{"id":3649,"date":"2016-02-01T13:50:06","date_gmt":"2016-02-01T11:50:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3649"},"modified":"2016-02-01T13:50:06","modified_gmt":"2016-02-01T11:50:06","slug":"joker-anthologie-panini","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3649","title":{"rendered":"Joker Anthologie (Panini)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3650\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Joker_Anthologie.jpg\" alt=\"Joker Anthologie (Panini)\" width=\"263\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Joker_Anthologie.jpg 263w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Joker_Anthologie-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><\/p>\n<p>Geliebter Feind. B\u00f6ses Spiegelbild. Superschurke par excellence. Wenn es stimmt, dass in einer Geschichte der B\u00f6sewicht stets spannender ist als der Held \u2013 und das wusste schon der alte Shakespeare, wer interessiert sich schon f\u00fcr den Langweiler Duncan, wenn er einen Macbeth haben kann? \u2013 dann trifft das f\u00fcr den Clown mit dem leicht gest\u00f6rten Realit\u00e4tssinn unbedingt zu. Nat\u00fcrlich geh\u00f6rt eine Galerie von Intimfeinden zum Superheld wie Cape und Spandex-Hose (was w\u00e4ren die <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=678\" target=\"_blank\">FV<\/a> ohne <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3137\" target=\"_blank\">Dr. Doom<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2875\" target=\"_blank\">Spider-Man<\/a> ohne den Kobold oder <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1781\" target=\"_blank\">Superman<\/a> ohne den Langhaar-Tr\u00e4ger <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=681\" target=\"_blank\">Lex Luthor<\/a>?), aber eine derartig b\u00f6se Symbiose zwischen Held und Antiheld, wie sie <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3590\" target=\"_blank\">Bruce Wayne<\/a> und den psychopathischen Meister der \u00fcblen Scherze Joker verbindet, bleibt im Comicreich einzigartig. Anl\u00e4\u00dflich des 75. Geburtstags des Jokers liefert diese aufwendige Zusammenstellung von einigen der legend\u00e4rsten Zusammentreffen, die vom ersten Auftritt des finsteren Gesellen die durchaus wechselhafte Historie in Erscheinung und Relevanz des Jokers nachzeichnet, einen famosen \u00dcberblick \u00fcber die Dekaden umspannende Hassliebe der beiden Herren.<\/p>\n<p>Ersonnen vom Kreativteam Bob Kane, Jerry Robinson und Bill Finger f\u00fcr die erste Ausgabe der eigenen Batman-Serie von 1940, erscheint der Joker zun\u00e4chst als eiskalter, perverser Erpresser, der sich einen perfiden Spa\u00df daraus macht, seine Taten vorher anzuk\u00fcndigen und dann trotz aller Versuche der Polizei, die Opfer zu sch\u00fctzen, zuschl\u00e4gt (\u201eThe Joker\u201c, \u201eThe Joker Returns\u201c, Batman 1 und 2, 1940). Um ihrem finsteren Detektiv einen w\u00fcrdigen Gegner an die Seite zu stellen, lie\u00dfen sich die findigen K\u00f6pfe (wie auch schon f\u00fcr den Helden selbst, einer Mischung aus Zorro und The Bat) vom Kino inspirieren: die Z\u00fcge des Jokers erinnern mehr als nur deutlich an den Horror-Film \u201aThe Man Who Laughs\u2018 von Paul Leni, in dem Conrad Veidt 1928 mit grinsender Fratze das Publikum erschreckte. Jenseits von allen sp\u00e4teren Albernheiten zeigen gerade diese ersten Auftritte die Abseitigkeit und die D\u00fcsternis, die sowohl Held als auch Antiheld auszeichnete und in den sp\u00e4teren Verfilmungen von Christopher Nolan kongenial umgesetzt wurde. Der Joker avancierte sofort zum wiederkehrenden Gast in Batman und Detective Comics, wo Bill Finger und Lee Sayre Schwartz 1951 mit \u201eThe Man Behind The