{"id":14489,"date":"2026-02-24T12:55:58","date_gmt":"2026-02-24T10:55:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14489"},"modified":"2026-03-06T14:44:44","modified_gmt":"2026-03-06T12:44:44","slug":"oscar-wilde-knesebeck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=14489","title":{"rendered":"Oscar Wilde (Knesebeck)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"286\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Oscar-Wilde_WEB.jpg\" alt=\"Oscar Wilde \u2013 Die Comic-Biografie (Knesebeck Verlag)\" class=\"wp-image-14490\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Oscar-Wilde_WEB.jpg 286w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Oscar-Wilde_WEB-215x300.jpg 215w\" sizes=\"auto, (max-width: 286px) 100vw, 286px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Vereinigte Staaten, 1882: auf einer umjubelten Vortragsreise berichtet der Redner Oscar Wilde seinen Gastgebern seine Herkunft. Von Kindesbeinen an ist er gepr\u00e4gt von einem Umfeld voller Kunst und Literatur, seine Mutter <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=7376\" data-type=\"post\" data-id=\"7376\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Jane<\/a> schreibt unter der Namen Speranza Gedichte und h\u00e4lt regelm\u00e4\u00dfig literarische Zirkel ab. Sein Literaturstudium an der Elite-Universit\u00e4t Oxford (von der man in der unweit gelegenen \u00e4hnlichen Einrichtung Cambridge stets leicht ver\u00e4chtlich nur als \u201ethe other place\u201c spricht) absolviert er mit Bestnote, auch wenn er sich durch sein extravagantes, buntes Auftreten und die messerscharf-pointierten, gerne provokanten Bonmots nicht nur Freunde macht. 1881 lernt er Constance Mary Lloyd kennen, verliebt sich Hals \u00fcber Kopf und heiratet die Dame flugs. Aus der Ehe entspringen die Kinder Cyril und Vyvyan, f\u00fcr die Wilde M\u00e4rchen erfindet, die auch seine ersten literarischen Erfolge werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Romanerstling <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13248\" data-type=\"post\" data-id=\"13248\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eThe Picture of Dorian Gray\u201c<\/a> ger\u00e4t 1890 bei den Kritikern unter die R\u00e4der, allzu dekadent erscheint dieses Abbild des fin de si\u00e8cle in seiner <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=10701\" data-type=\"post\" data-id=\"10701\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Morbidit\u00e4t<\/a>, dem Credo einer \u00fcber jeder Moral stehenden Sch\u00f6nheit und nicht zuletzt der kaum kaschierten homoerotischen Konnotationen. Die pflegt Wilde auch privat, Robert Ross tritt als erster Geliebter in sein Leben und bleibt ihm bis zum Lebensende verbunden. Wilde gef\u00e4llt sich als Bohemi\u00e8n, der sich selbst wie ein Kunstwerk inszeniert, farbige Str\u00fcmpfe inklusive. Er wendet sich dem Theater zu und zieht einige seiner fr\u00fchesten Entw\u00fcrfe hervor. Nach anf\u00e4nglichen R\u00fcckschl\u00e4gen (so skandal\u00f6s wirkt \u201eSalom\u00e9\u201c, dass das St\u00fcck von 1890 in nur au\u00dferhalb von England aufgef\u00fchrt werden kann) wird er mit seinen eleganten, satirischen Gesellschaftskom\u00f6dien \u201eLady Windermere\u2019s Fan\u201c, \u201eA Woman of No Importance\u201c, \u201eAn Ideal Husband\u201c und vor allem seinem Geniestreich, dem schwebenden, ballettartigen Verwirrspiel \u201eThe Importance Of Being Earnest\u201c in den fr\u00fchen 90er Jahren des 19. Jahrhunderts zum gefeierten Star.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitgleich holt Wilde die Bigotterie seines Zeitalters ein: sein Verh\u00e4ltnis zum j\u00fcngeren Sir Alfred Douglas, genannt Bosie, erz\u00fcrnt dessen Vater, den Marquis of Queensberry, derartig, dass er Wilde in dessen Club aufsucht, ihn jedoch nicht antrifft und eine Visitenkarte mit dem Vorwurf hinterl\u00e4sst, Wilde sei ein \u201eSodomit\u201c. Das will der \u00c4sthet nicht auf sich sitzen lassen und verklagt Queensberry im April 1895 wegen Rufsch\u00e4digung, was geh\u00f6rig schiefgeht: der Prozess kippt rasch in eine Abrechnung mit Wilde, gegen den zahlreiche angebliche und vermutlich auch gekaufte \u201eZeugen\u201c aussagen. Wilde wird zu zwei Jahren Haft und <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=2779\" data-type=\"post\" data-id=\"2779\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zwangsarbeit<\/a> verurteilt, was nicht nur seine Karriere j\u00e4h beendet, sondern auch seine Familie und letztendlich auch sein Leben zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Stilikone, Inkarnation des Dandy, kluger Gelehrter, scharfz\u00fcngiger Kritiker, gewiefter Essayist, brillanter Redner, Lyriker, Romancier, meisterhafter Dramatiker und vor allem Herr des Bonmots: auf Oscar Fingal O\u2019Flaherty Wills Wilde (noch genauer brauchen wir\u2018s nicht) trifft all das zu. Kaum jemand verk\u00f6rpert derartig den Geist des \u201el\u2019art pour l\u2019art\u201c, der Bewegung, die im Gefolge von Walter Pater und John Ruskin in der Kunst das Ideal der Sch\u00f6nheit suchte, was als Gegenpol zu den didaktisch-erzieherischen Ans\u00e4tzen des irischen Zeitgenossen George Bernard Shaw stand, der mit grimmem Rauschebart proklamierte \u201eThe theatre is my pulpit!