{"id":2857,"date":"2015-07-07T13:34:45","date_gmt":"2015-07-07T11:34:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2857"},"modified":"2015-07-07T13:35:07","modified_gmt":"2015-07-07T11:35:07","slug":"kinder-der-hoffnung-panini","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2857","title":{"rendered":"Kinder der Hoffnung (Panini)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2858\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Kinder-der-Hoffnung.jpg\" alt=\"Kinder der Hoffnung (Panini)\" width=\"276\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Kinder-der-Hoffnung.jpg 276w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Kinder-der-Hoffnung-207x300.jpg 207w\" sizes=\"auto, (max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><\/p>\n<p>Toulouse, im M\u00e4rz 1943. Frankreich ist inzwischen komplett von Deutschland besetzt, wobei das mit den Nazis kollaborierende Vichy-Regime rein formal die Regierungsgewalt beh\u00e4lt. Der 18-j\u00e4hrige Raymond und sein j\u00fcngerer Bruder Claude treten mit Unterst\u00fctzung ihrer Eltern der Resistance bei, die in Form der 35. Brigade in Stadt und Umgebung operiert. Anfangs werden die beiden j\u00fcdischen Br\u00fcder f\u00fcr kleine Aufgaben eingeteilt: Boteng\u00e4nge, Beobachtungen. Sie lernen die Struktur der Brigade und die anderen Mitglieder kennen, viele davon Ausl\u00e4nder, die meisten wie sie noch blutjung. Enthusiasmus ersetzt Erfahrung. Dann kommen die ersten Anschl\u00e4ge, die ersten Sabotage-Akte, die ersten Morde. Lokomotiven werden gesprengt, ein Staatsanwalt wird ermordet. Man wird ambitionierter. Und den Oberen der Resistance ein Dorn im Auge. Sollen doch nur Franzosen die Franzosen befreien, keine jugendlichen Ausl\u00e4nder oder Juden. So werden erst Raymond und Claude geschnappt \u2013 sp\u00e4ter dann fast die komplette Brigade \u2013 und zur Aburteilung in das Gef\u00e4ngnis Saint-Michel gesteckt.<\/p>\n<p>Nach der Landung der Alliierten in der Normandie werden die politischen Insassen an die Gestapo \u00fcbergeben und in Richtung Deutschland, mit Ziel Dachau, deportiert. Jetzt beginnt f\u00fcr Raymond und Claude ein Martyrium: mit etwa 70 anderen Gefangenen werden sie in einem zugenagelten Viehwaggon eingepfercht. Bei br\u00fctender Sommerhitze. Der Zug mit 700 Insassen rollt wochenlang durch Frankreich, h\u00e4lt oft tagelang, muss wieder umkehren, Umwege machen. Steht immer wieder unter Beschuss. Geplante Strecken sind von den Alliierten zerbombt oder von der Resistance sabotiert. Drinnen im Zug versuchen die Menschen verzweifelt zu \u00fcberleben. Die Luft ist verpestet. Sie werden kaum versorgt, kollabieren, erkranken, sterben, werden get\u00f6tet. Die makabre Reise dauert fast zwei Monate, unterbrochen von einem Aufenthalt in der Synagoge von Bordeaux, die als Konzentrationslager mi\u00dfbraucht wird. Schlie\u00dflich, kurz vor der deutschen Grenze, gelingt den Br\u00fcdern die waghalsige wie verzweifelte Flucht: gemeinsam mit anderen lassen sie sich durch den Boden des Waggons auf die Gleise fallen. Und \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Anfangs sehen wir die beiden Jugendlichen, wie sie sich naiv wie begeistert dem Widerstand anschlie\u00dfen. Kleine Jobs gelingen, fast spielerisch. Sp\u00e4ter auch Attentate und Sabotage-Akte. Doch der Tod ist allgegenw\u00e4rtig. Kameraden werden geschnappt, gefoltert und hingerichtet. Doch alle halten dicht. Nicht jeder Anschlag klappt. Die Gefahr