{"id":2381,"date":"2015-02-18T15:41:13","date_gmt":"2015-02-18T13:41:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2381"},"modified":"2015-02-18T15:42:30","modified_gmt":"2015-02-18T13:42:30","slug":"charly-9-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2381","title":{"rendered":"Charly 9 (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2382\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Charly-9.jpg\" alt=\"Charly 9 (Splitter)\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Charly-9.jpg 300w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Charly-9-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Charles\/Karl IX. wurde nur 23 Jahre alt. Die meiste Zeit davon war er K\u00f6nig von Frankreich. Psychisch labil, unberechenbar, kontrolliert von seiner Mutter Katharina von Medici, die im Hintergrund die Strippen zog. Er w\u00e4re ein unbedeutender K\u00f6nig geblieben, w\u00e4re er nicht f\u00fcr eines der gr\u00f6\u00dften Massaker in der franz\u00f6sischen Geschichte verantwortlich: die ber\u00fchmt ber\u00fcchtigte Bartholom\u00e4usnacht vom 23. auf den 24. August 1572, in der alleine in Paris etwa 3.000 Protestanten (Hugenotten) ermordet wurden.<\/p>\n<p>Damit beginnt der Band. Karl, hier herrlich despektierlich Charly 9 genannt, wird von seiner Mutter und seinem Bruder beinahe problemlos \u00fcberzeugt, dass die in Paris weilenden Hugenottenf\u00fchrer ermordet werden sollen. Der Tat folgt das gro\u00dfe T\u00f6ten in der Bartholom\u00e4usnacht, in der vermeintlich vom K\u00f6nig befohlen (\u201aDer K\u00f6nig will es\u2018) tausende Protestanten regelrecht abschlachtet werden. Die Nacht selbst wird ausgespart, die Folgen des Massakers, die Toten am n\u00e4chsten Morgen werden in wortlose schwarz-rote Panels getaucht. Fortan begleitet Karl diese Nacht in seinem Leben. Er sieht \u00fcberall Blut, hackt willk\u00fcrlich auf Tiere ein, Menschenleben bedeuten ihm nichts. Weich wird er lediglich bei seinen Frauen, die er anst\u00e4ndig behandelt. Seine M\u00e4tresse Marie Touchet, eine Hugenottin, die auf sein Gehei\u00df verschont wird und seine Frau Elisabeth von \u00d6sterreich, die ihm eine Tochter schenkt und die kein Franz\u00f6sisch spricht (was auch zu einer derb komischen Szene f\u00fchrt). \u00dcberhaupt entbehren die Ausbr\u00fcche und Ausw\u00fcchse des K\u00f6nigs nicht einer gewissen Komik in Wort und Bild, die extrem \u00fcberzeichnet wird, als er\u2013 ganz nach Vogel Strau\u00df Methode, von der er gerade h\u00f6rte \u2013 den Kopf in einen ausgenommen Vogel oder Hirsch steckt und ruft, er sei gerade nicht da. K\u00f6nigliche Probleml\u00f6sung, ganz zum Leidwesen seiner Berater und seines Gefolges. Am Ende erkrankt Karl an Tuberkolose. Er schwitzt Blut, sein Leiden und sein Tod sind wieder in schwarz und rot getaucht. Mit nur 23 Jahren stirbt der im Leben und in seinem politischen Wirken ungl\u00fcckliche Monarch, seine Mutter bleibt beinahe unber\u00fchrt, auch als schlie\u00dflich eine Puppe mit seinem Aussehen zu Grabe getragen wird, weil der Anblick seines von Krankheit gezeichneten, ausgemergelten K\u00f6rper niemandem zugemutet werden kann. So beginnt und endet der Band mit Tod und mit Blut.<\/p>\n<p>Auf dem franz\u00f6sischen Thron sitzt, das wird einem bald klar, kein blutr\u00fcnstiges Monster, sondern vielmehr ein \u00fcberfordertes, unberechenbares, selbstzerst\u00f6rerisches Kind, das den Kasper gibt und sich ganz nach damaliger K\u00f6nigsmanier an keine Gesetze oder Grenzen halten muss. Eine Art fehlgeleiteter Peter Pan, der nicht erwachsen werden will und der das politische Tagesgesch\u00e4ft meidet, wo es nur geht (und sei es mit dem Kopf in einem Vogel). Nur einmal, als er im Louvre ganz nackt einen Hirsch jagt, wird er \u2013 bezeichnenderweise \u2013 von seiner Mutter Katharina in die Schranken gewiesen, als die seinem Treiben zum Aufatmen aller ein Ende bereitet. Sie ist es auch, die Frankreich eigentlich regiert. Sie schachert Karls Bruder einen K\u00f6nigsposten in Polen zu und h\u00e4lt die politischen F\u00e4den fest in der Hand. Die R\u00fccksichtslosigkeit ist dabei das einzige, was sie mit ihrem Sohn Karl gemeinsam hat.<\/p>\n<p>An sich ist der Band \u2013 wie historisch genau er sein mag, oder auch nicht \u2013 ein interessanter Abriss der letzten Jahre eines kuriosen Monarchen. Er steckt voller bisweilen derber Situationskomik, bei der dem Leser auch ab und an das Lachen im Hals stecken bleibt \u2013 beispielsweise bei der Episode um den Aprilscherz. Die Mimik der Personen, v.a. der d\u00fcmmlich unschuldige Gesichtsausdruck Karls ist bestens gelungen. Richard Gu\u00e9rineau (Der Gesang der Strygen, XIII Mystery), Autor und Zeichner in Personalunion, adaptiert hier den gleichnamigen Roman von Jean Teul\u00e9 und spielt mit verschiedenen Stilarten. So sind die Panels teilweise aufwendig koloriert, dann werden die Farben wieder sparsamer eingesetzt. Der Morgen nach der Bartholom\u00e4usnacht, sowie der Tod und die Beisetzung der K\u00f6nigs sind wie bereits erw\u00e4hnt in rot und schwarz gehalten. Eine Episode ist sogar im Funny-Stil gezeichnet und erinnert an Peyos Johann und Pfiffikus-Geschichten. Ein anderes mal wird er in einem Gem\u00e4lde gar als Lucky Luke verewigt! In all diesen Facetten, seien sie historisch, fiktiv oder gnadenlos respektlos wird Karl zu einem Menschen degradiert, der auf dem K\u00f6nigsthron eine krasse Fehlbesetzung darstellt. So unterh\u00e4lt der Band auf h\u00f6chster Ebene und ist damit nicht nur f\u00fcr geschichts-interessierte Leser geeignet sondern f\u00fcr alle, die franko-belgische Comickunst zu sch\u00e4tzen wissen \u2013 nicht umsonst war der Band 2014 f\u00fcr den gro\u00dfen Preis von Angoul\u00eame nominiert. (bw)<\/p>\n<p>Charly 9<br \/>\nText &amp; Bilder: Richard Gu\u00e9rineau<br \/>\nnach dem Roman von Jean Teul\u00e9<br \/>\n128 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n19,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-044-7<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D2381\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2381\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Charly 9 (Splitter) &raquo; Comicleser #Books #Charly 9 #Jean Teul\u00e9 #Karl IX. #Richard Gu\u00e9rineau [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Charles\/Karl IX. wurde nur 23 Jahre alt. Die meiste Zeit davon war er K\u00f6nig von Frankreich. Psychisch labil, unberechenbar, kontrolliert von seiner Mutter Katharina von Medici, die im Hintergrund die Strippen zog. 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