{"id":3760,"date":"2016-03-06T14:01:51","date_gmt":"2016-03-06T12:01:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3760"},"modified":"2016-03-06T14:06:34","modified_gmt":"2016-03-06T12:06:34","slug":"junker-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3760","title":{"rendered":"Junker (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3761\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Junker.jpg\" alt=\"Junker (Carlsen)\" width=\"285\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Junker.jpg 285w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Junker-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/p>\n<p>Preu\u00dfen in den Zehner Jahren des letzten Jahrhunderts, die Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Auf ihrem Landgut lebt die Familie von Schlitt. Landadel. Der absolutistisch regierende Vater verlor im Krieg ein Bein. Sein Sohn Oswald wird im Kadetten-Internat in K\u00f6slin erzogen. Ein Weg, den auch der j\u00fcngste Sohn Ludwig gehen wird. Ihre Mutter lebt im Sanatorium in Davos, wo ihre Schwindsucht behandelt wird. Offiziell. Der wahre Grund ist wohl die Entfremdung von ihrem Mann. Nur in den Ferien besucht die Familie die Mutter. Als Ludwig in die Kadettenanstalt eintritt, ist er in der Hierarchie ganz unten. F\u00fchlt sich deplatziert. Doch dann gewinnt er Respekt unter Kameraden und Vorgesetzten, als sich seine Treffsicherheit mit dem Gewehr (als Bester in seinem Jahrgang) und sein technisches Talent im Umgang mit einem neuartigen Maschinengewehr offenbart. Im Fr\u00fchjahr 1914 k\u00fcndigt sich dann hoher Besuch an. Wilhelm II., der preu\u00dfische K\u00f6nig (und gleichzeitig deutscher Kaiser) gibt sich in K\u00f6slin die Ehre&#8230;<\/p>\n<p>Die Graphic Novel des Holl\u00e4nders Simon Spruyt setzt kurz vor einer Zeitenwende ein. Der Adel, der die Geschicke von Land und Gesellschaft bestimmte, nimmt an Einfluss ab. Die von Schlitts sind noch nicht verarmt, haben aber ganz offenbar ihre besten Zeiten hinter sich. Teile des Herrenhauses sind unbewohnt. Man besch\u00e4ftigt kaum noch Personal. Trotzdem werden \u2013 was will man sonst auch tun \u2013 die alten Traditionen gepflegt. Die Kinder werden soldatisch erzogen, siezen Vater und Mutter. Ihre Mutter beschwert sich in ihrem Sanatorium \u00fcber den aufstrebenden Geldadel, der allzu vertraulich mit ihr kommuniziert. Die Handlung konzentriert sich auf die beiden S\u00f6hne. Oswald, der gro\u00dfe Bruder, der seine adelige Herkunft und seine milit\u00e4rische Erziehung verinnerlicht hat und trotzdem gegen die Oberen aufbegehrt und so immer wieder mit Strafen belegt wird. Kein Revoluzzer, sondern eher pubert\u00e4rer Ungehorsam. Und Ludwig, anfangs noch ganz Kind, der mit dem System und seinem K\u00f6nig so gar nichts anfangen kann. Der auf seinen Bruder aufschaut und entt\u00e4uscht wird. Der dann aber doch seinen Platz findet.<\/p>\n<p>Der Band wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. als bester niederl\u00e4ndischer Comic. Die Geschichte ist gepr\u00e4gt von alten Werten und dem Aufbruch in eine neue Zeit, dem ein gro\u00dfes geschichtliches Hindernis im Weg stand: <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3449\" target=\"_blank\">der Erste Weltkrieg<\/a>. So chaotisch und unbarmherzig die Lage und der Krieg dann die Geschichte ver\u00e4ndert, so diffus und abstrakt endet dann auch der Band. Realit\u00e4ten verschwimmen, die Handlung wird konfus und unbestimmt. Das Nahen und der Beginn des Krieges zerst\u00f6ren alle Ordnung. Spruyt bedient sich hierbei einer starken, symbolhaften Bildsprache. Nur die wichtigen handelnden Personen bekommen klare Gesichter, der Rest wird anonym und gleich mit wenigen, identischen Strichen dargestellt. Der Vater wird oft als unangreifbarer Ritter in martialischer R\u00fcstung abgebildet, nicht minder anonym und erhaben. Und \u00fcber allen thront der K\u00f6nig\/Kaiser. Als Riese, der sich den Kindern der Kadettenanstalt annimmt und mit dem Ludwig so gar nichts anfangen kann.<\/p>\n<p>\u201aJunker\u2018 passt mit seiner zeitgeschichtlichen Thematik, n\u00e4herte sich der Beginn des Ersten Weltkriegs vor zwei Jahren doch bereits zum hundertsten mal (siehe <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1794\" target=\"_blank\">unsere Besprechung von \u201aTagebuch 14\/18\u2018<\/a>). Und gerade sind die unbarmherzigen, sinnlosen Material-Schlachten von Verdun und an der Somme in den Medien pr\u00e4sent (auch mit ihrem hundertsten Jahrestag), die mit ihren unvorstellbar hohen Opferzahlen stellvertretend f\u00fcr die Sinnlosigkeit und Brutalit\u00e4t des Krieges stehen.\u00a0\u201aJunker\u2018 zeigt nicht, wie alles anfing, sondern ein Portrait der Gesellschaft, die dem Krieg noch mindestens wertungsfrei gegen\u00fcberstand. Am Ende sehen wir Ludwig an seinem Maschinengewehr mit den gleichen neutralen Geschichtsz\u00fcgen, wie alle anderen. Als anonymes R\u00e4dchen im Kriegsgetriebe&#8230; (bw)<\/p>\n<p>Junker \u2013 Ein preu\u00dfischer Blues<br \/>\nText &amp; Bilder: Simon Spruyt<br \/>\n192 Seiten in blau-wei\u00df, Hardcover<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n24,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-76320-4<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3760\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3760\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Junker (Carlsen) &raquo; Comicleser #Carlsen #Ein preussischer Blues #Einzelband #Graphic Novel #J [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Preu\u00dfen in den Zehner Jahren des letzten Jahrhunderts, die Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Auf ihrem Landgut lebt die Familie von Schlitt. Landadel. 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