{"id":3857,"date":"2016-03-28T13:49:59","date_gmt":"2016-03-28T11:49:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3857"},"modified":"2016-03-28T13:51:08","modified_gmt":"2016-03-28T11:51:08","slug":"manifest-destiny-band-1-cross-cult","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3857","title":{"rendered":"Manifest Destiny, Band 1 (Cross Cult)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3858\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Manifest-Destiny-1.jpg\" alt=\"Manifest Destiny, Band 1 (Cross Cult)\" width=\"275\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Manifest-Destiny-1.jpg 275w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Manifest-Destiny-1-206x300.jpg 206w\" sizes=\"auto, (max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/p>\n<p>Expedition ins Ungewisse: 1804 werden Meriwether Lewis und William Clark von Pr\u00e4sident Jefferson h\u00f6chst selbst auf die Mission geschickt, einen Landweg an die Pazifik-K\u00fcste zu finden und auf dem Weg dorthin alle L\u00e4ngen- und Breitengrade festzuhalten und \u201ealle Vegetation und Getier\u201c zu dokumentieren. Die bunte Bande aus Freiwilligen, S\u00f6ldner und Str\u00e4flingen, die man mit dem Versprechen der Straffreiheit gek\u00f6dert hat, macht sich auf, um Jeffersons Auftrag zu erf\u00fcllen, der ganz explizit vorsieht, dass man es auch mit allerlei Kroppzeug zu tun bekommen k\u00f6nnte \u2013 immerhin soll man \u201eMonster vernichten und der Expansion unserer Vereinigten Staaten den Weg bahnen\u201c.<\/p>\n<p>Bald entdeckt man am Ufer eine riesige Konstruktion, und als man sich anschickt, sie zu untersuchen, wird deutlich, was Jefferson gemeint haben k\u00f6nnte: ein riesiges Wesen, teils B\u00fcffel, teils Mensch, greift an und kann nur durch beherzten Einsatz unsch\u00e4dlich gemacht werden. Lewis und Clark folgen weiter getreulich ihrem Auftrag, w\u00e4hrend es in der Mannschaft zu brodeln beginnt: der Dieb Jensen erkennt die Gemeinsamkeit der Truppe (alle haben keine Familie, keiner wird sie also vermissen \u2013 they were expendable, wie man so sch\u00f6n sagt). Man gelangt schlie\u00dflich am ersten Etappenziel La Charrette an, dem letzten Au\u00dfenposten der Zivilisation, aber als eine kleine Delegation das Schiff verl\u00e4sst, greifen auf dem Weg zum Fort weitere Minotauren an. Mit knapper Not entrinnt man in die Anlage, nur um dort das n\u00e4chste Grauen vorzufinden: das Fort scheint verlassen, aber bald entdeckt man Zombie-artige Waldwesen, ganz offenbar die ehemaligen Bewohner, die sich nur durch Verbrennen aufhalten lassen.<\/p>\n<p>Ein paar pl\u00f6tzlich auftauchende Maskierte stellen sich als die letzten \u00dcberlebenden des Forts heraus, die unter der F\u00fchrung von Magdalene Boniface auf Hilfe warten. Der ganze Wald sei von der extrem ansteckenden Pflanzenseuche \u00fcberrollt, so berichten sie, die nur ein Ziel hat: sich auszubreiten wie Unkraut. Belagert von den Minotauren und bedroht durch die Waldmonster, will man einen Ausbruch wagen, als sich das Blatt pl\u00f6tzlich wendet: die Indianerin Sacagawea und ihr Mann Toussaint Charbonneau tauchen auf und bringen die Felle der get\u00f6teten Minotauren mit. Das geheime Ziel war immer, eben diese beiden zu treffen, da Sacagawea ganz offenkundig \u00fcber eindrucksvolle Kampftechniken verf\u00fcgt und dem Teufelszeug ordentlich Mores lehren kann. Das ist auch mehr als n\u00f6tig, denn es wird immer deutlicher, dass nicht nur Menschen, sondern alle Tiere des Waldes von der Seuche \u00fcbernommen werden. Bewaffnet mit Brandbomben und Todesmut, machen sich Clark und Lewis auf die Suche nach dem Herrscher der Fremdlinge, den sie ein f\u00fcr allemal ausr\u00e4uchern wollen \u2013 was aber direkt im Schlund einer Monsterpflanze zu enden scheint\u2026<\/p>\n<p>Chris Dingess liefert hier eine furios-subversive Dekonstruktion eines uramerikanischen Mythos ab: die \u201emanifest