bilden sich bei seinen Signierstunden. Denn seine Widmungen, die D\u00e9dicaces f\u00fcr die Fans, sind hoch begehrt &#8211; steht der sch\u00fcchterne italienische Comic-Maestro doch (v\u00f6llig zu Recht) in dem Ruf, die sch\u00f6nsten Frauen zu zeichnen. Ihm selbst scheint das wohl bewusst zu sein und er hat sichtlich einen Heidenspa\u00df an seinem K\u00f6nnen, was die zahlreichen zuweilen hoch erotischen Werke, die er <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3806\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Laufe seiner Karriere<\/a> geschaffen hat, belegen (Beispiel: die \u201eAu\u00dfer Kontrolle\u201c Reihe). Doch auch Werke namhafter Autoren hat Manara bisher in Szene gesetzt, allen voran seinen wunderbaren \u201eIndianischen Sommer\u201c, der gemeinsam mit Hugo Pratt entstand (der Vater von \u201eCorto Maltese\u201c, der auch in Manaras Guiseppe Bergmann Reihe regelm\u00e4\u00dfige Auftritte absolviert), oder auch \u201eDie Reise nach Tulum\u201c, die nach einem Skript seines Freundes Federico Fellini realisiert wurde. Mit dem aktuellen Band 17 der Werkausgabe ver\u00f6ffentlicht Panini nun zwei Werke, die diese Aspekte in sich vereinen: \u201eDer goldene Esel\u201c, eine Adaption des Romans von Apuleius, der im zweiten Jahrhundert nach Christus lebte, ist voller erotischer Begegnungen, w\u00e4hrend \u201ePandoras Augen\u201c von Vincenzo Cerami verfasst wurde, der ein namhafter Drehbuchautor war (er starb 2013) und u.a. f\u00fcr Roberto Benigni den Oscar pr\u00e4mierten Film \u201eDas Leben ist sch\u00f6n\u201c schrieb.<\/p>\n<p>In \u201eDer goldene Esel\u201c reitet der J\u00fcngling Lucius durch das griechische Thessalien. Dort, in der Stadt Hypata, soll er dem Wucherer und Geizhals Milo ein Schreiben \u00fcberbringen. W\u00e4hrend Lucius von Milos Dienstmagd Photis mehr als angetan ist, faszinieren ihn die F\u00e4higkeiten von dessen Frau Pamphile, einer Hexe, die sich nach Auftragen einer Salbe in eine Eule verwandeln kann. Lucius will es ihr nach tun, doch der Selbstversuch schl\u00e4gt fehl: Photis greift nach einer falschen Salbe und Lucius mutiert zu einem gemeinen Esel. Als er in Eselgestalt von R\u00e4ubern entf\u00fchrt wird, beginnt f\u00fcr ihn eine leidvolle Odyssee als gequ\u00e4ltes Lasttier, als potenzielle Mahlzeit oder als willf\u00e4hriger Liebhaber einer zoophilen Adligen, bis er am Ende durch g\u00f6ttliche Hilfe wieder seine menschliche Gestalt erlangt. \u201eDer goldene Esel\u201c erschien 1999 (und auf Deutsch bereits als Einzelalbum bei Schreiber &amp; Leser) und basiert auf dem antiken Roman von Apuleius. Manara arbeitete hier mit Direkt-Kolorierung in seinen f\u00fcr ihn typischen zur\u00fcckhaltenden angenehmen Farbt\u00f6nen. Seine Adaption (wie auch schon die Vorlage) steckt voller erotischer Begegnungen (auch die Esel-Szene kommt bereits im Roman vor) und bietet so etliche Gelegenheiten, nackte junge Frauen in allen (Lebens- und Liebes-) Lagen zu inszenieren, was die Manara-typischen Altherren-Fantasien ausreichend bedient.<\/p>\n<p>Doch bietet der Band tats\u00e4chlich mehr als blosse Erotik. Bei der Optik der bisweilen grotesken Episoden und Ereignisse l\u00e4sst sich Manara wieder von Federico Fellinis Filmen inspirieren, hier in erster Linie von \u201eFellinis Satyricon\u201c aus dem Jahre 1969. So absolviert die Schauspielerin Magali No\u00ebl einen Kurzauftritt als Lucius\u2019 Amme, ansonsten erinnern Masken und diverse derbe Szenerien an das Werk (das mir wie alle Fellini-Filme wohl f\u00fcr immer verschlossen bleiben wird, aber lassen wir das). Und gerade als gemeines Lasttier lernt Lucius die Niederungen der Gesellschaft kennen und geht gel\u00e4utert aus seinem Abenteuer hervor, wobei Manara direkt nach der R\u00fcckverwandlung abbricht und so den Schluss des Romans ausspart, in dem sich Lucius zum Priester weihen l\u00e4sst und fortan der G\u00f6ttin dient, die ihn errettet. (Meist) sch\u00f6ne Menschen, v.a. nackte Frauen und erotische Eskapaden in wunderbaren stimmungsvollen Bildern stehen hier im Kontrast zu einer episodischen, schw\u00fclstigen Handlung der es an Dynamik mangelt und die auch sprachlich etwas z\u00e4h und emotionslos daherkommt, was aber auch in Teilen der antiken Vorlage geschuldet sein mag.