{"id":3720,"date":"2016-02-22T13:31:43","date_gmt":"2016-02-22T11:31:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3720"},"modified":"2016-02-22T13:33:42","modified_gmt":"2016-02-22T11:33:42","slug":"sykes-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3720","title":{"rendered":"Sykes (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3721\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Sykes.jpg\" alt=\"Sykes (Splitter)\" width=\"290\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Sykes.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Sykes-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/p>\n<p>Helden braucht das Land. Das sagt sich der junge Jim Starret, als der grimmige \u201eSentence\u201c Sykes (der das Urteil spricht und auch gleich vollstreckt, wie Jahrhunderte sp\u00e4ter ein illustrer Kollege in Mega City) auftaucht und geradewegs aus den Groschenromanen geschnitten scheint, die der Junge verschlingt, der mit seiner Mutter alleine auf einer Farm im Westen lebt, seit der Vater gestorben ist. Sykes warnt die Mutter noch, hier sei es gef\u00e4hrlich f\u00fcr eine Frau, aber Miss Starret will ihr Land nicht aufgeben. Diese Standhaftigkeit wird ihr zum Verh\u00e4ngnis: die Outlaws der Clayton-Bande \u00fcberfallen die Farm, vergreifen sich an der Mutter und t\u00f6ten sie. Der kleine Jim kann fliehen und verletzt dabei einen der Misset\u00e4ter schwer. Der traumatisierte Junge kennt seitdem nur noch einen Gedanken: Rache an denjenigen, die ihm alles genommen haben. Und daf\u00fcr braucht er Sykes, immerhin ist das ein Held von echtem Schrot und Korn, der f\u00fcr die Gerechtigkeit k\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Irgendwie stimmt das auch: Sykes \u00fcbernimmt gerne Auftr\u00e4ge von \u00fcberforderten Marshals oder B\u00fcrgermeistern und macht sich nach dem inst\u00e4ndigen Flehen des kleinen Jim tats\u00e4chlich auf den Weg, im Schlepptau sein Kumpan O\u2019Malley, der f\u00fcr seine gerne auch mal unkonventionellen Methoden bekannt ist (sprich: er ist durchaus handgreiflich und brutal, aber nat\u00fcrlich nur gegen diejenigen, die es auch verdient haben). Trotz vehementen Ablehnens l\u00e4sst sich Jim nicht davon abbringen, auch selbst bei der Verfolgungsjagd dabei zu sein. Gemeinsam mit dem Indianer Grauer Fuchs, einem alten Spurenleser, der sich f\u00fcr die Aussicht auf zwei neue H\u00fchnerst\u00e4lle anschlie\u00dft, macht sich der Trupp auf den Weg und findet bald die F\u00e4hrte der Verbrecher, die eine Spur der Gewalt hinter sich herziehen und scheinbar auch religi\u00f6s motivierte Morde begehen. Sykes alter Kumpel Jess Bordwell bietet an, Jim an kindes statt anzunehmen, aber erst muss Jim seine D\u00e4monen konfrontieren und die Halunken ausr\u00e4uchern, die seine Mutter auf dem Gewissen haben. Das gelingt tats\u00e4chlich, und Sykes l\u00e4sst Jim in der Obhut von Jess und seiner Frau zur\u00fcck. Ende gut, alles gut? Beileibe nicht, denn es kommt Jahre sp\u00e4ter zu einem schicksalhaften Showdown, in dem sich eine grausame Ironie des Schicksals einstellt\u2026<\/p>\n<div id=\"attachment_3723\" style=\"width: 241px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3723\" class=\" wp-image-3723\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Pierre-Dubois.jpg\" alt=\"Pierre Dubois 2007 beim Comic-Festival in Bastogne\" width=\"231\" height=\"305\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Pierre-Dubois.jpg 514w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Pierre-Dubois-227x300.jpg 227w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><p id=\"caption-attachment-3723\" class=\"wp-caption-text\">Pierre Dubois 2007 beim Comic-Festival in Bastogne<\/p><\/div>\n<p>Pierre Dubois ist das, was man wohl mit Fug und Recht als Renaissance-Mensch bezeichnen kann, ein Universalgelehrter und Mystiker, wie man ihn nur noch selten antrifft, Autor von diversen