{"id":11967,"date":"2023-10-25T13:31:47","date_gmt":"2023-10-25T11:31:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=11967"},"modified":"2023-10-25T13:31:47","modified_gmt":"2023-10-25T11:31:47","slug":"cash-i-see-a-darkness-carlsen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=11967","title":{"rendered":"Cash \u2013 I see a Darkness (Carlsen)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"290\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Cash_WEB.jpg\" alt=\"Cash \u2013 I see a Darkness (Carlsen Verlag) von Reinhard Kleist\" class=\"wp-image-11968\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Cash_WEB.jpg 290w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Cash_WEB-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Johnny Cash ist Ende der 60er Jahre so ziemlich am Ende. Seine Country-Songs wie \u201eWalk the Line\u201c oder \u201eRing of Fire\u201c will so recht keiner mehr h\u00f6ren, seine Ehe ist schon lange im Eimer, und es hilft auch nicht, dass er seit Jahren s\u00fcchtig nach Tabletten und Alkohol ist. Da wirkt es fast schon wie eine Schnapsidee, dass er ausgerechnet im Folsom Prison ein Konzert geben will, wo die ganz schweren Jungs einsitzen. Was niemand ahnen kann: das Konzert und die dabei aufgezeichnete Live-Platte werden zum Wendepunkt in Cashs Karriere. Er ist auf dem Punkt fit, keine Spur von den Ausf\u00e4llen, die seine Konzerte gerne mal kennzeichneten, die \u00fcber 1000 Insassen f\u00fchlen sich angesprochen von seinen Stories der Verlierer und Entrechteten. Die Platte verkauft sich \u00fcber 6 Millionen mal, Cash ist Ende der 60er (wieder) ein Superstar.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=4139\" data-type=\"post\" data-id=\"4139\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Reinhard Kleist<\/a> nimmt das Konzert, wie auch die hervorragende Leinwand-Hommage mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon von 2005, als Start- und H\u00f6hepunkt seiner Graphic Novel, mit der er 2006 f\u00fcr Furore in der Comicszene sorgte. Von der \u00e4rmlichen Kindheit im USA der gro\u00dfen Depression \u00fcber den Unfalltod des Bruders Jack zeichnet Kleist die Geschichte Cashs nach, der aus den Arbeiterliedern der Baumwellfelder und den Radiohelden der Zeit seine <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9879\" data-type=\"post\" data-id=\"9879\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Begeisterung f\u00fcr Musik<\/a> mitnimmt. Beim Milit\u00e4rdienst in Deutschland (in Landsberg, genauer gesagt) gr\u00fcndet er seine erste Band und heiratet nach seiner R\u00fcckkehr die Vivian Liberto, mit der alsbald auch eine Familie gr\u00fcndet. Seine Band nennt sich schlicht die Tennessee Three, man tritt komplett in Schwarz auf, um auch optisch was herzumachen. Nach einem <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=11832\" data-type=\"post\" data-id=\"11832\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Elvis-Konzert<\/a> wird Cash in den legend\u00e4ren Sun-Studios beim Sam Philips vorstellig, man nimmt erste Singles auf und firmiert fortan unter \u201eJohnny Cash and the Tennessee Two\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Man tourt ausgiebig, zun\u00e4chst im Vorprogramm von Elvis, dann unter eigener Flagge, und bald macht Johnny Bekanntschaft mit Amphetaminen, um das gewaltige Pensum von bis zu 300 Konzerten im Jahr zu absolvieren. Mit June Carter tritt schlie\u00dflich auch Cashs gro\u00dfe Liebe in sein Leben und seine Band, worauf er sich endg\u00fcltig von seiner Frau und Familie entfremdet. Die Sucht wird immer st\u00e4rker, Konzerte fallen aus oder <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6672\" data-type=\"post\" data-id=\"6672\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">werden abgebrochen<\/a>, und schlie\u00dflich wird Johnny am Flughafen mit einem Sack voll Drogen geschnappt, den er sich aus Mexiko beschafft hatte. V\u00f6llig am Ende, l\u00e4sst sich Johnny von seinen Eltern und June zu einem Entzug \u00fcberreden, den er l\u00e4diert \u00fcbersteht und dann endlich seinen gro\u00dfen Plan realisieren will, an einem der ungew\u00f6hnlichsten Orte \u00fcberhaupt ein Konzert zu geben\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Zum 