{"id":3271,"date":"2015-10-22T12:00:26","date_gmt":"2015-10-22T10:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3271"},"modified":"2015-10-22T12:00:26","modified_gmt":"2015-10-22T10:00:26","slug":"low-band-1-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3271","title":{"rendered":"Low, Band 1 (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3272\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Low-1.jpg\" alt=\"Low, Band 1 (Splitter)\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Low-1.jpg 300w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Low-1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Endzeitszenario, die n\u00e4chste: tief unten auf dem Meeresgrund fristen wenige verbliebene H\u00e4uflein ihr Dasein unter gigantischen Kuppeln. Denn die Sonne, lange Zeit Lebensspenderin, dehnt sich aus und hat jegliche Existenz auf der Oberfl\u00e4che unm\u00f6glich gemacht. Die Sonden, die man ins All schickte, um nach neuen Zufluchtsorten f\u00fcr die Menschheit zu suchen, sind l\u00e4ngst verschollen, ohne einen Hoffnungsschimmer geliefert zu haben. Nach Jahrhunderten geht die endlos wiederaufbereitete Luft zur Neige, die Nahrungssuche gestaltet sich zunehmend schwierig, und marodierenden Piratenbanden sind eine permanente Gefahr. Aber Stel Caine l\u00e4sst sich von alle dem nicht beirren: die Frau von Johls Caine, Herrscher \u00fcber die Kuppel Salus, glaubt mit unersch\u00fctterlichem Optimismus an die goldene Zukunft und \u00fcberwacht die immer schw\u00e4cheren Signale der Sonden. Ihr Mann sch\u00e4tzt die Lage realistischer ein, l\u00e4sst ihr aber ihren Willen und ihre Tr\u00e4ume. Johls selbst will seine beiden T\u00f6chter Tajo und Della zu Piloten der m\u00e4chtigen Anz\u00fcge ausbilden, die per DNA-Erkennung nur von seinem Geschlecht gesteuert werden k\u00f6nnen und entscheidend f\u00fcr die Jagd nach Essbarem sind.<\/p>\n<p>Auf dem ersten Ausflug allerdings geschieht die Katastrophe: die Familie wird von der Horde des Piraten Roln \u00fcberfallen, der Johls t\u00f6dlich verletzt, den Anzug stiehlt und die beiden T\u00f6chter entf\u00fchrt, um immer Zugriff auf ihr Blut zu haben. Stel bleibt zur\u00fcck und entrinnt dem sicheren Tod nur um Haaresbreite. Zehn Jahre sp\u00e4ter: Stel hat nie die Hoffnung aufgegeben, ihre T\u00f6chter wiederzufinden, aber ihr Sohn Marik sieht das Leben eher so wie der Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung: umnebelt von der Droge Cream, hat er sich in das scheinbar unabwendbare Schicksal des baldigen Erstickens gef\u00fcgt und taumelt durch sein Dasein. Immer aberwitziger scheint Stels Zuversicht, als pl\u00f6tzlich ein Signal bei ihr eintrifft: eine Sonde ist zur\u00fcckgekehrt und auf der Oberfl\u00e4che gelandet \u2013 mit der Information, eine f\u00fcr Menschen bewohnbare Welt gefunden zu haben. Stel schwatzt dem Senator Greeme, der sich au\u00dfer f\u00fcr Orgien und Drogen f\u00fcr nicht mehr viel interessiert, eine Ballonkapsel ab, mit der sie an die Oberfl\u00e4che steigen m\u00f6chte, holt ihren Sohnemann, der sich eigentlich lieber umbringen will, aus dem Knast und macht sich auf die gef\u00e4hrliche Mission nach oben.<\/p>\n<p>Die endet j\u00e4h, als sich der Ballon auf halbem Weg in einem riesigen Tierkadaver verf\u00e4ngt. In buchst\u00e4blich letzter Sekunde erreichen die beiden die legend\u00e4re Poluma-Kuppel, Heimstatt der Denker und Wissenschaftler, wo allerdings alles andere als ein Paradies wartet. In Paluma haben l\u00e4ngst schaurig-degenerierte Wesen das Ruder \u00fcbernommen \u2013 und Stel staunt nicht schlecht, als sie im Diktator der Kuppel niemand anders erkennt als den Piraten Roln, der seine Untertanten mit blutigen Gladiatorenspielen erg\u00f6tzt und absichtlich von der Bibliothek der ehemaligen Herrscher fernh\u00e4lt. Und tats\u00e4chlich haben auch Tajo und Della \u00fcberlebt, die