{"id":4143,"date":"2016-06-09T14:13:13","date_gmt":"2016-06-09T12:13:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4143"},"modified":"2018-01-24T12:52:21","modified_gmt":"2018-01-24T10:52:21","slug":"james-bond-band-1-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4143","title":{"rendered":"James Bond 007, Band 1 (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4144\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/James-Bond-1.jpg\" alt=\"James Bond, Band 1 (Splitter)\" width=\"290\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/James-Bond-1.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/James-Bond-1-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/p>\n<p>Eigentlich klang der Auftrag doch ganz harmlos. James Bond machte in Helsinki auf die ihm eigene, durchaus r\u00fccksichtslose Art diverse Lumpens\u00f6hne darauf aufmerksam, dass es eine ganz schlechte Idee war, seinen Kollegen 008 zu t\u00f6ten. Sprich, er machte ziemlich radikalen kurzen Prozess mit ihnen. Zur\u00fcck bei MI-6, informiert ihn Chef M dar\u00fcber, dass er nun keineswegs entspannte Ferien genie\u00dfen, sondern den Job beenden darf, den 008 angefangen hat: n\u00e4mlich einen Drogenring zu sprengen, der offenbar aus Berlin heraus neuartiges, durchaus boshaftes und chemisch seltsam anmutendes Kokain nach England schmuggelt. Schon der Empfang in der Bundeshauptstadt gestaltet sich explosiv: die vermeintliche Kollegin, die sich als Dharma Reach vorstellt, entpuppt sich schnell als gnadenlose Gegenspielerin, die mit seltsam kr\u00e4ftigen H\u00e4nden versucht, Bond umzubringen. Der kommt knapp mit dem Leben davon und macht sich auf, seinen Verbindungsmann aufzusuchen: einen gewissen Slaven Kurjak, ein gefeierter Biologe, der bereit ist, die Drogenbarone zu verraten, wenn man ihm im Gegenzug gro\u00dfz\u00fcgig die Genehmigung f\u00fcr den Import nicht ganz legaler Grundstoffe f\u00fcr seine Experimente erteilt. Soweit die Geschichte, die man 007 auftischt \u2013 aber sp\u00e4testens nachdem das lokale MI-6-B\u00fcro komplett vernichtet und seine zwei Insassen get\u00f6tet werden, beschleicht Bond die Gewissheit, dass hier etwas ganz massiv nicht stimmt.<\/p>\n<p>Womit er auch goldrichtig liegt: Kurjak lockt Bond in eine Falle und schickt ihn keineswegs zu den gesuchten Dealern, sondern geradewegs in ein Versteck der Al-Zein, einer \u00e4u\u00dferst gewaltt\u00e4tigen Verbrecherbande. Sehr zum \u00c4rger von Kurjak \u00fcberlebt Bond allerdings auch diesen Hinterhalt, woraufhin Kurjak sein Faktotum Masters beauftragt, 007 zu t\u00f6ten, was ebenso misslingt: Masters, der offenbar biologisch ver\u00e4ndert wurde und keinerlei Freude mehr empfinden kann, stirbt j\u00e4mmerlich, als Bond ihm ein Gl\u00fcckshormon injiziert. Kurjak nimmt die Dinge selbst in die Hand und trachtet Bond nach dem Leben, wobei er in bester Superschurken-Manier seine Pl\u00e4ne ausplaudert: als ehemaliger Insasse eines Konzentrationslagers in Serbien habe er eine geschlossene Laborsituation kennengelernt, in denen ungest\u00f6rt Experimente an Menschen durchgef\u00fchrt werden konnten. Das m\u00f6chte er nun selbst f\u00fcr seinen gr\u00f6\u00dften Wurf wiederholen: ein von ihm entwickeltes Krebsheilmittel, das auf Genmanipulation beruht, brachte die Probanden immer \u00e4u\u00dferst unsanft ins Jenseits. Was w\u00e4re also geeigneter f\u00fcr einen ausgedehnten Feldtest als das Inselreich Gro\u00dfbritannien \u2013 zu dem die Substanz zu diesem Zweck l\u00e4ngst unterwegs ist? Bond gelingt die Flucht, aber dann kommt es doch zum gro\u00dfen Showdown mit Kurjak und der sadistischen Frau Reach\u2026<\/p>\n<p>James Bond-Romane gibt es auch jenseits von den Originalwerken von Ian Fleming, die mit den Filmen im \u00dcbrigen oft nicht mehr gemein haben als den Titel und einige Motive, sp\u00e4testens seit den 80er Jahren mit wachsendem Erfolg. Comicfassungen seiner Abenteuer erschienen ebenfalls schon bald nach dem Leinwand-Deb\u00fct in den 60ern, wobei es sich hierbei noch um Adaptionen der erfolgreichen Kinofilme handelte. Anfang der 90er erblickte dann nach Fassungen von \u201eFor Your Eyes Only\u201c, \u201eNever Say Never Again\u201c und \u201eLicence To Kill\u201c mit Mike Grells \u201ePermission To Die\u201c erstmals auch eine eigens konzipierte Story das Licht der Comicseiten, wie dies in den 90ern in Form einer Miniserie bei Dark Horse auch der Fall war. Ganz aktuell nun legt der Dynamite-Verlag seine Vision des Bond-Mythos vor: eine Timeline ist dem jungen Bond vor der Geschehnissen des Casino Royale-Romans gewidmet, andere Stories ranken sich um den aktuellen 007 und stehen unabh\u00e4ngig von den Handlungsb\u00f6gen der Filmserie, in denen der inhaltlich zusammenh\u00e4ngende Zyklus um Daniel Craig mit \u201eSpectre\u201c einen Abschluss gefunden zu haben scheint. Mit <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=561\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Warren Ellis<\/a> geht dabei ein Autor an den Start, der sich durch seine doppelb\u00f6digen, teilweise das Genre parodierenden Epen wie \u201eTransmetropolitan\u201c einen Namen gemacht hat und auch das Superhelden-Metier mit seinen Beitr\u00e4gen zu Iron Man und Thor bereichert.