{"id":436,"date":"2011-03-29T22:36:24","date_gmt":"2011-03-29T20:36:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=436"},"modified":"2011-03-31T08:52:05","modified_gmt":"2011-03-31T06:52:05","slug":"within-temptation-the-unforgiving-heft-1-engl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=436","title":{"rendered":"Within Temptation: The Unforgiving, Heft 1 (engl.)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-437\" title=\"The Unforgiving #1\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/The-Unforgiving.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/The-Unforgiving.jpg 261w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/The-Unforgiving-195x300.jpg 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/p>\n<p>Achtung &#8211; Das Comic ist brandneu (M\u00e4rz 2011), bisher NUR auf Englisch erh\u00e4ltlich und NUR \u00fcber die Homepage der Band zu ordern!<\/p>\n<p>Wenn es noch eines letzten Beweises bedurfte, dass unser hier behandeltes Medium und die einzig wahren, guten und sch\u00f6nen Kl\u00e4nge der Welt, n\u00e4mlich die des schweren Metalls, unver\u00e4u\u00dferlich zusammengeh\u00f6ren, dann tritt ihn dieser fulminante kick-off der neuen Serie von Steven O\u2019Connell (BloodRayne, Dark 48) so \u00fcberzeugend an, dass alle Nichtsw\u00fcrdigen (kneel, puny ones, wie Magneto sagen w\u00fcrde) verstummen sollten. Es gab ja wiederholt zaghafte Ann\u00e4herungen, schon in den 70ern wurden KISS als Marvel-Comic vermarktet (Gene Simmons wei\u00df halt, wie man Geld druckt), in der Folgedekade geriet Judge Dredd durch die Moshmeister von Anthrax und ihren Hit \u201eI Am The Law\u201c zur Ikone auf ungez\u00e4hlten Shirts, die gleichen Herren lie\u00dfen sich sp\u00e4ter von Genius Alex Ross diverse Cover zeichnen und besuchten diesen Herren in seiner Werkstatt, was als Special auf der Live-DVD Music Of Mass Destruction zu bestaunen ist.<\/p>\n<p>Aber The Unforgiving d\u00fcrfte das erste Comic-Projekt sein, das direkterweise von einer Metal-Formation ins Leben gerufen wurde und als Illustration, Untermalung oder wie man m\u00f6chte zu einer entsprechenden Langspielplatte erscheint. In Ans\u00e4tzen fand man das einmal bei Holy Moses, die ihrem Kn\u00fcppelwerk The New Machine Of Liechtenstein ein Comic von Horus beigaben, aber was die niederl\u00e4ndischen Gothic Bombast-Meister von Within Temptation hier einget\u00fctet haben, geht weiter dar\u00fcber hinaus. Die Band um Frontelfe Sharon den Adel kredenzt Kennern der Materie seit jeher soundtrackhaften, breitwandigen, symphonischen Fantasy-Metal, der \u2013 oft untermalt durch schweres, klassisches Orchester \u2013 vornehmlich von heftigen Emotion und d\u00fcsteren Schicksalen berichtet (auch wenn dies durchaus ernstzunehmende Interpreten bisweilen anders zu erkennen vermeinen). Nach eigenem Bekunden wollte man f\u00fcr das aktuelle Werk eine stilistische und auch erz\u00e4hlerische Neuausrichtung, weshalb Bandchef Robert Westerholt auf die Idee eines Konzeptalbums verfiel, dessen Story in einer Comic-Miniserie parallel erz\u00e4hlt werden sollte.