{"id":13358,"date":"2025-02-12T13:12:17","date_gmt":"2025-02-12T11:12:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=13358"},"modified":"2025-02-12T13:15:54","modified_gmt":"2025-02-12T11:15:54","slug":"der-der-gloeckner-von-notre-dame-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=13358","title":{"rendered":"Der Gl\u00f6ckner von Notre-Dame (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"288\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Gloeckner-von-Notre-Dame_WEB.jpg\" alt=\"Der Gl\u00f6ckner von Notre-Dame (Splitter Verlag)\" class=\"wp-image-13359\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Gloeckner-von-Notre-Dame_WEB.jpg 288w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Gloeckner-von-Notre-Dame_WEB-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Paris im Jahre des Herren 1482: am Dreik\u00f6nigstag steigt das traditionelle Narrenfest, an dem die johlende Menge den vom Schicksal gebeutelten, missgestalteten Quasimodo, der \u2013 als Findelkind einst vom Archidiakon Frollo aufgenommen &#8211; in der Kathedrale Notre Dame die Glocken zum Klingen bringt, zum Narrenpapst kr\u00f6nt. Dazu tanzt die bet\u00f6rend sch\u00f6ne \u00c4gypterin Esmeralda, was nicht zuletzt den Archidiakon auf eine Art fasziniert, die seiner frommen Berufung durchaus widerspricht. In einer finsteren Gasse lauert des Abends eine d\u00fcstere Gestalt nebst dem <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=2292\" data-type=\"post\" data-id=\"2292\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">buckligen Gl\u00f6ckner<\/a> der Holden auf, die von einem beherzt eingreifenden Offizier gerettet wird. Quasimodo wird verhaftet, w\u00e4hrend sein Auftraggeber das Weite suchen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erfolglose Dichter Gringoire irrt einstweilen durch die Stra\u00dfen von Paris und landet ungeplant in der Stadt der Diebe, wo er auf dem ironisch betitelten Hof der Wunder aufgekn\u00fcpft werden soll \u2013 aber Esmeralda zieht ihm den Hals buchst\u00e4blich aus der Schlinge und nimmt ihn bei sich zu Hause auf. Jede Hoffnung von Gringoire auf ein Stelldichein erweist sich aber als fehlgeleitet: Esmeralda schw\u00e4rmt nur f\u00fcr ihren Retter, den Offizier der Bogensch\u00fctzen namens Phoebus de Chateaupers, den sie als echten Mann unbedingt wiedersehen will. Als der ungl\u00fcckliche Quasimodo \u00f6ffentlich am Pranger zur Schau gestellt wird, zeigt Esmeralda wieder ihr gro\u00dfes Herz: w\u00e4hrend Ziehvater Frollo sich peinlich ber\u00fchrt davonschleicht, gibt die T\u00e4nzerin als einzige der geschundenen Kreatur ein wenig Wasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Fest im Hause Chateaupers kommt es tats\u00e4chlich zu einem Aufeinandertreffen von Phoebus und Esmeralda, was <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=8479\" data-type=\"post\" data-id=\"8479\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">der Weiberheld<\/a> flugs zur Verabredung eines Rendezvous nutzt. Just am Abend des geplanten Treffens ist Phoebus allerdings klamm, was sich Frollo kurzerhand zu Nutze macht: der l\u00fcsterne Archidiakon erkl\u00e4rt sich bereit, das Stelldichein zu finanzieren \u2013 mit der Gegenleistung, heimlich zugegen sein zu k\u00f6nnen. Als Phoebus in einer dunklen Absteige zur Tat schreiten will, geht die Eifersucht mit Frollo durch: im Affekt sticht er auf den Offizier ein und flieht vom Tatort. Esmeralda ger\u00e4t in Haft und wird in einem Schauprozess der Hexerei bezichtigt, die sie im Delirium der Folter einr\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Todeszelle besucht sie Frollo, der sich vom Teufel besessen w\u00e4hnt und ihr anbietet, sie zu retten, wenn sie sich ihm hingibt. Das weist die H\u00fcbsche weit von sich, weshalb Esmeralda am n\u00e4chsten Tag auf dem Galgenpodest steht und entsetzt feststellen muss, dass Phoebus alles andere als tot ist, sondern sich bestens erholt mit einer neuen Gespielin das Schauspiel nicht entgehen lassen will. Das letzte St\u00fcndlich scheint geschlagen, da st\u00fcrzt auf einmal Quasimodo herbei, packt Esmeralda und schleppt sie in die Kathedrale \u2013 denn in der Kirche gilt das nicht zu brechende Asyl\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>In einer wunderbaren Szene der Film Noir-Hommage \u201eDead Men Don\u2019t Wear Plaid\u201c spricht ein schwitzender Charles Laughton (nat\u00fcrlich per zusammengeschnippelten Filmsequenzen) mit Steve Martin, der auf die Frage \u201eAnd who could I be?\u201c lapidar antwort: \u201eI don\u2019t know \u2013 the hunchback of Notre Dame?