destiny\u201c, also die offenkundige Bestimmung, umschreibt eine Doktrin der USA, der zufolge diese gloriose Nation den g\u00f6ttlichen Auftrag verfolgt, zu expandieren und das Land in Besitz zu nehmen. Als \u201eGo West\u201c mutierte diese Lehre (die f\u00fcr mehr oder weniger jeden Kolonialismus aller Besatzer herangezogen wurde, das konnten die Engl\u00e4nder genauso gut wie die Belgier und Holl\u00e4nder, um nur einige zu nennen) zur Absegnung der brutalen Landnahme und Enteignung der Ureinwohner, die man auch hier r\u00fccksichtslos aus dem Weg zu r\u00e4umen hat. Die im offiziellen Western-Mythos vorherrschende Geschichtsverzerrung manifestiert sich im Tagebuch von Lewis, das dieser wiederholt bewusst \u00e4ndert und besch\u00f6nigt (\u201ewir f\u00fchrten die Exekutionen (durchgestrichen) Quarant\u00e4ne-Ma\u00dfnahmen selbst durch\u201c), um eine politisch korrekte Darstellung zu liefern. Aber weit jenseits aller reinen Western-Kritik, wie sie etwa ein \u201e<a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3396\" target=\"_blank\">Buffalo Runner&#8220;<\/a> vortr\u00e4gt, steigert Dingess die historisch verb\u00fcrgte Expedition ins Absurde und kombiniert damit Kritik und diebische, dekonstruktive Freude: brachten \u201e<a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=575\" target=\"_blank\">Cowboys und Aliens<\/a>\u201c und auch <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2811\" target=\"_blank\">Joss Whedons<\/a> sch\u00f6ne Serie \u201eFirefly\u201c <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?tag=western\" target=\"_blank\">Western<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?tag=science-fiction\" target=\"_blank\">Science Fiction<\/a> zusammen, r\u00fchrt Dingess noch eine ordentliche Prise Horror und Kalter Krieg dazu.<\/p>\n<p>Insgesamt scheint es, als ob ein 50er-SF-Paranoia-Heuler in ein Western-Serial geraten sei: die intelligenten Pflanzen mit dem kollektiven Bewusstsein stammen ganz offenbar aus dem Weltraum wie schon ihre Vorfahren aus John Wyndhams \u201eDay Of The Triffids\u201c, aber noch deutlicher gr\u00fc\u00dfen uns hier die au\u00dferirdischen Kohlk\u00f6pfe aus \u201eThe Thing From Another World\u201c (\u201eetwas wie von einer anderen Welt\u201c) und vor allem die K\u00f6rperfresser aus \u201eInvasion Of The Body Snatchers\u201c, der vor allem in seiner ersten Filminkarnation fast w\u00f6rtlich Pate steht (\u201ealle wussten dass Sergeant Floyd nicht mehr Sergeant Floyd war\u201c). So entsteht eine furiose Melange aus gesellschafts- und geschichtssatirischen Anspielungen, gepaart mit einer krachigen, bisweilen spa\u00dfigen Action-Story, die Matthew Roberts schmissig-gekonnt in Szene setzt, mit ausladenden Totalen bis hin zu fulminanten Set Pieces. Eine maximal unterhaltsame Achterbahnfahrt, auf deren Fortsetzung wir uns schon freuen. Der vorliegende Band bringt die Ausgaben 1-6 der US-Originalausgabe von 2014. (hb)<\/p>\n<p>Manifest Destiny, Band 1: Flora und Fauna<br \/>\nText: Chris Dingess<br \/>\nBilder: Matthew Roberts<br \/>\n118 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nCross Cult<br \/>\n20 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-86425-826-8<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3857\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3857\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Manifest Destiny, Band 1 (Cross Cult) &raquo; Comicleser #Chris Dingess #Cross Cult #CrossCult #Fa [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Expedition ins Ungewisse: 1804 werden Meriwether Lewis und William Clark von Pr\u00e4sident Jefferson h\u00f6chst selbst auf die Mission geschickt, einen Landweg an die Pazifik-K\u00fcste zu finden und auf dem Weg dorthin alle L\u00e4ngen- und Breitengrade festzuhalten und \u201ealle Vegetation und Getier\u201c zu dokumentieren. 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