{"id":2160,"date":"2014-12-10T10:16:09","date_gmt":"2014-12-10T08:16:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2160"},"modified":"2014-12-11T10:36:38","modified_gmt":"2014-12-11T08:36:38","slug":"die-liga-der-ausergewohnlichen-gentlemen-band-3-panini","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2160","title":{"rendered":"Die Liga der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gentlemen, Band 3 (Panini)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2161\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Liga-der-Gentlemen-3.jpg\" alt=\"Die Liga der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gentlemen, Band  3 (Panini)\" width=\"263\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Liga-der-Gentlemen-3.jpg 263w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Liga-der-Gentlemen-3-197x300.jpg 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><\/p>\n<p>London, 1910. Nicht unser London, sondern das der Parallelwelt der Liga der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gentlemen (u.a. versuchten hier vor zw\u00f6lf Jahren Au\u00dferirdische England zu erobern). Die Liga ist nun anders. Von der Urbesetzung sind noch Mina Murray, die einst Harker hie\u00df, und Allan Quatermain \u00fcbrig. Neu dabei sind der Einbrecher A.J. Raffles, der Hellseher Thomas Carnacki und der unsterbliche Krieger Orlando, der das Schwert Excalibur besitzt, der unfreiwillig immer wieder das Geschlecht wechselt und unabh\u00e4ngig davon alles anmacht, was nicht bis drei auf den B\u00e4umen ist. Carnacki wird von einer Vision heimgesucht. Gefahr scheint in Verzug. Ein Mondkind, der Antichrist, soll erschaffen werden. Eine Bedrohung f\u00fcr die ganze Welt. Die Spur f\u00fchrt die Liga zu dem Magier Oliver Haddo, doch Beweise f\u00fcr dessen Vorhaben finden sich nicht. Dazu kommen zwei ausgepr\u00e4gte Nebenhandlungen: Nemo stirbt. Seine Tochter Janni verweigert die Nachfolge (und damit das Kommando \u00fcber die Nautilus), geht nach London und arbeitet dort als Magd in einem Pub. Sie wird vergewaltigt, ruft die ihren samt Nautilus, die aus Rache die Londoner Docks zerst\u00f6ren. Dann taucht Jack the Ripper aus der Versenkung auf, in der Person Macheaths (der aus der Dreigroschenoper) und soll nach seiner Festnahme endlich hingerichtet werden.<\/p>\n<p>Szenenwechsel. Zeitenwechsel. 1969. Swinging London. Die Sache mit dem Antichrist ist nicht ausgestanden. Mina, Orlando und Allan, die eine gemeinsame Beziehung f\u00fchren und allesamt nun ewig jung sind, bilden nun die Liga. Sie nehmen nach einem bewegten Leben (Mina f\u00fchrte in den F\u00fcnfzigern eine Superheldentruppe) Haddos Spur wieder auf. Dessen Geist ist in der Lage, K\u00f6rper zu wechseln. Und er verfolgt immer noch seinen Plan, das Mondkind zu produzieren. Sein neuer Wirtsk\u00f6rper soll ausgerechnet der Rockstar Terner werden, S\u00e4nger der Band Purple Orchestra (der in unserer Welt Mick Jagger hei\u00dft). Bei einem Konzert im Hyde-Park k\u00f6nnen Orlando und Allan das Schlimmste verhindern, w\u00e4hrend die zugedr\u00f6hnte Mina auf der Astralebene gegen einen monstr\u00f6sen Haddo k\u00e4mpft. Ein Kampf, der v\u00f6llig abgedreht und zeitgem\u00e4\u00df psychedelisch illustriert ist. Haddo kann entkommen. Mina verliert den Verstand und wird Richtung Irrenhaus abtransportiert. Orlando und Allan sind nun \u201af\u00fchrerlos\u2018, Mina ist verschwunden.<\/p>\n<p>Zur letzten Episode springen wir ins Jahr 2009. Inzwischen ist Allan obdachlos und den Drogen verfallen. Orlando, gewarnt, dass der Antichrist bereits existiert, findet endlich Mina und befreit sie mit Hilfe von M (ja, genau die) aus einer Anstalt, wo sie 40 Jahre unter starken Medikamenten ruhig gestellt war. Mit Hilfe des Gefangenen von London, der Zeiten, aber nicht Orte wechseln kann, gelangen Sie in einer Parallel-Dimension in das Unsichtbare College (genau, das hei\u00dft bei uns Hogwarts). Das ist v\u00f6llig verw\u00fcstet, Sch\u00fcler und Lehrer auf grausamste Weise gemeuchelt. Denn hier wurde der Antichrist erschaffen, hier w\u00fctete er bereits. Zur\u00fcck in London sto\u00dfen sie in einer verwahrlosten Gasse endlich auf ihren Gegner. Der ist nicht das, was Haddo sich vorstellte, sondern ein verbl\u00f6deter, grausamer Irrer. Es kommt zum finalen Kampf. Und damit zum Ende der Liga?