{"id":1578,"date":"2014-06-01T19:09:06","date_gmt":"2014-06-01T17:09:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1578"},"modified":"2014-06-15T13:35:09","modified_gmt":"2014-06-15T11:35:09","slug":"das-versteckte-kind-panini","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1578","title":{"rendered":"Das versteckte Kind (Panini)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1579\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Das-versteckte-Kind.jpg\" alt=\"Das versteckte Kind\" width=\"303\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Das-versteckte-Kind.jpg 303w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Das-versteckte-Kind-227x300.jpg 227w\" sizes=\"auto, (max-width: 303px) 100vw, 303px\" \/><\/p>\n<p>Paris 1942: die kleine Dounia verlebt mit ihren Eltern eine unbeschwerte Kindheit. Bis eines Tages ihr Vater nach Hause kommt und ihr erz\u00e4hlt, dass sie wie die ganze Familie von nun an einen tollen Sheriff-Stern tragen solle. Erst langsam versteht Dounia, dass ihr Vater sich diese Geschichte nur zu ihrem Schutz einfallen l\u00e4sst: in der Schule wird sie pl\u00f6tzlich ausgegrenzt, die Familie ihres besten Freundes Isaak reist \u00fcberst\u00fcrzt in die USA aus, Spielkameradinnen wenden sich von ihr ab, und auf der Stra\u00dfe h\u00e4ufen sich Feindseligkeiten gegen alle, die das gelbe Zeichen auf der Brust tragen. Eines Nachts dringt die Polizei in die Wohnung ein &#8211; ihre Eltern schaffen es gerade noch, Dounia im Schrank zu verstecken, bevor sie verschleppt werden.<\/p>\n<p>Die Nachbarin Madame P\u00e9ricard nimmt die kleine Dounia bei sich auf und besch\u00fctzt das Kind vor den Verfolgern, die gnadenlos Juden zusammentreiben und in Lager deportieren. Dabei machen sie auch vor den P\u00e9ricards nicht Halt, die den H\u00e4schern um Haaresbreite entkommen, dabei aber getrennt werden. Auf dem Bauernhof der alten Germaine verbringen die als Mutter und Tochter getarnten Fl\u00fcchtlinge viele Monate, bis endlich Madame Pericards Mann zur\u00fcckkehrt, der sich mittlerweile dem Widerstand angeschlossen hat. Wieder zur\u00fcck in Paris, suchen die Pericards unerm\u00fcdlich nach Dounias Eltern und werden schlie\u00dflich f\u00fcndig: zumindest ihre Mutter hat das KZ \u00fcberlebt, wobei Dounia die von den Entbehrungen gezeichnete Frau kaum als ihre Mutter erkennt. Auf ihren Vater wartet sie allerdings vergeblich. Diese ber\u00fchrende Geschichte erz\u00e4hlt die Gro\u00dfmutter Dounia ihrer Enkelin Elsa, als diese fragt, warum Oma manchmal traurig ist &#8211; womit sich der Kreis in die Gegenwart schlie\u00dft.<\/p>\n<p>In dieser wahrhaft beklemmenden Geschichte verbirgt sich ein dunkles St\u00fcck Wahrheit: nachdem das Vichy-Regime 1940 schon die Ausgrenzung der Juden aus dem \u00f6ffentlichen Leben angeordnet hatte, kam es 1942 nach weiteren \u00dcbergriffen zu einer breiten Solidarit\u00e4tswelle: Nachbarn, Verwandte und Freunde sch\u00fctzten vor allem die Kinder vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten und schafften es tats\u00e4chlich, weit \u00fcber 80% aller bedrohten Kinder zu retten. Die Frage, ob man eine solch ernsthafte Thematik wie den Holocaust in die Kunstform des Comics verpacken darf, hat schon Art Spiegelmann mit Maus eindrucksvoll bejaht. Loic Dauvillier w\u00e4hlt f\u00fcr seine Geschichte den Blickwinkel des Kindes selbst und macht damit fernab der gro\u00dfen historischen Zusammenh\u00e4nge das Gef\u00fchl der Verlorenheit, der Angst und des schmerzlichen Vermissens der Eltern viel deutlicher, als eine trockene Beschreibung der Vorf\u00e4lle dies jemals leisten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Aufmachung des Bandes als Kinderbuch, komplett mit &#8222;Dieses Buch geh\u00f6rt\u2026&#8220;-Bild im Einband, verbindet sich kongenial mit den stilisierten Zeichnungen, die inhaltlich motiviert zwischen gleichm\u00e4\u00dfigen Panels und ganzseitigen Inszenierungen variiert, und dem pointiert-einf\u00fchlsamen Text, der nahezu vollst\u00e4ndig aus den Gedanken der kleinen Dounia besteht. Diese bringt es erst im hohen Alter \u00fcber sich, ihre Lebensgeschichte zu erz\u00e4hlen, weil sie in ihrer Enkelin Elsa sich selbst erkennt. Das Vergessen, Verdr\u00e4ngen w\u00e4re der gr\u00f6\u00dfte Fehler &#8211; auch wenn oder gerade weil Dounia den Verlust des Vaters nie verwunden hat: &#8222;Ich warte noch immer auf seine R\u00fcckkehr&#8220;, wie sie sagt. Ein bewegender, anr\u00fchrender Band, der den Leser noch lange nach dem letzten Bild besch\u00e4ftigt und der f\u00fcr den <a title=\"Kililana Song - nominiert f\u00fcr den Max und Moritz Preis\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1477\" target=\"_blank\">Max und Moritz Preis<\/a> des Erlanger Comic-Salons nominiert ist. (hb)<\/p>\n<p>Das versteckte Kind<br \/>\nText: Lo\u00efc Dauvillier<br \/>\nBilder: Marc Lizano, Greg Salsedo<br \/>\n84 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nPanini Comics<br \/>\n16,99 Euro<\/p>\n<p>ISBN 978-3-86201-774-4<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D1578\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1578\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Das versteckte Kind (Panini) &raquo; Comicleser #Comic-Salon #Das versteckte Kind #Graphic Novel # [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paris 1942: die kleine Dounia verlebt mit ihren Eltern eine unbeschwerte Kindheit. Bis eines Tages ihr Vater nach Hause kommt und ihr erz\u00e4hlt, dass sie wie die ganze Familie von nun an einen tollen Sheriff-Stern tragen solle. 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