{"id":5850,"date":"2017-09-05T12:32:37","date_gmt":"2017-09-05T10:32:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5850"},"modified":"2017-09-05T12:34:07","modified_gmt":"2017-09-05T10:34:07","slug":"deadpool-pulp-panini","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5850","title":{"rendered":"Deadpool: Pulp (Panini)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-5851\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Deadpool-Pulp.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Deadpool-Pulp.jpg 270w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Deadpool-Pulp-203x300.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/p>\n<p>Krieg kann ganz sch\u00f6n kalt sein. Das erf\u00e4hrt 1955 auch der geistig durchaus fragw\u00fcrdige Wade Wilson, der als Undercover-Agent mit dem Codenamen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4899\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deadpool<\/a> die Drecksarbeit f\u00fcr die US-Regierung macht. Sein neuester Auftrag: eine abtr\u00fcnnige Agentin hat eine Atombombe im handlichen Aktentaschenformat gestohlen. Ein zutiefst beunruhigter J. Edgar Hoover will die Bombe wieder zur\u00fcck und setzt seine besten M\u00e4nner \u2013 also General Stryfe und CIA-Chef Cable \u2013 auf die Sache an. Wade Wilson, der in japanischer Kriegsgefangenschaft als Reaktion auf Folter und Todesangst zum eiskalten Killer mit <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5434\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katana-Schwertern<\/a> mutierte und nebenbei eine ausgewachsene Schizophrenie pflegt, nimmt den Job mit gemischten Gef\u00fchlen an. Immerhin soll er niemand anders als Inez Temple zur Strecke bringen, die unter ihrem Decknamen Outlaw den Koffer in ihren Besitz gebracht hat &#8211; und au\u00dferdem einst seine Geliebte war.<\/p>\n<p>Die Spur f\u00fchrt zun\u00e4chst zu Doktor Jackson Hammer, dem Erfinder der Bomben, der vom Erdboden verschwunden scheint. In der verlassenen Wohnung findet Wilson allerdings einen Hinweis, der ihn nach Havanna und damit ein St\u00fcck n\u00e4her an die fehlenden Mosaik-Teilchen bringt. Dort allerdings warten gleich mehrere handfeste \u00dcberraschungen auf ihn \u2013 und dass hinter dem Atomklau nicht die Russkis stecken, sondern ganz andere Kollegen, ist dabei noch das geringste \u00dcbel. Denn auch <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4396\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wilsons eigene Geschichte<\/a>, ja seine gesamte Existenz kommt ins Wanken, als er die Wahrheit \u00fcber den Auftrag und auch seine Vergangenheit erf\u00e4hrt\u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1884\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pulp<\/a> \u2013 der Name ist hier definitiv Programm. F\u00fcr ihre Storyline, die sich weit au\u00dferhalb des regul\u00e4ren Marvel-Universums abspielt, greifen die Comic- und TV-Veteranen Mike Benson und Adam Glass direkt in die Welt der US-Groschenromane, die benannt nach dem billigen Papier, auf dem sie gedruckt waren, als Pulp-Literatur ein ganzes Genre begr\u00fcndeten. Hinter rei\u00dferischen Titeln und knalligen Titelbl\u00e4ttern verbargen sich klischeehafte, flott erz\u00e4hlte Plots, die sich durch zwielichtige Charaktere und permanente Wechsel von Linearit\u00e4t und Schaupl\u00e4tzen auszeichneten. Bedient wurden dabei alle literarischen Spielarten, aber vor allem mit Horror, Science Fiction und Spionagesujets konnten die Pulps ihre Fans erfreuen. Und so ist auch hier nichts, wie es eigentlich scheint, Freund und Feind verwischen zusehends in dieser Jagd nach dem Atomkoffer, die direkt aus Robert Aldrichs Filmversion von Mickey Spillanes Krimi \u201eKiss Me Deadly\u201c (dt. \u201eRattennest\u201c) entsprungen scheint \u2013 nicht umsonst tr\u00e4gt der Erfinder der Kofferbombe den Namen von Spillanes Privatdetektiv Mike Hammer, der in Aldrichs Film eine geheimnisvolle Kiste wahrlich strahlenden Inhalts sucht.