{"id":1940,"date":"2014-10-02T20:16:56","date_gmt":"2014-10-02T18:16:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1940"},"modified":"2014-10-03T10:21:10","modified_gmt":"2014-10-03T08:21:10","slug":"tale-of-sand-dani-books","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1940","title":{"rendered":"Tale of Sand (dani books)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1941\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Tale-of-Sand.jpg\" alt=\"Tale of Sand (dani books)\" width=\"285\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Tale-of-Sand.jpg 285w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Tale-of-Sand-213x300.jpg 213w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/p>\n<p>Fragezeichen. Viele Fragezeichen schon beim ersten Blick auf das Cover. Ein Comic von Jim Henson? Nach einem \u2013 noch dazu vergessenen \u2013 Drehbuch? Jetzt erst? Jim Henson. Klar \u2013 Erfinder und Macher der Muppets und der Sesamstra\u00dfe. Puppenspieler, Yoda-Sch\u00f6pfer. Fr\u00fch gestorben, 1990, mit nur 53 Jahren. Das ist beinahe Allgemeinwissen. Dass er Filmregisseur war, wissen wir auch \u2013 Labyrinth, Der Dunkle Kristall. Weniger dagegen ist bekannt, dass Henson schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts experimentelle Filme machte. Damals entstanden skurrile Werke wie Time Piece (der 1965 f\u00fcr einen Kurzfilm-Oscar nominiert war und der auf youtube ratlos zu bestaunen ist) oder The Cube (1969, auch bei youtube). In diesem Kontext \u2013 weit entfernt von Kermit, Kr\u00fcmelmonster &amp; Co. \u2013 muss man Tale of Sand sehen. Denn Tale of Sand sollte ein weiterer surrealer Film werden. Ein abendf\u00fcllender noch dazu. Von dem Drehbuch entstanden zwischen 1967 und 1974 drei Versionen, die allesamt von den Filmstudios abgelehnt wurden. So wanderte das Projekt ins Archiv, zumal Henson und Jerry Juhl, sein kongenialer Mitarbeiter, gro\u00dfen Erfolg mit ihren Puppensendungen hatten. F\u00fcr experimentelle Filme war da kein Platz mehr.<\/p>\n<p>Die Comic-Story beginnt mit einem flie\u00dfenden \u00dcbergang von den Seiten des Original-Drehbuchs zu den ersten Panels und schlie\u00dflich zum Beginn der bildlichen Handlung. Schon mal ein gelungener Start. Wir treffen Mac, unseren Helden \u2013 \u00fcber den wir nichts, aber auch gar nichts erfahren \u2013 wie er in einer typischen Westernstadt in eine gro\u00dfe Feier ger\u00e4t. Bald wird er mit gro\u00dfem Tamtam auf H\u00e4nden getragen, gefeiert und zum Sheriff gebracht. Was er nicht wei\u00df: er ist Kandidat und Hauptperson in einem perfiden Spiel. Der Sheriff zeigt ihm eine Landkarte mit seinem Ziel. Sein Ziel als Gejagter. Er bekommt seltsame Gegenst\u00e4nde in die Hand gedr\u00fcckt, 10 Minuten Vorsprung, und dann geht\u2019s los. Sein Gegenspieler, sprich, sein Verfolger ist ein hagerer Dandy mit Augenklappe. Und der hat es wohl tats\u00e4chlich auf Mac abgesehen. Eine wilde Jagd durch eine Westernlandschaft, vielleicht dem Monument Valley, beginnt. Darin stolpert unser Held von einer Kalamit\u00e4t in die n\u00e4chste, wobei jegliche Logik au\u00dfer Kraft gesetzt wird. Die skurrilen Episoden bestehen u.a. aus seltsamen Begegnungen mit diversen Personen (sch\u00f6ne Hommage: ein Regisseur tr\u00e4gt die Z\u00fcge Jim Hensons) aus verschiedenen Zeiten und Kulturen, die im Monument Valley normalerweise nichts verloren haben. Im Laufe der Handlung wird Mac nicht nur von seinem Gegenspieler gejagt, es gesellen sich auch Araber und Footballspieler dazu. Worte werden ganz wenige verschwendet. Seitenlang wird nur die kuriose, wilde Hatz geschildert. Auch garniert mit zahlreichen Slapstick-Elementen. Am meisten plappert noch der alte Melrose Merly, den Mac in einer weiteren Westernstadt trifft und der ihn st\u00e4ndig verr\u00e4t. So bleiben bis zum Schluss die Landschaft und der Westernhintergrund die einzige Konstante in der Geschichte. Ach ja, der Schluss. Das Ende ist durchaus \u00fcberraschend und l\u00e4sst Raum f\u00fcr Interpretationen, deshalb lassen wir es besser mal au\u00dfen vor. Da muss der Leser selbst ran.<\/p>\n<p>Die Seitenaufteilung ist unkonventionell. Oft gibt es keine klare Panelstruktur, sondern gro\u00dfe gemalte Bilder der Schaupl\u00e4tze, ohne Tusche (Aquarell?). Darin kleinere Panels, in denen in fast filmischer Abfolge die Handlung gezeigt wird. Die Zeichnungen selbst sind aufw\u00e4ndig und stilsicher. Man merkt, dass P\u00e9rez sich mit ganzem Herzen der Adaption gewidmet hat. Was sicher kein leichtes Unterfangen war. Auch die Farbgebung ist anders als man es von einem Western-Setting erwartet. Und sehr abwechslungsreich: manchmal fast monochrom, als Variationen eines Farbtons. Dann wieder grell oder sich am psychedelischen Stil Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger Jahre orientierend (Stichwort \u201aTextmarkerfarben\u2019), also die Zeit, in das Drehbuch auch entstand. Der Band, der von aufschlussreichen Sekund\u00e4rartikeln eingerahmt wird (samt Skizzen und Entw\u00fcrfen von Zeichner P\u00e9rez \u2013 der wird \u00fcbrigens Gast am Stand von Panini auf der Comic-Action in Essen sein, ab 16. Oktober), wurde 2012 mit drei Eisner und zwei Harvey Awards (u.a. bestes Graphic Novel, bester Zeichner) ausgezeichnet. Ein sch\u00f6ner, edel gestalteter Band. Ein Kuriosum aus einer anderen Zeit, das via Comic in die Gegenwart transportiert wurde. Und das durchaus beeindruckend und erfolgreich, vor allem in der Kategorie \u201aMal Was Anderes\u2019. (bw)<\/p>\n<p>Tale of Sand<br \/>\nStory\/Originaldrehbuch: Jim Henson, Jerry Juhl<br \/>\nZeichnungen\/Adaption: Ram\u00f3n K. P\u00e9rez<br \/>\n160 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\ndani books<br \/>\n24 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-944077-41-3<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D1940\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1940\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Tale of Sand (dani books) &raquo; Comicleser #Dani Books #Graphic Novel #Jerry Juhl #Jim Henson #R [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fragezeichen. Viele Fragezeichen schon beim ersten Blick auf das Cover. Ein Comic von Jim Henson? Nach einem \u2013 noch dazu vergessenen \u2013 Drehbuch? Jetzt erst? Jim Henson. Klar \u2013 Erfinder und Macher der Muppets und der Sesamstra\u00dfe. Puppenspieler, Yoda-Sch\u00f6pfer. Fr\u00fch gestorben, 1990, mit nur 53 Jahren. 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