{"id":11207,"date":"2023-03-14T12:58:31","date_gmt":"2023-03-14T10:58:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=11207"},"modified":"2023-03-14T13:01:37","modified_gmt":"2023-03-14T11:01:37","slug":"pygmalion-und-die-jungfrau-aus-elfenbein-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=11207","title":{"rendered":"Pygmalion und die Jungfrau aus Elfenbein (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"288\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Pygmalion_WEB.jpg\" alt=\"Pygmalion und die Jungfrau aus Elfenbein (Splitter Verlag)\" class=\"wp-image-11208\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Pygmalion_WEB.jpg 288w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Pygmalion_WEB-216x300.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Immer \u00c4rger mit dem Nachwuchs: der junge Pygmalion will partout <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3047\" data-type=\"post\" data-id=\"3047\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bildhauer<\/a> werden und schert sich einen Teufel um die holde Weiblichkeit, die f\u00fcr ihn bestenfalls unzul\u00e4nglich und mangelhaft ist. All das gereicht seinem Vater Antheus kaum zur Freude, der den Sohnemann lieber mit einem ordentlichen Beruf und einer schmucken Ehefrau &#8211; die mit der Nachbarstochter Agape auch gerne bereitst\u00fcnde &#8211; aufger\u00e4umt sehen w\u00fcrde. Als der Vater auf die Warnungen der Priester pfeift und am Feiertag aufs Meer hinausf\u00e4hrt, holt ihn Poseidon h\u00f6chst selbst in Form einer Seeschlange in den Hades. Dort fehlt es Antheus am n\u00f6tigen Kleingeld f\u00fcr den F\u00e4hrmann Charon, aber Aphrodite, zu der Antheus stets brav betete, hilft der armen Seele aus und verspricht obendrein, sich getreulich um Pygmalion zu k\u00fcmmern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00fcberlebt den Schiffbruch knapp und wird von Agape gesundgepflegt, deren Hoffnungen allerdings schm\u00e4hlich entt\u00e4uscht werden: umso st\u00f6rrischer will Pygmalion nun die ideale Skulptur der Aphrodite formen. Nach diversen Fehlschl\u00e4gen erscheint ihm Eros, der Bote Aphrodites, im Traum und weist ihm den richtigen Weg: Pygmalion bearbeitet einen riesigen Block Elfenbein, den ihm sein versoffener und notorisch klammer Lehrer Kopias verpf\u00e4ndet, und schafft dadurch eine wahrlich perfekte Statue, die er Galatea nennt und fortan h\u00fctet wie eine reale Person. Das will Kopias so nicht hinnehmen und schmiedet den Plan, die ideale Statue zu stehlen und f\u00fcr sein eigenes Werk auszugeben. Der n\u00e4chtliche Einbruch geht geh\u00f6rig schief, Kopias st\u00fcrzt und schl\u00e4gt sich den Sch\u00e4del ein, w\u00e4hrend Pygmalion wie ein Beserker auf ihn losgeht und sich dabei selbst schwer verletzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Agape, die den Tumult entdeckt, l\u00e4sst die Leiche von Kopias verschwinden und pflegt Pygmalion erneut. Als dieser wieder nur Augen f\u00fcr seine Statue hat, verzweifelt Agape schlie\u00dflich, geht in den Tempel der Zwietracht-G\u00f6ttin Eris und will sich dort als Propoetide, eine Tempeldirne, verdingen. Diese Selbstaufgabe kann Aphrodite so nicht mit ansehen und schl\u00e4gt Agape einen Handel vor: sie soll ein Opfer anderer Art bringen und daf\u00fcr die Chance bekommen, ihrem geliebten Pygmalion auf ganz besondere Weise nahe zu sein. W\u00e4hrend man tags darauf die Leiche Agapes im Tempel findet, haucht Aphrodite der Elfenbein-Figur Leben und Seele ein \u2013 worauf sich Pygmalion am Ziel seiner Tr\u00e4ume w\u00e4hnt. Aber das Gl\u00fcck ist nur von kurzer Dauer\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mythos des perfektionistischen Bildhauers Pygmalion, der sich in seine eigene Sch\u00f6pfung verliebt, die wirklich zum Leben erwacht, breitete als