{"id":3357,"date":"2015-11-10T16:43:14","date_gmt":"2015-11-10T14:43:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3357"},"modified":"2015-11-11T14:12:12","modified_gmt":"2015-11-11T12:12:12","slug":"im-eisland-band-2-hinstorff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3357","title":{"rendered":"Im Eisland, Band 2 (Hinstorff)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3358\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Im-Eisland-Band-2.jpg\" alt=\"Im Eisland, Bd. 2 (Hinstorff)\" width=\"283\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Im-Eisland-Band-2.jpg 283w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Im-Eisland-Band-2-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/p>\n<p>Winter 1845\/1846. Die beiden Schiffe der Franklin Expedition \u00fcberwintern auf der Suche nach der Nordwestpassage bei der kleinen Beechey Insel weit im n\u00f6rdlichen Eismeer. Es gibt zwei weitere Todesf\u00e4lle. Die Stimmung an Bord wird schlechter. Doch dann ist der arktische Winter vor\u00fcber, die Sonne geht auf. Nachdem das Eis aufbricht und das Meer wieder befahrbar wird, segeln die Schiffe nach S\u00fcdwesten. Die dortigen Landmassen sind teilweise noch nicht vollst\u00e4ndig erforscht und kartographiert. So ist noch nicht bekannt, wie alle K\u00fcsten verlaufen, ob es sich bei dem bereits bekannten Land um Inseln, Halbinseln oder das kanadische Festland handelt. Dabei entstehen immer wieder gef\u00e4hrliche Situationen, beispielsweise wenn Kapit\u00e4n Coziers Terror auf eine Sandbank aufl\u00e4uft und mit Muskelkraft wieder flott gemacht werden muss. Auf dem Weg nach S\u00fcden entscheidet sich Franklin trotz der Mahnungen des bed\u00e4chtigen Croziers angesichts der ungew\u00f6hnlich dicken und dichten Eisschollen, an der noch weitgehend unbekannten Westk\u00fcste von King-William-Land (es war noch unklar, dass es eine Insel ist) entlang zu segeln, um dort gegebenenfalls einen geeigneten Platz f\u00fcr das n\u00e4chste \u00dcberwintern zu finden.<\/p>\n<p>Doch im September 1846 ist die Fahrt schon wieder zu ende. Die Schiffe werden in K\u00fcstenn\u00e4he vom Packeis eingeschlossen. Kein Sprengen, kein S\u00e4gen hilft mehr. Das Eis ist zu m\u00e4chtig. Trotzdem ist man zuversichtlich einen weiteren Winter im Eis meistern zu k\u00f6nnen. Doch nach und nach weisen immer mehr M\u00e4nner Mangelerscheinungen auf. Es k\u00f6nnten erste F\u00e4lle von Skorbut sein, vielleicht auch die Folgen der bleihaltigen Konservennahrung. Das Wasser muss rationiert werden und zu allem \u00dcberfluss scheinen der Fr\u00fchling und damit das Aufbrechen des Eises nicht stattzufinden. Positions-Messungen zeigen, dass die Schiffe nach S\u00fcden driften. Franklin schickt eine Expedition aus, die die Westk\u00fcste von King William Land erkundet und dabei dort die Nachricht, die man Jahre darauf finden sollte, hinterl\u00e4sst (und die sp\u00e4ter noch einmal erg\u00e4nzt werden sollte). Dabei stellt man fest, dass es sich um eine Insel handelt und beweist so die Existenz der Nordwestpassage. Dann stirbt im Juni 1847 urpl\u00f6tzlich Kapit\u00e4n Sir John Franklin\u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2628\" target=\"_blank\">Mit Band 2 der dreiteiligen Graphic Novel<\/a> verl\u00e4sst Autorin und Zeichnerin Kristina Gehrmann die gesicherten Pfade und belegten Tatsachen der fatalen Expedition, in deren Verlauf alle Teilnehmer starben und kann sich allenfalls auf die wenigen bekannten Eckdaten, gefundenen Relikte (siehe die entdeckte Nachricht) und Rekonstruktionsversuche berufen. Als Leser merkt man davon nichts. Die Geschichte geht ohne jeglichen Bruch weiter, so dass man als Leser st\u00e4ndig geneigt ist zu sagen: genau so kann es geschehen sein: die fatale Entscheidung, die Route entlang der Westk\u00fcste der King William Insel zu nehmen (Amundsen befuhr sp\u00e4ter die Ostk\u00fcste), die Franklin voller Wagemut und aus Angst vor dem Scheitern traf. Das triste Leben an Bord, das stets voller Hoffnung aber doch nach und nach, beinahe schleichend, immer entbehrungsreicher und schwieriger wurde. Der qualitativ minderwertige Proviant (das Mehl war gestreckt), die bleiverseuchten Konserven, das harte unbarmherzige Klima und vor allem die verfahrene Situation, das Warten auf h\u00f6here Gewalt \u2013 all dies schw\u00e4cht die Mannschaften und die Offiziere und wird heute vereint als mit verantwortlich f\u00fcr das Scheitern angesehen.