fantastischen Enzyklop\u00e4dien und zahlreicher Bildgeschichten. In der Figur des Sykes entwickelt er den klassischen Antihelden des Westerns weiter und macht ihn zu einem von seiner Vergangenheit heimgesuchten Intellektuellen, der einen literarischen Klassiker nach dem anderen liest und das Geschehen somit in Perspektive setzt \u2013 er ist wie <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2228\" target=\"_blank\">Ahab<\/a>, der seiner Nemesis <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3316\" target=\"_blank\">Moby Dick<\/a> folgt, w\u00e4hrend Jim die Rolle des Ismael spielt, der als einziger vom Malstrom der Gewalt verschont bleibt. So sein frommer Wunsch zumindest. Gleichzeitig liefert Sykes, den Jim sogleich als den Typ Held erkennt, der seine Dime Novels bev\u00f6lkert, eine Reminiszenz der Figur des Bufallo Bill, jenes Bill Cody, dessen eigentlich gar nicht so gro\u00dfartige Abenteuer durch Groschenromane einem Massenpublikum gezielt bekannt gemacht wurden und schlie\u00dflich in Zirkusauff\u00fchrungen mit dem echten Indianerh\u00e4uptling Sitting Bull den Mythos des Westmanns, wie er sich bis heute in der popul\u00e4ren Vorstellung erhalten hat, erst erschufen.<\/p>\n<p>O\u2019Malley selbst schlie\u00dflich stellt gegen Ende des Geschehens fest, ihre Zeit sei eigentlich vorbei, immerhin w\u00fcrden mittlerweile Typen durchs Land ziehen, die einen Sarg hinter sich herschleppen oder auf der Mundharmonika spielen. Auch in diesen Querverweisen auf die Kino-Tradition des Westerns in seiner postmodernen Form (gemeint sind nat\u00fcrlich die Italo-Streifen \u201aDjango\u2018 und \u201aSpiel mir das Lied vom Tod\u2018) wird Sykes mindestens ebenso zu einer kritischen Reflektion des <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?tag=western\" target=\"_blank\">Western-Mythos<\/a> wie zu einer zeitlosen Saga, die davon k\u00fcndet, wie Gewalt und Rache den Charakter vernichten. Die Indianer spielen mit Ausnahme von Grauer Fuchs keine Rolle, die Siedler m\u00fcssen sich vielmehr vor den B\u00fcrokraten und Gesch\u00e4ftemachern sch\u00fctzen, die ihnen ihr Land mit Winkelz\u00fcgen oder auch roher Gewalt, gerne auch durch Outlaw-Gangs, abspenstig machen. Die B\u00fcffel sind von den Pr\u00e4rien verschwunden, die Eisenbahn erschlie\u00dft bald den letzten Winkel, und die alten Westm\u00e4nner stehen am Abend ihres Daseins.<\/p>\n<p>So entsteht (wie schon in <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3396\" target=\"_blank\">Tiburce Ogers \u201aBuffalo Runner\u2018<\/a>) ein d\u00fcsteres Panorama einer zwielichtigen Legende, die in der Realit\u00e4t alles andere als strahlend war und deren angeblich definierenden Elemente (Revolverhelden, Landnahme, der Weg nach Westen) erst durch eine verkl\u00e4rende Fiktion bewusst ins Leben gerufen wurden. Dimitri Armand zeichnet das Ganze in der besten franko-belgischen Tradition, teilweise erinnernd an den von ihm verehrten <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=665\" target=\"_blank\">Enrico Marini<\/a>, aber nat\u00fcrlich immer auch im Gefolge eines Jean Giraud, der wohl niemals ganz verleugnet werden kann, wenn es um dieses Genre geht. Ein desillusionierendes, aber auch wehm\u00fctiges, elegisches Werk, das wir hier abgeschlossen in einem Band erleben d\u00fcrfen. (hb)<\/p>\n<p>Sykes<br \/>\nText: Pierre Dubois<br \/>\nBilder: Dimitri Armand<br \/>\n80 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n17,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-225-0<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3720\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3720\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Sykes (Splitter) &raquo; Comicleser #Dimitri Armand #Einzelband #Pierre Dubois #Splitter #Sykes #W [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helden braucht das Land. 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