{"id":570,"date":"2011-09-15T13:28:46","date_gmt":"2011-09-15T11:28:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=570"},"modified":"2014-07-18T14:12:04","modified_gmt":"2014-07-18T12:12:04","slug":"airborne-44-band-2-salleck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=570","title":{"rendered":"Airborne 44, Band 2 (Salleck)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-571\" title=\"Airborne 44, Band 2\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Airborne44_2.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Airborne44_2.jpg 300w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Airborne44_2-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Nahtlos setzt der zweite Band von Airborne 44 (&#8222;F\u00fcr uns gibt es kein Morgen&#8230;&#8220;) dort ein, wo Band 1, \u201eDa, wo die M\u00e4nner fallen\u2026\u201c endet. Hinter den deutschen Linien gefangen, verbergen sich Luther Jepsen und seine GIs mit zwei j\u00fcdischen Kindern auf dem Hof der h\u00fcbschen Gabrielle. Neben der allgegenw\u00e4rtigen Gefahr der Entdeckung durch die SS versch\u00e4rft sich die Lage, als der fahnenfl\u00fcchtige Kellermann nach vier Jahren unerwartet zu Gabrielle zur\u00fcckkehrt, die ihn mehr aus Mitleid geheiratet hatte, bevor er als \u201emalgr\u00e9 nous\u201c zwangsrekrutiert hatte. Unter Lebensgefahr ist es Kellermann gelungen, die Greueltaten der marodierenden Deutschen und die beginnende Judenvernichtung auf den Ostfeldz\u00fcgen heimlich zu fotografieren. Als eines der beiden Kinder der SS in die H\u00e4nde f\u00e4llt, sehen sich die ungleichen Kampfgenossen vor die Wahl gestellt: ein Leben gegen die Erinnerung an viele\u2026und mit den unaufhaltsam n\u00e4her r\u00fcckenden deutschen Truppen treibt das eng verwobene Schicksal der Figuren auf das unweigerliche, dramatische Ende zu.<\/p>\n<p>Jarbinet setzt auch im zweiten Band \u00e4u\u00dferst kunstvoll eine Mischung aus historischer Akkuratesse und einer individuellen Handlung ein, die zwar fiktiv, aber zutiefst autobiographisch verwurzelt ist: die Widmung des Bandes an zahlreiche namentlich genannte GIs, die 1944 bei der Befreiung des Heimatdorfes von Jarbinet fielen, zeigt deutlich das weit mehr als nur geschichtlich motivierte Interesse des Zeichners\/Autors. Insgesamt r\u00fcckt in Band 2 der realgeschichtliche Kontext mehr ins Blickfeld, angefangen mit den beklemmenden Schilderungen Kellermanns \u00fcber die von ihm dokumentierten Vernichtungsaktionen entlang der Ostfront, die eine Vorstufe zur organisierten \u201eEndl\u00f6sung\u201c bildeten und sp\u00e4ter vergeblich vertuscht werden sollten. Wie jedes gute St\u00fcck historischer Literatur weist Jarbinet auch weit \u00fcber den unmittelbaren Kontext hinaus bis in den Kalten Krieg, als er einen deutschen Befehlshaber (der in seiner Verbindung aus Intellekt und Grausamkeit zugleich absto\u00dfend und faszinierend wie Hans Landa in Inglourious Basterds wirkt) treffsicher vorhersagen l\u00e4sst, dass sich die Fronten schneller verschieben werden, als es die verbitterten GIs 1944 noch glauben wollen: \u201eDie Russen machen Ihnen nach dem Sieg keine Geschenke. Wenn Sie mit uns fertig sind, dann stehen Sie denen gegen\u00fcber, und dann, glauben Sie mir, brauchen Sie unsere Verbindungen im Osten. In kurzer Zeit werden wir Verb\u00fcndete\u2026Sie brauchen genau so ein Feindbild, wie wir eines hatten\u2026\u201c Dass die von Kellermann geretteten Dokumente eine zentrale Rolle in den N\u00fcrnberger Prozessen spielen werden, liefert eine weitere Verkn\u00fcpfung von Fiktion und Historie.<\/p>\n<p>Aber auch die privaten Geschicke, in Band 1 noch dominieren und sich vor der Kulisse des Krieges ereignen, verweben sich zusehends in den realgeschichtlichen Hintergrund \u2013 in zwei Epilogen (einmal 1946 und einmal 1962) verschmilzt Jarbinet Geschichte und Privatgeschehen weiter und zeigt somit die Konstanz menschlicher Konflikte, Verletzungen, aber auch Hoffnungen im wechselnden Lauf des Weltgeschehens. L\u00e4ngst sind Amerikaner und Deutsche Alliierte, l\u00e4ngst drohen andere Kriege (1962 in Form der Kuba-Krise), aber einzelne Wahrheiten bleiben unverr\u00fcckbar: \u201eIch wei\u00df, wie das alles enden wird: Mit einem Vertrag, von dem jeder etwas hat\u201c. Und so endet Airborne 44 in bester literarischer Manier mit aus dem historischen Geschehen entwickelten \u00fcberhistorischen, menschlichen, ja existentiellen Wahrheiten: \u201eErstens: Da, wo die M\u00e4nner fallen, wird trotzdem immer wieder Gras wachsen. Zweitens: F\u00fcr uns wird es irgendwann kein Morgen geben. Ob wir wollen oder nicht \u2026 Es gibt nichts Sch\u00f6neres, als am Leben zu sein! Zu leben!\u201c Und dennoch bleibt, trotz des unerwartet hoffnungsvollen Ausgangs, ein Satz, der ersch\u00fcttert, bewegt und nicht mehr losl\u00e4\u00dft, und den einer der Protagonisten vor dem Grab eines Kameraden denkt: \u201eSiehst Du, alter Freund, das Leben ist weitergegangen\u2026Ich bin jetzt 40 Jahre alt. Du wirst f\u00fcr immer 22 sein\u2026warum bist du gefallen? Warum bin ich am Leben? Diese Fragen lassen mich nicht los.\u201c \u00dcber alle wie immer bei Jarbinet gekonnte Inszenierung, Kombination von Schlachtengem\u00e4lde und Figurendarstellung, Detailreichtum, Bildkomposition und Farbeinsatz hinaus bleibt Airborne 44 durch solche Momente lange im Ged\u00e4chtnis, nachdem die Geschehnisse vor\u00fcber sind. Ganz Gro\u00dfes wieder einmal aus dem Hause Salleck. In Frankreich ist \u00fcbrigens gerade mit Band 3 der erste Teil eines neuen Zyklus\u2018 erschienen. (hb)<\/p>\n<p>Text &amp; Bilder: Philippe Jarbinet<br \/>\n48 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSalleck Publications<br \/>\n12,90 Euro<\/p>\n<p>ISBN 978-3-89908-358-3<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D570\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=570\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Airborne 44, Band 2 (Salleck) &raquo; Comicleser #Eckart Schott #Philippe Jarbinet #Salleck\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nahtlos setzt der zweite Band von Airborne 44 (&#8222;F\u00fcr uns gibt es kein Morgen&#8230;&#8220;) dort ein, wo Band 1, \u201eDa, wo die M\u00e4nner fallen\u2026\u201c endet. 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