{"id":4248,"date":"2016-07-04T12:15:55","date_gmt":"2016-07-04T10:15:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4248"},"modified":"2016-07-04T12:15:55","modified_gmt":"2016-07-04T10:15:55","slug":"ihr-name-war-tomoji-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4248","title":{"rendered":"Ihr Name war Tomoji (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-4249\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Ihr-Name-war-Tomoji.jpg\" alt=\"Ihr Name war Tomoji (Carlsen)\" width=\"280\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Ihr-Name-war-Tomoji.jpg 280w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Ihr-Name-war-Tomoji-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/p>\n<p>Japan im Jahr 1925: im kleinen Dorf Atsutama lebt die 13j\u00e4hrige Tomoji Uchida bei ihren Gro\u00dfeltern. Der junge Fumiaki Ito kommt aus der Stadt mit dem Auftrag, Oma Kin Uchida zu fotografieren. Weil er das durchaus gut hinbekommt, soll er auch gleich die kleine Tomoji ablichten, verfehlt sie aber knapp. R\u00fcckblende ins Jahr: 1912 Tomoji erblickt das Licht der Welt, zur Feier entsteht alsbald ein Familienfoto. Der Vater Yoshihira, der aus erster Ehe schon den Sohn Toyo mitgebracht hat, k\u00fcmmert sich liebevoll um seine Familie, bis er 1915 an einer Bilddarmentz\u00fcndung stirbt. Mutter Uchida sieht keine andere Wahl, als ihre Kinder bei den Gro\u00dfeltern zur\u00fcckzulassen und in einer Seidenspinnerei ein k\u00e4rgliches Auskommen zu fristen. Toyo versucht, das Beste aus der Situation zu machen, Tomoji kommt in die Schule und hilft abends im Laden der Gro\u00dfeltern aus, aber vor allem die kleine Schwester Masaji leidet unter der Trennung von der Mutter. Das Kind erkrankt schwer und stirbt letztendlich \u2013 die Mutter bekommt das Telegramm, in dem man sie zu Hilfe ruft, zu sp\u00e4t und kann nur noch ihre tote Tochter in den Armen halten. 1923 \u2013 Tokyo wird von einem <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1458\" target=\"_blank\">Erdbeben<\/a> der St\u00e4rke 7,9 ersch\u00fcttert. Fumiaki, der seit kurzem in der Stadt beim Telegrafenamt arbeitet, muss fliehen, l\u00e4sst sich aber nicht unterkriegen.<\/p>\n<p>1924 lernt er Englisch und erf\u00fcllt sich damit einen Traum, w\u00e4hrend Tomoji die Grundschule abschlie\u00dft. Auf Dr\u00e4ngen ihres Bruders Toyo besucht sie eine weiterf\u00fchrende Schule, auch wenn sie daf\u00fcr Tag f\u00fcr Tag drei Kilometer zu Fu\u00df gehen muss und nicht mehr im Laden aushelfen kann. 1930 wird Oma Kin bettl\u00e4gerig und stirbt kurz darauf; unter gro\u00dfer Anteilnahme der Mitmenschen, denen sie geholfen hat, wird sie beerdigt. Nachdem Toyo heiratet, geht Tomoji 1931 in die Schneiderschule nach Kofu. Weil sie kein Geld f\u00fcr Miete oder Schulgeld hat, muss sie Dienstbotenarbeiten verrichten und schwer schuften. 1932 kehrt sie auf Einladung ihres Bruders zum Neujahrsfest nach Hause zur\u00fcck. Ihre Tante er\u00f6ffnet ihr, dass sie einen passenden Br\u00e4utigam f\u00fcr sie gefunden habe: mit niemand anderem als mit Fumiaki will man sie verheiraten, der sich praktischerweise auch f\u00fcr Neujahr im Dorf aufh\u00e4lt. Man besucht sich, tauscht Briefe aus, und als Fumiaki tats\u00e4chlich um ihre Hand anh\u00e4lt, sagt Tomoji sofort zu. Fumiaki holt sie aus der Schneiderschule ab, und nach einer Feier im engsten Kreise ziehen sie eine bescheidene kleine Wohnung in Tachikawa \u2013 wo Tomoji erstmals seit dem Tod ihres Vaters wieder gl\u00fccklich ist und den Entschluss fasst, die Familie zu gr\u00fcnden, die sie sich immer w\u00fcnschte, und Menschen zu helfen wie ihre Gro\u00dfmutter es tat.