{"id":3733,"date":"2016-02-25T10:33:58","date_gmt":"2016-02-25T08:33:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3733"},"modified":"2016-02-26T12:02:46","modified_gmt":"2016-02-26T10:02:46","slug":"terra-australis-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3733","title":{"rendered":"Terra Australis (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3734\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Terra-Australis.jpg\" alt=\"Terra Australis (Splitter)\" width=\"290\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Terra-Australis.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Terra-Australis-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/p>\n<p>London um 1780. Die englischen Gef\u00e4ngnisse sind \u00fcberf\u00fcllt. Der Hauptgrund daf\u00fcr ist, dass Amerika als Strafkolonie nach der Unabh\u00e4ngigkeit der Neuenglandstaaten nicht mehr in Frage kommt. Eine Gefangenen-Deportation dorthin ist nicht mehr m\u00f6glich. Als Provisorium m\u00fcssen ausgediente Schiffsr\u00fcmpfe herhalten, die in Ufern\u00e4he geparkt werden. Die Folge sind unmenschliche Zust\u00e4nde, selbst f\u00fcr die damalige Zeit. Da besinnt man sich auf das ferne Terra Australis Incognita als neues Ziel f\u00fcr die H\u00e4ftlinge. Das ferne, noch weitgehend unbekannte Land im S\u00fcden, das Mega-Entdecker James Cook Jahre zuvor gesichtet hatte. Angenehmer Nebeneffekt f\u00fcr die englische Krone: man \u201aentsorgt\u2018 nicht nur die H\u00e4ftlinge, sondern gr\u00fcndet nebenbei auch mit der Landnahme eine neue Kolonie f\u00fcr das Empire. Im Mai 1787 stechen 11 Schiffe in See, um sich auf die beschwerliche Reise in die 24.000 km entfernte Botany Bay zu machen. An Bord 1300-1500 Menschen, die Mehrheit von ihnen Deportierte. Nach Versorgungsstopps auf Teneriffa, in Rio de Janeiro und am Kap der Guten Hoffnung treffen im Januar 1788 alle Schiffe unversehrt in der Botany Bay ein, nur um festzustellen, dass es dort weder geeigneten fruchtbaren Boden noch ausreichend Trinkwasser gibt. So entscheidet man sich weiter im Norden in Port Jackson die neue Siedlung aufzubauen und zu gr\u00fcnden, die bald den Namen Sydney tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Soweit die n\u00fcchternen Fakten. <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1726\" target=\"_blank\">Laurent-Fr\u00e9d\u00e9ric Boll\u00e9e (Deadline)<\/a> und Philippe Nicloux f\u00fcllen in ihrer gewaltigen Graphic Novel, deren Entstehen f\u00fcnf ganze Jahre dauerte, diese Fakten mit Leben, indem sie exemplarisch das Schicksal historischer Personen schildern, die indirekt und nat\u00fcrlich direkt an dem Unternehmen beteiligt waren, das als First Fleet (erste Flotte) in die Geschichte einging. Dabei setzen sie ganz fr\u00fch an und erz\u00e4hlen, wie der sp\u00e4tere Kolonialminister und Namenspate der neuen Kolonie Lord Sydney zu seinem Namen kam. Hier treffen wir auch erstmals auf James Smith, der Jahre sp\u00e4ter als einziger freiwilliger Zivilist an der Reise teilnehmen wird. In London begegnen wir John Hudson, einem Waisenkind, das auf der Stra\u00dfe lebt und beim Klauen erwischt wird. Mit 13 Jahren wird John der j\u00fcngste Gefangene auf der First Fleet sein. Das Kommando \u00fcber das Unternehmen wird Kapit\u00e4n Arthur Phillip \u00fcbertragen, der zugleich auch der erste Gouverneur der neuen Kolonie werden wird. Phillips Karriere in der Britischen Marine verlief bisher eher unspektakul\u00e4r. Und er ist nicht verheiratet, hat keine Familie. Kurz: er ist entbehrlich. Sollte das Unternehmen scheitern, er w\u00e4re kein gro\u00dfer Verlust. Entsprechend k\u00fcmmert man sich auch vor der Abfahrt nicht gro\u00df um Phillips und die Flotte. Aus dem Augen, aus dem Sinn\u2026<\/p>\n<div id=\"attachment_3736\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3736\" class=\"size-full wp-image-3736\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Terra-Australis-Seite-7.jpg\" alt=\"Der Vorbote: Cooks Endeavour ankert in Botany Bay\" width=\"290\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Terra-Australis-Seite-7.