{"id":12117,"date":"2023-12-13T13:32:32","date_gmt":"2023-12-13T11:32:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=12117"},"modified":"2023-12-13T13:40:22","modified_gmt":"2023-12-13T11:40:22","slug":"schon-gehoert-was-ed-gein-getan-hat-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=12117","title":{"rendered":"Schon geh\u00f6rt, was Ed Gein getan hat? (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"285\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Schon-gehoert-was-Ed-Gein-getan-hat_WEB.jpg\" alt=\"Schon geh\u00f6rt, was Ed Gein getan hat? (Splitter Verlag)\" class=\"wp-image-12118\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Schon-gehoert-was-Ed-Gein-getan-hat_WEB.jpg 285w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/Schon-gehoert-was-Ed-Gein-getan-hat_WEB-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eMutter! Was hat Du getan?\u201c Mit wohligem Schauer erinnern wir uns daran, als wir im Dritten Programm des Bayrischen Rundfunks, lange vor Privatfernsehen und \u00c4onen vor der modernen Str\u00f6mungsvielfalt, die M\u00e4r von Norman Bates erstmals verfolgten und seinerzeit sogar anfangs noch glaubten, dass der gute Junge seine Mutter pflegt, die allerlei Unsinn ausheckt. Dass der durchaus verwirrte Motelbetreiber die Leiche seiner Mutter im Keller aufbewahrt, sich selbst Sch\u00fcrze und Per\u00fccke \u00fcberstreift und seine weiblichen G\u00e4ste meuchelt, das ist mittlerweile im kollektiven Filmbewusstsein mehr als angekommen. Dass diese w\u00fcste Geschichte aber keinesfalls dem perfiden Geist <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=10682\" data-type=\"post\" data-id=\"10682\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Alfred Hitchcocks<\/a> oder der sensationsversierten Feder von Robert Bloch entsprang, der die Romanvorlage lieferte, sondern auf wahren Begebenheiten beruht, die die literarische und filmische Version an Abartigkeit noch weit \u00fcbersteigen, das geriet \u00fcber die Jahre ein wenig in Vergessenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>In eben genau diese Hintergr\u00fcnde kann man nun mit der Graphic Novel eintauchen, die der Serienm\u00f6rder-Spezialist Harold Schechter auf der Basis von historischen Dokumenten, Verh\u00f6rprotokollen und Zeitungsberichten ausbreitet. Schechter skizziert dabei die Lebensgeschichte von Ed Gein, der sich als \u201ePlainfield Ghoul\u201c Ende der 50er ins amerikanische Bewusstsein brannte, als die Ermittlungen zum Mord an Bernice Worden die Polizei zum wunderlichen Ed und seiner abgelegenen Farm f\u00fchren, wo man abgeschnittene Nasen, Sch\u00fcsseln aus Sch\u00e4delknochen, Masken aus menschlichen Gesichtern und vor allem den Leichnam findet, der wie ein Tier ausgeweidet aufgeh\u00e4ngt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>In R\u00fcckblenden zeichnet Schechter die Entwicklung Geins nach, der aus einer zerr\u00fctteten Familie stammte, in der der alkoholkranke Vater die beiden S\u00f6hne schl\u00e4gt, w\u00e4hrend die tyrannische Mutter Augusta Gein immer weiter einem religi\u00f6sen Wahn verf\u00e4llt, der jede menschliche Regung als S\u00fcndenpfuhl verteufelt. Nach dem Tod des Vaters 1940 steigert sich die Psychose der Mutter immer mehr, bis Eds Bruder Henry die heruntergekommene Farm, die man in der N\u00e4he von Plainsfield bewohnt, verlassen will. Dazu kommt es allerdings nicht: Henry stirbt unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden, bald munkelt man, Ed k\u00f6nnte etwas damit zu tun haben. Vollkommen aus der Bahn wirft Ed dann allerdings der Tod der Mutter im Jahr 1945, nach dem er sich v\u00f6llig in seinen eigenen wachsenden Wahn zur\u00fcckzieht.