\u201c Diesen hatte Laughton n\u00e4mlich in der gefeierten Filmversion, die Wilhelm Dieterle 1939 inszenierte, mit durchaus erschreckendem Make Up legend\u00e4r zum Leben erweckt (und damit der Erbe des \u201eMannes der 1000 Gesichter\u201c Lon Chaney mehr als w\u00fcrdig fortf\u00fchrte, der den Gl\u00f6ckner 1925 gegeben hatte), bevor dann Anthony Quinn 1956 als buckliger Gl\u00f6ckner um die Gunst von Gina Lollobrigida als Esmeralda warb (deren schier endlose Beine diverse Whisky-Experten noch heute zur Verz\u00fcckung bringen).<\/p>\n\n\n\n<p>So im popul\u00e4ren Bewusstsein verankert, liegt der Fokus der Filme damit auf einer Handlungsebene, die im Roman von Victor Hugo nur einen der zahlreichen Erz\u00e4hlstr\u00e4nge darstellt. Treffender einfach \u201eNotre Dame de Paris. 1482\u201c betitelt, bietet im Roman von 1831 n\u00e4mlich eher die monumentale Kathedrale das Zentralmotiv der Handlung, die den Figuren Frollo, Gringoire und Phoebus mindestens ebenso viel Platz einr\u00e4umt wie dem Gl\u00f6ckner selbst, bevor sich am Ende alle Erz\u00e4hlebenen kreuzen. Das bunte Sittengem\u00e4lde des mittelalterlichen Paris bietet dabei eine wilde Fahrt durch korrupte Edelm\u00e4nner, l\u00fcsterne Kirchenleute und Diebe, die allesamt in die Vorg\u00e4nge um die h\u00fcbsche Esmeralda verwickelt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sind die Charaktere durchaus differenziert gezeichnet: Frollo etwa ist nicht nur der abseitige Priester, sondern durchaus auch barmherzig und gutm\u00fctig (er versucht den Findling Quasimodo so gut zu erziehen wie m\u00f6glich, und seinem Taugenichts-Bruder Jean hilft er immer wieder einmal aus). Die als \u201e\u00c4gypterin\u201c betitelte Esmeralda geh\u00f6rt unschwer zu erkennen zu den mit Verd\u00e4chtigungen und Verfolgungen behelligten Sinti und Roma, die \u2013 in einem eher abenteuerlichen Plot Twist \u2013 am Ende doch noch ihre verloren geglaubte Mutter findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seiner sehr werktreuen Umsetzung setzt Georges Bess nahtlos die Reihe seiner monumentalen Adaptionen von Klassikern der Weltliteratur wie <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9358\" data-type=\"post\" data-id=\"9358\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eDracula\u201c<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=10873\" data-type=\"post\" data-id=\"10873\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eFrankenstein\u201c<\/a> fort: gro\u00dfformatig, wuchtig, akribisch an der Vorlage, entfaltet Bess das mittelalterliche Panorama, in der epische Szenerien wie Ansichten der Kathedrale, das emsige Treiben auf dem Platz der Wunder und die Menschenmassen in den Stra\u00dfen in wunderbarem dynamischem Schwarz-Wei\u00df-Tuschestil zum Leben erwachen. Teilweise humoristisch, teilweise auch durchaus optisch beklemmend (vor allem in den Szenen im Folterkeller, als man Esmeralda zu ihrer Hexerei \u201everh\u00f6rt\u201c), brilliert die Inszenierung aber dann doch rund um Quasimodo, der als lebendiger Teil der Kathedrale auf den <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=4881\" data-type=\"post\" data-id=\"4881\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">h\u00f6chsten T\u00fcrmen<\/a> umherspringt und \u2013 in ganzseitigen, flie\u00dfenden Darstellungen \u2013 gewisserma\u00dfen eins wird mit den Glocken, die ihn schon l\u00e4ngst sein Geh\u00f6r gekostet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit ein mehr als w\u00fcrdiger, monumentaler Blick auf dieses Sittengem\u00e4lde, das wir doch gerne zum Anlass nehmen, uns den Dieterle-Klassiker nochmals zu Gem\u00fcte zu f\u00fchren. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/gloeckner-notre-dame-bess.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/gloeckner-notre-dame-bess.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Gl\u00f6ckner von Notre-Dame<\/a><br>Text: Georges Bess, nach Victor Hugo<br>Bilder: Georges Bess<br>208 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>39,80 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-98721-400-4<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D13358\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=13358\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Der Gl\u00f6ckner von Notre-Dame (Splitter) &raquo; Comicleser #Der Gl\u00f6ckner von Notre-Dame #Einzelba [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paris im Jahre des Herren 1482: am Dreik\u00f6nigstag steigt das traditionelle Narrenfest, an dem die johlende Menge den vom Schicksal gebeutelten, missgestalteten Quasimodo, der \u2013 als Findelkind einst vom Archidiakon Frollo aufgenommen &#8211; in der Kathedrale Notre Dame die Glocken zum Klingen bringt, zum Narrenpapst kr\u00f6nt. 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