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Terra-Australis-Seite-7-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><p id=\"caption-attachment-3736\" class=\"wp-caption-text\">Vorbote: Cooks Endeavour ankert in Botany Bay<\/p><\/div>\n<p>Die Reise an sich verl\u00e4uft erstaunlich unspektakul\u00e4r. Nat\u00fcrlich gibt es Verluste. Krankheiten, Ungl\u00fccke und Skorbut fordern Opfer, Zwischenf\u00e4lle passieren, aber auch Kinder werden geboren. Alles in allem gelingt die \u00dcberfahrt, jedes Schiff wird den neuen Kontinent erreichen. Wir sehen den jungen John Hudson wieder, der nicht wei\u00df wie ihm geschieht und der sich inzwischen in die Obhut und den Schutz des riesigen, m\u00fcrrischen ehemaligen Sklaven Caesar begeben hat. Und James Smith, der seine dr\u00f6ge Beamten-Stelle gek\u00fcndigt hat und das gro\u00dfe Abenteuer erhofft. Wir lernen den Schiffsarzt kennen, den unbeliebten Befehlshaber der Soldaten, einige Offiziere. Das entbehrungsreiche Leben an Bord und die gereifte Erkenntnis, dass die wenigsten Passagiere, seien es Besatzung oder H\u00e4ftlinge, die Heimat je wiedersehen werden. Kapit\u00e4n Arthur Phillip \u00fcberrascht mit humanistischen, modernen Ansichten. Er m\u00f6chte in Frieden mit den Ureinwohnern leben und bem\u00fcht sich, das Gute im Menschen zu sehen. Eine naive Vorstellung, wie sich sp\u00e4ter sehr schnell zeigen wird.<\/p>\n<p>Denn nachdem die Pioniere wider Willen an ihrem Zielort ankommen, gibt es schnell nicht nur erste Kontakte mit den \u201aab origine\u2018 (lat. von Beginn an), sondern auch gleich erste Konflikte. Schwierig, denn die Kolonie, die sich bald noch ganz rudiment\u00e4r im Aufbau befindet, leidet Hunger. Vorr\u00e4te werden rationiert, Handel mit den Eingeborenen klappt nicht. Daher entschlie\u00dft sich Gouverneur Phillip, zwei von ihnen zu entf\u00fchren und ihnen Englisch beizubringen. Erzwungene V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung. Einen davon namens Bennelong lernen wir bereits in der Einleitung bei einem Initiations-Ritus kennen. In Gefangenschaft muss er einer Hinrichtung beiwohnen. Verwirrt plagen ihn Visionen, in denen sogar die ber\u00fchmte Oper von Sydney zu sehen ist, die sich einst an genau jenem Ort befinden wird. Bennelong wird sp\u00e4ter auch nach England reisen, teilweise die europ\u00e4ische Lebensart annehmen und bei seiner R\u00fcckkehr der erste entwurzelte Aborigine sein, der seine verlorene kulturelle Orientierung in Alkohol zu ertr\u00e4nken versucht. Als Menetekel, als Sinnbild f\u00fcr das Urvolk, von dem sich viele auch heute noch am Rande der australischen Gesellschaft befinden.<\/p>\n<p>Wenn ein Autor einen 500-seitigen, in drei m\u00e4chtige Kapitel eingeteilten Comic-Roman abliefert, dann sollte er was zu erz\u00e4hlen haben. Und das hat er. Viele Geschichten, Episoden, auch abseits der Haupthandlung. \u00dcberall merkt man, wie genau und akribisch Autor Laurent-Fr\u00e9d\u00e9ric Boll\u00e9e die Geschichte der First Fleet und dar\u00fcber hinaus recherchiert hat. Mal sanft, mal spannend, immer kenntnisreich und in einer \u00fcberaus angenehmen Sprache, bisweilen sogar poetisch. Lebendige Geschichte. Und Zeichner Philippe Nicloux bleibt bei seinen Gesichtern skizzenhaft aber ausdrucksstark, fast Graphic Novel-typisch, nur um dann mit ganzseitigen Panoramen zu verbl\u00fcffen, sei es von London, den Schiffen oder vom australischen Busch und der \u00e4rmlichen Kolonie. Dabei gibt es wunderbare \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Szenen, so folgt beispielsweise die Perspektive ganz filmisch \u00fcber mehrere wortlose Seiten hinweg einem Vogel, der zwei Szenen und Orte verbindet. Jedem Geschichts-Interessierten, der wissen will, \u201ewie das denn damals war mit Australien\u201c, sollte man ohne gro\u00df weitere Worte zu verlieren ein Exemplar des aktuellen Splitter-Ziegels in die Hand (nein, in die H\u00e4nde \u2013 das Teil ist dick und schwer) dr\u00fccken. Mehr braucht es nicht. Ein in jeder Hinsicht m\u00e4chtiges Werk. (bw)<\/p>\n<p>Terra Australis<br \/>\nText: Laurent-Fr\u00e9d\u00e9ric Boll\u00e9e<br \/>\nBilder: Philippe Nicloux<br \/>\n512 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n44,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-229-8<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3733\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3733\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Terra Australis (Splitter) &raquo; Comicleser #Grahic Novel #Laurent-Fr\u00e9d\u00e9ric Boll\u00e9e #Philippe  [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>London um 1780. Die englischen Gef\u00e4ngnisse sind \u00fcberf\u00fcllt. Der Hauptgrund daf\u00fcr ist, dass Amerika als Strafkolonie nach der Unabh\u00e4ngigkeit der Neuenglandstaaten nicht mehr in Frage kommt. 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