\u201c und mit seinem Diskussionsdramen wie \u201eArms and the Man\u201c oder \u201eMrs. Warren\u2019s Profession\u201c versuchte, das Publikum moralisch und politisch (nat\u00fcrlich standesgem\u00e4\u00df sozialistisch) zu erziehen (dass Shaw den erfolgreichen Wilde stets als k\u00fcnstlerisch unf\u00e4hig abtat, kann kaum \u00fcberraschen).<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"354\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Oscar-Wilde-Seite_WEB.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-14492\" style=\"width:461px;height:auto\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Oscar-Wilde-Seite_WEB.jpg 500w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Oscar-Wilde-Seite_WEB-300x212.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Wilde verschrieb sich ganz im Gegenteil der \u00c4sthetik und der Dekadenz, die nach dem Motto \u201eAll art is quite useless\u201c (zu finden im Vorwort zu \u201eDorian Grey\u201c) das Primat der Sch\u00f6nheit proklamierte und wie die Wiener fin de si\u00e8cle-Kreise um Hugo von Hofmannsthal den Genuss \u00fcber alles stellte: \u201eGive in to temptation. You never know when it will come again\u201c, so fasste Wilde es in einem seiner ber\u00fchmtesten Bonmots. Seinen \u00fcberragenden sozialen Status provozierte das sp\u00e4tviktorianische Zeitalter in einer Art, die einige Jahre sp\u00e4ter jenseits des Atlantiks nur noch einem <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=14395\" data-type=\"post\" data-id=\"14395\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">F. Scott Fitzgerald<\/a> gelang, der als ikonischer Dandy die Roaring Twenties beherrschte, um dann ebenso j\u00e4h zu st\u00fcrzen wie Wilde vor ihm.<\/p>\n\n\n\n<p>In seiner biographischen Darstellung ruft Tommaso Vitiello schlaglichthaft Episoden aus Wildes Leben ebenso auf wie den Erfolg seiner Werke, die einzelnen Kapitel ergeben eine lose chronologische Reihenfolge (\u201eDer \u00c4sthet\u201c, \u201eDer Dramaturg\u201c, \u201eDer Liebhaber\u201c), die das Spannungsfeld zwischen k\u00fcnstlerischem Erfolg und sozialer Anfeindung meisterhaft entfaltet; \u201eIhr sorgt Euch zu sehr um Kritiker, statt zu sehen, was jene um Euch herum denken\u201c, so mahnt ihn sein Gef\u00e4hrte Robert Ross, \u201eEin Mann wie Ihr ist nicht nur, was er schreibt. F\u00fcr dieses sensationsgierige Publikum seid Ihr ein K\u00fcnstler, weil Euer Leben selbst Kunst geworden ist.\u201c So wird die soziale \u00c4chtung der Homosexualit\u00e4t denn auch zu Wildes Niedergang: die beiden Jahre im Reading Gaol, die Vitiello nicht ausspart, zerr\u00fctten ihn mit Einzelhaft, Misshandlung und fast allt\u00e4glichen Hinrichtungen geistig und k\u00f6rperlich, was er in der \u201eBallad of Reading Gaol\u201c 1898 kurz vor seinem Tod eindringlich schilderte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies spiegelt sich bisweilen auch in der optischen Gestaltung durch Licia Cascione, die sich \u00fcberwiegend eng am cartoonhaften Stil entlanghangelt: die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit der Darstellung einer Blume, die immer mehr aufbl\u00fcht, nur um dann im letzten Abschnitt im Hof des Zuchthauses buchst\u00e4blich zertreten wird. Auch Angstzust\u00e4nde Wildes erleben wir symbolisch \u00fcberh\u00f6ht, und die ber\u00fchmten jugendstilhaften, expliziten Illustrationen der verbotenen \u201eSalom\u00e9\u201c aus der Hand von Aubrey Beardsley erstrahlen in authentischem Glanz. Somit ein wunderbarer Streifzug durch Leben und Werk eines Genies, das den Konventionen seiner Zeit trotzte und ihnen letztlich zum Opfer fiel. Bei Knesebeck erscheint der Band im Hardcover auf 128 Seiten und l\u00e4dt dazu ein, wieder einmal am\u00fcsiert zu verfolgen, wie Bunbury feststellt, dass Ernst sein eben alles ist. (bw)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.knesebeck-verlag.de\/oscar_wilde_die_comic_biografie\/t-1\/1441\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.knesebeck-verlag.de\/oscar_wilde_die_comic_biografie\/t-1\/1441\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Oscar Wilde \u2013 Die Comic-Biografie<\/a><br>Text &amp; Story: Tommaso Vitiello<br>Bilder: Licia Cascione<br>128 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Knesebeck Verlag<br>25 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-98962-020-9<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D14489\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=14489\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Oscar Wilde (Knesebeck) &raquo; Comicleser #Biografie #Einzelband #Graphic Novel #Knesebeck #Knese [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vereinigte Staaten, 1882: auf einer umjubelten Vortragsreise berichtet der Redner Oscar Wilde seinen Gastgebern seine Herkunft. 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