{"id":10217,"date":"2022-02-25T14:23:13","date_gmt":"2022-02-25T12:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=10217"},"modified":"2022-02-25T14:23:13","modified_gmt":"2022-02-25T12:23:13","slug":"contrapaso-splitter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=10217","title":{"rendered":"Contrapaso (Splitter)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"287\" height=\"400\" src=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Contrapaso_WEB.jpg\" alt=\"Contrapaso (Splitter Verlag)\" class=\"wp-image-10218\" srcset=\"http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Contrapaso_WEB.jpg 287w, http:\/\/www.comicleser.de\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/Contrapaso_WEB-215x300.jpg 215w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Madrid 1956: der knorrige alte Falangist (also Sympathisant mit den anf\u00e4nglichen faschistischen Ideen) Emilio Sanz arbeitet als Lokalreporter bei der Zeitung La Capital. Er ist zutiefst systemkritisch und wei\u00df, dass die herrschende Franco-Diktatur gerne mal angebliche Verbrecher hinrichtet, um den Eindruck der sch\u00f6nen neuen Welt nicht zu st\u00f6ren. In die passt es n\u00e4mlich gar nicht, dass seit 1938 eine ganze Serie von <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=5330\" data-type=\"post\" data-id=\"5330\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Frauenmorden<\/a> die Hauptstadt ersch\u00fcttert, die immer wieder unter den Teppich gekehrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die n\u00e4chste Leiche aufgefunden wird, macht er sich mit dem Neuank\u00f6mmling L\u00e9on Lenoir, der aus Frankreich in die Heimat zur\u00fcckgekehrt ist, ans investigative Werk, was ihm der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=6791\" data-type=\"post\" data-id=\"6791\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Polizeiinspektor<\/a> Casado allzu gerne erm\u00f6glicht. Prompt stellt man Ungereimtheiten fest: in den K\u00f6rper der Leiche ist ein Gedicht von Sappho geritzt, und offenbar wurde die Arme lange vor ihrem Tod mit Elektroschocks und einer Lobotomie maltr\u00e4tiert. Die Wohnungsdurchsuchung des Opfers namens Rosa Saura offenbart ein Bild des Grauens: an der Wand steht geschrieben \u201eIch lebe in der H\u00f6lle\u201c, und in den Habseligkeiten finden sich erotische Frauenfotografien, die die F\u00e4hrte in Richtung des Krankenhauses San Carlos und den dort angestellten Krankenschwestern und \u00c4rzten lenkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sanz und Lenoir finden heraus, dass die konkurrierenden \u00c4rzte Dr. Vallejo und Sarobe jeweils zweifelhaften T\u00e4tigkeiten nachgehen: Vallejo experimentierte offenbar in Konzentrationslagern und wollte beweisen, dass Kommunisten minderbemittelte Untermenschen sind, w\u00e4hrend Sarobe eine ungesunde Obsession mit k\u00f6rperlichen Deformierungen pflegt, die er im Zuge von rassenbezogenen Euthanasie-Theorien auslebt, w\u00e4hrend er in einer dubiosen Privatklinik reichen Damen gerne unter Einsatz von Drogen die Depressionen austreibt und auch operativ gegen \u201eVerwirrungen\u201c wie lesbische Vorlieben vorgeht. Der Arzt Bastida schlie\u00dflich, der eine Geburtsklinik betreibt, in der auff\u00e4llig viele Kinder angeblich tot geboren werden und verschwinden, wird alsbald ermordet aufgefunden, nebst seiner Krankenschwester Juana, die seinerzeit auch Rosa ausbildete\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>In einer spektakul\u00e4ren Mischung aus <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=8965\" data-type=\"post\" data-id=\"8965\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Detektivgeschichte<\/a>, Psychothriller und historischem