ist immer pr\u00e4sent. Schlie\u00dflich lassen die eigenen (h\u00f6herrangigen) Leute aus der Resistance die Brigade wissentlich fallen. Deren Mitglieder werden inhaftiert, auch die Br\u00fcder. Die Zeit im Gef\u00e4ngnis ist hart, st\u00e4ndig drohen Exekutionen. Bittere Ironie: gerade die Deportation und die Verfrachtung in den Zug rettet die beiden vor der Hinrichtung. Hier beginnt der noch viel schlimmere Teil. War und ist die Resistance schon immer ein Begriff, wird oft und stolz von ihr gesprochen, blieb das unmenschliche Drama, das Schicksal der Gefangenen des sogenannten Geisterzugs (Train Fant\u00f4me) \u00fcber Jahrzehnte hinweg weitestgehend unbekannt. Erst seit Anfang der 90er Jahre gelangte die fast zweimonatige Irrfahrt des Geisterzugs in das Bewu\u00dftsein der Menschen und wurde genauer erforscht. Von jenen, denen die Flucht nicht gelang, starben viele bereits im Zug, etliche andere kamen im KZ in Dachau um, so dass nur ein kleiner Teil das Kriegsende und die Befreiung miterleben durfte.<\/p>\n<p>Zwischen der Handlung schildern die Autoren immer wieder Einzelschicksale und Begegnungen. Der Anwalt, der verzweifelt versucht, die geschnappten Resistance-K\u00e4mpfer zu verteidigen, indem er \u2013 nat\u00fcrlich vergeblich \u2013 an die franz\u00f6sische Seele appelliert. Oder die spanischen Gefangenen, die im Gef\u00e4ngnis einen kleinen Sieg gegen ihre Aufseher erringen, indem sie sich geschlossen weigern, ihre Unterhosen auszuziehen. Der arabische H\u00e4ftling, der im Gef\u00e4ngnis stirbt. Die selbstm\u00f6rderische Flucht eines 19-J\u00e4hrigen durch eine Luke im Waggon. Kleine starke Episoden, die zeigen, dass der Krieg jeden traf. Egal welcher Herkunft oder Profession.<\/p>\n<p>Die Graphic Novel ist eine Adaption des gleichnamigen Buches (2008 bei uns erschienen) von Marc Levy, Raymonds Sohn und Claudes Neffen, der eher f\u00fcr seichtere Sujets bekannt ist (\u201aSolange Du da bist\u2018). Die Zeichnungen sind klar und realistisch gehalten und in eine stimmige Farbgebung getaucht. Aufwendiger als andere Graphic Novels. Im Anhang werden einige Original Dokumente reproduziert, wie ein Haftbefehl oder eine Besuchserlaubnis f\u00fcr das Gef\u00e4ngnis. Leider sind die Dokumente nicht \u00fcbersetzt. Ebenfalls beinhaltet der Anhang einen weiteren Bericht \u00fcber die Flucht und die Aussage von Raymond \u00fcber die Fahrt im Geisterzug. \u201aKinder der Hoffnung\u2018 ist ein aufw\u00fchlendes und ber\u00fchrendes Buch, das trotzdem die grausamen Vorg\u00e4nge sachlich und ohne Pathos erz\u00e4hlt und dazu ein fast vergessenes St\u00fcck Kriegsgeschichte dem Leser n\u00e4herbringt. (bw)<\/p>\n<p>Kinder der Hoffnung<br \/>\nText &amp; Bilder: Alain Grand, nach dem Roman von Marc Levy<br \/>\n180 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nPanini Comics<br \/>\n19,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95798-302-2<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D2857\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2857\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Kinder der Hoffnung (Panini) &raquo; Comicleser #Alain Grand #Graphic Novel #Kinder der Hoffnung # [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Toulouse, im M\u00e4rz 1943. Frankreich ist inzwischen komplett von Deutschland besetzt, wobei das mit den Nazis kollaborierende Vichy-Regime rein formal die Regierungsgewalt beh\u00e4lt. 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