{"id":3166,"date":"2015-09-25T16:58:01","date_gmt":"2015-09-25T14:58:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3166"},"modified":"2015-10-13T13:55:57","modified_gmt":"2015-10-13T11:55:57","slug":"die-wachter-des-louvre-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3166","title":{"rendered":"Die W\u00e4chter des Louvre (Carlsen)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3167\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/W\u00e4chter-des-Louvre.jpg\" alt=\"Die W\u00e4chter des Louvre (Carlsen)\" width=\"282\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/W\u00e4chter-des-Louvre.jpg 282w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/W\u00e4chter-des-Louvre-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><\/p>\n<p>Immer mal wieder ver\u00f6ffentlicht das Mus\u00e9e du Louvre gemeinsam mit dem Verlag Futuropolis Comics, die sich mit Inhalt und Geschichte des drittgr\u00f6\u00dften Museums der Welt befassen. Gr\u00f6\u00dfen wie <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2886\" target=\"_blank\">Enki Bilal,<\/a> Eric Liberge oder auch der Belgier <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=455\" target=\"_blank\">Bernar Yslaire (\u201aLe ciel au-dessus du Louvre\u2018)<\/a> konnten f\u00fcr diese Projekte bereits gewonnen werden, bzw. lie\u00dfen sich gerne daf\u00fcr gewinnen. Im letzten Jahr gesellte sich der ber\u00fchmte japanische Mangaka Jiro Taniguchi, u.a. bereits in Angoul\u00eame preisgekr\u00f6nt, zu dieser illustren K\u00fcnstler-Schar. Jetzt ver\u00f6ffentlicht Carlsen mit dessen \u201aDie W\u00e4chter des Louvre\u2018 erstmals einen Band dieser losen Reihe auf deutsch.<\/p>\n<p>Ein japanischer Mangaka, dessen Namen wir nicht erfahren (Taniguchi selbst?), besucht, nachdem er zu Gast bei einem Comicfestival in Barcelona war, Paris. Von den f\u00fcnf Tagen plant er alleine drei f\u00fcr den Louvre ein. Doch bereits am ersten Tag erkrankt er, Fieber und Sch\u00fcttelfrost fesseln ihn ans Bett. Tags darauf geht es ihm besser. Er macht sich auf in den Louvre. Dort wird ihm \u2013 noch nicht g\u00e4nzlich gesundet \u2013 schwarz vor Augen. In einem Tagtraum zwischen Fieber und Realit\u00e4t begegnet er im pl\u00f6tzlich menschenleeren Museum einer unbekannten Dame, die zu den W\u00e4chtern des Louvre geh\u00f6rt und ihn durch die R\u00e4ume zur Mona Lisa f\u00fchrt. Es ist die fleischgewordene Nike von Samothrake (f\u00fcr Banausen: das ist eines der ber\u00fchmtesten Kunstwerke im Louvre). In den folgenden Tagen wiederholen sich die nicht unwillkommenen Tagtr\u00e4ume, die ihn stets in die Vergangenheit f\u00fchren. Unser Zeichner begegnet einem japanischen Maler, der im Louvre westliche Gem\u00e4lde studiert. Und die Handlung bleibt nicht auf das Museum beschr\u00e4nkt: Tags darauf besucht der Zeichner Auvers-sur-Oise. Dort trifft er \u2013 wieder im Tagtraum \u2013 auf Vincent van Gogh, der ihm einige seiner frischen Gem\u00e4lde zeigt. Erneuter Szenenwechsel, wieder im Louvre, wieder in der Vergangenheit. 1939: der Louvre ist ger\u00e4umt. Die Kunstsch\u00e4tze sollen nicht in die H\u00e4nde der Nazis fallen. Kein Geringerer als Antoine de Saint-Exup\u00e9ry berichtet \u00fcber die \u00fcberaus aufw\u00e4ndige Evakuierung der Gem\u00e4lde und Skulpturen. Inzwischen sind statt drei sogar f\u00fcnf Tage vergangen. Der Zeichner muss zur\u00fcck nach Japan. Zum Abschluss gew\u00e4hren ihm die W\u00e4chter des Louvre eine weitere besondere Begegnung. Diesmal eine sehr intensive, pers\u00f6nliche\u2026<\/p>\n<p>Taniguchis Comics erscheinen bei uns im Carlsen Verlag und bei