<\/p>\n<div id=\"attachment_4145\" style=\"width: 273px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4145\" class=\"wp-image-4145 size-full\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/James-Bond-1-lim.jpg\" alt=\"James Bond, Band 1 limitiert (Splitter)\" width=\"263\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/James-Bond-1-lim.jpg 263w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/James-Bond-1-lim-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><p id=\"caption-attachment-4145\" class=\"wp-caption-text\">Die auf 1007 St\u00fcck limitierte Edition<\/p><\/div>\n<p>Ellis schildert Bond als nahezu vollst\u00e4ndig r\u00fccksichtslose, federleicht t\u00f6tende Waffe, die durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist, dabei auf die Falten in seinem Anzug achtet und mindestens ebenso rabiat vorgeht wie seine Gegner. Meilenweit weg vom kalauernden Gentleman Roger Moore, durchbricht er nahezu jedes Bond-Klischee und entwirft noch konsequenter als Daniel Craigs Interpretation der Figur das Bild eines beinahe psychopathologischen Schlachtrosses aus vergangenen Zeiten. Bond trinkt Bourbon statt Vodka-Martini, der Quartiermeister erinnert deutlich an John Cleese in den letzten Pierce Brosnan-Ausfl\u00fcgen, Bonds Boss beim MI-6 ist weder Judi Dench noch Ralph Fiennes, sondern ein Mann mit dunkler Hautfarbe \u2013 auch optisch setzt sich diese Version von den \u00fcberm\u00e4chtigen Filmvorbildern ab und versucht dankenswerterweise gar nicht erst, Kopien der Leinwandhelden zu schaffen. Inhaltlich findet sich dabei ein Motiv, das weniger f\u00fcr Bond als f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=307\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Warren Ellis<\/a> charakteristisch ist: die Idee des biologisch aufgewerteten Menschen, der biochemischen Manipulation des Lebens, das durchzieht Ellis\u2018 Schaffen und spielt z.B. in <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1740\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eIron Man<\/a>: Extremis\u201c oder auch dem <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2687\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eMoon Knight\u201c-Reboot<\/a> eine zentrale Rolle (vgl. auch die geniale SF-M\u00e4r \u201eOcean\u201c).<\/p>\n<p>Filmisch ist dagegen schon eher ist die erz\u00e4hlerische Struktur, die in klassischer Bond-Manier nach einer kurzen Vorsequenz (quasi vor den \u201eCredits\u201c, wie wir das ja aus dem Kino kennen) wie eine Schnitzeljagd von Schauplatz zu Schauplatz hetzt und dabei ein Set Piece nach dem anderen produziert. Fast wie ein Storyboard kommt dann auch die zeichnerische Umsetzung von John Masters daher \u2013 explosive, explizite, bisweilen Details herausgreifende Panels, die vor allem in den Actionsequenzen seitenweise ohne Text auskommen und so die Dynamik des Geschehens rasant begleiten. Eine schmissige Story, atemlose Geschwindigkeit, Action nicht gerade f\u00fcr sanfte Gem\u00fcter und ein Bond, der genauso fies, rabiat und sexistisch ist, wie er in seiner urspr\u00fcnglichen Inkarnation war \u2013 so holen Ellis und Masters die Figur gekonnt ins Hier und Heute und kreieren ihre ganz eigene, kongeniale Interpretation. Der vorliegende, sehr sch\u00f6n aufgemachte Sammelband bringt die komplette Miniserie \u201eJames Bond: VARGR\u201c aus dem Jahr 2016, komplett mit einer Cover-Galerie der Titelbilder, die unter anderem von Dom Reardon und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1884\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stephen Mooney<\/a> gestaltet wurden. Und Splitter setzt noch einen drauf: alternativ ist eine limitierte Edition des Bandes erh\u00e4ltlich, mit alternativem Cover Bonus-Material und limitiert auf genau 1007 Exemplare. Logisch. (hb)<\/p>\n<p>James Bond 007, Band 1: VARGR<br \/>\nText: Warren Ellis<br \/>\nBilder: Jason Masters<br \/>\n144\/176 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n19,80 Euro (regul\u00e4re Edition)<br \/>\n34,80 Euro (limitierte Edition)<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-396-7 (regul\u00e4re Edition)<br \/>\nISBN: 978-3-95839-399-8 (limitierte Edition)<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D4143\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4143\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"James Bond 007, Band 1 (Splitter) &raquo; Comicleser #007 #Dynamite #Ian Fleming #James Bond #Jaso [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich klang der Auftrag doch ganz harmlos. 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