<\/p>\n<p>Ganz anders \u201ePandoras Augen\u201c. Anders in der Handlung, im Aufbau und im Aussehen. Die Geschichte entstand im Jahre 2007 und hier setzt Manara das erste Comic-Skript von eben jenem Vincenzo Cerami um, der ansonsten als Drehbuchautor re\u00fcssierte. Die Story spielt in der Gegenwart: scheinbar ohne Grund wird die junge Pandora (\u201eWie die mit der B\u00fcchse voller Unheil\u201c, wie sie selbst sagt), gerade 18 geworden, nach einer Party von Unbekannten entf\u00fchrt. Als sie erwacht, befindet sie sich in der T\u00fcrkei. Ein gewisser und ihr bisher unbekannter Pierre Castex will sie sehen, welcher angeblich ihr leiblicher Vater ist. Schnell wird klar: der omin\u00f6se Castex ist ein Gangsterboss, hat daher offenbar einiges auf dem Kerbholz, wird international gesucht und lebt deshalb versteckt hier in der T\u00fcrkei. Pandora ist all dies verst\u00e4ndlicherweise h\u00f6chst suspekt und so sucht sie, noch ehe es zum ersten Treffen mit Castex kommt, ihr Heil in einer \u00fcberst\u00fcrzten Flucht\u2026<\/p>\n<p>Die Story, die mit konventionellen Thriller-Motiven startet, kommt durch einen kleinen Twist erst nach einer Weile in Fahrt. Zuvor dient Pandora, die stets im aufreizenden Minikleidchen auftritt (wobei es nackt-technisch auch bleibt), bei ihrer wilden Hatz durch Ankara als potenzielles Freiwild f\u00fcr die M\u00e4nner. Nach dem Treffen mit ihrem angeblichen Erzeuger packt die Geschichte schlie\u00dflich den Leser und man fragt sich, was oder wer noch hinter Pandoras Entf\u00fchrung steckt. Der Band erschien offenbar im Original in Schwarz-Wei\u00df und feiert hier in der Farbversion seine Deutschland-Premiere. Dementsprechend kommen die Panels konventioneller daher, farbliche Feinabstufungen fehlen. Die Bilder sind pr\u00e4zise mit Tusche ausgearbeitet und wirken daher kr\u00e4ftiger und routinierter als beim \u201eGoldenen Esel\u201c. So pr\u00e4sentiert der Band zwei h\u00f6chst unterschiedliche Werke Manaras, inhaltlich und optisch. Womit die <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2434\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00fcnstlerische Bandbreite des Italieners<\/a> eindrucksvoll pr\u00e4sentiert wird. Der einleitende Sekund\u00e4rpart geht auf die Autoren und deren Werke ein, w\u00e4hrend einmal mehr ein Portfolio (diesmal wieder mit \u201etypischen Manara-Damen\u201c) den Band beschlie\u00dft. (bw<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.paninishop.de\/artikel\/dmana017-manara-werksausgabe-17-goldene-esel-pandora\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Manara Werkausgabe, Band 17: Der goldene Esel \/ Pandoras Augen<\/a><br \/>\nText: Milo Manara, Vincenzo Cerami<br \/>\nBilder: Milo Manara<br \/>\n132 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nPanini Comics<br \/>\n29,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-7416-0456-0<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D6070\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6070\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Manara Werkausgabe, Band 17 (Panini) &raquo; Comicleser #Der goldene Esel #Federico Fellini #Gesam [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Milo Manara einen der seltenen Festival-Auftritte absolviert, ist stets der Teufel los. 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