{"id":2628,"date":"2015-05-07T13:42:47","date_gmt":"2015-05-07T11:42:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2628"},"modified":"2015-05-07T13:49:31","modified_gmt":"2015-05-07T11:49:31","slug":"im-eisland-band-1-hinstorff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2628","title":{"rendered":"Im Eisland, Band 1 (Hinstorff)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2629\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Im-Eisland-1.jpg\" alt=\"Im Eisland, Band 1 (Hinstorff)\" width=\"282\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Im-Eisland-1.jpg 282w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Im-Eisland-1-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 282px) 100vw, 282px\" \/><\/p>\n<p>Polarexpeditionen waren bis in das vergangene Jahrhundert hinein die letzten Reisen in Terra Incognita, in noch unber\u00fchrte und nicht kartographierte Landmassen. Und verbunden mit diesen Expeditionen waren stets wagemutige Pioniere und gro\u00dfe Dramen. Das ber\u00fchmteste davon ist Scotts fatales Scheitern am S\u00fcdpol, das gl\u00fccklichste Shackletons mi\u00dflungene Endurance-Unternehmung. Aber kein polares Vorhaben scheiterte so gr\u00fcndlich und kostete so viele Menschenleben wie die Franklin-Expedition, die 1845 in die Arktis startete, mit dem Ziel die legend\u00e4re Nordwestpassage (den n\u00f6rdlichen Seeweg zwischen Europa und Asien) zu finden und zu durchqueren. Alle 129 Teilnehmer starben, ihr Schicksal ist noch immer nicht ganz gekl\u00e4rt\u2026 ein Scheitern, das bis heute noch ein Thema ist \u2013 aber dazu gleich mehr.<\/p>\n<p>\u201aIm Eisland\u2018 beginnt (nach einem Prolog) mit den Vorbereitungen auf die Expedition, die besser vorbereitet und moderner ausger\u00fcstet sein will als alle vorherigen. Die beiden Schiffe HMS Erebus und HMS Terror sind beheizt, es gibt eingebaute Dampfmaschinen, die Verpflegung wird in Konservendosen geliefert. Das Kommando hat Sir John Franklin, mit 59 Jahren schon recht alt, aber eben erfahren \u2013 auch was Arktis-Reisen betrifft. Der junge John Torrington heuert als Oberheizer an und ist wie viele seiner Mannschafts-Kollegen abenteuerlustig und baut ganz auf die St\u00e4rke des viktorianischen Empires. Unersch\u00fctterliches Vertrauen, gepaart mit einer gewissen \u00dcberheblichkeit. Schlie\u00dflich winken Ruhm und Ehre. Bald laufen die Erebus und die Terror Richtung Gr\u00f6nland aus, begleitet von Versorgungsschiffen. Man schreibt letzte Briefe, ist vergn\u00fcgt und zuversichtlich. Auch sein Husten scheint John nicht weiter zu st\u00f6ren. Wir lernen Francis Crozier kennen, Kapit\u00e4n der Terror, einen erfahrenen irischen Seemann, der aufgrund seiner Herkunft nur zweith\u00f6chster Offizier sein darf und mit einer nicht erwiderten Liebe hadert. Auch das \u00dcberwintern bei der kleinen Beechey Insel l\u00e4uft noch nach Plan. Man richtet sich ein, feiert ein opulentes und ausgelassenes Weihnachts- und Neujahrsfest. Zweifel kommen h\u00f6chstens am Rande oder in Form dunkler Vorahnungen auf. Inzwischen ist Torrington schwer krank. Sein Husten entpuppt sich als Schwindsucht\u2026<\/p>\n<p>Die Graphic Novel \u00fcberrascht in mehrfacher Hinsicht. Zum einen durch das ungew\u00f6hnliche, historische Thema, das \u2013 zum anderen \u2013 von einer Deutschen K\u00fcnstlerin aufbereitet wird. Und das in gleich drei B\u00e4nden, die dazu noch in flottem Tempo erscheinen werden (Herbst 2015 und Fr\u00fchjahr 2016). F\u00fcr ihre erste Graphic Novel w\u00e4hlte Kristina Gehrmann keinen realistischen Zeichenstil, sondern orientierte sich vielmehr am Manga. Das wird bei den Gesichtern deutlich wie bei der Verwendung von Rastern. Trotzdem sind die Bilder voller historischer Details und zeugen von einer akribischen Recherche, nicht nur was die Expedition an sich und die Umst\u00e4nde des Scheiterns, sondern auch was zeitgen\u00f6ssische Kleidung, Technik und das ganz normale Leben an Bord von Schiffen im Jahre 1845 betrifft. So wird viel gelesen (beide Schiffe verf\u00fcgten \u00fcber eine beachtliche Bibliothek) und unterrichtet. Man vertreibt sich die Zeit mit Gesang und selbst verfassten Theaterst\u00fccken. Der Umgangston ist freundlich, auch zu hierarchisch h\u00f6her gestellten Teilnehmern. Franklin selbst bleibt (bisher) mehr im Hintergrund, erinnert an einen \u201aguten Onkel\u2018. Der Fokus richtet sich auf John Torrington und den erfahrenen Kapit\u00e4n Crozier. Bei all diesen Details beschr\u00e4nkt sich die Autorin dankbarerweise nicht auf eine blo\u00dfe dokumentarische oder rekonstruierte Wiedergabe der Ereignisse. Sie haucht den Figuren Leben ein, gibt ihnen einen Hintergrund und eine Geschichte und schafft so emotionale Bindungen zwischen Leser und Charakteren. Und das, ohne die historischen Details zu verbiegen. Folglich entsteht als Ergebnis eine Geschichtsstunde in Form einer hoch interessanten Erz\u00e4hlung. Was will man mehr!?<\/p>\n<p>John Torrington, einer der Hauptpersonen dieses Bandes, war der erste Tote der Expedition. 1984, fast 140 Jahre nach seinem Tod, besch\u00e4ftigte er noch einmal die Schlagzeilen, als seine durch Permafrost konservierte Leiche obduziert wurde (was Iron Maiden zu ihrem Song \u201aStranger in a Strange Land\u2018 inspirierte). Und erst im vorigen Jahr wurde \u00f6ffentlichkeitswirksam die Ortung und Identifizierung der Erebus auf dem Meeresgrund verk\u00fcndet. Die Franklin Expedition und die gewisse Faszination ihres Scheiterns besch\u00e4ftigt die Medien also noch immer. Wir sind gespannt auf Band 2, wenn die bekannten Fakten der Expedition d\u00fcnner werden und das Drama endg\u00fcltig seinen Lauf nimmt. (bw)<\/p>\n<p>Im Eisland, Band 1: Die Franklin-Expedition<br \/>\nText &amp; Bilder: Kristina Gehrmann<br \/>\n224 Seiten in Schwarz-Wei\u00df, Softcover, Buchformat<br \/>\nHinstorff Verlag<br \/>\n16,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-356-01901-8<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D2628\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2628\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Im Eisland, Band 1 (Hinstorff) &raquo; Comicleser #Die Franklin-Expedition #Graphic Novel #Hinstor [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Polarexpeditionen waren bis in das vergangene Jahrhundert hinein die letzten Reisen in Terra Incognita, in noch unber\u00fchrte und nicht kartographierte Landmassen. 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