{"id":3580,"date":"2016-01-13T14:51:56","date_gmt":"2016-01-13T12:51:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3580"},"modified":"2016-01-13T14:51:56","modified_gmt":"2016-01-13T12:51:56","slug":"der-papagei-von-batignolles-band-1-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3580","title":{"rendered":"Der Papagei von Batignolles, Band 1 (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3581\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Papagei-von-Batignolles-1.jpg\" alt=\"Der Papagei von Batignolles, Band 1 (Carlsen)\" width=\"298\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Papagei-von-Batignolles-1.jpg 298w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Papagei-von-Batignolles-1-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/p>\n<p>Aufruhr in der Pariser Medienszene: die gefeierte Operndiva Christina Vogelgesang wird ermordet aufgefunden. Neben der Leiche entdeckt man dieselbe kleine Spieldose, \u00fcber die sie tags zuvor noch im Radio gesprochen hatte \u2013 eine goldene in Entenform n\u00e4mlich, die der Tontechniker Oscar Moulinet schon w\u00e4hrend der Sendung als die erkannt hat, von der auch seine Lebensgef\u00e4hrtin Edith ein Exemplar besitzt. Als auch der Sommelier Paul Rivoire get\u00f6tet wird, auf dessen Portrait Moulinet ebenfalls eine Enten-Spieldose im Regal ersp\u00e4ht, steht endg\u00fcltig fest: hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu. Vollends mysteri\u00f6s und bedrohlich wird die Sache, als ein Unbekannter in Ediths Wohnung eindringt und versucht, ihr eben jene Spieldose zu entrei\u00dfen, dabei jedoch am handgreiflichen Widerstand der streitbaren Dame scheitert. Gemeinsam mit Ediths Tochter Cl\u00e9mence-Alice macht sich Oscar daran, das Geheimnis der goldenen Enten zu ergr\u00fcnden. Offenbar enth\u00e4lt jede ein verborgenes Schubfach, in dem ein numerierter Tonbandschnipsel versteckt ist. Allen Besitzern wurde die Ente entweder anonym \u00fcberreicht oder ohne Angabe eines Absenders zugesandt \u2013 nur Edith hat ihre von ihrer verstorbenen Mutter bekommen, die sich allerdings tunlichst \u00fcber ihre Herkunft ausgeschwiegen hatte.<\/p>\n<p>Nach einigen Recherchen trifft Oscar auf Hinweis von Rivoires Witwe in der Bretagne mit dem Segler Yves le Dantec zusammen, der ebenfalls stolzer Besitzer einer der geheimnisvollen Spieluhren ist. Zur\u00fcck im Tonstudio f\u00fcgt Oscar die Tonbandabschnitte zusammen und macht eine erstaunliche Entdeckung: obwohl die Nachricht noch l\u00fcckenhaft ist, l\u00e4sst sich heraush\u00f6ren, dass der geniale Kunstf\u00e4lscher Emil Schmutz auf diesem Wege ausgew\u00e4hlten Personen als Verm\u00e4chtnis eine Warnung zukommen lassen wollte. Der Mann im Hintergrund, dem das offenkundig alles andere als lieb ist, macht Jagd auf alle Besitzer der Nachrichtenteile, um zu verhindern, dass die Botschaft ans Licht kommt. Schnell wird klar, dass es sich dabei um niemand anders handeln kann als Albert von \u00dcbel, ehemals Assistent von Schmutz, ein finsterer Geselle, der wohl schr\u00e4ge Gesch\u00e4fte in die eigene Tasche gemacht hat und jetzt alles tut, um diese zu vertuschen. Dabei schreckt er auch nicht davor zur\u00fcck, den Radiosender zu \u00fcberfallen, in dem Schmutz einige Interviews gegeben hat, und vor seiner Flucht durch die Kanalisation noch Moulinets Familie zu bedrohen, die sich daraufhin zu Ediths Vater absetzt. Der h\u00e4lt allerdings seinerseits eine handfeste \u00dcberraschung bereit: Ediths Mutter hatte durchaus gute Gr\u00fcnde, die Herkunft der Spieldose zu verheimlichen, denn Schmutz stand