{"id":3106,"date":"2015-09-11T10:19:59","date_gmt":"2015-09-11T08:19:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3106"},"modified":"2015-09-12T15:17:14","modified_gmt":"2015-09-12T13:17:14","slug":"broadway-band-1-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3106","title":{"rendered":"Broadway, Band 1 (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3107\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Broadway-1.jpg\" alt=\"Broadway, Band 1 (Splitter)\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Broadway-1.jpg 300w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Broadway-1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Prohibition! B\u00f6rsenrausch! Schillernde Dekadenz! Revue, Speakeasy und coole Autos! Kaum eine Epoche \u00fcbt so viel Faszination aus wie die so genannten Roaring Twenties, die nat\u00fcrlich niemals so ausufernd waren wie ihr Fantasiebild, das in Romanen und vor allem den Gangsterfilmen der 30er Jahre ins \u00f6ffentliche Bewusstsein geh\u00e4mmert wurde. Dennoch umstr\u00f6mt den Gedanken an die ausgehenden 20er Jahre nach wie vor ein nostalgisch-verkl\u00e4rter Flair, den Djief (<a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=68\" target=\"_blank\">\u201aG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u2018<\/a>, \u201aWhite Crows\u2018, beides ebenfalls bei Splitter) in seinem treffend-einfach \u201aBroadway\u2018 genannten Zweiteiler meisterhaft in packender Story und atmosph\u00e4rischem Bild umsetzt.<\/p>\n<p>Die ungleichen Br\u00fcder Lenny und George Chapman geraten durchaus unerwartet in den Besitz eines Kabaretts auf dem Broadway, als ihr Bruder Walter sich auf dessen B\u00fchne kurzerhand den Kopf wegpustet. Der eher n\u00fcchterne Lenny erw\u00e4gt den Verkauf, aber George besteht darauf, das Etablissement im Geiste von Walter und der k\u00fcnstlerisch angehauchten Mutter neu zu beleben. Gesagt, getan: man engagiert einige unbekannte Chorus Line-T\u00e4nzerinnen, darunter die unbedarfte Fanny, deren \u201eRuhm\u201c bislang darin bestand, dem B\u00fcrgermeister, dem \u201esch\u00f6nen James\u201c, im Jungle Club einen Hummer nebst Drink \u00fcber den Kopf gesch\u00fcttet zu haben. Als Zugpferd holt man sich den ehemaligen Star des Chapmans Paradise, die eigenwillige Diva Anna Hunter, zur\u00fcck und macht sich frohen Mutes an die Neuer\u00f6ffnung. Die geschieht denn auch unter den missg\u00fcnstigen Augen des Managers der naheliegenden Revueb\u00fchne Seven Heaven, der die freche Konkurrenz gar nicht gerne sieht. Nach Achtungserfolgen stellt sich allerdings schnell Ern\u00fcchterung ein: die Inszenierungen des Regisseurs sind ungelenk, die vermeintliche Hauptattraktion singt wie in l\u00f6chriger Eimer, und eine eigens neu eingezogene B\u00fchne bricht beim ersten Einsatz zusammen. Lenny und George m\u00fcssen sich fragen, wie lange sie diesen Kampf um Publikumsgunst und gegen die immer vehementeren Kaufofferten eines mysteri\u00f6sen Interessenten noch f\u00fchren, geschweige denn \u00fcberhaupt gewinnen k\u00f6nnen\u2026<\/p>\n<p>\u201eDie gro\u00dfe wei\u00dfe Stra\u00dfe des Reichtums! Ein Leuchtturm, der all die Reichen leitet [\u2026] die den Rhythmus der Stadt mit ihren Parties bestimmen und nur eine Sache suchen: in der Erregung des Moments zu leben!\u201c Diese hymnische Beschreibung, mit der George seinem Bruder das Management des Etablissements schmackhaft macht, findet sich in Djiefs Gestaltung meisterhaft wieder: der Broadway kristallisiert den amerikanischen Traum in seiner Vollendung, eine gl\u00e4nzende Traumwelt, die umso zerbrechlicher wirkt, als sich der Tanz auf dem Vulkan unausweichlich seinem Ende zuneigt. Die Protagonisten wissen von dieser tiefen Ironie nat\u00fcrlich nichts, sie durcheilen eine scheinbar ewige Welt, die Djief so liebevoll gestaltet, dass man w\u00e4hnt, man sei Nick Carraway, der im Rolls Royce des gro\u00dfen Gatsby durch die Stra\u00dfen New Yorks rast: im Kino l\u00e4uft Buster Keatons neuestes Lachfest \u201aSpite Marriage\u2018, wahlweise kann man sich auch mit Laurel und Hardy in \u201aWrong Again\u2018 oder \u2013 wenn es ernster sein darf \u2013 mit dem gutaussehenden Douglas Fairbanks in \u201aThe Iron Mask\u2018 vergn\u00fcgen. Die Ziegfeld Follies stehen mit der Extravaganz \u201eWhoopie\u201c auf der H\u00f6he des Ruhms, und in den Hotspots der Stadt, wie dem Jungle oder dem Cotton Club, konsumieren die feierw\u00fctigen Bohemiens mehr Alkohol als vor der Prohibition, und die Revues \u00fcberbieten sich in Ausstattung, Glamour und Freiz\u00fcgigkeit.<\/p>\n<p>Diese Glitzerwelt schildet Djief nicht nur aus dem Blickwinkel der Gesch\u00e4ftsleute, sondern auch der zahllosen S\u00e4ngerinnen, die ihrem pers\u00f6nlichen amerikanischen Traum in Form einer gro\u00dfen Karriere nachjagen, f\u00fcr die sie auch gerne mal die H\u00fcllen fallen lassen m\u00fcssen. Der Aspekt des organisierten Verbrechens, in Filmen wie \u201aThe Roaring Twenties\u2018 zentral, bleibt hier am Rande \u2013 die Chapmans m\u00fcssen vielmehr mit Betrug, Neid und Rachsucht k\u00e4mpfen, die ihren Weg in der Revueszene der Stadt erschweren. Weniger als die Story allerdings besticht \u201aBroadway\u2018 durch die opulente Gestaltung, in der Djief zutiefst filmisch in wechselnden Perspektiven und Panorama-Einstellungen den atemberaubenden Eindruck erzeugt, den auch die staunenden Filmproduzenten namens Erich Pommer und Fritz Lang bei ihrem Besuch der Stadt 1924 sprachlos machte: unwirklich, futuristisch, ein Lichtermeer aus Bewegung, Rhythmus und Tr\u00e4umen, in dem sich die neue Welt spiegelt und gleichzeitig aber ebenso auf ihren unvermeidbaren Untergang vorausdeutet. Denn die Fixpunkte, die Djief setzt, gehen aus den Filmen und Revues eindeutig hervor: wir schreiben das Jahr 1929, und der Zusammenbruch, der am 24. Oktober 1929 in Form des Schwarzen Montags die Seifenblase zerst\u00f6rte und die Gro\u00dfe Depression einleitete, steht unmittelbar bevor\u2026 Und ob wir das noch erleben m\u00fcssen, zeigt uns dann Teil 2 der \u201eExplosiven Show in 2 Akten\u201c, der bereits in Vorbereitung ist. (hb)<\/p>\n<p>Broadway, Band 1<br \/>\nText &amp; Bilder: Djief<br \/>\n48 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n14,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-117-8<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3106\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3106\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Broadway, Band 1 (Splitter) &raquo; Comicleser #Broadway #Djief #Splitter\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prohibition! B\u00f6rsenrausch! Schillernde Dekadenz! Revue, Speakeasy und coole Autos! 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