<\/p>\n<p>Die Isoliertheit und die extreme Situation nagen auch an der psychischen Verfassung der M\u00e4nner. Depressionen m\u00fcssen behandelt werden und vor allem Kapit\u00e4n Crozier baut derart ab, dass er vom Schiffsarzt mit Laudanum (Opium) versorgt wird. Trotzdem werden die viktorianische Ordnung und Gesinnung gepflegt: das beinahe arrogante Vertrauen auf das britische Empire ist ungebrochen, die Etikette werden eingehalten und homosexuelle Handlungen an Bord werden nicht toleriert und hart bestraft, gefolgt von einer flammenden Rede des Schiffsarztes, der Homosexualit\u00e4t als Krankheit und Zeichen der Schw\u00e4che brandmarkt. So l\u00e4sst Gehrmann immer wieder Einzelschicksale in den Vordergrund flie\u00dfen. Crozier, der erfahrene Arktis-Reisende, den b\u00f6se Vorahnungen in die Depression treiben. Der Schiffsjunge Evans, der die schwulen Matrosen ans Messer liefert und dann von Gewissensbissen geplagt wird. Ersch\u00f6pfte Maschinisten, die Mangelerscheinungen aufweisen. Dabei wird stets deutlich, wie gut das damalige Leben an Bord, die eingesetzte Technik und die Expedition an sich recherchiert sind. Wir sehen, wie mit riesigen Eiss\u00e4gen manuell eine Fahrrinne entsteht. An Silvester kommt bei der Feier auf dem Eis die mitgef\u00fchrte Drehorgel zum Einsatz. Alles Details, an denen deutlich wird, wie intensiv sich Kristina Gehrmann mit der Materie auseinandersetzte.<\/p>\n<p>Franklin selbst bleibt dabei stets die distanzierte unangefochtene moralische Instanz, quasi der lange Arm des britische Empires, der nur kurz z\u00f6gert, als Crozier angesichts des dichter werdenden Eises zur Umkehr mahnt. Das Buch endet wieder mit dem Tod. War es am Schluss von Band 1 der Matrose Torrington, der als erstes Todesopfer der Expedition auf der Beechey Insel beigesetzt wurde, ist der Tod nun schon beinahe ein st\u00e4ndiger Begleiter und schl\u00e4gt dann an h\u00f6chster Stelle zu, als Franklin in k\u00fcrzester Zeit v\u00f6llig unerwartet stirbt. Die Vorzeichen f\u00fcr den abschlie\u00dfenden Band, der das vollst\u00e4ndige Scheitern und den Untergang der Expedition schildern wird, sind damit gesetzt. Wer geschichtlich interessiert ist und jenseits von bekannten, trockenen Fakten erfahren m\u00f6chte, wie es sich damals zugetragen haben k\u00f6nnte, der ist hier goldrichtig. Band 3 erscheint im Fr\u00fchjahr 2016. Wir sind gespannt. (bw)<\/p>\n<p>Im Eisland, Band 2: Gefangen<br \/>\nText &amp; Bilder: Kristina Gehrmann<br \/>\n224 Seiten in Schwarz-Wei\u00df, Softcover, Buchformat<br \/>\nHinstorff Verlag<br \/>\n16,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-35601-994-0<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3357\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3357\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Im Eisland, Band 2 (Hinstorff) &raquo; Comicleser #Die Franklin-Expedition #Gefangen #Graphic Nove [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winter 1845\/1846. Die beiden Schiffe der Franklin Expedition \u00fcberwintern auf der Suche nach der Nordwestpassage bei der kleinen Beechey Insel weit im n\u00f6rdlichen Eismeer. Es gibt zwei weitere Todesf\u00e4lle. Die Stimmung an Bord wird schlechter. Doch dann ist der arktische Winter vor\u00fcber, die Sonne geht auf. Nachdem das Eis aufbricht und das Meer wieder befahrbar [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1286],"tags":[1288,1705,35,1290,1287,1289],"class_list":["post-3357","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hinstorff","tag-die-franklin-expedition","tag-gefangen","tag-graphic-novel","tag-hinstorff","tag-im-eisland","tag-kristina-gehrmann"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3357","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3357"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3357\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3361,"href":"http:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3357\/revisions\/3361"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3357"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3357"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.comicleser.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3357"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}