Schreiber &amp; Leser. Bei Carlsen werden sie weniger als Mangas denn eher als Graphic Novels vermarktet und stellen eine tragende S\u00e4ule im entsprechenden Segment des Verlags dar. Was sich dadurch erkl\u00e4rt, dass Taniguchis Zeichnungen zwar ihre Herkunft nicht verleugnen, jedoch auch von Franko-Belgiern wie Giraud beeinflusst werden. Manche attestieren ihnen sogar eine Verwandtschaft zum Ligne Clair Stil. Dies, gemeinsam mit der Tatsache, dass seine neueren Comics meist farbig sind \u2013 im Gegensatz zum klassischen Manga \u2013 erschlie\u00dft f\u00fcr seine Werke auch eine andere K\u00e4ufer- und Leser-Schicht. Sie sind dadurch schlicht und einfach f\u00fcr den westlichen Leser leichter zug\u00e4nglich. Taniguchis Stil, seine Geschichten, zeichnen sich oft durch einen ruhigen, episodenhaften und beinahe lyrischen Erz\u00e4hlfluss aus (\u201aDer spazierende Mann\u2018, <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1110\" target=\"_blank\">\u201aDer Kartograph\u2018<\/a>). Diese unspektakul\u00e4re Art und Weise wird hier durch das gro\u00dfe Format des Albums aufgebrochen. Die Architektur und die Kunst des Louvre entfalten sich durch die gro\u00dfen Panels und erzielen eine spektakul\u00e4re Wirkung. Die filigranen, in sanften Farben direkt kolorierten Bilder zeigen so ihre ganze Pracht. Ein Effekt, der bei einem Taschenbuch nicht gel\u00e4nge.<\/p>\n<p>Der Bewusstseinszustand der Hauptperson, das Motiv des Tagtraums, erm\u00f6glicht fantasievolle Reisen und Begegnungen in den verschiedensten Epochen. Die Evakuierung der Kunst vor den Nazis ist beinahe dokumentarisch geschildert, r\u00fcckblickend, zweifarbig. Die Episode mit van Gogh benutzt eine \u00e4hnliche Farbpalette wie der ber\u00fchmte Maler. Und das zentrale Thema des Bandes ist die Verbindung und die Interaktion europ\u00e4ischer und japanischer Kunst. Taniguchi verwendet Zitate eines japanischen Dichters und wir erfahren, dass es bereits Ende des 19. Jahrhunderts in Japan Ausstellungen mit westlicher Kunst gab und dass Vincent van Gogh wiederum von japanischer Malerei beeinflusst wurde, weshalb Japaner, die Paris besuchen, gerne nach Auvers-sur-Oise reisen, wo der ber\u00fchmte Maler lebte und starb. Die Verkn\u00fcpfung europ\u00e4ischer und japanischer Kunst spiegelt sich nicht nur in diesen Episoden der Story und im Zeichenstil Taniguchis wider \u2013 auch das Design des Bandes ist eine kulturelle Melange. Zum einen wird die traditionelle japanische Leserichtung eingehalten, zum anderen wird auf das \u201a\u00fcbliche\u2018 Manga-Taschenbuchformat verzichtet, zugunsten eines \u00fcbergro\u00dfen franko-belgischen Albenformats. Ein sehr sch\u00f6ner Band, der aufgrund seiner ungew\u00f6hnlichen Mischung und seiner k\u00fcnstlerischen Ebene eine breite Leserschaft verdient hat. (bw)<\/p>\n<p>Die W\u00e4chter des Louvre<br \/>\nText &amp; Bilder: Jiro Taniguchi<br \/>\n136 Seiten in Farbe, Hardcover-Album<br \/>\nCarlsen Verlag<br \/>\n29,90 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-551-76319-8<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3166\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3166\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Die W\u00e4chter des Louvre (Carlsen) &raquo; Comicleser #Angouleme #Carlsen #Die W\u00e4chter des Louvre  [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mal wieder ver\u00f6ffentlicht das Mus\u00e9e du Louvre gemeinsam mit dem Verlag Futuropolis Comics, die sich mit Inhalt und Geschichte des drittgr\u00f6\u00dften Museums der Welt befassen. 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