einer der ersten der gute alte Ovid in seinen Metamorphosen aus, jener Geschichtensammlung, in der sich auch Daedalus und Ikarus tummeln \u2013 und die unseren Lateinlehrer damals dazu animierte, uns durchs Klassenzimmer h\u00fcpfend mit einem beherzt vorgetragenen \u201esub aquaaaa sub aquaaa\u201c das Stilmittel der Lautmalerei nahezubringen, als sich die l\u00e4sternden lykischen Bauern in Fr\u00f6sche verwandeln. Nach diversen weiteren Bearbeitungen, unter anderem in einem fr\u00fchen Goethe-Gedicht (nicht zu verwechseln mit <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6804\" data-type=\"post\" data-id=\"6804\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Prometheus<\/a>, zu dem kommen wir gleich), schnappte sich George Bernard Shaw den Stoff und verwandelte ihn in eine scharfe Gesellschaftssatire, in der ein ambitionierter Sprachwissenschaftler einem Blumenm\u00e4dchen die gehobene Sprache beibringen und sie damit nach seinem Willen formen will \u2013 was dann als Musical \u201eMy Fair Lady\u201c und letztendlich als Vorlage f\u00fcr das Hollywood-M\u00e4rchen \u201ePretty Woman\u201c endete.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese eher kritische Sicht auf soziale Z\u00fcge stellt <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=10893\" data-type=\"post\" data-id=\"10893\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Serge Le Tendre<\/a> in seiner Adaption nicht in den Vordergrund, sondern r\u00fcckt den Fokus nach eigenen Worten eher auf die Fragen der Menschlichkeit und des Strebens nach Wahrheit und Perfektion, die er in den griechischen Mythen stets entdeckt. Dabei kommt den Frauengestalten in Person von Aphrodite, Agape und auch Pygmalions versto\u00dfener Mutter Bresia eine durchaus elementare Rolle zu, inklusive Mitgiftgeschacher und Doppelmoral der M\u00e4nnerwelt, w\u00e4hrend sich Pygmalion als bisweilen durchaus verhaltensgest\u00f6rter Psychopath geb\u00e4rdet, der das Idealbild f\u00fcr sich reklamiert. Damit r\u00fcckt er dann doch in die N\u00e4he eines Kollegen: \u201eEr h\u00e4lt sich f\u00fcr Prometheus, unseren Sch\u00f6pfer!\u201c, so ordnet Agapes Dienerin diese \u00dcberheblichkeit ein, die schon den feuerstehlenden Titanen auszeichnete. Optisch ist diese Vision von Fr\u00e9d\u00e9ric Peynet wunderbar elegisch-aquarellhaft umgesetzt, mit der Enth\u00fcllung der Statue Galatea sowie der wunderbar-melancholischen Schluss-Sequenz als Highlights. Eine wunderbare Neuinterpretation, der &#8211; wenn man <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=3983\" data-type=\"post\" data-id=\"3983\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Le Tendres<\/a> Vorwort glauben darf &#8211; noch einige weitere Geschichten aus dem reichen Fundus der griechischen Mythologie folgen d\u00fcrften. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/pygmalion.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/pygmalion.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pygmalion und die Jungfrau aus Elfenbein<\/a><br>Text &amp; Story: Serge Le Tendre<br>Bilder: Fr\u00e9d\u00e9ric Peynet<br>80 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>19,80 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-98721-063-1<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D11207\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=11207\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Pygmalion und die Jungfrau aus Elfenbein (Splitter) &raquo; Comicleser #Fr\u00e9d\u00e9ric Peynet #Graphic [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer \u00c4rger mit dem Nachwuchs: der junge Pygmalion will partout Bildhauer werden und schert sich einen Teufel um die holde Weiblichkeit, die f\u00fcr ihn bestenfalls unzul\u00e4nglich und mangelhaft ist. 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