<\/p>\n<div id=\"attachment_2163\" style=\"width: 243px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2163\" class=\"wp-image-2163 size-full\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Liga-der-Gentlemen-3-lim.jpg\" alt=\"Die limitierte Hardcover-Variante\" width=\"233\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Liga-der-Gentlemen-3-lim.jpg 233w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Liga-der-Gentlemen-3-lim-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><p id=\"caption-attachment-2163\" class=\"wp-caption-text\">Die limitierte Hardcover-Variante<\/p><\/div>\n<p>Moore begann seine langlebigste Serie schon 1999. Dies ist bereits der vierte Band, wenn man das \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnliche Gesamtkunstwerk <em>The Black Dossier<\/em> hinzuz\u00e4hlt. Der erste Band wurde verfilmt, leidlich erfolgreich (nun ja, man nahm die Charaktere\u2026 mehr eigentlich nicht). Der Film ist dann auch weniger wegen seiner \u201aQualit\u00e4t\u2018 bekannt, als vielmehr durch Querelen, die zwei einschneidende Dinge zur Folge hatten: Sean Connery h\u00e4ngte seinen Job an den Nagel und Alan Moore wird erst seinen Namen f\u00fcr eine Comic-Verfilmung hergeben, wenn die H\u00f6lle zufriert. <em>Century <\/em>ist eigentlich ein Sammelband, der die Teile der Trilogie enth\u00e4lt, die Panini auch einzeln ver\u00f6ffentlichte und die ein ganzes Jahrhundert abdecken: 1910, 1969, 2009. Fans der Reihe k\u00f6nnen \u00fcbrigens beruhigt sein: es geht weiter. Ein neuer Band (<em>Nemo &#8211; Die Rosen von Berlin, <\/em>Nachfolger von<em> Nemo \u2013 Herz aus Eis<\/em>) ist f\u00fcr Februar 2015 bereits angek\u00fcndigt. Hier setzt Moore den Fokus auf Janni, Nemos Tochter.<\/p>\n<p>Die Comics Moores zeichnen sich dadurch aus, dass sie einerseits komplex und anspruchsvoll, andererseits aber trotzdem f\u00fcr jeden halbwegs interessierten Comicleser h\u00f6chst genie\u00dfbar sind. Bei seinen besten Werken halten sich diese beiden Seiten perfekt die Waage, siehe <em>Watchmen<\/em> oder <em>V for Vendetta<\/em>. Bisweilen aber gewinnt die Komplexit\u00e4t die \u00dcberhand, wie bei einigen Passagen aus <em>From Hell<\/em>, vor allem, wenn es in Richtung Okkultismus geht \u2013 bekanntlich Alan Moores Steckenpferd. Bei <em>Century<\/em> ist dies auch der Fall. Sprechen wir daher ruhig von schwerer Kost. Behandeln die Vorg\u00e4nger durchaus popul\u00e4re und gemeinere Themen, wie Wells\u2018 <em>War of the Worlds<\/em>, geht es in <em>Century<\/em> ganz tief ins Okkulte, das Moore in die jeweilige \u00c4ra geschickt implementiert (S\u00e9ancen und Rituale aus der Fr\u00fchzeit des 20. Jahrhunderts, in Verbindung mit Drogen in der Hippie-Zeit). Ausl\u00f6ser der Handlung ist eine Vision Carnackis \u00fcber das Mondkind, das das Ende der Welt herbeif\u00fchren soll. Im Rahmen dieses Roten Fadens begleiten wir die Liga unter der F\u00fchrung Minas durch drei Zeitfenster und damit drei Epochen des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Der Band liest sich auf zwei Arten: als Literatur-Beflissener erfreut man sich fasziniert in Wort und Bild an den Figuren und Anspielungen, an den Andeutungen, Zitaten und Querverweisen, ohne die Handlung, Gesamtbild und v.a. den Lesefluss aus den Augen zu verlieren. Dabei riskiert man freilich, das ein oder andere zu \u00fcbersehen. Man kann aber tats\u00e4chlich auch hergehen und begleitend mit den zahlreichen Seiten, die das Internet zu dem Thema bietet, beinahe jedes einzelne (!) Panel unter die Lupe nehmen und die Anmerkungen dazu studieren. Aber so oder so: Schnell wird man sich bewusst, welch unglaubliches und auch bisweilen seltsames Wissen Hobby-Magier Alan Moore doch besitzen muss.