{"id":3316,"date":"2015-10-28T13:14:00","date_gmt":"2015-10-28T11:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3316"},"modified":"2015-10-28T14:51:08","modified_gmt":"2015-10-28T12:51:08","slug":"moby-dick-egmont","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3316","title":{"rendered":"Moby Dick (Egmont)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3317\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Moby-Dick_Chaboute.jpg\" alt=\"Moby Dick (Egmont Graphic Novel)\" width=\"272\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Moby-Dick_Chaboute.jpg 272w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Moby-Dick_Chaboute-204x300.jpg 204w\" sizes=\"auto, (max-width: 272px) 100vw, 272px\" \/><\/p>\n<p>Kaum eine Geschichte der Weltliteratur hat sich so eingehend ins kollektive Ged\u00e4chtnis gebrannt wie die Saga vom Kapit\u00e4n Ahab und seiner psychopathischen Jagd nach dem wei\u00dfen Wal Moby Dick. Weniger in der Buchfassung \u2013 die ist nach heutigen Standards wohl viel zu langwierig, wohl aber doch faszinierend f\u00fcr alle, die sich ein Herz fassen und durch die hunderten Seiten Walbeschreibungen marschieren \u2013 als vielmehr in der nicht gerade gegl\u00fcckten Verfilmung von John Huston (mit einem durchaus fehlbesetzten Gregory Peck als Ahab) hat sich dieses Epos mit biblischen Ausma\u00dfen in unsere Kultur geschrieben. So kraftvoll, so universell ist dieser Stoff, dass er auch bereits mehrfach als Bildgeschichte adaptiert wurde, angefangen von den Illustrierten Klassikern der 50er Jahre \u00fcber eine Version von Will Eisner bis hin zu neueren Versuchen, wie etwa der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2228\" target=\"_blank\">Fassung von Olivier Jouvray und Pierre Alary<\/a>. Und so ist die Frage eigentlich weniger, was hier denn dargeboten wird, sondern vielmehr, wie Chabout\u00e9 (u.a. <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=555\" target=\"_blank\">\u201aGanz Allein\u2018, bei Carlsen<\/a>) an seine eigene Interpretation herangeht und welche Elemente er aus der schier un\u00fcberschaubaren Quelle heraussch\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die biblisch-apokalyptisch angehauchte Grundstruktur des geistig und k\u00f6rperlich verletzten, \u00fcberheblichen S\u00fcnders, der im monsterhaften Wal sein Alter Ego sucht und auf t\u00f6dliche Art findet, die Parallelen zu Jona und Hiob, all das liegt naturgem\u00e4\u00df im Herzen der Erz\u00e4hlung und jeder ernstgemeinten Adaption \u2013 die Reise der Pequod ist nur vordergr\u00fcndig eine Feindfahrt nach dem Wal, eigentlich geht es um die zerst\u00f6rerische Suche nach sich selbst und dem unausweichlichen Fall dessen, der sich zum gottgleichen Herrscher emporgeschwungen und dar\u00fcber seine Menschlichkeit verloren hat (\u201eEs gibt einen Gott, welcher Herr ist \u00fcber die Erde, und es gibt einen Kapit\u00e4n, welcher Herr ist \u00fcber die Pequod\u201c \u2013 fast schon \u00fcberdeutlich zieht Melville diese Parallele in den Worten Ahabs). Die an den Mast genagelte Golddukate, das tanzende Elmsfeuer, die in Blut geh\u00e4rteten Harpunen, das Treffen mit anderen Schiffen, der Broterwerb des Walfangs \u2013 wir erleben alle Schl\u00fcsselmomente in packender Umsetzung. Der symbolische Albatros um Ahabs Hals zieht ihn schlie\u00dflich in die Tiefe und besiegelt das Schicksal aller au\u00dfer einem, der \u00fcberlebt, um die Geschichte zu erz\u00e4hlen wie kurz vorher auch der alte Seemann in Coleridges Ballade. Das ist alles nat\u00fcrlich auch bei Chabout\u00e9 geboten, eindrucksvoll in atmosph\u00e4rischen Schwarz-Wei\u00df-Segmenten, oft szenisch-stummfilmhaft, wie etwa am Anfang, als sich der Erz\u00e4hler nach Nantucket begibt und mit dem unheimlichen Harpunier Queequeg n\u00e4chtigen muss, oder bei den Szenen um den Walfang.<\/p>\n<p>In dem vorgegebenen, weithin bekannten Kontext w\u00e4hlt Chabout\u00e9 allerdings doch einen ganz eigenen Weg, indem er sich trotz aller stilisiert-filmischer Darstellung textlich originalgetreu an der Quelle h\u00e4lt: jedes der Kapitel wird mit Passagen aus Melvilles Roman eingeleitet, die Ton und Inhalt treffend setzen, und auch die Dialoge der Charaktere sind stark an das literarische Vorbild angelehnt, komplett mit Fachbegriffen aus der Seemannssprache und Ahabs rasenden Ansprachen, mit denen er seine Mannschaft auf seine wahnsinnige Hetzjagd einschw\u00f6rt. So verbinden sich Wort und Bild zu einer unzertrennlichen Mischung, die den Geist des Romans mehr als deutlich atmen und das kleine Kunstst\u00fcck vollbringen, trotz aller schlaglichthafter Betrachtung, die bei jeder Adaption eines Werks dieser Dimension unumg\u00e4nglich ist, die Stimmung der Vorlage auf beeindruckende Weise zu vermitteln. Eine Herangehensweise, die gerade im Vergleich mit der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2228\" target=\"_blank\">Fassung von Olivier Jouvray und Pierre Alary<\/a> zeigt, wie unterschiedlich und doch jeweils treffend man sich einem Jahrhundertroman n\u00e4hern kann. Und wie man ihn den nennen soll, den Erz\u00e4hler, das verr\u00e4t uns Chabout\u00e9 ausnahmsweise erst ganz am Ende. (hb)<\/p>\n<p>Moby Dick<br \/>\nText &amp; Bilder: Christophe Chabout\u00e9<br \/>\n256 Seiten in schwarz-wei\u00df, Hardcover<br \/>\nEgmont Graphic Novel<br \/>\n29,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-7704-5523-2<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3316\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3316\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Moby Dick (Egmont) &raquo; Comicleser #Christophe Chabout\u00e9 #Egmont #Ehapa #Graphic Novel #Klassik [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum eine Geschichte der Weltliteratur hat sich so eingehend ins kollektive Ged\u00e4chtnis gebrannt wie die Saga vom Kapit\u00e4n Ahab und seiner psychopathischen Jagd nach dem wei\u00dfen Wal Moby Dick. 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