{"id":1052,"date":"2013-08-16T09:16:17","date_gmt":"2013-08-16T07:16:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1052"},"modified":"2013-08-16T09:16:17","modified_gmt":"2013-08-16T07:16:17","slug":"univerne-band-1-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1052","title":{"rendered":"Univerne, Band 1 (Splitter)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1053\" alt=\"Univerne, Band 1: Paname\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Univerne-1.jpg\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Univerne-1.jpg 300w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Univerne-1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Sobald man im Zeitalter vor Harry Potter das lesef\u00e4hige Alter erreicht hatte, ging der \u00fcbliche Griff ins Buchregal zu Karl May. Dort vergn\u00fcgte man sich dann mit Winnetou und seinen edlen Gesellen, oder wahlweise mit den Reisen eines Herrn Omar durch Klein- und Gro\u00dfasien. Und sonntags kamen dazu die Filme mit Pierre Brice und Lex Barker. Ich tat das nicht, bis heute habe ich keine Zeile Karl May gelesen und bin sehr zufrieden damit. Denn mein Held kam nicht aus Ostdeutschland und fabulierte \u00fcber einen Westen, den er nie gesehen hatte. Nein, mich faszinierte Jules Verne. Der schrieb zwar auch \u00fcber Dinge, die er nie gesehen hatte \u2013 aber schlichtweg, weil es die zu seiner Zeit nicht gab oder unerreichbar waren. Und wie langweilig schienen die Cowboy und Indianer-Geschichten gegen die <a title=\"Die Kinder des Kapit\u00e4n Grant, Band 1 (Splitter)\" href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=892\" target=\"_blank\">fantastische Welt, die Jules Verne<\/a> ausbreitete, vom Mittelpunkt der Erde bis zum Mond und durchs Sonnensystem, mit U-Booten durch die Weltmeere und mit Luftschiffen durch den Himmel \u2013 und alles weit weg von jeder reinen Spekulation, sondern so pr\u00e4zise in den damals bekannten naturwissenschaftlichen Spielregeln verankert, dass die Nautilus des Kapit\u00e4n Nemo, das Luftschiff von Robur dem Eroberer und sogar der Mondflug (die Tatsache dass man sp\u00e4ter dann nicht aus Kanonen schoss, sondern Raketen bem\u00fchte, und die Kapsel nicht unbedingt eingerichtet war wie ein viktorianisches Wohnzimmer, lassen wir beiseite) vision\u00e4r-realit\u00e4tsgetreu in fast jedem Punkt sp\u00e4ter Wirklichkeit wurden. Zu verdanken hatte Jules Verne seinen Erfolg seinem wachen Geist, seiner mitrei\u00dfenden Erz\u00e4hlkunst \u2013 und einem Mann, der ihm eine Chance gab: der Verleger Pierre Jules Hetzel, der als einziger bereit war, Vernes Erstling F\u00fcnf Wochen im Ballon zu drucken, nachdem zuvor dutzende Verlagsh\u00e4user das Manuskript abgelehnt hatten.<\/p>\n<p>Und genau hier setzt nun dieses geniale Werk von Jean David Morvan (Spirou, Sillage) und Alexandre Nesmo an: denn anstelle einer K\u00fcnstlerbiographie oder einer Comic-Adaption eines Verne-Romans zeichnet Univerne das Bild einer faszinierenden Parallelwelt, in der Jules Verne niemals Schriftsteller werden konnte, weil Hetzel in den politischen Wirren von 1851 auf der Flucht umkommt. Seine utopischen Ideen bringt Verne somit nicht zu Papier, sondern er setzt sie in die Tat um: zusammen mit den f\u00fchrenden Intellektuellen und Wissenschaftlern seiner Zeit baut er Univerne, die Zukunftsstadt, gelegen auf der Insel Lincoln irgendwo im Pazifik. Dort herrschen Freigeisterei, technischer Fortschritt, Gleichberechtigung der Frauen, Sozialismus und sonst noch so einiges, was den politischen M\u00e4chten um Univerne herum ein Dorn im Auge ist. Flugs attackiert die internationale Koalition die Insel, raubt die Erfindungen, um mit ihnen die industrielle Revolution herbeizuf\u00fchren, verhaftet die Bewohner, und auf der Weltausstellung 1900 sind die Errungenschaften des Mannes, der sich Nemo nennt, zu bestaunen. Die junge Journalistin Juliette Henin bekommt am Vorabend der Er\u00f6ffnung die M\u00f6glichkeit, die inhaftierte Fraysse de Viane, Feministin und Ehefrau von Jules Verne\/Nemo, zu interviewen. Dabei steckt ihr Viane eine \u201eDissk\u00e4tte\u201c zu, die entscheidende Informationen \u00fcber Univerne enth\u00e4lt. Auf der Weltausstellung pr\u00e4sentiert dann ein v\u00f6llig durchgeknallter Tesla seine neueste, noch von Verne beauftragte Erfindung: Teslavision, dank dessen die Welt nun Nachrichten zu Hause empfangen kann. Der Eiffelturm aktiviert indes \u00fcber elektrische Entladungen geheimnisvolle Kampfmaschinen, die Juliette angreifen, um an die Diskette zu gelangen. Widerstandsk\u00e4mpfer aus der freien Kommune Montmartre machen sich mit ihr auf die Suche nach einem \u201ePezeh\u201c, um die Diskette lesen zu k\u00f6nnen.\u00a0 Den Cliffhanger jedoch bildet eine kurze Sequenz, in der einige Aliens sich um einen offenbar schwer erkrankten Menschen bem\u00fchen \u2013 vermutlich Nemo \u2013 wobei die Szenerie gegen Ende als der Mond offenbart wird\u2026<\/p>\n<p>Morvan und Nesmo packen Univerne so voll mit Anspielungen auf das Werk des Vision\u00e4rs, dass es eine Freude ist: da pfl\u00fcgen Luftschiffe durch den Himmel, es gibt erste Ans\u00e4tze von Elektronik, Tesla erfindet das Fernsehen, und offenbar ist der Sprung in den Weltraum gelungen. Dazu gesellen sich wundervolle Querverweise auf moderne Propaganda \u2013 die Weltm\u00e4chte verkaufen \u2013 per neuem Medium Fernsehen &#8211; ihre Invasion der Insel, die lediglich die Technik rauben und die unliebsame Ideologie zermalmen soll, als Gegenschlag gegen angebliche, dort konstruierte Massenvernichtungswaffen. Und das kennen wir aus nicht allzu langer Vergangenheit doch bestens, oder? Wer also in jungen Jahren wie ich atemlos die Abenteuer der Verne\u2019schen Helden verfolgt, den erwartet hier ein komplexes, stets faszinierendes Lesevergn\u00fcgen. Und die Karl-May-Fraktion, die kann sich ja auch heranwagen. Band zwei, Big Apple, ist gottlob in Vorbereitung. Insgesamt sollen es drei werden. (hb)<\/p>\n<p>Univerne, Band 1: Paname<br \/>\nText: Jean-David Morvan<br \/>\nBilder: Alexandre Nesmo<br \/>\n48 Seiten in Farbe, Hardcover<br \/>\nSplitter Verlag<br \/>\n13,80 Euro<\/p>\n<p>ISBN: 978-3-86869-519-9<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D1052\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=1052\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Univerne, Band 1 (Splitter) &raquo; Comicleser #Alexandre Nesmo #Jean-David Morvan #Jules Verne #S [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sobald man im Zeitalter vor Harry Potter das lesef\u00e4hige Alter erreicht hatte, ging der \u00fcbliche Griff ins Buchregal zu Karl May. 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