<\/p>\n<p>Mit Romano Molenaar, seines Zeichens Oberfederschwinger bei (thematisch \u00e4hnlich gelagerten) Reihen wie Witchblade und The Darkness, aber auch trashigerem Material wie Lady Death und Purgatori (R.I.P. Chaos! Comics), war man schon seit einiger Zeit in Kontakt. Denn der Tausendsassa arbeitet nicht nur als Don Lawrence-Nachfolger am SF Klassiker Storm, sondern hauptberuflich als Designer f\u00fcr Online-Games (wann der schl\u00e4ft? Keine Ahnung), wo sich vor f\u00fcnf Jahren die Wege kreuzten: Within Temptation steuerten diverse Songs zu dem von Molenaar inszenierten Daddel-Spektakel The Chronicles Of Spellborn bei (zu bestaunen auf ihrem wahrlich vorz\u00fcglichen Werk The Heart Of Everything). Somit fiel die Wahl der Gothenrocker relativ schnell auf Molenaar als Zeichner des zu schaffenden Werkes \u2013 und der wiederum schlug Steven O\u2019Connell als Schreiberling vor.<\/p>\n<p>Nach einigen Ideen, mit denen die gar nicht lustigen Musikanten weniger anfangen konnten, landete O\u2019Connell dann einen Treffer: n\u00e4mlich mit dem Konzept eines d\u00fcster-zweifelhaften Mediums namens Mother Maiden (nach O\u2019Connells Aussage intuitiv benannt nach seiner favorisierten Metal-Formation \u2013 guter Mann!). Diese sibyllenhafte Figur (die offenkundig keine Augen besitzt, aber das bleibt im uns vorliegenden Band noch im Verborgenen) verfolgt eine ethisch-moralisch h\u00f6chst zweifelhafte Agenda: sie holt gefallene Seelen, die Schuld auf sich geladen haben, diese allerdings zutiefst bereuen, ins Leben zur\u00fcck und bietet ihnen die M\u00f6glichkeit zur S\u00fchne. Und zwar, in dem sie weitere Morde begehen, unter dem Versprechen, \u00fcber diesen Umweg einer sehr realen H\u00f6lle doch noch zur Erl\u00f6sung zu gelangen. \u201eGuilt can be a powerful motivator\u201c, so wei\u00df es die Einleitung, \u201c\u2026and redemption, even greater.\u201c Diese Gruppe verdammter Seelen sind die titelgebenden Unforgiving, \u201ea taskforce of tainted souls to track down and eliminate violent killers in a quest for redemption\u201c. Dass diese Idee nat\u00fcrlich einen riesigen moralischen Gl\u00fchwein aufw\u00e4rmt, d\u00fcrfte klar sein \u2013 wie kann S\u00fcnde durch mehr S\u00fcnde, Schuld durch noch mehr Schuld ges\u00fchnt werden? Nur dann, so wollen wir dem Gedanken halt eben mal folgen, wenn der Schuldige nicht durch und durch verderbt ist, sondern durch ungl\u00fcckliche Umst\u00e4nde in die Situation geschliddert ist. Und nur dann &#8211; seid Ihr noch alle da? \u2013 wenn die zu exterminierenden Schurken vollst\u00e4ndig jenseits aller Erl\u00f6sung und Moral liegen. Bereute, offenkundig entschuldbare Schuld also versus psychopathische, lasterhafte Schuld \u2013 meine Herren, da behaupte mir noch mal einer, hier w\u00fcrden keine komplexen Fragestellungen behandelt. Und meint noch jemand, bei Comics g\u00e4be es was zum Lachen? Danke, dachte ich auch nicht.<\/p>\n<p>Zeitgleich mit der Ver\u00f6ffentlichung des Albums \u2013 das ich auf <a href=\"http:\/\/www.heavyhardes.de\/\">www.heavyhardes.de<\/a> ausf\u00fchrlich w\u00fcrdige, so wie die weiteren Within Temptation-Werke im \u00dcbrigen auch \u2013 liegt nun der erste Band der Serie vor, in dem das Prequel \u201ePerdition\u201c und der erste Teil \u201ePenance\u201c zusammengefasst sind. \u201ePerdition\u201c, das als Appetith\u00e4ppchen schon seit einiger Zeit auf der Within Temptation-Website zu bestaunen war, behandelt in einer Vermischung verschiedener Zeitebenen \u2013 also aufgemerkt, Freunde \u2013 das Schicksal von Sin\u00e9ad Harkin (die allerdings Queen genannt