{"id":3941,"date":"2016-04-20T13:26:22","date_gmt":"2016-04-20T11:26:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3941"},"modified":"2016-04-20T13:28:52","modified_gmt":"2016-04-20T11:28:52","slug":"die-strassenkinder-von-montmartre-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3941","title":{"rendered":"Die Strassenkinder von Montmartre (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3942\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Strassenkinder-Montmartre.jpg\" alt=\"Die Strassenkinder von Montmartre (Splitter)\" width=\"290\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Strassenkinder-Montmartre.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Strassenkinder-Montmartre-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/p>\n<p>Moulin Rouge und nat\u00fcrlich die Basilika Sacr\u00e9-Coeur geh\u00f6ren zu den wichtigsten Sehensw\u00fcrdigkeiten des Montmartre in Paris, was die t\u00e4glichen Touristenstr\u00f6me belegen. Doch das war nicht immer so. Der Montmartre, die h\u00f6chste Erhebung der Stadt, war bis vor etwas mehr als 100 Jahren eine eher l\u00e4ndliche \u2013 und \u00e4rmliche Gegend. Die ber\u00fchmte, weithin sichtbare Basilika gab es noch nicht, bzw. war noch im Bau. Doch schon damals \u2013 wir schreiben das Jahr 1905 \u2013 hatte das Quartier ein eigenes Flair. Viele <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3166\" target=\"_blank\">K\u00fcnstler<\/a>, naturgem\u00e4\u00df immer knapp bei Kasse, siedelten sich dort an. Dichter, Maler, Zeichner. Denn zum einen war das Leben hier billiger und zum anderen war man trotzdem nahe am pulsierenden Zentrum der Stadt. Dennoch lebten viele an der Grenze zur Armut \u2013 die illegale Barackensiedlung Maquis zeugte davon. So gab es viele Stra\u00dfenkinder. Streuner, die froh waren, von zuhause, von ihren ewig schlecht gelaunten V\u00e4tern und jammernden M\u00fcttern, die sie durchf\u00fcttern mussten, weg zu sein. Bei Ihresgleichen f\u00fchlten sie sich besser, lebten in den Tag hinein und konnten ihre Kindheit ausleben.<\/p>\n<p>Die Jungen Paulo, Pik-As, Strippe, D\u00e4umling und Manon, das einzige M\u00e4dchen, geh\u00f6ren zu diesen Stra\u00dfenkindern. In einem ausrangierten <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3893\" target=\"_blank\">Oldtimer<\/a> (w\u00fcrden wir heute sagen) haben sie ihr \u201eHauptquartier\u201c, in einem kleinen Teich nebenan versuchen sie sich vergeblich an der Froschaufzucht, um etwas Geld zu verdienen (Froschschenkel!). Doch ihr Revier ist in Gefahr. Denn der Unternehmer Noblard m\u00f6chte die Gegend bebauen und aus ihr ein nobles Viertel machen. Noblards Sohn Jean schl\u00e4gt auch aus der Reihe. Sein Ziel ist es Maler zu werden, sehr zum Missfallen seines Vaters, der ihn \u00e4u\u00dferst grob und ver\u00e4chtlich behandelt. Nach einer witzigen Episode, in der ein Plumpsklo eine Rolle spielt, strandet Jean bei den Stra\u00dfenkindern. Ihr anf\u00e4ngliches Misstrauen ihm gegen\u00fcber verfliegt, als Jean sich durchaus fachkundig in Sachen Fr\u00f6sche erweist. Und erst recht, als er den Haust\u00fcrschl\u00fcssel herausr\u00fcckt. Aber das Einzige, was man bei den Noblards zu klauen vermag, ist eine Urne mit der Asche von Jeans ziemlich unbeliebter Gro\u00dfmutter. Doch die Urne enth\u00e4lt noch etwas, das f\u00fcr den alten Noblard von \u00e4u\u00dferster Wichtigkeit ist\u2026<\/p>\n<p>Die Handlung pr\u00e4sentiert sich auf zwei Ebenen. Auf den ersten Blick sehen wir eine nette Lausbubengeschichte, augenzwinkernd und einf\u00fchlsam erz\u00e4hlt, ohne die \u00e4rmlichen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und die damit verbundenen Probleme auszusparen. Auf den zweiten Blick zeigt sich eine liebevoll gestaltete Geschichte, die auch das Leben der K\u00fcnstler streift, die damals Montmartre bewohnten. Wir begegnen dem Zeichner Francisque Poulbot, der das einfache Leben und das der Stra\u00dfenkinder festhielt (zwei seiner Zeichnungen sind sogar Teil der Handlung und werden im Anhang auch abgebildet). Wir treffen mit Bibi-la-Pur\u00e9e ein echtes Original des Viertels und streifen mit Jean durch Gassen und K\u00fcnstlerlokale, die allesamt zeitgen\u00f6ssischen Fotografien entsprechen. Prugne legt gro\u00dfen Wert auf historische Genauigkeit und verortet reale Personen in die Handlung. So entsteht ein Bild aus l\u00e4ngst vergangener Zeit, das zwar durch die traumhaften Aquarell-Zeichnungen Prugnes romantisiert wird, aber trotzdem den Bezug zur einer Realit\u00e4t bewahrt, die sp\u00e4testens durch <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1794\" target=\"_blank\">den Ersten Weltkrieg<\/a> der Vergangenheit angeh\u00f6ren wird.<\/p>\n<p>Nach seinen drei beeindruckenden Ausfl\u00fcgen in die Neue Welt Ende des 18.\/Anfang des 19. Jahrhunderts (Canoe Bay, Frenchman, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1747\" target=\"_blank\">Pawnee<\/a> \u2013 alle ebenfalls bei Splitter erschienen) kehrt Patrick Prugne mit \u201eDie Strassenkinder von Montmartre\u201c nach Frankreich zur\u00fcck und \u00fcberzeugt einmal mehr nicht nur mit einer gef\u00fchlvollen, warmen Handlung, die die Kinder in den Mittelpunkt stellt, sondern auch wieder mit seinem Zeichenstil \u2013 oder besser: Malstil. Der besticht mit seiner feinen Aquarell-Technik, die in sanften farblichen \u00dcberg\u00e4ngen und atmosph\u00e4rischer Dichte eine wunderbare Leichtigkeit erzeugt. Damit f\u00e4ngt Prugne die Stimmung im Quartier perfekt ein und setzt nicht nur die Kinder, sondern auch Geb\u00e4ude, Stra\u00dfen und den damaligen Alltag bestens in Szene. Seine M\u00fchen und seine Akribie dabei werden durch den ausf\u00fchrlichen Anhang belegt, der neben einer Biografie Francisque Poulbots zahlreiche Skizzen, Entw\u00fcrfe und historische Fotografien enth\u00e4lt, die von Prugne auch kommentiert werden und die den Entstehungsprozess des Albums zumindest teilweise dokumentieren. (bw)<\/p>\n<p>Die Strassenkinder von Montmartre<br \/>\nText &amp; Bilder: Patrick Prugne<br \/>\n80 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n17,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-226-7<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3941\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3941\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Die Strassenkinder von Montmartre (Splitter) &raquo; Comicleser #Die Strassenkinder von Montmartre [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Moulin Rouge und nat\u00fcrlich die Basilika Sacr\u00e9-Coeur geh\u00f6ren zu den wichtigsten Sehensw\u00fcrdigkeiten des Montmartre in Paris, was die t\u00e4glichen Touristenstr\u00f6me belegen. Doch das war nicht immer so. 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