<\/p>\n<p>Stichwort Anspielungen und Motive aus klassischer und popul\u00e4rer Kultur, die einmal nur angeschnitten oder durch Nebenpersonen verk\u00f6rpert und ein anderes mal zum zentralen Thema gemacht werden. Beispiele? Da haben wir einen alten Seeb\u00e4ren namens Ishmael, Zitate und Ges\u00e4nge aus Brechts Dreigroschenoper, einmal mehr Jack The Ripper, der Tod des Rolling Stones Gitarristen Brian Jones und das anschlie\u00dfende Konzert im Londoner Hyde-Park, der hier nach Mr. Hyde, dem ehemaligen Liga-Mitglied, benannt ist. Die Beatles sind hier die Rutles (das Schlitzohr Moore nimmt hier die tats\u00e4chliche Parodie aus den 70ern). Sogar das Superhelden-Genre wird gestreift. Ein junger Michael Caine aus <em>Get Carter<\/em> ist dabei. Herr Poelzig wird erw\u00e4hnt (das ist schon echt hart). Und nat\u00fcrlich Harry Potter. Am\u00fcsant anzusehen, wie Moore hier auf wenigen Seiten mit der Potter-Welt \u201aabrechnet\u2018. Und das durchaus schl\u00fcssig. Unglaublich\u2026<\/p>\n<p>Wenn auch dieser Liga-Band nicht an den ersten der Reihe oder gar an Moores Klassiker wie <em>Watchmen<\/em> oder <em>V for Vendetta<\/em> heranreicht, so ist es doch sch\u00f6n zu sehen, dass sich der (man kann schon fast sagen) Altmeister noch immer mit dem Medium Comic besch\u00e4ftigt, auch wenn er schon mehrmals seine Abkehr angek\u00fcndigt hat. Wie gewohnt wird die Aufmerksamkeit des Lesers gefordert, nicht nur der Anspielungen wegen. Erstaunlich, ist doch die Handlung eigentlich recht d\u00fcnn und baut bis zum Finale viel auf Vermutungen und Stochern im Dunkeln auf. Viel Inhalt wird auf die Beziehung zwischen Mina, Orlando und Allan verwendet, auf Minas Bem\u00fchungen, mit der Unsterblichkeit um und mit der aktuellen Kultur konform zu gehen. Sch\u00f6n auch: wie bei allen wichtigen und gro\u00dfen Werken Moores verl\u00e4\u00dft er sich auf einen einzigen Zeichner, mit dem man das jeweilige Oeuvre identifiziert. Das ist mit Dave Gibbons so, mit Eddie Campbell oder mit David Lloyd. So ist auch Kevin O\u2019Neill seit 1999 mit an Bord und ein Liga-Band ohne seinen spr\u00f6den, unterk\u00fchlten wie eleganten, bisweilen Karikatur-haften Stil ist schlichtweg nicht mehr vorstellbar. Die limitierte Hardcover-Ausgabe f\u00fcr Sammler umfasst dieses mal nur 222 Exemplare und sollte schnell vergriffen sein. (bw)<\/p>\n<div id=\"attachment_2167\" style=\"width: 208px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2167\" class=\"wp-image-2167 size-full\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Liga-1910.jpg\" alt=\"Die Liga der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gentlemen: 1910 (Panini)\" width=\"198\" height=\"300\" \/><p id=\"caption-attachment-2167\" class=\"wp-caption-text\">Die Cover der Einzelb\u00e4nde<\/p><\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2168 size-full\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Liga-1969.jpg\" alt=\"Die Liga der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gentlemen: 1969 (Panini)\" width=\"189\" height=\"300\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2169 size-full\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Liga-2009.jpg\" alt=\"Die Liga der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gentlemen: 2009 (Panini)\" width=\"192\" height=\"300\" \/>Die Liga der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gentlemen, Band 3: Century<br \/>\nText: Alan Moore<br \/>\nBilder: Kevin O\u2018Neill<br \/>\n244 Seiten in Farbe, Softcover<br \/>\nPanini Comics<br \/>\n29,99 Euro (Softcover)<br \/>\n39 Euro (Hardcover)<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-95798-116-5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D2160\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=2160\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Die Liga der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gentlemen, Band 3 (Panini) &raquo; Comicleser #Alan Moore #Centur [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>London, 1910. 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