der Dame deutlich n\u00e4her als vermutet\u2026<\/p>\n<p>Mit \u201aDer Papagei von Batignolles\u2018 legten die versierten Gr\u00f6\u00dfen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1604\" target=\"_blank\">Jacques Tardi<\/a> (vor allem bekannt durch seine Kriegsdramen seine Adele-Reihe) und der 2011 verstorbene Romanautor, Filmkritiker und Filmproduzent Michel Boujut im Jahr 1997 ein H\u00f6rspiel vor, das bei France Inter \u00fcber den \u00c4ther ging. Boujut verarbeitete dabei gekonnt seine Kenntnisse der Medienbranche, die er bei seiner Arbeit auch f\u00fcr diesen Sender sammeln konnte, und verwob diese mit Tardi zu einem Abenteuerstoff der ganz klassischen franko-belgischen Manier. Der Tontechniker Oscar ist nicht zuf\u00e4llig entfernter Kollege eines gewissen Tim \u2013 immer wieder wird die franz\u00f6sische Tradition explizit aufgegriffen, etwa als die Tochter begeistert ausruft, das sei ja alles wie bei den Sieben Kristallkugeln, oder als ein kleiner Junge die aktuelle Ausgabe von Spirou verschlingt. In bester <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1094\" target=\"_blank\">Tintin-Manier<\/a> ermittelt der Medienmann wie sein offenkundiges Vorbild kriminalistisch, setzt einen Hinweis zum anderen und wird dabei von einer bunt zusammengew\u00fcrfelten Truppe voller witzig-markanter Nebenfiguren, wie etwa dem Techniker Patafoin, begleitet.<\/p>\n<p>Die optische Umsetzung des Stoffes, die aufgrund der Herkunft aus dem H\u00f6rspiel naturgem\u00e4\u00df textlastig daherkommt und des \u00f6fteren auf Klangeffekte als Handlungsmoment setzt, wurde denn auch von Stanislas Barth\u00e9l\u00e9my (\u201aDie Abenteuer von Herg\u00e9\u2018, ebenfalls bei Carlsen) kongenial in einem modernen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3408\" target=\"_blank\">Ligne Claire-Stil<\/a> im Geiste von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1118\" target=\"_blank\">Herg\u00e9<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1563\" target=\"_blank\">Edgar P. Jacobs<\/a> inszeniert, komplett mit Oscars kleiner Haartolle und dynamischen Autos, Z\u00fcgen und Schiffen. So eilen wir mit Oscar atemlos durch das turbulente Geschehen bis zur letzten Seite, auf der wir feststellen &#8211; betroffen -, dass der Vorhang f\u00e4llt, aber mit vielen Fragen offen: was ist auf dem Tonband Nummer 10 zu h\u00f6ren, das besonders markiert ist? Lebt Emil Schmutz vielleicht doch noch? Und ist der Papagei von Batignolles, der bislang nur der Titel des Kriminalromans ist, an dem Edith schreibt, vielleicht doch noch wichtig? Wir werden wohl wieder unsere Rundfunkger\u00e4te Richtung Frankreich drehen m\u00fcssen, um auch die Fortsetzung dieser Geschichte zu erleben. Oder wir warten auf Band 2, \u201aDer Fall Kugloff\u2018. (hb)<\/p>\n<p>Der Papagei von Batignolles, Band 1: Der enigmatische Monsieur Schmutz<br \/>\nText: Jacques Tardi, Michel Boujut<br \/>\nBilder: Stanislas Barth\u00e9l\u00e9my<br \/>\n56 Seiten in Farbe, Softcover<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n12 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-72693-3<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3580\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3580\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Der Papagei von Batignolles, Band 1 (Carlsen) &raquo; Comicleser #Carlsen #Der enigmatische Monsie [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufruhr in der Pariser Medienszene: die gefeierte Operndiva Christina Vogelgesang wird ermordet aufgefunden. 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