{"id":3490,"date":"2015-12-18T19:26:45","date_gmt":"2015-12-18T17:26:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3490"},"modified":"2015-12-18T19:26:45","modified_gmt":"2015-12-18T17:26:45","slug":"love-in-vain-egmont","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3490","title":{"rendered":"Love in Vain (Egmont)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3491\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Love_in_Vain.jpg\" alt=\"Love in Vain (Egmont Graphic Novel)\" width=\"380\" height=\"246\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Love_in_Vain.jpg 380w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Love_in_Vain-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><\/p>\n<p>Teufelsmusik. Mit dieser netten Bezeichnung durfte sich alles, was nicht dem amerikanischen (oder auch europ\u00e4ischen) Establishment entsprang, lange (und teilweise bis heute) herumschlagen. Nat\u00fcrlich nicht zuletzt der Blues, Jazz und Rock\u2019n\u2019Roll, diese schon immer aufm\u00fcpfigen, rebellischen Ausw\u00fcchse, die von den ehemaligen Sklavenarbeitern aus ihren Arbeitsliedern hin zu einer subversiven Form des Widerstands entwickelt wurden, die in den Juke Joints zum Vortrag kam, also den Kaschemmen, die die Herrschenden nur hinter vorgehaltener Hand besuchten. Teilweise kultivierten die fr\u00fchen Stars diesen Mythos selbst \u2013 ein Pakt mit dem Teufel, nat\u00fcrlich geschlossen an einer verlassenen Wegkreuzung, habe ihnen ihr magisches Spiel verliehen.<\/p>\n<p>Und genau das tat auch eine der gr\u00f6\u00dften Legenden des Blues, dem sp\u00e4ter (mittlerweile zutiefst b\u00fcrgerlich akzeptierte) Gr\u00f6\u00dfen wie Eric Clapton oder Keith Richards in Stil und auch Darbietungen seiner Songs huldigten &#8211; <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3335\" target=\"_blank\">Robert Johnson<\/a>. In seinem kurzen Leben (er verlie\u00df diese Welt im zarten Alter von 27 Jahren) z\u00fcndete Johnson die sprichw\u00f6rtliche Kerze von beiden Enden an: um dem Heer der namenlosen Baumwollpfl\u00fccker in seinem Geburtsort Hazlehurst in Mississippi zu entkommen, wo er von einer Pflegefamilie in die n\u00e4chste geschoben wird, interessiert er sich schon fr\u00fch f\u00fcr die aufregend neue Musik und eignet sich durchaus virtuos das Mundharmonika-Spiel an. Als er 1929 eigentlich den aufrechten Weg gehen m\u00f6chte, heiratet und eine Familie gr\u00fcndet, sterben Frau und Kind 1930, was sein Schicksal endg\u00fcltig besiegelt.<\/p>\n<p>Allzu fr\u00fch will er auch auf der Gitarre \u00fcberzeugen, wird von den B\u00fchnen der finsteren Bars gebuht und geht auf Wanderschaft. 1932 kehrt er zur\u00fcck und hat von Ike Zimmermann eine innovative, kunstvolle Spielweise erlernt, die zusammen mit seinen anz\u00fcglichen Texten in Spelunken und auf der Stra\u00dfe f\u00fcr Begeisterung sorgt und seinen Ruf zementiert, nur der Leibhaftige selbst k\u00f6nne solche Kunst verleihen. Erfolg hat er auch nicht zuletzt bei der holden Weiblichkeit, der er mindestens genau ausschweifend und jede R\u00fccksicht auf Moral fr\u00f6nt wie dem Alkohol. Mit der in einem Hotelzimmer entstandenen Plattenaufnahme \u201eTerraplane Blues\u201c gelingt ihm 1936 zudem noch ein veritabler Hit. Johnson tingelt durch ganz Amerika, gefeiert f\u00fcr seine magischen Melodien, immer mehr zerr\u00fcttet von Alkohol und Syphilis, bis ihn ein misslauniger Ehemann vergiftet und er 1938 stirbt.