{"id":4295,"date":"2016-07-20T12:24:34","date_gmt":"2016-07-20T10:24:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4295"},"modified":"2016-07-20T12:24:34","modified_gmt":"2016-07-20T10:24:34","slug":"der-treck-jacoby-stuart","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4295","title":{"rendered":"Der Treck (Jacoby &#038; Stuart)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-4296\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Der-Treck.jpg\" alt=\"Der Treck (Jacoby &amp; Stuart)\" width=\"292\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Der-Treck.jpg 292w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Der-Treck-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 292px) 100vw, 292px\" \/><\/p>\n<p>Montpellier 1975. Angelita trifft sich zum wiederholten Male mit dem Chefbuchhalter ihrer Firma. Zu Hause sagt sie, sie m\u00fcsse lange arbeiten. Denn von ihrem Mann, einem Franz\u00f6sischlehrer, und ihrem festgefahrenen Leben entfremdet sie sich zusehends. Dass dieses Auseinanderdriften durchaus in Verletzungen der Vergangenheit begr\u00fcndet ist, zeigt sich, als sie einen dringenden Anruf erh\u00e4lt. Ihre Mutter Julia hat einen Herzanfall erlitten und liegt in Barcelona im Krankenhaus \u2013 obwohl sie doch eigentlich geschworen hatte, nie mehr spanischen Boden zu betreten, so lange Franco am Leben ist. Mit ihrem Stiefvater Ren\u00e9 macht sich Angelita per Zug sofort auf den Weg nach Barcelona und erz\u00e4hlt die ersch\u00fctternde Familiengeschichte: w\u00e4hrend des Kriegsjahres 1938 wird Spanien von der faschistischen Machtstreben Francos zerr\u00fcttet. St\u00e4ndige Bombardements der italienischen Gesinnungsgenossen unter der F\u00fchrung Mussolinis ersch\u00fcttern die St\u00e4dte, bis 1939 schlie\u00dflich ein Fl\u00fcchtlingsstrom nach Frankreich aufbricht.<\/p>\n<p>Zu Fu\u00df erreicht auch die Familie Angelitas die Grenze, wo allerdings eine schreckliche Entscheidung wartet: in den franz\u00f6sischen Fl\u00fcchtlingslagern werden M\u00e4nner und Frauen konsequent getrennt. Angelitas Vater verabschiedet sich schweren Herzens von seinen Lieben und verspricht, sie m\u00f6glichst bald zu suchen \u2013 das aber bleibt ein frommer Wunsch. Angelita und ihre Mutter m\u00fcssen unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen unter freiem Himmel am Strand kampieren, erst Monate sp\u00e4ter errichtet man notd\u00fcrftige Barracken f\u00fcr die Frauen und Kinder. Gleichzeitig bieten die Franzosen einen perfiden Deal an: wer nach Spanien zur\u00fcckkehrt, den belohnt man mit einer Familienzusammenf\u00fchrung. Die M\u00e4nner indessen geh\u00f6ren zu den ersten, die von den neuen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2857\" target=\"_blank\">Besatzern deportiert<\/a> werden: so landet auch Angelitas Vater 1940 \u00fcber Angoul\u00eame schlie\u00dflich im Konzentrationslager Mauthausen, zusammen mit 927 anderen Spanienfl\u00fcchtlingen, von denen nur wenige die Strapazen \u00fcberleben\u2026<\/p>\n<p>Aktueller, beklemmender und beeindruckender kann ein Comicroman kaum sein. Eduard Torrents (<a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3403\" target=\"_blank\">\u201eSherlock Holmes Society\u201c<\/a>, im Splitter Verlag) und Denis Lapi\u00e8re ( u.a. \u201eDie schwarze Seite\u201c, \u201eMauro Caldi\u201c, beides bei Salleck erschienen) greifen eine kaum bekannte Episode des zweiten Weltkriegs heraus (wie dies Thierry Gloris und Marie Terray in <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=297\" target=\"_blank\">\u201eMalgr\u00e9 Nous\u201c<\/a> ebenfalls taten, wo es um zwangsrekrutierte Els\u00e4sser geht) und schildern in paralleler Handlungsf\u00fchrung mit R\u00fcckblicken aus Sicht des ver\u00e4ngstigten Kindes Angelita, das die Welt nicht mehr versteht, die ganze Unmenschlichkeit und auch Entmenschlichung, die Krieg und Flucht mit sich bringen. In den <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2779\" target=\"_blank\">Lagern herrschen Hunger und Verbrechen<\/a>, Hoffnungslosigkeit macht sich breit, und der Schachzug der Franzosen, um die ungewollten G\u00e4ste wieder loszuwerden, zeugt von kaltbl\u00fctigem Kalk\u00fcl. Die zerrissenen Familienbande hinterlassen tiefe Spuren, die auch mehr als 30 Jahre danach nicht verheilen, sondern im Moment der Konfrontation erst recht wieder aufbrechen und die Bindungsangst und emotionale Vereinsamung bis ins Erwachsenenleben begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>\u00dcberraschungen halten die Enth\u00fcllungen auch bereit, als die Ereignisse eine durchaus unerwartete Wendung nehmen und Angelita erfahren muss, dass nicht alles so war, wie es ihr schien, und dass ihr unb\u00e4ndiger Drang, ihr Leben neu auszurichten, unbewusst der Mutter nacheifert. So trifft Historie auf private Verstrickung in h\u00f6chst dramatischer Weise. Die Bilder vor allem der R\u00fcckblende-Szenen sind stilisiert, farblich abgestimmt, atmosph\u00e4risch und transportieren die Einsamkeit und Verzweiflung in kongenialer Form. Somit entsteht eine zutiefst ber\u00fchrende, ersch\u00fctternde Familiengeschichte, die stellvertretend f\u00fcr eine halbe Million Schicksale steht und vor allem heute leider immer noch wichtige Denkanst\u00f6\u00dfe liefert. (hb)<\/p>\n<p>Der Treck<br \/>\nText: Denis Lapi\u00e8re<br \/>\nBilder: Eduard Torrents<br \/>\n124 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nJacoby &amp; Stuart<br \/>\n24 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-941787-94-0<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D4295\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4295\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Der Treck (Jacoby &#038; Stuart) &raquo; Comicleser #Denis Lapi\u00e8re #Der Treck #Eduard Torrents #E [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montpellier 1975. Angelita trifft sich zum wiederholten Male mit dem Chefbuchhalter ihrer Firma. Zu Hause sagt sie, sie m\u00fcsse lange arbeiten. Denn von ihrem Mann, einem Franz\u00f6sischlehrer, und ihrem festgefahrenen Leben entfremdet sie sich zusehends. 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