Red Hood\u201c die Figur erstmals auch mit einer Hintergrund-Story abrundeten: der Joker begann seine Karriere als mysteri\u00f6ser Gangster hinter der roten Maske, der beim \u00dcberfall einer Spielkartenfabrik durch mit Chemikalien verseuchtes Wasser schwimmt und so zum Monster mit wei\u00dfer Haut und gr\u00fcnen Haaren wird (Jahrzehnte sp\u00e4ter kamen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2517\" target=\"_blank\">Alan Moore<\/a> und Brian Bolland in ihrem meisterhaften \u201eKilling Joke\u201c auf diese Elemente zur\u00fcck und f\u00fchrten eindrucksvoll vor, dass Batman und Joker Doppelg\u00e4nger sind, zwei Seiten einer Medaille, die nur durch einen schmalen Grat getrennt und auf ihre Art gleicherma\u00dfen psychopathisch sind).<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens der Comics Code, die freiwillige Selbstkontrolle der angeblich jugendgef\u00e4hrdenden Bildschriften, setzte der allzu perfiden Verbrechenslust des Jokers zun\u00e4chst ein Ende, der in den 50er und 60er Jahren vor allem mit immer neuen Gadgets gegen das dynamische Duo antrat und stets den K\u00fcrzeren zog (von dieser \u00c4ra geben hier die Stories \u201eThe Joker\u2019s Utility Belt\u201c von 1952 und \u201eThe Joker\u2019s Comedy Capers\u201c von 1965 einen passenden, am\u00fcsanten Eindruck). Als sich Batman Anfang der 70er Jahre vor allem in den H\u00e4nden von Dennis O\u2019Neil und Neal Adams weg von der poppigen, campigen 60er-Fassung der Fernsehserie wieder seinen Urspr\u00fcngen als Detektiv der Nacht zuwandte, feierte auch der Joker in seiner ganzen kranken Pracht ebenfalls ein schauerhaftes Comeback: in \u201eThe Joker\u2019s Five-Way Revenge\u201c (Batman 251, 1973) kehrt er als Horrorclown nach Gotham zur\u00fcck, r\u00e4umt mit allen ehemaligen Kumpanen auf, wirft Batman buchst\u00e4blich ins Haifischbecken und muss sich dann doch noch seinem Lieblingsfeind stellen \u2013 der ihn in einer ikonischen Zeichnung mit den Gedanken \u201eThe night has taken its toll on me\u201c im Mondlicht verfolgt (was es als Poster f\u00fcr diverse Sammelmarken im Supie-Shop bei Ehapa gab und bis heute meine Wand ziert).<\/p>\n<p>Noch einen Zacken d\u00fcsterer und f\u00fcr viele Batman-Freunde stilpr\u00e4gend geriet dann der Run von Steve Englehart und Marshall Rogers, die Batman als Kulmination der 70er in einem von Korruption zerfressenen Gotham ins Visier von machtgierigen Politikern (Rupert Thorne), alten Feinden <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2355\" target=\"_blank\">(Hugo Strange)<\/a> und emotionalen Krisen (seine Geliebte Silver St. Cloud) kommen lie\u00dfen. In den Kampf um die Vorherrschaft in der Stadt greift nat\u00fcrlich auch der Joker ein, der in \u201eThe Laughing Fish\u201c (Detective Comics 475, 1978) wieder seine teuflischen Chemikalien einsetzt, wobei Englehart und Rogers einzelne Panels und Dialoge nahezu deckungsgleich aus den ersten beiden Joker-Auftritten von 1940 \u00fcbernehmen, als dieser wie damals geplante Morde im Radio ank\u00fcndigt. Etwas weniger realistisch, aber nicht weniger gewaltsam gestalten sich dann die Auftritte in \u201eDreadful Birthday, Dear Joker\u201c aus der Feder von Len Wein und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3159\" target=\"_blank\">Walter Simonson<\/a> (Batman 321, 1980) und \u201eLast Laugh\u201c von Gerry Conway und Jos\u00e9 Luis Garcia-Lopez (Batman 353, 1982), bevor in Mike Barrs und Alan Davis\u2018 Run aus den Mitt-80ern ein neuer H\u00f6hepunkt erreicht wird. Als der Joker mit Hilfe eines Mad Scientist Catwoman einer Gehirnw\u00e4sche unterzieht und sie gegen ihren Geliebten Batman aufhetzt, verliert der vollst\u00e4ndig die Contenance (\u201eLast Laugh\u201c, Detective Comics 570, Januar 1987; diese Geschichte war auch schon in der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1916\" target=\"_blank\">Alan-Davis-Batman-Collection<\/a> enthalten).