<\/p>\n\n\n\n<p>1957 konfrontiert ihn die Polizei, die im Mordfall Bernice Worden ermittelt, und schnell steht Ed als Haupttatverd\u00e4chtiger fest. Bei der Durchsuchung der Farm, die auch die Nerven der hartgesottenen Gerichtsmediziner aufs \u00c4u\u00dferste belastet, finden die entsetzten Polizisten unter den Gesichtsmasken auch den Kopf von Mary Hogan, die 1954 unter ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden verschwand. Ed wird verhaftet, w\u00e4hrend die Ermittlungen und Durchsuchungen ein verst\u00f6rendes Bild zeichnen: offenbar versuchte der geistig zutiefst derangierte Ed, sich mit weiblichen Leichenteilen als Frau zu verkleiden und damit der toten Mutter zugleich nahe zu sein und sie zu besiegen. Die nachfolgenden psychiatrischen Untersuchungen attestieren ihm Schuldunf\u00e4higkeit aufgrund einer schizophrenen Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung, so dass Ed f\u00fcr Jahrzehnte in Sicherheitsverwahrung landet, w\u00e4hrend seine Farm abbrennt und seine grausigen Taten den Weg in die US-Kultur finden\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Vor Ed Gein, so eine der zentralen Aussagen eines Wissenschaftlers, gab es Bedrohungen nur aus dem All, aus Transsylvanien oder von der Atombombe. Mit Ed Gein zog das Grauen direkt in die Nachbarschaft, er war das erste \u201eAll American Monster\u201c, das die Inspiration f\u00fcr zahllose ikonische Horrorfiguren lieferte: angefangen von Norman Bates, der direkten Umsetzung von Gein in Roman und Film, entlehnen auch Leatherface (der Motors\u00e4genmann mit der menschlichen Maske aus dem \u201eTexas Chainsaw Massacre\u201c), Jason Verhoes und vor allem Buffalo Bill aus dem \u201eSchweigen der L\u00e4mmer\u201c (der sich einen Anzug aus weiblicher Haut anfertigt, weshalb \u201ees sich jetzt mit der Lotion einreiben\u201c soll) ihre Grundz\u00fcge vom \u201ePlainfield Ghoul\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Bemerkenswert ist dabei das Katz und Maus-Spiel, das Gein mit den Ermittlern veranstaltete: war er einfach nur naiv und gest\u00f6rt, oder wich er ganz bewusst Fragen aus und wiederholte absichtlich sein \u201eDas kann gut sein\u201c, das er in den Verh\u00f6ren immer wieder vorbrachte? Schechter l\u00e4sst diese Fragen bewusst offen, ebenso wie die Interpretation von Geins Psychose: anf\u00e4nglich als erster popul\u00e4rer Fall eines Oedipus-Komplexes kolportiert, gibt es durchaus auch andere Sichtweisen, die in Eds Tun eine bizarre eigene Religion ausmachen, in der er wie die Inkas oder die Kopfj\u00e4ger der von ihm verschlungenen Groschenromane die K\u00f6rper seiner Opfer \u00fcberstreifte, um seinem Gott, der Mutter, zu huldigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie dem auch sei, schauerlich erscheint in jedem Falle die Tatsache, dass Gein, dem erst 1968 nach Feststellung seiner Zurechnungsf\u00e4higkeit der Prozess gemacht wurde, zwar nie mehr auf freien Fu\u00df kam, aber hinter den Mauern von Sanatorien noch bis 1984 lebte, w\u00e4hrend 1983 die Psycho-M\u00e4r in einer Fortsetzung wieder aufger\u00fchrt wurde. Dieses Kaleidoskop menschlicher Abgr\u00fcnde inszeniert Eric Powell (Zeichner der schwarzen Satire \u201eThe Goon\u201c) atmosph\u00e4risch in Schwarz-Wei\u00df, mit suggestiven Szenen, in denen die Mutter \u00fcbergro\u00df erscheint, die Details nicht ausgespart werden und auf einigen Seiten Stil und einzelne Panels der seligen <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=9609\" data-type=\"post\" data-id=\"9609\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">EC-Comics<\/a> durchscheinen, denen Fredric Wertham ebenfalls in den 50ern zu Leibe r\u00fcckte. Insofern ein schockierendes Dokument \u00fcber den ersten modernen <a href=\"https:\/\/www.comicleser.de\/?p=11407\" data-type=\"post\" data-id=\"11407\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Serienm\u00f6rder<\/a>, dessen Untaten ihn schnell zum urbanen Mythos machten, wie ein Journalist erkennt: \u201eEin mythologisches Wesen. Hat wohl mit der menschlichen Vorstellungskraft zu tun. Wenn ein m\u00f6rderischer Wahnsinniger wie Gein auftaucht, kann der Verstand die Realit\u00e4t einfach nicht erfassen. Also wird er zur Legende\u201c. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p>Schon geh\u00f6rt, was Ed Gein getan hat?<br>Text &amp; Story: Harold Schechter<br>Bilder: Eric Powell<br>224 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>35 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-98721-119-5<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D12117\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=12117\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Schon geh\u00f6rt, was Ed Gein getan hat? (Splitter) &raquo; Comicleser #Ed Gein #Einzelband #Eric Pow [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMutter! 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