<\/p>\n<p>Jiro Taniguchi legt mit \u201eIhr Name war Tomoji\u201c eine h\u00f6chst individuelle Biografie einer einflussreichen geistlichen F\u00fchrerin Japans vor, die in den 30er Jahren den buddhistischen Shojushin-Tempel in Tachikawa gr\u00fcndete und ihren Mann Fumiako Ito, sp\u00e4ter bekannt als Shinjo Ito, auf dem Weg zu einem der wichtigsten Buddhisten des Landes begleitete. Das Sujet suchte sich hier seinen Autor: die Betreiber eines buddhistischen Tempels bei Tokyo, den Taniguchis Ehefrau flei\u00dfig besucht, kamen mit der Bitte auf Taniguchi zu, f\u00fcr ihre Vierteljahresschrift doch einen Beitrag \u00fcber die Gr\u00fcnderin Tomoji zu liefern. Als renommierter Mangaka, der ja auch schon mit <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3166\" target=\"_blank\">\u201eDie W\u00e4chter des Louvre\u201c<\/a> ein \u00e4hnliches Projekt umgesetzt hatte, lie\u00df sich Taniguchi nicht lange bitten. Allerdings nur unter der Bedingung, dass er keine platte Nacherz\u00e4hlung der in Japan sattsam bekannten Lebensgeschichte Tomojis oder der Geschichte des Tempels liefern w\u00fcrde, sondern eine betont fiktive Biografie, die bewusst die Jugendzeit der sp\u00e4teren Geistlichen vor der buddhistischen Phase schildern sollte. Gemeinsam mit der Szenaristin Miwako Ogihara entstand somit ein eindrucksvolles Panorama des Japans Anfang des 20. Jahrhunderts, mit einer unbeugsamen jungen Frau im Mittelpunkt \u2013 was Taniguchi bislang nur einmal bei \u201eDer Himmel ist blau, die Erde ist wei\u00df\u201c so gehalten hatte.<\/p>\n<p>Tomojis Lebensweg steht dabei typisch f\u00fcr die damalige Zeit: das karge, \u00e4rmliche Dasein beschreibt Taniguchi als archetypische Lebensweise der Epoche, die er in akribischer Detailfreude ausbreitet. Die Figuren und auch ihr Kontext entwickeln sich dabei im chronologischen Verlauf: wie sich Tomojis Charakter herausformt, entwickelt sich auch ihr K\u00f6rper, wir erleben stets passende Hintergr\u00fcnde und Requisiten. Taniguchi arbeitet dabei mit Leitmotiven wie etwa historisch verb\u00fcrgten Kinderliedern, panoramahaften Landschaftsbildern, konkret vermerkten Zeitabfolgen sowie dem zu Beginn angefertigten Familienfoto, das sich in unterschiedlichen Ausschnitten durch die Erz\u00e4hlung zieht.<br \/>\nJede Episode beginnt in Farbe und l\u00e4utet damit eine neue Epoche ein; ansonsten dominiert ein klarer, detailreicher Bleistift-Strich, der sich dem klaren, ruhigen Erz\u00e4hlfluss wunderbar unterordnet. Mit dieser zur\u00fcckhaltenden Darstellung einer erwachenden Liebe in einem sparsamen, fast schon minimalistischen Stil geht Taniguchi deutlich weg von seinen fr\u00fcheren Action-Mangas und liefert wie schon in <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1110\" target=\"_blank\">\u201eDer Kartograph\u201c<\/a> ein wundervolles, h\u00f6chst pers\u00f6nliches Zeitbild eines l\u00e4ngst vergangenen und f\u00fcr westliche Leser wenig bekannten Kapitels der japanischen Geschichte. Bed\u00e4chtig, leise, eindrucksvoll. (hb)<\/p>\n<p>Ihr Name war Tomoji<br \/>\nText: Miwako Ogihara, Jiro Taniguchi<br \/>\nBilder: Jiro Taniguchi<br \/>\n192 Seiten in Farbe, Softcover<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n16,90 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-76104-0<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D4248\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4248\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Ihr Name war Tomoji (Carlsen) &raquo; Comicleser #Carlsen #Graphic Novel #Jiro Taniguchi #Manga #M [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Japan im Jahr 1925: im kleinen Dorf Atsutama lebt die 13j\u00e4hrige Tomoji Uchida bei ihren Gro\u00dfeltern. Der junge Fumiaki Ito kommt aus der Stadt mit dem Auftrag, Oma Kin Uchida zu fotografieren. 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