{"id":2779,"date":"2015-06-19T10:09:19","date_gmt":"2015-06-19T08:09:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2779"},"modified":"2015-06-19T10:16:47","modified_gmt":"2015-06-19T08:16:47","slug":"little-tulip-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2779","title":{"rendered":"Little Tulip (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2780\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Little-Tulip.jpg\" alt=\"Little Tulip (Splitter)\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Little-Tulip.jpg 300w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Little-Tulip-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>New York im Jahr 1970. Der alternde Paul ist Einzelg\u00e4nger und ein harter Hund. So hat er keine M\u00fche, eine Jugend-Gang zu verm\u00f6beln, die ihm an den Geldbeutel will. Um zu leben betreibt er ein kleines Tattoo-Studio. Au\u00dferdem ist ein gefragter Phantombild-Zeichner bei der Polizei \u2013 er scheint die Gabe zu besitzen, sich in die Opfer hineindenken zu k\u00f6nnen und fertigt dadurch realit\u00e4tsnahe Portraits der T\u00e4ter an. Nur ein Fall nagt an ihm: die Mordserie des Bad Santa Killers, aus der er nicht schlau wird und \u00fcber die er immer wieder nachgr\u00fcbeln muss. R\u00fcckblende: etwa Mitte der Dreissiger Jahre beschlie\u00dft die Familie des jungen Paul von den USA in die Sowjetunion auszuwandern. Pauls Vater ist K\u00fcnstler und sein Plan ist es, mit dem ber\u00fchmten Regisseur Sergej Eisenstein zusammenzuarbeiten, was auch gelingt.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend des Krieges wird die Familie wegen vermeintlicher Spionage festgenommen und in Ostsibirien interniert. Paul, jetzt Pawel, wird von seinen Eltern getrennt und erf\u00e4hrt im Gulag eine grausame Kindheit. Zuerst wird er Spielball einer monstr\u00f6sen Aufseherin, dann wird der lokale Pachan (quasi der Gansterboss), Kiril der Wal (es gibt im Gulag verschiedene Vereinigungen von Kriminellen, die \u00fcber eine gewisse Macht verf\u00fcgen und die ihre Zugeh\u00f6rigkeit \u00fcber T\u00e4towierungen definieren) auf ihn aufmerksam. Denn Pawel besitzt ein einzigartiges Zeichentalent. Schlie\u00dflich wird er T\u00e4towierer der Verbrecher und dann auch noch knallharter Zweik\u00e4mpfer. Nach zahlreichen grausamen und unbarmherzigen Episoden \u2013 u.a. das Wiedersehen mit seiner Mutter und eine tragische Liebesgeschichte, wird er entlassen und kehrt in die USA zur\u00fcck. Jahre sp\u00e4ter \u2013 eben 1970 \u2013 schlie\u00dft sich dort der Kreis.<\/p>\n<p>Vom amerikanischen Autor Jerome Charyn, der auch bereits f\u00fcr Loustal schrieb, erschien bei uns zuletzt der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=868\" target=\"_blank\">Noir-Krimi \u201aMarilyn the Wild\u2018<\/a>, wobei er seinen eigenen Roman als Comic adaptierte. Seine Zusammenarbeit mit Fran\u00e7ois Boucq hat Tradition. Bereits in den 80ern erschien in zwei B\u00e4nden \u201aDie Frau des Magiers\u2018, gefolgt von \u201aTeufelsmaul\u2018 (1991), das demn\u00e4chst neu aufgelegt wird \u2013 ebenfalls bei Splitter. Somit ist Boucq auch schon ein alter Hase (er erhielt 1998 den Grand Prix in Angoul\u00eame). So richtig bekannt bei uns wurde Boucq aber durch seinen harten Western \u201aBouncer\u2018, der von Alejandro Jodorowsky geschrieben wird und immer noch von Band zu Band besser wird (bisher 9 Alben bei Ehapa\/Egmont). Auch der \u201aXIII Mystery\u2018 Band \u00fcber Colonel Amos und die 4-teilige Serie \u201aDer Janitor\u2018 (bei Schreiber &amp; Leser) seien hier genannt. \u201aLittle Tulip\u2018 war heuer in Angoul\u00eame f\u00fcr das beste Album nominiert (pr\u00e4miert wurde \u00fcbrigens die Graphic Novel \u201aL\u2019Arabe du Futur\u2018, die als \u201aDer Araber von morgen\u2018 auch bei uns erh\u00e4ltlich ist).