{"id":4176,"date":"2016-06-16T12:07:45","date_gmt":"2016-06-16T10:07:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4176"},"modified":"2016-06-16T12:07:45","modified_gmt":"2016-06-16T10:07:45","slug":"punisher-das-erste-jahr-panini","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4176","title":{"rendered":"Punisher: Das erste Jahr (Panini)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-4177\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Punisher-Year-One.jpg\" alt=\"Punisher: Das erste Jahr (Panini)\" width=\"270\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Punisher-Year-One.jpg 270w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Punisher-Year-One-203x300.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/p>\n<p>Para Bellum. Si vis pace, para bellum. Wenn Du Frieden willst, bereite Dich auf den Krieg vor. Meinte zumindest der alte Cicero, der ja bekanntlich redegewandt war. Gemeint ist damit: mit manchen Zeitgenossen ist schlicht und einfach nicht gut Kirschen essen, da lohnt es schlichtweg nicht, eine einvernehmliche L\u00f6sung zu suchen, es hilft nur die harte Tour. Das l\u00e4sst sich famos auf radikale Haltungen f\u00fcr alle Lebenslagen trivialisiert \u00fcbertragen, weshalb man es dem Marine Frank Castle mitsamt seinen Kameraden als Motto eingeh\u00e4mmert hat. Castle hat seine Army-Stiefel allerdings an den Nagel geh\u00e4ngt und genie\u00dft mit seiner Frau Maria und zwei Kindern das b\u00fcrgerliche Leben. Bis zum Schicksalstag, als er im Central Park in den Kugelhagel einer Mafia-Hinrichtung ger\u00e4t. Als Kollateralschaden, wie man das im Politikjargon so bezeichnet. Einziger Zeuge ist der abgehalfterte und versoffene Journalist McTeer, der an den Ort des Geschehens wackelt und selbst durch den Alkoholnebel kapiert, dass hier das lauert, was er dringend braucht: eine hei\u00dfe Story, die ihn beim Daily Bugle endlich wieder nach vorne bringt. Die anr\u00fcckende Polizei will schon alles in schwarze S\u00e4cke verpacken, als man nicht schlecht staunt: Castle ist zwar schwer verletzt, aber der H\u00fcne hat das Massaker wohl als einziger \u00fcberlebt. Womit er allerdings zur Zielscheibe der Mafia avanciert, die in ihm nun einen unliebsamen Zeugen ihres w\u00fcsten Treibens eliminieren muss.<\/p>\n<p>Nur knapp entgeht Castle im Krankenhaus einem Mordversuch, bei dem er in einer Verzweiflungsattacke seine Angreifer wie ein Berserker anspringt und umzubringen droht. Detective Johnny Laviano kann ihn gerade noch \u00fcberzeugen, davon abzulassen: die Polizei werde alles tun, um die Verbrecher zur Strecke zu bringen. Castle l\u00e4sst sich darauf ein, versucht die Trauer \u00fcber seine ermordete Familie damit zu \u00fcberstehen, dass er die T\u00e4ter identifiziert und bereit ist, als Zeuge gegen den Mafia-Clan der Familie Costa auszusagen, der den Beh\u00f6rden bislang immer durch die Lappen ging. Aber die Macht des Clans geht weit: die Korruption reicht bis in die obersten Ebenen, und noch bevor eine Verhandlung stattfinden kann, sind alle Lumpens\u00f6hne auf freiem Fu\u00df. Castle geht daher auf den Vorschlag des Journalisten McTeer ein, der ihm vorgaukelt, er habe das gleiche Schicksal erlitten und seine Frau bei einem \u00dcberfall verloren. Der vermeintlich heroische Enth\u00fcllungsjournalist hat nat\u00fcrlich nur seinen Vorteil im Sinn, und als man Castles Haus in die Luft jagt und der Gebeutelte auch noch herausbekommt, dass McTeer ihn nach Strich und Faden bel\u00fcgt, rei\u00dft ihm endg\u00fcltig der Geduldsfaden. Desillusioniert greift er selbst zu den Waffen, macht mit Hilfe des eingesch\u00fcchterten McTeer einen Halunken nach dem anderen ausfindig und beginnt eine gnadenlose, grausame Vendetta gegen die, die sich unantastbar w\u00e4hnten\u2026<\/p>\n<p>\u201eIch rede nicht von Rache, das w\u00e4re ein niederes Motiv\u2026 ich rede von Bestrafung.