{"id":2233,"date":"2014-12-22T14:55:04","date_gmt":"2014-12-22T12:55:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2233"},"modified":"2014-12-22T14:57:02","modified_gmt":"2014-12-22T12:57:02","slug":"scotland-yard-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2233","title":{"rendered":"Scotland Yard (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2234\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Scotland-Yard.jpg\" alt=\"Scotland Yard (Splitter)\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Scotland-Yard.jpg 300w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Scotland-Yard-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>London, im Jahr 1889: Inspektor Gregson begleitet einen Gefangenentransport aus dem Newgate-Gef\u00e4ngnis. Das geht ganz geh\u00f6rig schief: der Tross wird \u00fcberfallen, die Lage eskaliert, Gregson wird verletzt, sein Partner Bradstreet stirbt, und zwei der gemeingef\u00e4hrlichsten Irren von ganz England sind auf freiem Fu\u00df. Einer davon ist Carfax, der seine Opfer erst qu\u00e4lt und dann mit raffinierten mechanischen Erfindungen ebenso kunstvoll wie grausam t\u00f6tet. Was noch harmlos gegen den zweiten Fl\u00fcchtigen ist: der h\u00f6rt auf den Namen Renfield und gibt dem Begriff Wahnsinn eine vollkommen neue Dimension. Von seinem Vorgesetzten Lestrade &#8211; der ihn sowieso ebenso gerne loshaben w\u00fcrde wie seinen Vorg\u00e4nger Abberline, der sich beim grade abgeschlossenen <a title=\"Jack the Ripper (Splitter)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1217\" target=\"_blank\">Jack the Ripper-Fall <\/a>unbeliebt gemacht hat \u2013 wird Gregson daraufhin in den Keller von Scotland Yard verfrachtet, ins Schwarze Museum, in dem der Psychologe Dr. Seward, seine Assistentin Faustine Clerval und ein Stra\u00dfenjunge als bunter Haufen damit beginnen, die Spur der Psychopathen aufzunehmen.<\/p>\n<p>Sehr interessiert an den Entwicklungen zeigt sich ein befreundeter Schriftsteller namens Bram Stoker, der die Erlebnisse Gregsons in einem Bericht zusammenzufassen plant. Die Hatz f\u00fchrt schnell ins Unterweltmilieu, das von Dr. Moriarty und seinen Kohorten um Colonel Moran dominiert wird \u2013 aber man h\u00e4lt die sch\u00fctzende Hand \u00fcber den Stra\u00dfenjungen, der auch schon f\u00fcr einen gewissen Mr Holmes t\u00e4tig war, und \u00fcber Faustine, die als \u201eEngel\u201c den sozial Benachteiligten beisteht. Nachdem man die Helfershelfer von Carfax ausfindig gemacht hat \u2013 seine t\u00f6dlichen Halskrausen l\u00e4sst er bei einem Werkzeugmacher anfertigen \u2013 kidnappen diese flugs Faustine, die im letzten Moment von den Getreuen Moriartys gerettet wird und Carfax Bekanntschaft mit seinen eigenen Spielzeugen machen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Vorhang, kurze Pause, Kapitel 2: Gregson und seine Kameraden machen sich auf die Suche nach Robert Michael Renfield, der als Kind von seinen Tanten gedem\u00fctigt und gequ\u00e4lt wurde, bis er zu einem Wesen zwischen Mensch und Tier verkam, das sich von Ratten und Ungeziefer ern\u00e4hrt und gerne auch mal Blut trinkt. Renfield kehrt in seine Heimat zur\u00fcck, meuchelt dort den Familienarzt, der seinerzeit das Leiden des Kindes zwar sah, aber nichts dagegen unternahm, bevor er einen Drohbrief versendet, er werde ganz \u00f6ffentlich einen der Friedh\u00f6fe Londons entweihen. Vorher sinnt er aber noch auf Rache an Dr. Treves, dem Psychiater, der ihn nach seiner Verhaftung in Behandlung hatte und der in ihm ein durchaus willkommenes Opfer f\u00fcr allerlei Experimente sah. Gregson versteckt Treves bei sich im Schwarzen Museum, als man erkennt, dass Renfield sich nach seinen Taten jeweils \u00fcber die Kanalisation der Stadt davonmacht. Das alles entpuppt sich als List Renfields, der Faustine entf\u00fchrt (also die hat aber auch wirklich kein Gl\u00fcck) und in das Haus verschleppt, wo sich seine Leiden zutrugen. Faustine gelingt es noch, eine Spur f\u00fcr ihre Freunde zu legen, aber am Ende ist es am Stra\u00dfenjungen, den vollkommen Wahnsinnigen zu konfrontieren\u2026<\/p>\n<p>Dobbs, der mit intertextuellen Verweisen und Literatureinfl\u00fcssen ja bestens vertraut ist \u2013 so etwa zeichnet er verantwortlich f\u00fcr <em>Mr Hyde gegen Frankenstein<\/em> (dt. im Zack-Magazin) und <em>Allan Quatermain und die Minen K\u00f6nig Salomons<\/em> (dt. bei Zack\/Mosaik) \u2013 gelingt hier ein echter Kunstgriff: die Stra\u00dfen seines London werden bev\u00f6lkert von literarischen Figuren, die allesamt einem einzigen gro\u00dfen erz\u00e4hlerischen Hintergrund entstammen, der sp\u00e4testens mit den Namen Seward und Renfield eindeutig markiert wird. Anstelle jedoch einfach die Charaktere der Romanvorlage ins Geschehen einzubauen, erschafft Dobbs ein intellektuelles Vexierspiel: der Romancier Stoker beschlie\u00dft am Ende, die Geschehnisse nicht in einen Bericht zu verpacken, sondern in etwas Neuartiges \u2013einen Schauerroman, der Abenteuer und Horror, Technik und Moderne verbindet und mit einem zentralen Monster aufwartet, das gleichzeitig Mitleid zu erregen vermag. Leider etwas \u00fcberdeutlich endet Dobbs mit der Frage, wie denn das Buch hei\u00dfen solle, f\u00fcr das Stoker die \u201erealen\u201c Ereignisse und Figuren naturgem\u00e4\u00df etwas verfremden m\u00fcsse. Dass es sich hierbei um das epochale Meisterwerk um einen allseits bekannten Untoten handeln wird, m\u00fcsste nicht gerade in stilisierten Lettern angebracht sein, aber sei\u2019s drum.<\/p>\n<p>Neben dieser alles \u00fcberspannenden, umgekehrten Adaption eines Romans in angeblich reale Quellen (eine wirklich herausfordernde Idee) ist das Werk auch in der \u201eechten\u201c Historie des viktorianischen London verankert \u2013 Jack the Ripper ist noch in aller Munde, Faustine unterh\u00e4lt sich auf einer Parkbank mit dem Elefantenmenschen Merrick, und gemeinsam mit Stoker besucht man eine Faust-Auff\u00fchrung mit Henry Irving. Und es gibt noch mehr zu entdecken: der Gedanke der Unterwelt, die sich f\u00fcr die Jagd nach einem Psychopathen solidarisiert, verweist auf Fritz Langs <em>M<\/em>, die Verfolgung durch die Kanalisation kennen wir aus dem Dritten Mann, und das \u201eSchwarze Museum\u201c im Keller des Yard erinnert nicht wenig an das kleine Kellerkabuff beim FBI, in dem ein gewisser Fox Mulder seinen Recherchen nachging. Nicht nur spannendes, sondern auch durchaus vertracktes, h\u00f6chst durchdachtes und damit anregendes Lesematerial also, das von St\u00e9phane Perger (u.a. <em>Sequana<\/em>, <em>Sir Arthur Benton<\/em>) zutiefst stimmig umgesetzt wird, in leicht stilisierten, atmosph\u00e4rischen Bildabfolgen, in denen die Emotionalit\u00e4t \u2013 h\u00e4ufig bei Flashbacks, die in schwarz-wei\u00df gehalten sind &#8211; oft in sich aufl\u00f6senden Panels nach au\u00dfen transportiert wird. Bei Splitter gibt es im Rahmen einer Double-Edition beide B\u00e4nde in einem. Bestens. (hb)<\/p>\n<p>Scotland Yard<br \/>\nText: Dobbs (Olivier Dobremel)<br \/>\nBilder: St\u00e9phane Perger<br \/>\n96 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n19,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95839-033-1<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D2233\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2233\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Scotland Yard (Splitter) &raquo; Comicleser #Dobbs #Double #Olivier Dobremel #Scotland Yard #Split [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>London, im Jahr 1889: Inspektor Gregson begleitet einen Gefangenentransport aus dem Newgate-Gef\u00e4ngnis. 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