werden m\u00f6chte), die von Mother Maiden rekrutiert wird. In einer Parallelmontage aus Geschehnissen aus dem Irland des Jahres 1967 und den USA der Jetztzeit erleben wir, was O\u2019Connell sich offenbar unter einer bereuten und daher s\u00fchnbaren Schuld vorstellt: die Sin\u00e9ad des Jahres 1967 (stets bewaffnet, da \u201ethe daughter of an I.R.A. volunteer\u201c \u2013 hm, soviel zum Thema reinschliddern) konfrontiert den pr\u00fcgelnden Lebensgef\u00e4hrten einer ehemaligen Studienfreundin, die aufgrund der letzten Attacke ihr ungeborenes Kind verloren hat. Parallel dazu lauert die Sin\u00e9ad der Gegenwart einem Kindersch\u00e4nder auf, wobei wir ihren Gedanken entnehmen k\u00f6nnen, dass sie selbst als vierj\u00e4hrige einem solchen zum Opfer gefallen war. Sp\u00e4testens diese Auftaktseiten machen deutlich, dass wir hier kaum mit einer fr\u00f6hlichen Action-Story rechnen d\u00fcrfen, sondern mit einer pechschwarzen Verhandlung ethisch-moralischer Konflikte und Psychosen. Halt das, was in jedem Asterix auch passiert. 1967: der Schl\u00e4ger zieht eine Waffe, Sin\u00e9ad ebenso, sie feuern gegenseitig auf sich. Dabei zitiert O\u2019Connell den irischen Nationalpoeten William Butler Yeats \u2013 meine Freunde, das ist wirklich nichts f\u00fcr den schnellen Leseabend. Der Kindersch\u00e4nder findet ein durchaus drastisches Ende (\u201eIt\u2019s a small wonder what an improvised bomb can do to a human skull\u201c), und 1967 stirbt Sin\u00e9ad neben dem ebenfalls get\u00f6teten Schl\u00e4ger und h\u00e4ngt in den letzten Sekunden gedanklich noch dem moralischen Dilemma nach: \u201eSeveral religions invoke the sixth commandment as you shall not murder or kill. I really wish they had added an asterisk for certain situations. But it\u2019s written somewhere: \u2018From each man I will demand an accounting for the life of his fellow men.\u2019 So in short, it looks like my eternal happiness is called into question.\u201d Womit zum ethisch-moralischen Themenkomplex nun auch noch der religi\u00f6se Faktor gesellt w\u00e4re. Zum Abschluss des Prequels begr\u00fc\u00dft Mother Maiden die wiedererstandene Sin\u00e9ad, die zur\u00fcck in der Gegenwart ihre Lage auf den Punkt bringt: \u201eI guess I\u2019ll do what it takes to redeem my soul. If that means walking through hell to get to heaven, so be it\u201d.<\/p>\n<p>Es ist durchaus bemerkenswert, was O\u2019Connell in acht Seiten packt (und nicht mehr habe ich hier referiert!) und mit einer Sprache versieht, die der Gravitas des Gedankengutes (mit ein paar kleineren Ausf\u00e4llen, die wir geflissentlich \u00fcbergehen wollen) durchaus gewachsen ist. Der Zeichenstil von Molenaar ist nur leicht abstrahiert, angelehnt an das US-Heroen-Genre, aber lobenswerterweise deutlich entfernt von den eher tits\u2019n\u2019ass-lastigen All\u00fcren einer Lady Death oder Purgatori, die hier vollends unangebracht w\u00e4ren. Nein, hier gibt es zwar keine \u00fcberbordenden Details, aber sehr sch\u00f6ne Portraits und gro\u00dffl\u00e4chige Panels. Gef\u00e4llt!