\u201c So liest sich die Rechtfertigung der Selbstjustiz, die der \u201eBestrafer\u201c (so hie\u00df er im Deutschen lange Zeit!) seit seinem ersten Auftreten in einer Spider-Man-Story 1974 in immer abgewandelter Form vorbrachte. Das System ist korrupt, weder die Polizei noch die \u00d6ffentlichkeit werden Dir zu Hilfe eilen \u2013 also hilf Dir selbst. Das war stets politisch h\u00f6chst unkorrekt, die Figur des schnell schie\u00dfenden Veteranen mit dem Totenkopf auf der Uniform daher immer durchaus kontrovers, aber dennoch massiv popul\u00e4r und in vielen Inkarnationen unterwegs. Eigentlich liefert Frank Castle nichts anderes als einen ins Extrem getriebenen Superhelden: aufgrund einer pers\u00f6nlichen Trag\u00f6die (Tod der Familie) wirft er sich in eine schwarze Kluft und nimmt die Dinge selbst in die Hand, immer weit au\u00dferhalb des Gesetzes, aber nat\u00fcrlich immer im Rahmen der h\u00f6heren Gerechtigkeit. Das gilt auch f\u00fcr einen anderen, noch beliebteren Psychopathen, der als Fledermaus f\u00fcr Angst und Schrecken sorgt, aber Castle \u00fcbertritt ganz bewusst die rote Linie, die f\u00fcr Batman immer galt: keine Morde. Steht schon <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2317\" target=\"_blank\">Batman<\/a> als Vigilant immer wieder unter kritischer Beobachtung, geht Castle einfach einen Schritt weiter \u2013 ist das nun gesetzlos oder nur recht und billig? Nicht legal, aber legitim, weil sonst ja niemand hilft? Den Weg dahin versuchten die Autoren <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3705\" target=\"_blank\">Dan Abnett<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2635\" target=\"_blank\">Andy Lanning<\/a> in ihrer Mini-Serie nachzuzeichnen, die schon 1994 erschien. Durchaus liebevoll im <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=974\" target=\"_blank\">70er-Jahre-Szenario<\/a> gehalten, komplett mit Schlaghosen und W\u00e4hlscheibentelefonen, spinnen sie eine Geschichte um die Tage nach dem Schicksalsschlag, der 1975 erstmals als Origin des Punishers erw\u00e4hnt wurde.<\/p>\n<p>In einer durchaus symbolhaften Reihung scheitert Castle an der offiziellen Ordnung in Form von Polizei und Presse \u2013 erst als seine Versuche, den legalen Weg zu gehen, sich als sinnlos erweisen, nimmt er die Gerechtigkeit selbst in die Hand. Das ist verpackt in innere Monologe, marvel-universelle Querverweise (beim Bugle l\u00e4uft man dem jungen Fotografen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2201\" target=\"_blank\">Peter Parker<\/a> \u00fcber den Weg) und vor allem einen existentialistischen Duktus, der mehr als nur deutlich an einen Frank Miller erinnert. Teilweise allzu offensichtlich ist der Versuch, hier eine Kombination aus \u201eBatman: Year One\u201c (nomen est omen) und den Daredevil-Storylines <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3173\" target=\"_blank\">\u201eBorn Again\u201c<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3882\" target=\"_blank\">\u201eThe Man Without Fear\u201c<\/a> zu basteln, von der optischen Gestaltung durch <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2742\" target=\"_blank\">Dale Eaglesham<\/a> bis hin zum Guerilla-Bandenkrieg, den ja auch der junge Matt Murdock anzettelt und damit die Spielregeln \u00e4ndert und \u201eden Krieg beginnt\u201c, von dem Detective Laviano, dem das Treiben des Vigilanten durchaus zusagt, auch hier am Ende spricht. Castles Entt\u00e4uschung der Polizei gegen\u00fcber kommt noch \u00fcberzeugend daher, die Substory um den eigenn\u00fctzigen Reporter dagegen vermag nicht ganz die Gravitas zu erzeugen, die ihr offenkundig innewohnen soll. Gerade aufgrund der aktuellen tragischen Vorf\u00e4lle, der in den USA endlos gef\u00fchrten Diskussion um Waffengesetze und Massaker, um die immer st\u00e4rker hochkochende Frage der inneren Sicherheit und aufkeimendem Fremdenhass erf\u00e4hrt das Punisher-Konzept dennoch eine neue Brisanz und l\u00e4dt zur Diskussion geradezu ein. Somit passt die deutsche Ver\u00f6ffentlichung auch nach all den Jahren genau ins Hier und Heute, wobei Panini sicherlich auch durch die Auftritte des Punishers in der durchaus erfolgreichen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3088\" target=\"_blank\">Daredevil<\/a>-Fernsehserie inspiriert worden sein d\u00fcrfte. Bestrafer-Freunde finden in diesem Band die gesamte Miniserie \u201eThe Punisher: Year One\u201c von 1994. (hb)<\/p>\n<p>Punisher: Das erste Jahr<br \/>\nText: Dan Abnett, Andy Lanning<br \/>\nBilder: Dale Eaglesham<br \/>\n108 Seiten in Farbe, Softcover<br \/>\nPanini Comics<br \/>\n12,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95798-779-2<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D4176\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4176\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Punisher: Das erste Jahr (Panini) &raquo; Comicleser #Avengers #Bucky Barnes #Captain America #Ein [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Para Bellum. Si vis pace, para bellum. Wenn Du Frieden willst, bereite Dich auf den Krieg vor. Meinte zumindest der alte Cicero, der ja bekanntlich redegewandt war. 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