<\/p>\n<p>Ironischerweise ist es Jason Todd, der als Robin seinen Mentor gerade noch davon abhalten kann, den Joker ins Jenseits zu bef\u00f6rdern \u2013 der ihn nur wenige Monate sp\u00e4ter im aufsehenerregenden \u201eTod in der Familie\u201c t\u00f6ten wird. In \u201eA Clash Of Symbols\u201c (Detective Comics 617, Juli 1990) f\u00fchren Alan Grant und Norm Breyfogle einmal mehr die sinnbildhafte Konfrontation zweier verwandter Seelen vor, mit \u201eLaughter After Midnight\u201c kommen auch die cartoon-bezogenen Batman Adventures von Paul Dini und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3137\" target=\"_blank\">John Byrne<\/a> zu Ehren, bevor der Reigen dann mit \u201eThe Man Who Laughs\u201c (einem direkten R\u00fcckbezog auf die filmische Inspiration des Jokers) von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3371\" target=\"_blank\">Ed Brubaker<\/a> und Doug Mahnke und \u201eTime To Monkey Shine\u201c von 2013 bis in ganz aktuelle Regionen fortgesetzt ein Ende findet.<\/p>\n<p>Eine wahre Fundgrube f\u00fcr alle Freunde des Clownprinzen des Verbrechens tut sich hier auf, die einen faszinierenden, kontinuierlichen \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung der Figur erlaubt, von den perversen Anf\u00e4ngen, die vor allem die modernen Dark Knight-Filme wieder aufgreifen, \u00fcber die (sicherlich in gro\u00dfen Teilen von au\u00dfen verordneten) Harmlosigkeiten der 60er \u00fcber den sozialen Realismus der 70er bis hin zur psychologisierenden Interpretation des Jokers als Zerrbild des Helden, die sp\u00e4testens seit <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3609\" target=\"_blank\">Frank Millers<\/a> \u201aThe Dark Knight Returns\u2018 Einzug gehalten hat. Womit wir eigentlich schon beim einzigen Punkt w\u00e4ren, die an dieser absolut hochwertigen, mit Essays und Covers erg\u00e4nzten Anthologie ein kleines Manko darstellt: von einigen legend\u00e4ren Meilensteinen in der Joker-Historie \u2013 eben der \u201eR\u00fcckkehr des dunklen Ritters\u201c, den ebenfalls schon erw\u00e4hnen \u201eDeath in the Family\u201c und \u201eKilling Joke\u201c, aber auch weiteren Epen wie \u201eHush\u201c oder \u201eArkham Asylum\u201c \u2013 k\u00fcnden hier zwar die erkl\u00e4renden Zwischentexte, aber leider keine direkten Ausz\u00fcge. Nachdem wir es hier aber mit einem Sammelband aus den verschiedenen Heftserien zu tun haben, innerhalb dessen die ausladenden genannten Werke wohl jeden Rahmen sprengen w\u00fcrden, tut das dem Verdienst keinen Abbruch, dem Joker zum 75. ein w\u00fcrdiges Denkmal gesetzt zu haben. Zumal der Preis mit knapp 30 Euro mehr als fair ist. (hb)<\/p>\n<p>Joker Anthologie<br \/>\nText: Bill Finger, Dennis O&#8217;Neil, Alan Grant, Andy Kubert, Len Wein, Steve Englehart, Gerry Conway, Alan Grant, Paul Dini, Ed Brubaker<br \/>\nBilder: Bob Kane, Jerry Robinson, Dick Sprang, Neal Adams, Lee Sayre Schwartz, Walter Simonson, Marshall Rogers, Norm Breyfogle, John Byrne, Doug Mahnke<br \/>\n372 Seiten in Farbe<br \/>\nPanini Comics<br \/>\n29,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95798-353-4<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3649\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3649\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Joker Anthologie (Panini) &raquo; Comicleser #Alan Grant #Andy Kubert #Batman #Bill Finger #Bob Ka [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geliebter Feind. 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