{"id":3008,"date":"2015-08-17T12:17:53","date_gmt":"2015-08-17T10:17:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3008"},"modified":"2015-08-17T12:17:53","modified_gmt":"2015-08-17T10:17:53","slug":"oink-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3008","title":{"rendered":"Oink (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3009\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Oink.jpg\" alt=\"Oink (Splitter)\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Oink.jpg 300w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Oink-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Schlachthaus 628. Als Sklaven gehaltene, intelligente Schweine ziehen Artgenossen heran, die einer mythischen Herrenrasse als Nahrung dienen, selbst immer bewacht von gesichtslosen Schergen hinter Gasmasken. Keine Gedanken, keine Fragen, keine Hoffnung, nur die permanente Doktrin: ihr seid geboren, um zu dienen. Der kleine Oink aber gibt sich damit nicht zufrieden, m\u00f6chte wissen, was es auf sich hat mit dem legend\u00e4ren Himmel, in dem die besseren Wesen wohnen, denen sie unterworfen sind. Die Aufseher machen ihn mundtot, bis sein Mentor Spigot pl\u00f6tzlich aufsteht \u2013 alles L\u00fcgen, alles Knechtschaft sei das pseudochristliche Regime, und er ein freies Tier. Seine Revolte ist zwar kurzlebig und endet am Kreuz, aber f\u00fcr Oink ist sie der Wendepunkt: er ermordet seine Peiniger, hinterl\u00e4sst den Schlachthof als brennendes Fanal und zieht in Richtung Himmel, dessen Schlachter er sein will, mit einem Ziel: er sucht die Wahrheit hinter den L\u00fcgen.<\/p>\n<p>Der Himmel allerdings stellt sich als gar nicht paradiesische, sondern heruntergekommene Diktatur heraus, in der Kardinal Bacaar die Knute schwingt. Er war es, der genetische Experimente an Schweinen und Menschen durchgef\u00fchrt hat, um eine k\u00fcnstliche Sklavenrasse zu erschaffen. Gnadenlos herrscht er mit seinem Terrortrupp, den zutiefst ironisch bezeichneten Engeln der Barmherzigkeit, aber mit Hilfe der blinden Mary und dem stummen Herbert, die die Wahrheit kennen, gelingt es Oink, zuerst ins Geburtshaus, eine gewaltige Retortenklinik, und schlie\u00dflich sogar ins Allerheiligste vorzudringen und Bacaar als flammende Nemesis entgegenzutreten\u2026<\/p>\n<p>Die pechschwarze Anti-Utopie von John Mueller hat auch 20 Jahre nach ihrer Entstehung nichts von ihrer beklemmenden Kraft verloren. Mueller verbindet zahlreiche bekannte literarische Negativ-Zukunftsszenarien, am augenf\u00e4lligsten nat\u00fcrlich George Orwells Animal Farm, wo sich allerdings die Schweine schnell zu den menschlichen Herrschern aufschwingen, und die Welt der Gedankenverbrechen, der permanenten \u00dcberwachung durch den gro\u00dfen Bruder und des verelendeten Daseins aus 1984. In einem auf den Kopf gestellten Planet der Affen, einer offenkundig postapokalyptischen Welt, in der \u00e0 la Mad Max ein universeller Krieg die Zivilisation weggefegt hat (die blinde Mary erz\u00e4hlt von fr\u00fcher gebr\u00e4uchlichen Zeiteinheiten, das Schlachthaus ist eine umfunktionierte Schule, und Oink entdeckt bei seinem Ausblick auf die Au\u00dfenwelt Wracks von Autos und Flugzeugen), ist die Religion zur Gewaltherrschaft pervertiert, man predigt Freiheit, in deren Namen Morde begangen werden, die W\u00e4chter tragen Gasmasken aus dem ersten Weltkrieg, das Abzeichen der Herrscherklasse erinnert kaum zuf\u00e4llig an das Hakenkreuz, und die Ausbeutung der Unterschicht ist durch die k\u00fcnstliche geschaffene Sklavenrasse der intelligenten Schweine \u2013 ein Ergebnis von Experimenten, wie sie auch schon ein Dr. Moreau auf seiner Insel durchf\u00fchrte \u2013 auf die Spitze getrieben wie in der Unterwelt, in der die Morlocks f\u00fcr die Eloi schuften m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wenn auch die letzte psychologische Feinheit fehlt, die Handlung teilweise eher mit grobem Strich gezeichnet ist (warum flieht Oink nicht, als er schon in die Au\u00dfenwelt gelang ist?), die religi\u00f6se Symbolik bisweilen grell-plakativ erscheint (die Engel der Barmherzigkeit h\u00f6ren auf Namen wie Judas und Goliath) und die antiutopischen Vorbilder vehement vermengt werden: Oink \u00fcberzeugt durch die schiere Wucht, die eiskalte Atmosph\u00e4re und die blanke Wut, die jede Seite durchzieht und sich auch im kraftvollen, energischen Zeichenstil \u2013 teilweise erinnernd an John Bolton und Simon Bisley \u2013 wiederfindet, bei dem Mueller oft auf gro\u00dfformatige, fast gem\u00e4ldehafte Darstellungen setzt, die ohne Dialog stehen und ihre Wirkung entfalten. Die Zukunft ist nicht sch\u00f6n, die Menschheit wird nicht besser, und einen Ausweg gibt es nicht. Auch nicht f\u00fcr einen Freigeist wie Oink. Ein Schlag ins Gesicht, von dem man sich erst einmal erholen muss, weil die Zeitbez\u00fcge ebenso aktuell sind wie vor 20 Jahren. F\u00fcr die Neuauflage, im Original erschienen bei Dark Horse, hat Mueller sein Werk nochmals durchgesehen, \u00fcberarbeitet und um einige Seiten erweitert. Starker, aber gewaltiger Tobak. (hb)<\/p>\n<p>Oink<br \/>\nText &amp; Bilder: John Mueller<br \/>\n120 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n19,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-156-7<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D3008\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3008\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Oink (Splitter) &raquo; Comicleser #Graphic Novel #John Mueller #Oink #Science Fiction #Splitter\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schlachthaus 628. Als Sklaven gehaltene, intelligente Schweine ziehen Artgenossen heran, die einer mythischen Herrenrasse als Nahrung dienen, selbst immer bewacht von gesichtslosen Schergen hinter Gasmasken. Keine Gedanken, keine Fragen, keine Hoffnung, nur die permanente Doktrin: ihr seid geboren, um zu dienen. 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