<\/p>\n<div id=\"attachment_3492\" style=\"width: 390px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3492\" class=\"size-full wp-image-3492\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/LoveInVain_Slider-02.jpg\" alt=\"Die Stones in Altamont\" width=\"380\" height=\"138\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/LoveInVain_Slider-02.jpg 380w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/LoveInVain_Slider-02-300x109.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px\" \/><p id=\"caption-attachment-3492\" class=\"wp-caption-text\">Die Stones in Altamont<\/p><\/div>\n<p>In ihrer Graphic Novel schlagen Mezzo und Jean-Michel Dupont in die genretypische biographische Kerbe, die auch schon <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1175\" target=\"_blank\">Reinhard Kleist<\/a> mit \u201eCash&#8220; bediente. Johnson, einer der schillerndsten Figuren der Musikgeschichte, liefert hierzu auch reichlich Material, als geradezu urtypisches Beispiel des Vollblut-Rockers, der sein Leben drei Mal schneller lebt als alle anderen, f\u00fcr kurze Zeit glei\u00dfend leuchtet und dann vergl\u00fcht. Dazu kommt noch die fast schon epische Verehrung, die Kollegen folgender Generationen dem <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2672\" target=\"_blank\">\u201eKing of the Delta Blues\u201c<\/a> angedeihen lie\u00dfen, von den genannten Herrschaften Clapton, Stones und Cream (die Johnsons Songs ins Repertoire aufnahmen, gerne auch mal ohne den Urheber zu nennen) bis hin zu modernen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?tag=within-temptation\" target=\"_blank\">Hard Rock Kombos<\/a> wie die englischen Thunder, die eine ihrer Scheiben &#8222;Robert Johnson\u2019s Tombstone&#8220; benannten (auf meine Frage, wer denn das gewesen sei, meinten die Herren nur lapidar \u2013 einer der coolsten, heftigsten Typen aller Zeiten, \u201ea hellraiser\u201c).<\/p>\n<p>Inszeniert wird das Geschehen in atmosph\u00e4rischen schwarz\/wei\u00df-Zeichnungen, die oft an Radierungen oder Kohlestift-Abrisse erinnern \u2013 das ungew\u00f6hnliche Querformat wirkt dabei wie ein Songbook, das passenderweise mit einem Anhang aus Liedtexten mit deutscher \u00dcbersetzung erg\u00e4nzt wird. Johnsons angeblicher Pakt mit dem Leibhaftigen durchzieht das gesamte Werk, das von einem Kommentar eines niemals explizit genannten Erz\u00e4hlers begleitet wird. Jeder auch nur halbwegs aufmerksame Leser d\u00fcrfte aus den s\u00fcffisanten Anspielungen und vor allem den abschlie\u00dfenden Bemerkungen allerdings relativ schnell eindeutig schlie\u00dfen k\u00f6nnen, mit wem wir es da zu tun haben: da erleben wir n\u00e4mlich das verh\u00e4ngnisvolle Konzert der Stones in Altamont 1969, kurz bevor die Hell\u2019s Angels drastisch ins Geschehen eingreifen, und der Erz\u00e4hler f\u00fchrt aus, er wolle sich jetzt kurz vorstellen \u2013 er sei schon immer da gewesen, und seinen Name habe man doch bestimmt schon lange erraten\u2026 (hb)<\/p>\n<p>Love in Vain \u2013 Robert Johnson 1911-1938<br \/>\nText: Jean-Michel Dupont<br \/>\nBilder: Mezzo<br \/>\n72 Seiten in schwarz-wei\u00df, Hardcover, Querformat<br \/>\nEgmont Graphic Novel<br \/>\n22,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-7704-5526-3<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3490\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3490\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Love in Vain (Egmont) &raquo; Comicleser #Egmont Graphic Novel #Ehapa #Jean-Michel Dupont #Love in [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teufelsmusik. 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