{"id":555,"date":"2011-08-24T12:52:48","date_gmt":"2011-08-24T10:52:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=555"},"modified":"2014-07-18T14:12:55","modified_gmt":"2014-07-18T12:12:55","slug":"ganz-allein-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=555","title":{"rendered":"Ganz Allein (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-557\" title=\"Ganz Allein\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Ganz-Allein1.jpg\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Ganz-Allein1.jpg 285w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Ganz-Allein1-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/p>\n<p>Irgendwo vor Frankreich im Meer steht auf einem einsamen Fels ein Leuchtturm, der seit Jahren seine Arbeit automatisiert verrichtet. Doch verbirgt er etwas. Einen Menschen, der auf dem Leuchtturm geboren wurde und der nie etwas anderes sah und nie den Ort seiner Geburt verlie\u00df. Denn er kam mit Missbildungen zur Welt und wurde von seinen Eltern vor der Welt verborgen. Die wenigen die von seiner Existenz wissen, nennen ihn Ganz Allein, sein richtiger Name ist unbekannt.<\/p>\n<p>In seiner \u2013 extrem kleinen \u2013 Welt besitzt er das, was ihm seine Eltern hinterlie\u00dfen und das, was das Meer preisgibt: Einen Tennisball, einen Ast, einen Schuh. Sein einziger Gef\u00e4hrte ist ein Fisch in einem Wasserglas. Sein Wissen hat er aus einem dicken, alten zerfledderten Lexikon, das gleichzeitig die Quelle seiner Fantasie ist. Wahllos pickt er Begriffe heraus und l\u00e4sst seiner Einbildungskraft freien Lauf.<\/p>\n<p>Der Kontakt zur Au\u00dfenwelt beschr\u00e4nkt sich auf zwei Kisten. Darin befinden sich Lebensmittel, die ein Fischer w\u00f6chentlich auf den Landesteg des Leuchtturms stellt. Denn er versprach vor Jahren dem Vater des Jungen, sich um diesen zu k\u00fcmmern. Inzwischen d\u00fcrfte Ganz Allein so um die f\u00fcnfzig sein, doch gesehen hat ihn der Fischer noch nie. Als der Fischer einen Helfer einstellt, einen ehemaligen H\u00e4ftling, beginnt dieser, sich f\u00fcr Ganz Allein zu interessieren. Er hinterl\u00e4sst ihm mit den Kisten eine Nachricht, die seine kleine, begrenzte Welt und den immer gleichen Alltag nachhaltig ersch\u00fcttert&#8230; zum Guten \u2013 oder zum Schlechten?<\/p>\n<p>Tja, Comicfremde und Graphic-Novel-Einsteiger d\u00fcrften es mit dem dicken Band ganz schwer haben. Denn der ist anders, als es die Schublade, in der er mit dem Aufdruck Graphic Novel gesteckt wird, vermuten l\u00e4sst. Und doch ist es eine der wenigen Ver\u00f6ffentlichungen, die den Namen Graphic Novel wirklich verdienen. Denn Ganz Allein kommt mit ganz wenig Text aus. Es dauert etliche Seiten, bis die ersten Worte fallen und die Hauptperson spricht erst auf Seite 145. Und zeigt gleich, dass es sich um keinen verbl\u00f6deten Einsiedler handelt. Hier ist die Comicsprache gefragt. Und das d\u00fcrfte die Buchhandelsklientel, die ja mit dem Label Graphic Novel angesprochen werden soll, \u00fcberfordern oder gar langweilen. Denn Christophe Chabout\u00e9, der bereits mit \u201aFegefeuer\u2019 (erschienen bei Ehapa) beeindruckte, l\u00e4sst sich sehr viel Zeit f\u00fcr seine Geschichte. In fast filmischen Abfolgen l\u00e4sst er zur Einf\u00fchrung das Auge des Betrachtern \u00fcber den Leuchtturm schweifen. Oder er l\u00e4sst die \u201eKamera\u201c in mehreren Panels in der gleichen Einstellung, etwa beim An- und Ablegen des Bootes, verharren. Ein Buch f\u00fcrs Auge also. Zum sehen und genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Und dann ist da die Fantasie die Hauptperson, des Einsamen, der sich seiner Einsamkeit lange nicht bewusst ist. Die Gedanken, die durch Begriffe aus dem Lexikon entstehen, werden visualisiert, wie es dessen beschr\u00e4nkte Welt zul\u00e4sst. Da wird Konfetti tellergro\u00df, Neil Armstrong sitzt in riesiger Gestalt ohne Anzug auf dem Mond und die Oboe besitzt Schl\u00fcssel zum Verschlie\u00dfen der Griffl\u00f6cher.<\/p>\n<p>So ist es dann auch bezeichnend, dass der neue Matrose, ein Ex-Str\u00e4fling, der wei\u00df wie es ist, eingeschlossen zu sein, versucht, in die Welt von Ganz Allein einzubrechen. Das Ergebnis? Bitte selbst lesen. Es lohnt sich. Ach, und blo\u00df nicht die Carlsen Vorschau im Netz lesen \u2013 die verr\u00e4t viel zu viel! (bw)<\/p>\n<p>Text &amp; Bilder: Christophe Chabout\u00e9<br \/>\n370 Seiten in schwarz\/wei\u00df, Hardcover, Buchformat<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n29,90 Euro<\/p>\n<p>ISBN 978-3-551-78373-8<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D555\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=555\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Ganz Allein (Carlsen) &raquo; Comicleser #Carlsen #Christophe Chabout\u00e9 #Graphic Novel\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwo vor Frankreich im Meer steht auf einem einsamen Fels ein Leuchtturm, der seit Jahren seine Arbeit automatisiert verrichtet. Doch verbirgt er etwas. Einen Menschen, der auf dem Leuchtturm geboren wurde und der nie etwas anderes sah und nie den Ort seiner Geburt verlie\u00df. 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