Zeitbild schildert Teresa Valero in dieser Graphic Novel das ganz d\u00fcstere Kapitel, in dem <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9266\" data-type=\"post\" data-id=\"9266\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Spanien<\/a> sage und schreibe von 1936 nach dem anf\u00e4nglich idealistischen Spanischen B\u00fcrgerkrieg (hier verk\u00f6rpert in der Figur des desillusionierten Sanz) bis 1975 unter der Knute des faschistischen Diktators Francisco Franco stand. F\u00fcr \u201eBrot und Gesang\u201c, der an Schildern und Fenstern propagiert wird, bezahlte man mit Repression, Terror und Willk\u00fcr, weshalb die Mordserie nat\u00fcrlich erst einmal totgeschwiegen und umgedeutet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Verwirrte Rassentheorien kommen in den widerw\u00e4rtigen Praktiken der drei \u00c4rzte ebenso zum Tragen wie das schamlose Ausnutzen des eigenen Vorteils: in der Geburtsklinik l\u00e4sst man Kinder von minderj\u00e4hrigen M\u00fcttern verschwinden, um sie reichen Damen zu verkaufen. Mitten in diesem Gemengelange platzt der <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=9537\" data-type=\"post\" data-id=\"9537\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201ehard boiled\u201c<\/a> Journalist und im Grunde auch Detektiv Sanz, der versucht, seine Entt\u00e4uschung mit der Suche nach der Wahrheit zu heilen. Sein ungleicher Sidekick L\u00e9on \u2013 ganz klassisch gibt es hier ruppigen Umgang, aber letztlich doch Akzeptanz von Buddy Sanz \u2013 verk\u00f6rpert selbst das Leitmotiv des Bandes: als Halbwaise, der in Spanien bei seinem Onkel, einem Armeeoffizier, aufwuchs, ist auch er eines der \u201eKinder der Anderen\u201c, um die sich die Verschw\u00f6rung ma\u00dfgeblich rankt, deren Spur bis ins Gef\u00e4ngnis nach Malaga f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Packend, spannend, emp\u00f6rend, zeitgen\u00f6ssisch treffend (sehr am\u00fcsant z.B. die Szene, in der man in einer Tapas-Bar Garnelen isst und die Schalen einfach auf den Boden wirft, wie das Brauch ist, wor\u00fcber Sanz sich massiv beklagt), so kommt diese Episode als Sittenbild aus einer vergessen geglaubten Welt, die aus heutiger Sicht ebenso irreal, aber damit umso bedrohlicher scheint wie das faschistische <a href=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=7102\" data-type=\"post\" data-id=\"7102\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Griechenland<\/a> in \u201eZ\u201c von Constantin Costa-Gavras. Bleibt zu hoffen, dass wir noch mehr von Frau Valero zu sehen und lesen bekommen werden. (hb)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/contrapaso.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.splitter-verlag.de\/contrapaso.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Contrapaso &#8211; Die Kinder der anderen<\/a><br>Text &amp; Bilder: Teresa Valero<br>152 Seiten in Farbe, Hardcover<br>Splitter Verlag<br>19,80 Euro<\/p>\n\n\n\n<p>ISBN: 978-3-96792-173-1<\/p>\n<div class=\"wp_twitter_button\" style=\"float: right; margin-left: 10px;\">\n\t\t\t\t<a href=\"http:\/\/twitter.com\/share?counturl=http%3A%2F%2Fwww.comicleser.de%2F%3Fp%3D10217\" class=\"twitter-share-button\" data-url=\"http:\/\/www.comicleser.de\/?p=10217\" data-count=\"none\" data-via=\"comicleser\" data-lang=\"de\" data-text=\"Contrapaso (Splitter) &raquo; Comicleser #Contrapaso #Die Kinder der anderen #Einzelband #Graphic  [...]\">Tweet<\/a>\n\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Madrid 1956: der knorrige alte Falangist (also Sympathisant mit den anf\u00e4nglichen faschistischen Ideen) Emilio Sanz arbeitet als Lokalreporter bei der Zeitung La Capital. 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