<\/p>\n<p>Mit einem Paukenschlag beginnt dann auch der erste vollg\u00fcltige Teil \u201ePenance\u201c: in einer recht krassen Szene ermordet ein religi\u00f6ser Fanatiker, der sich Disciple nennt, so weit zu erkennen in einer Kirche eine Frau. Aha, Religion die Zweite. Man ist fast schon erleichtert, wenn die Szene dann schwenkt zu Beecham, einer Polizistin, die \u2013 offenkundig nach einer pers\u00f6nlichen Trag\u00f6die, in der sie ein Kind verloren hat, wor\u00fcber auch ihre Ehe gescheitert ist \u2013 ihren Dienst bei der Mordkommission wieder antritt, um ihre inneren D\u00e4monen zu besiegen. Hier wird der Ton endlich etwas sanfter, ihr neuer Kollege Bryce Sennett bringt durch abgebr\u00fchte Spr\u00fcche so etwas wie comic relief, der dringend n\u00f6tig ist, die durchg\u00e4ngige D\u00fcsterkeit allerdings nicht ansatzweise durchbricht (\u201eWe went through hell and lived to tell about it\u201c, erkl\u00e4rt sie ihm trocken auf seine Frage, was ihr widerfahren sei). Man findet eine weitere Tote (vermutlich ein weiteres Opfer des Fanatikers), bevor sich O\u2019Connell gegen Ende einen \u00fcblen Cliffhanger mit uns erlaubt: kopf\u00fcber angebunden an ein Windenergierad (so macht alternative Energie Spa\u00df!), findet Bryce einen ganz offenbar ihm Bekannten, allerdings in durchaus verkohltem Zustand. Er versucht noch seine neue Kollegin zur\u00fcckzuhalten, kann aber nicht mehr verhindern, dass sie den Toten ebenfalls entdeckt. Aus. To be continued. Issue #2: the disciple grabs the headlines again! Und so sehen wir, wie das eine feine Literatursendung mal ausdr\u00fcckte, betroffen, den Vorhang zu \u2013 und alle Fragen offen. Wer ist der Tote auf dem Windr\u00e4dchen? Wer ist Beecham, die Sin\u00e9ad durchaus \u00e4hnlich sieht? Was hat es mit dem irren Disciple auf sich? Wo sind Sin\u00e9ad und Mother Maiden? Und walum ist gef\u00e4hliche Stla\u00dfe wie flische Pilze? (man verzeihe mir den Insider-Gag am Ende).<\/p>\n<p>Und hier beginnt jetzt das Problem: wir m\u00fcssen nun sage und schreibe zwei Monate warten, bis der n\u00e4chste Band erscheint. Insgesamt ist die Serie auf sechs B\u00e4nde ausgelegt, so dass wir\u2026 kalkulier kalkulier\u2026 ein schlappes Jahr brauchen werden, bis wird endlich die Aufl\u00f6sung erfahren d\u00fcrfen. Die Texte des Albums geben zwar eine grobe Idee des Geschehens, aber gerade der letzte Song \u201eStairway To The Skies\u201c l\u00e4sst einiges an Interpretationsspielraum. Aber wir werden uns wohl gedulden m\u00fcssen, zumindest bis Mai, wenn dann \u2013 hoffentlich \u2013 Band 2 erscheint.<\/p>\n<p>Zu haben ist das Ganze \u00fcbrigens derzeit nur direkt \u00fcber die Bandwebsite <a href=\"http:\/\/www.within-temptation.com\/\">www.within-temptation.com<\/a>, aber den kleinen Aufwand ist das Epos allemal wert. Und vielleicht verraten uns die Dame und die Herren ja im November auf Tour, wie die Sache ausgeht. (hb)<\/p>\n<p>Text: Steven O\u2019Connell<br \/>\nBilder: Romano Molenaar<br \/>\n36\u00a0 Seiten in Farbe, Softcover, Heftformat<br \/>\nWithin Temptation Entertainment BV (Eigenverlag)<br \/>\nschlappe 2,95 Euro<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D436\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=436\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Within Temptation: The Unforgiving, Heft 1 (engl.) &raquo; Comicleser #Chaos! Comics #Don Lawrence [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Achtung &#8211; Das Comic ist brandneu (M\u00e4rz 2011), bisher NUR auf Englisch erh\u00e4ltlich und NUR \u00fcber die Homepage der Band zu ordern! 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