<\/p>\n<div id=\"attachment_5853\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5853\" class=\"size-full wp-image-5853\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Deadpool-Pulp_Seite.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"392\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Deadpool-Pulp_Seite.jpg 400w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Deadpool-Pulp_Seite-300x294.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><p id=\"caption-attachment-5853\" class=\"wp-caption-text\">Der durch die H\u00f6lle geht: Wade Wilson spielt russisches Roulette<\/p><\/div>\n<p>Gew\u00fcrzt wird das Ganze mit einer ordentlichen Prise Paranoia der McCarthy-\u00c4ra, in der alles und jeder als \u201eCommie\u201c verd\u00e4chtig schien, was in der Welle der Invasionsromane und -filme der 50er Jahre nicht zuletzt in den Pulps Widerhall fand. Auch gestalterisch steht das Geschehen ganz im Zeichen der Groschenroman\u00e4sthetik, die \u2013 ganz wie die Poster der B- und C-Filme der Autokinos \u2013 durch knallige, drastische Titelseiten die Aufmerksamkeit des Kaufpublikums auf sich ziehen mussten. Laurence Campbell erledigt das in sch\u00f6n-d\u00fcsteren Panels und ganzseitigen Tableaus, die authentisch den Geist der Pulps atmen. Aber Benson und Glass liefern weit mehr als nur eine Hommage an ein Trash-Genre: sie kredenzen auch eine vielschichtige Variante zur sattsam bekannten <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3753\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deadpool<\/a>-Origin und zu etablierten Figurenkonstellationen. Auch im regul\u00e4ren Marvel-Kanon war Outlaw Wilsons Geliebte, Cable sein gehasster Kumpel und Stryfe ein Klon von Cable.<\/p>\n<p>Wild durcheinandergewirbelt wird dabei die Ursprungsgeschichte \u2013 ohne allzu viel verraten zu wollen, scheint hier mit dem \u201eManchurian Candidate\u201c (dt. \u201eBotschafter der Angst\u201c) die Mutter aller Gehirnw\u00e4sche-Paranoia-Streifen Pate gestanden zu haben. Das bei <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3631\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deadpool<\/a> eigentlich etatm\u00e4\u00dfige Spiel mit dem Medium (Ansprache des Publikums durch die \u201evierte Wand\u201c, ironische Seitenhiebe auf andere Figuren und Serien) sowie das unabl\u00e4ssige <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3059\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kalauern des S\u00f6ldners<\/a> mit der gro\u00dfen Klappe wird ersetzt durch virtuose Flashbacks und den ebenso am\u00fcsanten Widerstreit seiner diversen gespaltenen Pers\u00f6nlichkeiten, die ihm letztendlich sogar den Hals retten. Und ganz am Ende bekommt er auch endlich die <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2240\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">komplette Hackfresse<\/a>, als die wir ihn doch so lieben. Passt doch. Der vorliegende Band bringt auf 100 Seiten alle vier Hefte der US-Miniserie \u201eDeadpool: Pulp\u201c, womit ein vergn\u00fcgliches \u201eguilty pleasure\u201c gew\u00e4hrleistet ist. (hb)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.paninishop.de\/artikel\/dmapb124-deadpool-pulp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deadpool: Pulp<\/a><br \/>\nText: Mike Benson, Adam Glass<br \/>\nBilder: Laurence Campbell<br \/>\n100 Seiten in Farbe, Softcover<br \/>\nPanini Comics<br \/>\n12,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-7416-0424-9<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D5850\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5850\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Deadpool: Pulp (Panini) &raquo; Comicleser #Adam Glass #Deadpool #Laurence Campbell #Marvel #Mike  [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krieg kann ganz sch\u00f6n kalt sein. 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