20. Todestag von Johnny Cash, der am 12. September 2003 diese Welt verlie\u00df, legt Carlsen <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1175\" data-type=\"post\" data-id=\"1175\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kleists<\/a> wegweisende Graphic Novel in runderneuerter Form neu auf. Erstmals als gro\u00dfformatiges Hardcover, versehen mit einer Sonderfarbe, die das atmosph\u00e4rische Schwarz-Wei\u00df um einen Sepia-Ton erg\u00e4nzt, kann man so die Lebensgeschichte einer Ikone wieder oder g\u00e4nzlich neu entdecken, \u00fcber die U2-S\u00e4nger Bono (sicherlich kein anspruchsloser Geselle) feststellte: \u201eGegen Johnny Cash sind wir alle Weicheier\u201c. Kleist h\u00e4lt sich nahe an die gut dokumentierte Lebensgeschichte und fokussiert dabei teilweise auch auf eher tragische Nebenfiguren \u2013 der Folsom-H\u00e4ftling Greg Sherley etwa, der es schaffte, dass Cash einen Song aus seiner Feder spielte, seine vorzeitige Entlassung bewirkte, mit ihm sogar eine Platte aufnahm, nur um v\u00f6llig abzust\u00fcrzen und im Freitod zu enden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gekonnt setzt Kleist auch einzelne Songs wie \u201eThe Ballad of Ira Hayes\u201c als kleine szenische Geschichte um, in der das tragische Schicksals eines der GIs erscheint, die die Flagge auf Iwo Jima hissten, was zu einem (gestellten) ikonischen Foto f\u00fchrte. Spa\u00dfig auch die Umsetzung des launigen St\u00fccks, in dem ein Vater seinen J\u00fcngling mit einer originellen Namensgebung zu einem harten Hund formen will \u2013 vor allem, weil diese mich wohlig an die Kaminabende im Elternhaus erinnert, als unser Familienoberhaupt stets die LP (ja, die gab es damals noch) \u201eFree Country\u201c auflegte und wir zu \u201eA Boy named Sue\u201c stets an passender Stelle lauthals mitintonierten: \u201eMy name is Sue \u2013 how do you do??\u201c Elegisch gestaltet sich dann die letzte Lebensphase, in der der rauscheb\u00e4rtige Hip Hop-Produzent Rick Rubin (der auch <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6273\" data-type=\"post\" data-id=\"6273\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Slayer<\/a> von der Garagenband zur Macht im Thrash verwandelte) Cash entdeckte, produzierte und mit den \u201eAmerican Recordings\u201c zu einem auch f\u00fcr die MTV-Generation machte, der einer Coverversion von \u201eHurt\u201c aus der Feder von Nine Inch Nails-Chef Trent Reznor nochmals f\u00fcr Furore sorgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Kleist, der den Titel f\u00fcr seine Graphic Novel aus einem Gespr\u00e4ch Cashs mit Bob Dylan zum <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8609\" data-type=\"post\" data-id=\"8609\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vietnam-Krieg<\/a> entlehnt (\u201eI see a darkness in the world\u201c), gestaltet das Geschehen zutiefst atmosph\u00e4risch, schwarz-wei\u00df und leicht stilisiert, wobei ikonische Momente wie Szenen vom H\u00e4ndesch\u00fctteln beim Folsom-Konzert, von Cashs Verhaftung am Flughafen und das ber\u00fchmte \u201eStinkefinger-Bild\u201c originalgetreu nachgebaut werden. Erg\u00e4nzt mit einer farbigen Skizzengalerie, nehmen wir diese Neuauflage doch sehr gerne als Chance, diesen Meilenstein der deutschen Graphic Novel nochmals unter die Lupe zu nehmen. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/cash-i-see-darkness\/978-3-551-76000-5\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.carlsen.de\/hardcover\/cash-i-see-darkness\/978-3-551-76000-5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Cash \u2013 I see a Darkness<\/a><br>Text &amp; Bilder: Reinhard Kleist<br>224 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Carlsen Verlag<br>26 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-551-76000-5<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D11967\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=11967\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Cash \u2013 I see a Darkness (Carlsen) &raquo; Comicleser #Biographie #Carlsen #Carlsen Comics #Cash  [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johnny Cash ist Ende der 60er Jahre so ziemlich am Ende. 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