Roln als Piloten der gestohlenen Anz\u00fcge f\u00fcr seine geplante Attacke auf die Kuppel Salus braucht. Flugs macht sich Stel an eine gewagte Rettungsaktion, die aber g\u00e4nzlich anders verl\u00e4uft als geplant, als sich die beiden l\u00e4ngst entfremdeten T\u00f6chter gegen ihre entsetzte Mutter stellen\u2026<\/p>\n<p>Mit \u201aLow\u2018 gelingt Rick Remender und Greg Tocchini nach \u201aLast Days Of American Crime\u2018 erneut ein optisch furioses Gro\u00dfwerk, das inhaltlich und gestalterisch gleicherma\u00dfen atemberaubend ist. Nachdem er festgestellt habe, dass in seinem gesamten Opus kein einziger positiver Charakter vorkomme, so Remender im Vorwort, fasste er sich \u2013 nachdem er auch selbst eine Therapie durchlaufen hatte \u2013 ein Herz und kreierte mit Stel das genaue Gegenteil: die gegen alle Rationalit\u00e4t zuversichtliche Heldin, die der erkenntnisphilosophischen Schule der Quantumologie nacheifert, nach der die Realit\u00e4t durch unsere Einstellung erst entsteht und durch positives Denken geformt werden kann. Auch wenn diese radikale Zuversicht teilweise etwas \u00fcberzogen wirkt \u2013 in manchen Situationen w\u00fcrde wohl der gr\u00f6\u00dfte Gesundbeter die Flinte ins Korn werfen \u2013 liefert Stel doch einen erfrischenden Gegenpol zu allen deprimierten, zerrissenen Anti-Helden, die die modernen Graphic Novels auf der Suche nach dem Unsinn des Lebens durchstreifen. Die Handlung bedient sich dabei gro\u00dfz\u00fcgig aus dem breiten Fundus der Science Fiction-Literatur: St\u00e4dte auf dem Meeresgrund, R\u00fcckzug ins Innere der Erde und Suche nach bewohnbaren Welten kennen wir durchaus, und auch das Konzept der gigantischen, nur von individuellen Piloten zu steuernden Kampfanz\u00fcgen durften wir beim Action-Spektakel \u201aPacific Rim\u2018 bestaunen.<\/p>\n<p>Dennoch gelingt Remender eine flotte Handlungsf\u00fchrung, die wahlweise an die \u00d6ko-Sozial-Antiutopien der 70er (Soylent Green, Silent Running) und auch wieder an die seligen Serials der 30er angelehnt ist, mit bedrohlichen Cliffhangern und last minute escapes zu Hauf. Vollends zum Juwel ger\u00e4t Low allerdings durch die faszinierende Gestaltung durch Greg Tocchini: in leicht stilisierter, lockerer, teilweise an den franko-belgischen Strich erinnernder Aufmachung inszeniert er das Geschehen gro\u00dffl\u00e4chig, dynamisch, in permanent variierender Panel-Gr\u00f6\u00dfe, aus denen die Figuren geradezu hervorzubrechen scheinen. Kraftvolle, atmosph\u00e4rische Farbgestaltung \u2013 von Rot \u00fcber leuchtendes Gelb bis hin zu pechschwarzen Seiten ist alles vorhanden \u2013 vereint sich dabei mit einem mitrei\u00dfend-schwungvollen Erz\u00e4hlfluss, durch den \u201aLow\u2018 zu einem nicht zuletzt optischen Hochgenuss wird. Ausufernd, explizit, spannend, herausfordernd. Und umfangreich: auf 160 Seiten legt Splitter die ersten sechs Teile der US-Serie vor, erg\u00e4nzt durch ein Skizzenbuch. Wir hoffen inst\u00e4ndig, dass Band 2 alsbald folgt. (hb)<\/p>\n<p>Low, Band 1<br \/>\nText: Rick Remender<br \/>\nBilder: Greg Tocchini<br \/>\n176 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n24,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-098-0<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3271\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3271\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Low, Band 1 (Splitter) &raquo; Comicleser #Greg Tocchini #Low #Rick Remender #Science Fiction #Spl [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endzeitszenario, die n\u00e4chste: tief unten auf dem Meeresgrund fristen wenige verbliebene H\u00e4uflein ihr Dasein unter gigantischen Kuppeln. Denn die Sonne, lange Zeit Lebensspenderin, dehnt sich aus und hat jegliche Existenz auf der Oberfl\u00e4che unm\u00f6glich gemacht. 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