<\/p>\n<p>Die Handlung des Albums passiert auf zwei Zeitebenen, zwischen denen mehrmals hin- und hergesprungen wird \u2013 je nachdem wann und an was sich Paul aus seiner Zeit im Gulag erinnert. Seine Kindheit dort in der ostsibirischen Kolyma-Region, die f\u00fcr ihre Straf- und Arbeitslager ber\u00fcchtigt war, wird in harten wie gnadenlosen Bildern und Episoden geschildert. Als Junge erf\u00e4hrt er keinerlei Liebe oder Gef\u00fchle, wird als Sache gehandelt und von Kiril nur wegen seines Zeichentalents protegiert. Dass sich am Ende der Kreis schlie\u00dft und seine Vergangenheit Paul einholt, d\u00fcrfen wir hier ruhig verraten, das wird fr\u00fch klar und ist keine \u00dcberraschung. Wie das Finale pr\u00e4sentiert wird, n\u00e4mlich ganz anders als erwartet, dagegen schon. Zum angesprochenen \u201aTeufelsmaul\u2018 gibt es \u00fcbrigens diverse Parallelen: eine harte Kindheit bzw. Ausbildung, trotzdem geht die Hauptperson ihren Weg und am Ende kommt eine phantastische Komponente ins Spiel. \u00dcberhaupt zieht sich das Grausame, Gef\u00fchllose, das Au\u00dfenseitern widerf\u00e4hrt, durch verschiedene Werke Boucqs, denken wir nur an diverse drastische Szenen aus Bouncer. Auch \u201aMondgesicht&#8216;, das einmal mehr von der wilden SF-Fantasie Jodorowskys gepr\u00e4gt ist, z\u00e4hlt dazu.<\/p>\n<p>Boucqs Zeichnungen sind realistisch, ohne dass er in den Foto-Modus schaltet. Eben klassisch, mit Tusche. Erinnert \u201aBouncer&#8216; an Girauds Westernklassiker Blueberry (was kein Makel ist \u2013 im Gegenteil: an diesem Stil kommt man im franko-belgischen Western-Comic eben nicht vorbei, siehe <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2661\" target=\"_blank\">\u201aUndertaker\u2018<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1557\" target=\"_blank\">\u201aApache Junction\u2018<\/a>), kommt in seinen \u00fcbrigen Serien oder Einzelb\u00e4nden der typische Boucq zum Vorschein, der einen unverwechselbaren Zeichenstil, v.a. was die Gesichter anbelangt, pr\u00e4sentiert. Dazu nat\u00fcrlich die passenden Farben: eine gediegene, aber nuancenreiche Kolorierung (klar, im Gulag ist es eben nicht bunt), die \u00e4u\u00dferst stimmig ist und aufgrund der Abstufungen innerhalb einer Farbe beinahe etwas R\u00e4umliches in die Zeichnungen einbringt. Wie bisher immer werden Freunde anspruchsvoller (ja, und auch heftiger) und doch klassischer franko-belgischer Comic-Kunst von der neuen Zusammenarbeit der beiden nicht entt\u00e4uscht. (bw)<\/p>\n<p>Little Tulip<br \/>\nText: Jerome Charyn<br \/>\nBilder: Fran\u00e7ois Boucq<br \/>\n88 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n19,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-135-2<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D2779\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2779\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Little Tulip (Splitter) &raquo; Comicleser #Einzelband #Fran\u00e7ois Boucq #Jerome Charyn #Little Tul [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>New York im Jahr 1970. Der alternde Paul ist Einzelg\u00e4nger und ein harter Hund. 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